Von der pazifischen Tiefseeschnecke zum Knopf in der Oberpfalz - das Deutsche Knopfmuseum Bärnau

Von der pazifischen Tiefseeschnecke zum Knopf in der Oberpfalz - das Deutsche Knopfmuseum Bärnau

38 Minuten

Beschreibung

vor 3 Jahren

BITTE NICHT ANFASSEN! #10 – Das Deutsche Knopfmuseum Bärnau 


Show Notes 


Heute reisen wir auf dem Rücken eines modischen Accessoires durch
die Zeit: dem Knopf. Seit wann gibt es den? Warum sind Hemden für
Frauen und Männer unterschiedlich geknöpft und wie wird überhaupt
so ein Knopf hergestellt? Antworten auf diese und weitere Fragen
haben wir von Andrea Bäuml erhalten. Sie ist Leiterin des
Deutschen Knopfmuseums in Bärnau, einem kleinen Ort in Bayern
unweit der tschechischen Grenze, der Anfang des 20. Jahrhunderts
Knöpfe in die ganze Welt exportiert hat. Für diese Folge haben
wir uns außerdem die Expertise eines Überraschungsgasts
eingeholt.  


Hilfreiche Links: 


Foto von Museumsleiterin Andrea Bäuml:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220805_151019-scaled.jpg
 


Hier findet ihr ein Foto des erwähnten Knopfpaars:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220805_144458-scaled.jpg
 


Mehr zu Fibeln: https://itv-grabungen.de/magazin/die-fibel  


Verschlüsse an traditionellen asiatischen Gewändern:  


https://ltl-chinesisch.de/chinesische-kleidung/


Zur unterschiedlichen Knöpfung zwischen Frauen und Männern:
http://www.marquise.de/de/themes/linksrechts.shtml 


Zum Podcast Ungeheuer Vernünftig – Rollenspiel und Wissenschaft:
https://vernunftgeheuer.podigee.io/  


Der Link zum Beitrag des Bayerischen Rundfunk:
https://www.ardmediathek.de/video/heimat-der-rekorde/der-groesste-und-kleinste-perlmuttknopf-der-welt/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzdjMmEwMDQ5LTUwNmItNGZhZS05ZDU4LTI4M2U4ZDZiNmZiOA 


Infos zum Museum:  


Deutsches Knopfmuseum 


Tachauer Str. 2 


95671 Bärnau 


https://www.deutsches-knopfmuseum.de/


über BITTE NICHT ANFASSEN!:  


Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 


Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an
kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und
alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast. 


Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht. 


Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen. 


BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr. 


Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting
etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/


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Kontakt: 
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
 
E-Mail: info[at]escucha.de  


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Podcast-Credits:   


Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth
https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin)
https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann
(Musik)  


Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 


Transkript: 


(Teaserton) Andrea Bäuml 


Nach dem Beitrag kamen unheimlich viele Paketlieferungen und
Anrufe und Leute, die was spenden wollten und wissen wollten, wo
sie es hinschicken sollen. Also das war schon so ein richtiger
Katalysator. Es hat die Leute richtig motiviert. 


Intro 


Lukas 


Ja Hallo an euch alle da draußen und Hallo lieber Ralph zu
dieser, ich würde sagen, ersten Jubiläums Folge von BITTE NICHT
ANFASSEN, denn wir sind bei Folge Nummer Zehn angelangt. 


Ralph 


Ja endlich im zweistelligen Bereich. Hallo Lukas, auch von mir.
Hallo an alle da draußen. Es ist ja so, dass ich heute wieder
dran bin. 


Lukas 


Genau in der vergangenen Folge waren wir im Ziegelmuseum in Mainz
und haben uns da mit der Geschichte von Ziegelsteinen und
römischen Legionären und Keilschrift auseinandergesetzt. Und du
hast ja schon angekündigt, dass es auch in dieser Folge wieder um
ein besonderes Objekt geht, also um ein Museum, das sich um ein
besonderes Objekt dreht. Und wenn ich mich richtig erinnere, geht
es wieder in unsere bayerische Heimat Bayern. 


Ralph 


Richtig! Ja, es geht hier nach Bayern, in die Grenzregion, mal
wieder. Ich leg diesmal auch direkt mit einem Ton los, den ich
dir und allen da draußen präsentieren möchte, weil ich glaube,
der wirft uns so richtig ins Thema rein. Und kurz zum Kontext
dieses Tons, den wir gleich hören werden. Es ist so: Ich war eben
in diesem Museum und habe da die Museumsleiterin getroffen. 


Die hat mich durch die Ausstellung geführt und zwischen den
Ausstellungsräumen, also sozusagen im Gang, könnte man sagen, da
standen zwei Schaufensterpuppen und die hatten was sehr
Ungewöhnliches an sich. Und was das war, das hören wir
jetzt. 


Andrea Bäuml 


Und hier, das ist das Bärnauer Knopfpaar: ein Damenkleid und ein
Herrenanzug aus insgesamt 18.500 Knöpfen und mir ist erzählt
worden, dass zwei Bärnauer Frauen an den beiden Kleidungsstücken
sechs Wochen genäht haben. Und wer schon mal einen Knopf angenäht
hat, weiß, wie wenig schön diese Tätigkeit ist. Und ich stell mir
das immer als totale Folter vor, auch 18.500 Knöpfe annähen zu
müssen. 


Viele Besucher fragen immer, ist es fürs Museum gemacht worden?
Nein. Wir hatten in Bärnau früher eine Knopffachschule und
während dieser Zeit gab es in Bärnau auch die IKNOFA, die
Internationale Knopfausstellung. Und für diese Internationale
Knopfausstellung ist die Kleidung hergestellt worden. 


Lukas 


Wow. Okay. Ja, ich verstehe, was du damit meinst. Wenn du sagst,
dass wir direkt ins Thema reingezogen werden. Also, erstens wäre
ich gerne auf die Internationale Knopfausstellung in Bärnau
gegangen. Stell ich mir ziemlich witzig vor. Und zweitens, ich
kann mir vorstellen, worum es in deinem Museum geht, lieber
Ralph, denn ich glaube, wenn ich mir die O-Töne so anhöre, es
geht um Knöpfe. 


Ralph 


Ja, es geht um Knöpfe. Ja, und warum diese internationale Messe,
die IKNOFA in Bärnau stattgefunden hat, das hat ja die Frau.
Bäuml, die du näher kennenlernen wirst, die hat ja erzählt, dass
das Museum in Bärnau ist. Warum das alles in Bärnau stattgefunden
hat und damit Bärnau auch zur kleinsten Messestadt der Welt wurde
darum wird sich die heutige Folge drehen. 


Lukas 


Fantastisch! Das hört sich sehr spannend. Vielleicht kannst du
mal kurz erklären, wo ist denn Bärnau genau? 


Ralph 


Ja, also Bärnau liegt in Bayern, wie du schon richtig erkannt
hattest, und zwar in Ostbayern bzw. in der Oberpfalz, sehr nah an
der tschechischen Grenze. Da sind es nur drei Kilometer hin und
Bärnau ist ein relativ kleiner Ort. Also die haben nur 3.000
Einwohner und da führt halt so eine, so eine Hauptstraße durch
den Ort. Entlang dieser Hauptstraße sind eigentlich die ganzen
Häuser und da ist eben auch dieses Knopfmuseum. 


Also man fährt so um die Kurve herum und da erstreckt sich dann
dieses weiße Gebäude mit dem Namen Knopfmuseum. Bei dem Knopf
Museum, da handelt es sich um ein ehemaliges Kommun-Brauhaus. Das
heißt, in der Vergangenheit wurde das genutzt, um Bier zu brauen
für die Gemeinde. Ich finde das kommunale Baurecht, das wäre
schon wieder ein Thema für eine eigene Folge. 


Da gibt es bestimmt auch ein Museum drüber. Das heißt, das
vertiefen wir heute nicht, sondern wir bleiben beim Knopf. Und
das Knopf Museum, das gibt es seit 1975, ist entstanden aus einer
Sammlung eines Knopfherstellers aus der näheren Umgebung. Und das
Museum war anfangs eigentlich ganz woanders beheimatet. Das war
in der Bahnhofsstraße in einem Gebäude, ist dann in die
Knopffachschule umgezogen und seit 1998 ist es eben im
Kommun-Brauhaus. 


Du hast ja gerade eben schon die Leiterin des Museums
kennengelernt, Andrea Bäuml. Sie hat auch einen persönlichen
Anknöpfungspunkt, sozusagen. Das soll sie dir mal erzählen. 


Andrea Bäuml 


Also der Knopf ist eigentlich schon immer Teil meines Lebens.
Meine Oma hat schon Heimarbeit gemacht. Heimarbeit heißt, sie hat
Knöpfe in der Fabrik geholt, hat die zum Beispiel auf Karten
aufnähen müssen oder sortieren müssen. Da haben wir als Kinder
schon mithelfen dürfen. Wir haben für die Oma Schachteln gemacht.
Dann wurden die Karten, die genäht wurden, in die Schachteln
gepackt und wir durften dann wieder in die Fabrik mitgehen. 


Und dass ich in der Fabrik gelandet bin, war eigentlich Zufall.
Ich war fertig mit meiner Ausbildung und dann suchte ich eine
Arbeit. Und ja, es hat sich so ergeben und es war total
interessant. Es war wirklich eine Zeit, die ich nicht missen
möchte und irgendwie bin ich immer an dem Knopf hängen geblieben.
Ich komme da irgendwie nicht los von. 


Ralph 


Ja, Andrea Bäuml hat während ihrer Arbeit auch die verschiedenen
Abteilungen einer Fabrik durchlaufen. Sie war dann im Verkauf
tätig für England und Irland, also für den Export und ja, sie
kennt sich also wirklich sehr gut aus. 


Lukas 


Aber wie muss man sich denn so eine Fabrik vorstellen? Also ich,
ich tu mich einfach schwer, so eine Faszination für Knöpfe zu
verstehen, weil für mich ist ein Knopf halt irgendwie ein total
alltägliches Objekt. Es ist ein Ding, was man braucht, um
irgendwelche Kleidungsstücke geschlossen zu halten, jetzt im
klassischen Sinne. Und dass es da so verschiedene Designs gibt,
verschiedene Exportländer, wo man da hin exportiert und so ist es
ja irgendwie schon ziemlich – Ja, also finde ich irgendwie sehr,
sehr, sehr spannend, aber gleichzeitig für mich schwer
nachzuvollziehen. 


Ralph 


Na ja, ein Knopf ist ja eine Massenware, könnte man sagen. Also
wenn du jetzt ein Hemd hast, da hast du ja allein schon am Hemd,
weiß ich gar nicht, mehrere zehn Knöpfe oder so dran. Das heißt,
Sie müssen ja wirklich in großen Mengen hergestellt werden. Und
natürlich durch heutige moderne Maschinen gibt es da
Möglichkeiten und um diese Verfahren möglichst effizient zu
gestalten, da gibt es eben ganze Fabriken, aber angefangen hat
das eigentlich ja mit, mit den Händen sozusagen. Also es ist
schon jetzt in die Vergangenheit, wo Bärnau sich als Knopf Stadt
etabliert hat und dazu kann Frau Bäuml auch mal mehr
erzählen. 


Andrea Bäuml 


Seit 1893 werden in Bärnau Knöpfe hergestellt. Das ging auf die
Initiative eines gewissen Johann Müller aus Osterlitz zurück. Der
hat in Wien das Perlmutt Drechsel-Handwerk gelernt, kam dann nach
Bärnau und hat hier in Bärnau seine erste Fabrik gegründet. Und
die Geschäfte liefen im Laufe der Jahre so gut, dass immer mehr
Werkzeugmacher sich selbstständig machten und eine eigene Fabrik
gründeten. Und wir hatten in Bärnau schon weit über 40 Fabriken.
Bärnau heißt auch nach wie vor Knopfstadt, also Knopfstadt
Bärnau. 


Lukas 


40 Knopf Fabriken in einem Ort mit 3.000 Einwohnern. Weißt du an
was mich das erinnert? 


Lukas 


Das erinnert mich an die Folge mit den Peitschenherstellern, weil
da war es ja in Killer auch so, dass zur Hochzeit mehr als die
Hälfte der Menschen, die da gearbeitet haben im Peitschen Macher
Handwerk waren. Verrückt und in Bärnau sind es die Knöpfe. 


Ralph 


Ja. Weißt du, woran mich das erinnert hat? An Neroth und das
Mausefallenmuseum. Ist wirklich spannend zu sehen, dass früher
halt so bestimmte Handwerkszweige oder Wirtschaftszweige
eigentlich ein Arbeitgeber für eine Ortschaft war. Wahnsinn,
oder? 


Lukas 


Und dass das ganze irgendwie trotzdem mit einem Menschen zu tun
hat oder irgendwie mit so einem Initiativevent in der
Vergangenheit. Das kann sein, dass irgendjemand dahingezogen ist
oder dass sich irgendjemand da angesiedelt hat. Aber das ist dann
echt so entstanden und meistens ist es echt im 18. Jahrhundert,
wo so die Beginne waren und dann 19. Jahrhundert, wo es dann so
richtig abgeht. 


Also das ist jetzt so die Observation, die ich irgendwie hatte
und so 19. Jahrhundert scheint wirklich irgendwie so die Zeit
gewesen zu sein für so kleine Ortschaften, wo so ein Übergang war
zwischen es sind Manufakturen, die aber trotzdem schon Massenware
herstellen. Aber jetzt nicht im globalisierten riesen Bereich.
Aber wirklich die Hidden Champions, die in irgendeinem Kaff
irgendwo in Deutschland oder darüber hinaus sitzen und dann
gefühlt für die halbe Welt so Sachen produzieren ist total
interessant. 


Jetzt habe ich aber noch eine Rückfrage. Vielleicht eine blöde
Frage, aber was ist denn Perlmutt noch mal? 


Ralph 


Da komme ich später dazu. Gut, dass du fragst. Diese Betriebe,
die Frau Bäuml angesprochen hat und diese Fabriken, das darfst du
dir natürlich nicht so vorstellen wie heutige Fabriken, sondern
das war im Endeffekt zu Hause, dass da die Leute Knöpfe
hergestellt haben. Das hat sich dann erst später gewandelt. Heute
ist die Lage in Bärnau so, dass es nur noch fünf Betriebe
gibt. 


Lukas 


Aber es gibt sie noch. 


Ralph 


Die gibt es noch. Und die exportieren auch in die ganze Welt,
außer nach Asien, weil die stellen halt selbst sehr günstige
Knöpfe her. Und im Knopfmuseum, da kann man sich eben
verschiedenste Arten von Knöpfen angucken. Man kann sich auch die
Maschinen angucken, die die verwendet haben und noch einiges
mehr. Wie eben am Anfang schon dieses kuriose Knopfpaar. 


Ich würde aber sagen, ich fange einfach mal am besten damit an,
über die Knopfarten oder die Geschichte des Knopfes mal was zu
erzählen.  


Lukas 


Gerne. 


Ralph 


Im Kopfmuseum gibt es 26 Arten von Knöpfen. Der älteste Knopf,
der ausgestellt ist, ist eigentlich kein Knopf, sondern ist eine
Fibel, sagt dir das was? 


Lukas 


Ja tatsächlich. Eine Fibel ist was man vor allem in der Antike
benutzt hat, um zum Beispiel eine Tunika zusammenzuhalten, also
das ist quasi wie so eine Art, man könnte sagen, so ein Vorgänger
von der Sicherheitsnadel. 


Ralph 


Richtig. Und dass das Stück, das die ausgestellt haben, das
stammt aus dem ersten Jahrhundert vor Christus und ist keltisch
und aus Bronze. Und eigentlich gab es schon davor so, weil die
Fibel ist ja selbst kein Knopf, sondern eine Sicherheitsnadel
Nadel, es gab dann auch schon früher Vorläufer von Nadeln oder
Dingern, die Kleidung zusammen gehalten haben. Es ist ein
bisschen schwierig zu sagen, wann das losging, weil das eben
Definitionssache ist. 


Wenn man jetzt wirklich damit anfängt zu sagen, okay, wann wurden
eigentlich die ersten Kleidungsstücke zusammengehalten? Dann geht
es zurück bis in die Steinzeit, wo man Stücke aus Holz oder
Knochen gefunden hat, die aber eher wie Nadeln waren. Also man
hat die halt durch die Kleidung durchgesteckt und dann hat die
die Kleidung zusammengehalten. In der Antike wurden dann
hauptsächlich Fibeln verwendet zum Zusammenhalten der
Kleidung. 


Das ist auch noch mal interessant, weil es ja in der Grabkultur
so war, dass man Leute besonders angekleidet hat oder denen auch
Grabbeigaben mitgegeben hat, wenn sie bestattet worden sind. Und
da gab es wirklich so Regel Formen, wie viele Fibeln die Leute
getragen haben und auch wo die die getragen haben. Und jetzt in
der Archäologie hilft es halt den Leuten dann auch festzustellen
War das jetzt eine weibliche Person, war es eine männliche Person
und welchen Status hat die? 


Lukas 


Und wann ist der Übergang zwischen Fibel und Knopf? 


Ralph 


Ja, das dauert. Das dauert noch Hunderte von Jahren. Es ist so,
dass wir zwar auch schon Nachweise von bronzenen Knöpfen in der
Zeit haben, aber es gibt eben noch nicht dieses Knopfloch. Also
es ist natürlich die Frage, ist es dann schon ein Knopf oder
nicht? Es war so, dass dann die Knöpfe eher durch Schlaufen oder
durch Ösen verschlossen wurden. 


Das kennt man vielleicht heutzutage auch noch von so
traditionellen asiatischen Trachten. Vielleicht kennt das der
eine oder andere. Das sind dann keine richtigen Knöpfe, die an so
einem und so Westen dran sind, sondern das sind eigentlich so
Knoten, die dann durch Schlaufen festgehalten werden.  


Mich hat natürlich auch interessiert, woher das Wort Knopf kommt,
ob man da irgendwelche Rückschlüsse daraus ziehen kann. 


Und ursprünglich ist die Bedeutung von Knopf, Knospe, also so was
rundliches oder auch Knorren, wie man das von Ästen kennt oder
auch Knoten oder Klumpen also liegt es nahe, dass aus diesen
richtigen Knoten halt die aus, aus, aus Stielen gefertigt worden
sind, dann letzten Endes die Knöpfe geworden sind. Und noch bis
zum 13. Jahrhundert sind Knöpfe sehr ungewöhnlich. 


Sie tauchen zwar immer mal wieder vereinzelt auf und
wahrscheinlich sind es dann die Kreuzfahrer, die Knöpfe aus dem
Orient nach Europa bringen. Dort gewinnen sie dann an
Verbreitung, weil sich auch die Mode ändert. Die Kleidung wird in
dieser Zeit nämlich enganliegend. Da helfen natürlich Knöpfe ganz
gut. Und dann ist es so – Ach, da bin ich mir nicht ganz sicher –
Ich habe das jetzt öfter nachgelesen bei meiner Recherche, aber
hundertprozentig kann ich es nicht sagen, dass das Knopfloch auch
in Deutschland erfunden wurde und dann mit dem Knopf kombiniert
worden ist. Und das war eben im 13, 14 Jahrhundert. 


Lukas 


Also quasi in dem heutigen geografischen Deutschland, weil
Deutschland als Land, als Nation, als im 13. Jahrhundert ja nicht
gegeben, da befinden wir uns ja im Heiligen Römischen Reich
Deutscher Nation, also quasi dem losen Verbund von Territorien,
also Fürstentümern, Grafschaften. Und so weiter. Das ist ja alles
zersplittert gewesen. Nur noch mal Ich finde, da muss man immer
präzise sein. 


Ralph 


Ja, hast absolut recht. Ja, danke für die Ergänzung. Und dann
waren die halt sehr verbreitet im 14. Jahrhundert, im 15.
Jahrhundert auch. Aber dann ging es wieder zurück und im 16
Jahrhundert kam es dann zu einem regelrechten Knopf Boom, der
eben bis heute anhält. Also heute sind Knöpfe, was total
Selbstverständliches, gerade in der Männermode der höheren
Bevölkerungsschichten gewann der Knopf damals an
Popularität. 


Da kann aber Frau Bäuml auch noch mal was zu erzählen. 


Andrea Bäuml 


Am Hof vom Sonnenkönig Ludwig dem 14.. Also da wurden Knöpfe aus
Edelsteinen und was man sich nur vorstellen kann, getragen in
einer wahnsinnigen Vielfalt und damals war ja auch der Knopf ein
Statussymbol. Also nicht jeder durfte jeden Knopf tragen, da gab
es auch strenge Vorschriften und man konnte anhand der Knöpfe
sehen, in welche Schicht die Person, die dieses Kleidungsstück
getragen hat, in welche Schicht die gehört hat. 


Lukas 


Kurz Fun Fact zu Ludwig dem 14. Weil du gesagt hast, dass Knöpfe
erst die Männermode definiert haben, bevor sie dann quasi unisex
wurden.  


Ralph 


Ja, das hat noch ziemlich lange gedauert. 


Lukas 


Okay, wusstest du, dass es bei Absatzschuhen dasselbe ist, dass
Absätze auch ursprünglich nur von Männern getragen wurden? Ich
glaube auch das hat mit dem französischen Absolutismus zu
tun. 


Ralph 


Nee, wusste ich nicht. 


Lukas 


Also, dass Männer ursprünglich hohe Absätze getragen haben und
nicht Frauen, finde ich interessant. 


Ralph 


Wahrscheinlich auch zu Machtdemonstrationszwecken, einfach um
höher zu sein, sich vielleicht nicht eingeschüchtert zu fühlen,
wenn man irgendwie zu klein ist als Mann. Was diese Regeln
betrifft, die Frau Bäuml angesprochen hat, da war es tatsächlich
so, dass sich auch die Rechtsprechung damit beschäftigt hat. Also
es gab da als Beispiel jetzt Nürnberger Gesetzgeber, die wollten
da also mit einem Erlass Einhalt gebieten, dass Leute halt nicht
einfach unendlich viele Knöpfe und Knöpfe tragen dürfen. 


Diese Meinungen dazu, was, was man darf mit Knöpfen und was nicht
das hat sich bis ins 17. Jahrhundert gehalten. 


Lukas 


Also das heißt, da haben dann Leute einfach gefühlt, weil sie die
Kohle hatten, gefühlt 15.000 goldene Knöpfe an ihre Jacken und
Gewänder dran genäht, um das als Statussymbol zu zementieren. Und
dann hat irgendwann in Nürnberg, dann irgendein Ratsherr dann
gesagt oder gab es da irgendein Erlass oder wie dransteht: Nö,
maximal 100 Knöpfe am Gewande, nicht mehr? 


Ralph 


Ja, so in etwa. Also es war tatsächlich so, dass dem Bürgertum
quasi verweigert wurde, es sich da so prachtvoll zu kleiden, das
sei quasi dem Adel vorbehalten. 


Lukas 


Alles klar. 


Ralph 


Und dann mit der Entwicklung der eigenständigen bäuerlichen
Trachten im 18. und 19. Jahrhundert gab es dann eben noch mal so
einen Boom mit Knöpfen. Da gab es dann ganz spezifische Knöpfe,
sogenannte Scheibenknöpfe, das sind Metallknöpfe mit Ösen
hintendran, die auch sehr groß sind, wo dann Bauern sich da eben
auch besonders präsentieren konnten, mit und ungefähr in dieser
Zeit gab es dann eben auch in im militärischen Bereich Knöpfe,
also bei Uniformen sehr viele Knöpfe. 


Hat dann auch eine eigene Gattung an Knöpfen bekommen. Und
gleichzeitig gab es aber wieder so ein Revival auf die alte Zeit,
wo Haken und Ösen zu finden waren, weil man damit ja die Kleidung
eigentlich fast noch enganliegender machen kann. Und im 19.
Jahrhundert gab es dann so maschinelle Serienfertigung von
Knöpfen, und da begann dann das sogenannte Golden Age of
Buttons. 


Und wo wir vorhin schon bei Regeln waren: Es ist ja so,
heutzutage, dass Männerhemden und Frauenhemden unterschiedliche
Knöpfe haben. Ich weiß nicht, ob dir das schon mal aufgefallen
ist. 


Lukas 


Das eine Seite der Hemden Bluse wenn was rechts geknöpft ist, ist
es ein Männerhemd, wenn was links geknöpft ist, ist es eine
Frauenbluse. 


Ralph 


Genau. Und weißt du auch, warum das so ist? 


Lukas 


Nein, aber das würde mich jetzt wirklich interessieren. 


Ralph 


Ja, also, vielleicht fangen wir mal mit Knöpfen der Männer an,
warum ist das überhaupt rechts? Die These, die am weitesten
verbreitet ist, ist die, dass das ja aus einer Zeit kommt, als
Männer noch ein Schwert oder einen Degen links getragen haben. Es
waren ja oftmals Rechtshänder und wenn die dann mit der rechten
Hand ihr Schwert gezogen haben, dann hätte es sich eventuell in
der Links Knöpfung verfangen und deswegen, um das zu vermeiden,
gibt es die rechts Knöpfung. 


Ralph 


Und jetzt bezogen auf den Mantel, wo es ja auch die Rechts
Knöpfung gibt, da wird angenommen, dass das mehr Gründe hat, also
dass die Leute, die wie Napoleon oder so, dass die dann ihre
Schwerthand zum Aufwärmen in den Mantel stecken konnten. 


Lukas 


Ah ah okay. Er gibt jetzt also wäre zumindest irgendwie logisch.
Ja, aber warum hat man es dann nicht einheitlich gemacht bei
Frauen? 


Ralph 


Ja, hierzu gibt es ganz verschiedene Theorien, die auch echt sehr
unterschiedlich sind. Also eine Theorie zum Beispiel, dass Frauen
ihre Knöpfe nicht selbst durchs Loch geführt haben, sondern dass
es Zofen gemacht haben. Dann musste es ja spiegelverkehrt sein,
damit sie das auch mit der rechten Hand und so weiter durchführen
können. Ich habe aber auch gelesen, dass Frauen ihre Kinder auf
dem linken Arm hielten und es praktischer war, wenn sie mit der
rechten Hand knöpfen konnten, um beispielsweise zu stillen oder
so. 


Lukas 


Würde auch Sinn ergeben. Ja, aber halt davon ausgehend, dass
natürlich die Mehrheit der Menschen Rechtshänder sind bzw.
Linkshändertum ja lange Zeit als minderwertig sogar angesehen
wurde. Also von daher klar. 


Ralph 


Diese Zofen-Theorie, die ist aber eher unwahrscheinlich, weil
diese regelmäßige Knöpfung ja erst ab dem 18. Jahrhundert
auftritt und da so viele Frauen jetzt auch nicht mehr Zofen
hatten. Es gibt aber auch eine These, die besagt, dass man Knöpfe
bei Frauen extra auf die andere Seite genäht hat, um der Frau
ihre Minderwertigkeit vor Augen zu führen. Und dann müsste sie
halt mit der minderwertigen Hand immer knöpfen. 


Ja, und dann gibt es noch eine andere These, die besagt, dass
sich im späten 19. Jahrhundert Frauen ja sehr um Emanzipation
bemüht haben und dass sie auch dadurch taten, dass sie die
Frauenkleidung an Männerkleidung angeglichen haben. Und das man
eben dann die Knöpfe auf die andere Seite legt hat dann ein
Unterscheidungsmerkmal hervorgebracht und gleichzeitig
verhindert, dass Frauen wirklich Männerkleidung getragen haben,
was damals ja auch als sehr anrüchig gegolten hat. 


Lukas 


Okay, also dass man quasi sagen kann: Hey, wir tragen jetzt auch
Männerhemden oder -Hosen oder was auch immer. Aber damit wir
nicht exakt Männerhemden tragen, können wir sagen, dass wir es
andersrum knöpfen. 


Ralph 


Genau. 


Lukas 


Ja, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allen. Wahrscheinlich
hat jede Theorie irgendwas Wahres. Bei solchen Geschichten gibt
es ja selten ein auslösendes Ereignis, sondern das ist dann halt
irgendwas, was vielleicht auch parallel zur selben Zeit an
verschiedenen Orten entsteht und sich dann irgendwie durch die
Tradition weiter tradiert und dann bis heute halt seine
Gültigkeit hat. 


Ralph 


Wir waren ja jetzt quasi schon im 19. Jahrhundert, im späten 19.
Jahrhundert, wo dann erst diese regelmäßige Knöpfung aufkam. Ende
des 19. Jahrhunderts, wenn du dich erinnerst, ging es ja auch
erst los mit der Knopf Industrie in Bärnau und ich schlag jetzt
mal wieder dadurch eine Brücke zum Museum. Da ist es nämlich so,
dass sich diese Knopf Industrie auf ein bestimmtes Material
spezialisiert hat. 


Ralph 


Und das hast du ja ganz am Anfang auch schon rausgehört,
nämlich? 


Lukas 


Perlmutt.  


Ralph 


Genau. Und wie das mit dem Perlmutt funktioniert hat in Bärnau,
das kann die Frau Bäuml sagen. 


Andrea Bäuml 


Ja, es ist wirklich ungewöhnlich, dass ausgerechnet hier in
Bärnau, wo es eigentlich nur die Waldnaab gibt, dass trotzdem
hier Perlmutt Knöpfe verarbeitet wurden. Aber die Bärnauer
kauften halt die Muscheln, die wurden halt per Schiff zu den
Häfen transportiert, dann per Bahn hierher und dann sind die hier
weiterverarbeitet worden. Trotz der vielen Unkosten, der
Transport hat ja auch was gekostet und das Rohmaterial an sich
war ja auch ein Kostenfaktor, hat sich aber trotzdem die
Produktion gelohnt und auch der Verkauf der Knöpfe, dass einfach
das Geschäft wirklich gut lief. 


Lukas 


Okay, das heißt, Frau Bäuml hat jetzt gerade erklärt, was
Perlmutt ist und damit ja meine Frage beantwortet, als es sind
Muscheln. 


Ralph 


Aber nicht nur tatsächlich, also es kann auch von Schnecken
kommen. 


Lukas 


Ah, okay. 


Ralph 


Und ich bin ja jetzt auch kein Experte darin und ich fand das
aber auch interessant. Perlmutt, das hat man schon öfter gehört
und man hat so eine vage Vorstellung davon. Ich dachte auch, dass
es nur von Muscheln kommt. Ich habe dann aber jemanden gefunden,
den ich da genauer befragen konnte, und zwar Kathrin. Kathrin
kenne ich über den Podcast Ungeheuer Vernünftig, in dem sie
gemeinsam mit Björn über Wissenschaft und Rollenspiel
spricht. 


Und beide haben auch selbst einen Hintergrund in Wissenschaft,
und zwar in Sprachwissenschaften und Naturwissenschaften. Und bei
Kathrin ist es so, dass sie Biologie studiert hat. Und von ihr
wollte ich wissen, was denn Perlmutt eigentlich so genau ist. Und
das erzählt sie uns jetzt. 


Kathrin 


Das ist ein Verbundsmaterial, also quasi nur eine Stoffmischung
in einer ganz bestimmten Anordnung. Ja, etwa 95 % davon sind
anorganisch. Die feste Knochensubstanz besteht aus
Calciumkarbonat. Und was aber das Perlmutt ganz besonders macht,
ist dazwischen das organische Material. Und zwar sind das
bestimmte Eiweiße, also Proteine. Und Perlmutt ist eine ganz
besondere Anordnung von diesen beiden Stoffen. 


Also wenn wir jetzt die Proteine zusammenfassen und das
anorganische Material Kalziumkarbonat, die sind so ähnlich, also,
wenn man das vergleicht, angeordnet wie so eine Mauer, also so
eine Backsteinmauer, wenn man sich das vorstellt, dann sind die
Steine quasi die die anorganischen Strukturen und dazwischen, in
den Fugen verklebt, ist das Ganze mit dem organischen
Material. 


Lukas 


Ich glaube so genau sind wir jetzt noch nie auf die chemische
Beschaffenheit von irgendwelchen Museumsobjekten eingegangen.
Aber sehr interessant, wusste ich auch nicht. 


Ralph 


Diese Backsteinstruktur trägt dazu bei, dass es so fest ist und
dass es halt ordentlich was aushält. Dieses Material; hätte man
jetzt quasi nur dieses Calciumkarbonat, also das ist ja so was
wie Kalk. Dann wäre das Ganze halt sehr brüchig und auch anfällig
für Wasser. Das würde dann halt weich werden. 


Lukas 


Übrigens. Also das fällt mir gerade ganz spontan ein. Ich habe
sogar ein Objekt, von dem ich weiß, dass es sicher aus Perlmutt
ist und sogar mehrere Perlmuttelemente enthält. Und es ist kein
Knopf, sondern meine Gitarre. Also eine meiner Gitarren, die hat
Perlmuttwirbel, bin ich mir relativ sicher, dass, doch das ist
Perlmutt. Also die Teile, die du brauchst, um die Saiten zu
stimmen, die sind aus Perlmutt gemacht und die Inlays, also quasi
die diese Streifen zwischen den einzelnen Bünden am Griffbrett
drinnen sind, die sind auch aus Perlmutt. 


Ralph 


Ja, ich habe ja auch eine Gitarre, da kenne ich das auch daher.
Und das Besondere daran ist ja, dass das ja so schön schimmert,
also in so Regenbogenfarben quasi. Und wie es dazu kommt, weil
das ist nämlich ein bestimmter Effekt, das kann Kathrin auch mal
erklären. 


Kathrin 


Diese Regenbogen Eindrücke und dieses Schillern was entsteht, das
sind sogenannte Strukturfarben, die wir da haben. Also es sind
keine Pigmente die eingelagert sind, wobei natürlich auch in
einer Muschelschale Pigmente eingelagert sein können, aber die
machen nicht diesen Effekt, sondern die Strukturfarben. Die
erklären wir über Partikel, die eine ganz bestimmte Größe haben,
die der Wellenlänge von bestimmten Lichtwellen, die im sichtbaren
Bereich liegen, entspricht. 


Also das ist ein physikalischer Effekt. Diese haben dann genau
die Größe, dass sie an eine bestimmte Wellenlänge des sichtbaren
Lichts herausfiltern und auch streuen. Und dann kommt es zu einer
Überlagerung von diesen Lichtwellen übereinander, sodass dann
quasi Teile des Lichts gelöscht werden und nur die, die übrig
sind quasi und reflektiert werden, für uns sichtbar sind. 


Lukas 


Also ich sagte, wie ich es verstanden habe, du sagst ob das
stimmt oder nicht. Kathrin meinte das, dass Perlmutt per se
eigentlich gar nicht diese ganzen Pigmente drinnen hat, sondern
quasi das Licht nur unterschiedlich reflektiert bzw.
unterschiedlich überlagert. Das heißt das Perlmutt hat eigentlich
gar nicht die Farbe, aber aufgrund der Reflexion denken wir, dass
es die Farbe hat oder nehmen das wahr. 


Ralph 


Ja, richtig. Also, sie hat gesagt, Perlmutt oder eine Muschel
kann Pigmente haben, aber es ist tatsächlich das Licht, das sich
da eben so streut. Auf diese Struktur, das Perlmutt, dass dann
diese Regenbogenfarben entstehen. 


Lukas 


Ah, okay, spannend. 


Ralph 


Und man hat diesen Effekt tatsächlich auch noch woanders in der
Tierwelt nämlich bei Flügeln von Libellen zum Beispiel. 


Kathrin hat gemeint, auch bei Schmetterlingen und bei manchen
Vögeln sogar. Also das heißt, wenn man jetzt quasi nur ein
Partikel daraus nehmen würde und unterm Mikroskop angucken, hat
das eben nicht diese Regenbogenfarben. Und diese
Regenbogenfarben, die sind ja auch der Hauptgrund, warum man
diese Muscheln und Schnecken verwendet hat, um Knöpfe
herzustellen, weil es einfach fancy aussieht. 


Lukas 


Aber wie genau hat man die denn jetzt hergestellt? Also hat man
da dann einfach kiloweise Muscheln und Schnecken importiert und
die in irgendeinen Schneckenreißwolf rein gejagt. Und dann ist am
Ende so eine Masse rausgekommen? Das kann ich mir überhaupt nicht
vorstellen, wie aus einer Schnecke oder aus einer Muschel ein
Knopf wird. 


Ralph 


Die kamen ja eben säckeweise an in Bärnau, diese Muscheln und
Schnecken. Und dann wurden sogenannte Rondelle ausgefräst oder
ausgestanzt, also das heißt so runde Scheibchen aus der Muschel
und unter den Schnecken. Und die wurden dann in einer Drexel Bank
weiter bearbeitet und dann auch letzten Endes so eine, das nennt
man Facon, so eine bestimmte Form gegeben. Zum Beispiel hat man
das ja bei Knöpfen, so dass die verschiedene Ebenen haben, dass
sie so einen Rand manchmal haben, der ein bisschen raussteht oder
sie haben, wenn es zur Mitte hin geht, eine Wölbung oder das
Umgekehrte von der Wölbung eine Einbuchtung, sag ich jetzt mal,
und dann werden noch extra diese Löcher gebohrt. 


Je nach Knopf sind das unterschiedlich viele. Regulär, würde ich
jetzt mal behaupten, haben die meisten Griffe vier Löcher. Es
gibt aber auch welche mit zweien. Und wenn das dann passiert ist,
dann werden die am Schluss noch mal poliert. Und da gibt es ganz
unterschiedliche Methoden dafür. Was ich ganz spannend fand, Man
kann es wie in so eine Trommel, wie eine Tombola reintun,
zusammen mit ganz vielen Leder Schnipseln. 


Und durch diese Drehung und dadurch, dass das Leder die ganze
Zeit drüber reibt über die Knöpfe wird das dann schön
poliert. 


Lukas 


Aber das heißt, ein Perlmutt Knopf ist auch aus einer Muschel.
Das ist nicht irgendwie die Muschel, die sozusagen zerkleinert
wird und in eine Form gepresst wird. Nein, weil dann müssen diese
Muscheln ja also extrem dick sein. So, wenn ich jetzt noch
überleg, welche Muscheln ich kenne und auch welche Schnecken ich
kenne, stell ich es mir wahnsinnig schwer vor, aus der
Weinbergschnecke zum Beispiel den Knopf zu machen, weil klar, das
Material ist vielleicht relativ stark, aber das zerbricht doch
trotzdem. 


Lukas 


Das heißt, das müssen doch dann bestimmte Muscheln und Schnecken
sein, nehme ich mal an. 


Ralph 


Das sind Muscheln und Schnecken, die Perlmutt haben. Also nicht
jede Muschel und nicht jede Schnecke produziert Perlmutt. Diese
Struktur, von der Kathrin erzählt hat und diese Muscheln und
Schnecken, die für die Herstellung in Bärnau genommen worden
sind, stammen aus dem Pazifischen Ozean. Das sind
Unterwasserschneckenhäuser, die da verwendet werden. Und die sind
natürlich massiver als jetzt so eine Weinbergschnecke. 


Ralph 


Und es ist nicht so, dass jetzt aus einer Schnecke nur ein
Rondell, also nur ein Knopf gemacht wird. Und man muss sich das
ein bisschen so vorstellen, wie wenn man Plätzchen backt und
einen Teig hat und dort diese süße Plätzchen Förmchen aussticht.
So haben die Leute in Bärnau eben versucht, möglichst
platzsparend aus den Muscheln auszustechen und eben auch das
meiste rauszuholen. 


Lukas 


Ja, das heißt, Sie haben also Tiefseeschnecken und
Tiefseemuscheln aus dem Pazifischen Ozean in die Oberpfalz
exportiert, damit daraus Knöpfe gemacht werden können? 


Ralph 


Und die haben Sie alle in das Museum gepackt. 


Ja, und diese Herstellungsprozesse und auch diese Rohlinge oder
Überbleibsel, die findet man ja alle noch im Knopf Museum in
Bärnau. Und es ist so, dass es dort sehr, sehr viele Knöpfe gibt,
aber die machen ja nicht Halt dabei zu sagen, wir stellen jetzt
nur aus, was damals in Bärnau hergestellt worden ist, sondern die
bemühen sich auch darum, die Sammlung ständig zu erweitern. 


Ralph 


Die machen das im Endeffekt wie andere Museen auch. Das heißt,
sie kaufen halt neue Objekte oder sie erhalten Spenden. Und das
sind dann oft Spenden von Privatleuten in Form von Blechdosen
oder Zigarrenkisten, in denen sich Knöpfe befinden. Und teilweise
kriegen die das echt in großen Schüben zugesandt. Da kann Frau
Bäuml auch was sagen. 


Andrea Bäuml 


Wir hatten vor kurzem einen Beitrag im BR und nach dem Beitrag
kamen unheimlich viele Pakete, Lieferungen und Anrufe und Leute,
die was spenden wollten und wissen wollten, wo sie es hinschicken
sollen. Also das war schon zu uns ein richtiger Katalysator. Es
hat die Leute richtig motiviert, ihre Knöpfe an uns zu schicken
und da kriege ich immer noch Pakete. 


Ich habe wieder zwei stehen, die sollte ich heute noch mal kurz
sortieren und mal schauen, was da jetzt drin ist. Also es reißt
eigentlich nicht ab. 


Lukas 


Also das heißt, das Fernsehen ist vor Ort und dann auf einmal
werden da Knöpfe zugeschickt. 


Ralph 


Na ja, richtig. Also diese Dokumentation, die habe ich mir auch
angeguckt, ist ganz kurz, kann ich auch in den Shownotes
verlinken. Da geht es darum, dass Bärnau einen Weltrekord hat,
nämlich kleinster und größter Knopf der Welt. 


Lukas 


Aha, okay, ja, was ist denn dann der kleinste Knopf der Welt aus
Bärnau? 


Ralph 


Der kleinste Knopf der Welt. Der misst einen Millimeter. 


Lukas 


Einen Millimeter. 


Ralph 


Der ist einen Millimeter. Und das sind noch zwei Knopflöcher
drin. 


Lukas 


Was hält er zu? 


Ralph 


Der hält aktuell gar nichts zu. Der liegt in der Vitrine drin.
Die Frau Bäuml geht davon aus, dass das für eine Puppe oder so
verwendet worden ist. 


Lukas 


Vielleicht hast du ja auch den kleinsten Knopf der Welt gehabt
und ihn aber versehentlich im Klo runtergespült, weil er dir bei
einem Millimeter gar nicht aufgefallen ist. 


Ralph 


Vielleicht hängt da auch immer noch irgendwo dran und ich sehe
ihn nicht, weil er ja so klein ist. 


Lukas 


Kann auch sein. 


Ralph 


Ist glaube, ich noch mal auf diese Spenden zurück, weil die sind
ja schon wichtig für das Museum, die honorieren das ja sozusagen
auch wenn du spendest. Also die schönsten Spenden, die landen in
einer Vitrine, die sehr klar einsehbar ist in der Ausstellung, da
steht dann dein Name. Und versehen ist es dann auch mit einer
zeitlichen Einordnung, was wann der Knopf stammt. 


Ralph 


Also selbst wenn du jetzt was hinschickst und weißt gar nicht,
woher das ist, haben Andrea Bäumchen und ihre Kolleginnen, die
haben das so Netzwerk an Knopfexperten sozusagen und die ordnen
das dann zeitlich ein. Und durch diese ganzen Spenden, die da
kistenweise Paket bei denen landen, haben die eine unglaubliche
Sammlung, das ist echt krass. Also Frau Bäuml hat mich ja durch
dieses Museum geführt. 


Ich habe gar nicht gesagt, wie groß die Dimensionen sind, aber im
Endeffekt sind es drei Ausstellungsorte, vier Ausstellungsräume
und zweistöckig ist es. Das heißt, man geht einmal so eine Treppe
hoch und im Treppenhaus, da hängt ein Zylinder, ein Glaszylinder
an so Stahlseilen, vielleicht 1,50 groß und vielleicht 50
Zentimeter breit und voller Knöpfe. Und so beiläufig hat dann
Frau Bombe gemeint Ja, das sind so 1 Million Knöpfe drin. 


Ralph 


Und dann habe ich sie gefragt, Ja, wie viel Knöpfe haben Sie denn
insgesamt? Und das kann sie gar nicht so wirklich beantworten.
Sie sagt halt mehrere Millionen und wir waren dann auch in einem
anderen Raum, was in einem von diesen vier Räumen. Und da hat sie
auch gemeint, allein in dem Raum sind schon mehrere Millionen.
Das ist so eine Größe, das kann man sich eigentlich gar nicht
vorstellen. 


Lukas 


Verrückt? Ja. An wen ist denn dieses Museum gerichtet? Wem
würdest du das empfehlen? 


Ralph 


Also, ich hatte wirklich große Freude in diesem Museum und würde
sagen, das richtet sich schon an Familien, aber vornehmlich
kommen natürlich auch ältere Leute dahin, gerade in Reisebussen.
Und es ist so, weil es sich ja in der Grenzregion befindet, sind
die Beschilderungen auch in Tschechisch. Und man muss auch gar
nicht so viel Zeit mitbringen, weil es ja eben nur diese vier
Räume hat. 


Ist man da in ein bis zwei Stunden schon durch. Und wenn es geht,
dann sollte man sich auf jeden Fall eine Führung geben, weil das
macht es noch mal so viel greifbarer. 


Lukas 


Kann ich mir gut vorstellen. Ja, weil ich glaube, sonst ist man
von der schieren Anzahl an Exponaten vielleicht überfordert. Ja,
dann vielen lieben Dank, dass zumindest das Museum, die
Geschichte des Knopfes und auch das Perlmutt vorgestellt hast,
war auf jeden Fall sehr interessant. Es ist sehr viel, aber auch
echt sehr interessant. Habe viel gelernt. 


Ralph 


Wär das Museum denn was für dich? 


Lukas 


Ach ja, ich denke schon. Ich glaube, ich würde jetzt nicht extra
da hinfahren, aber ich glaube, wenn ich da keine Ahnung zum
Beispiel Urlaub machen würde in der Region und es wäre irgendwie
ein regnerischer Tag oder irgendwie so was, könnte ich mir das
schon sehr gut vorstellen, ist mir das mal anzugucken. Ja. 


Ralph 


Da hast du, finde ich, einen wunden Punkt getroffen, weil ich
glaube, das ist so das Manko an diesem Museum, dass es halt
wirklich in der Peripherie liegt. Also wenn das jetzt in einer
größeren Stadt wäre oder besser auch angebunden wäre, dann würden
da wahrscheinlich auch mehr Leute hinkommen. Und es ist ja so bei
diesem Museum, das habe ich jetzt noch gar nicht erwähnt, das hat
ja nicht ganzjährig geöffnet, sondern das hat jetzt noch bis
einschließlich Oktober geöffnet. 


Und dann schließen Andrea Bäuml und ihre Kolleginnen das Museum,
machen Inventur und dann wird es erst wieder im April geöffnet
und dann hat es auch nur von Donnerstag bis Sonntag
geöffnet. 


Lukas 


Alles klar. 


Ralph 


Dann vielen Dank fürs Zuhören. Und ja, ich möchte mich jetzt auch
bei Andrea Bäuml noch mal bedanken, dass sich Zeit genommen hat
und auch bei Kathrin von Ungeheuer Vernünftig. Da verlinken wir
auch den Podcast gerne in den Shownotes. Und magst du denn schon
was über die nächste Folge verraten, Lukas? 


Lukas 


Ja, in der nächsten Folge geht es von der Peripherie in die
Großstadt und geht in den hohen Norden Deutschlands. Es geht
nämlich nach Hamburg. Und da geht es um ein Museum, das sich um
Dinge dreht, die du garantiert. Millionenfach schon zu dir
genommen hast. Und jeder und jede, der die diesen Podcast hört
auch. 


Ralph 


Also es bleibt bei großen Zahlen. 


Lukas 


Es bleibt bei großen. Ja, das stimmt. Und ich glaube also ja, ja
doch, es klappt bei bei großen Zahlen. Und es geht vor allem um
viele Dinge, die alle mit einem E anfangen. Also seid
gespannt. 


Ralph 


Ja gut, dann bis zum nächsten Mal. 


Lukas 


Bis zum nächsten Mal. 


Der Beitrag Das Deutsche Knopfmuseum Bärnau erschien zuerst auf
Escucha.


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