Hier ist alles fake, aber witzig! - das Museum der unerhörten Dinge in Berlin

Hier ist alles fake, aber witzig! - das Museum der unerhörten Dinge in Berlin

Von gefälschten Zeitzeugen, der besonderen Muschel und technologischen Verschwörungen
34 Minuten

Beschreibung

vor 2 Jahren

BITTE NICHT ANFASSEN! #15 – Das Museum der unerhörten Dinge in
Berlin 


Show Notes 


Wart ihr schon einmal im Museum und habt euch gedacht: Was, wenn
die Beschriftung zu dem Objekt einfach erfunden ist? Wenn das
Objekt gar nicht so alt ist wie angegeben und auch nicht zu jener
berühmten Persönlichkeit gehört? Wenn alles nur fake ist? In
dieser Folge hat sich Ralph mit dem Faker Roland Albrecht
getroffen. Ihm gehört das Museum der unerhörten Dinge in Berlin;
eine Sammlung an gewöhnlichen Objekten, zu denen sich der
Künstler außergewöhnliche Geschichten ausdenkt, die auf den
ersten Blick wahr erscheinen, sich aber als Dichtung
herausstellen. Eine Folge über Verschwörungstheorien, Johann
Wolfgang von Goethe und Muscheln aus dem Urlaub.  


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Hilfreiche Links: 


Foto von Museumsbetreiber Roland
Albrecht: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220504_163250-scaled.jpg
 


Tagesschau-Artikel über Birds arent real:
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-verschwoerung-birds-arent-real-101.html  


So sieht die Goetherose aus:
https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220808_214650-scaled.jpg
 


Das Buch zur Ausstellung: 
https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1217-museum-der-unerhoerten-dinge-2.html  


~~~~~~~ 


Infos zum Museum:  


Museum der unerhörten Dinge 


Crellestraße 5-6 


10827 Berlin 


http://www.museumderunerhoertendinge.de/  


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über BITTE NICHT ANFASSEN!:  


Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 


Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an
kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und
alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast. 


Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht. 


Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen. 


BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr. 


Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


 Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob
Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe
dafür:
https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
~~~~~~~ 


 
Kontakt: 
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
 
E-Mail: info[at]escucha.de  


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Wollt ihr uns unterstützen?  


Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei:
https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  


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Podcast-Credits:  
  


Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth
https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin)
https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann
(Musik)  


Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 


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Transkript:


Roland Albrecht


Meistens ich seh etwas und dann habe ich in dem Moment, wo ich
das sehe oder finde, habe ich eine Assoziation. Ja und dann muss
sich das Ding insofern bewähren, dass ich dann auf eine Woche
auch noch die Assoziation habe, damit ich mit dem Ding was
verbinde. Und dann entsteht daraus eine Geschichte.


(Intro)


BITTE NICHT ANFASSEN! Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha.


Ralph


Hallo liebe Hörerinnen und Hörer! Hallo Lukas, es ist wieder so
weit. Bitte nicht anfassen. Neuer Monat, neue Folge.


Lukas


Ja, hallo Ralph und auch von mir noch mal Hallo an alle draußen.


Ralph


Bitte nicht anfassen ist ja der Podcast eures Vertrauens, wenn es
um skurrile kleine Museen geht. Das Konzept ist recht einfach
erklärt. In jeder Folge besucht einer von uns ein Museum und
erzählt dem anderen darüber, wie es war.


Lukas


Genau. Und da sind wir in so ganz verschiedenen kleinen,
skurrilen, alternativen Museen und meistens ist das Spannende
daran nicht nur das Museum, sondern auch die ganzen Geschichten,
die dahinter schlummern. Und ich sage mal so ein bisschen die
Metaebene hinter dem Museum, die wir für euch besuchen. Und jetzt
sind wir schon mittlerweile angelangt bei Folge 15.


Ralph


Ne, Warte mal, ja doch, Du hast recht.


Lukas


15 ist es dann schon.


Ralph


Hast recht, du hast mir auch schon eine gute Steilvorlage gegeben
mit diesen Geschichten, denn ich fang heute mal mit einer
Geschichte an, sagt dir der Name Peter McIndoe was?


Lukas


Noch nie gehört.


Ralph


Also Peter McIndoe ist US-Amerikaner. Er ist Mitte 20 und hat das
College abgebrochen und vor ein paar Jahren, also 2017, war Peter
in Memphis, Tennessee, unterwegs mit Freunden. Als er zufällig
eine Demonstration entdeckt hat.


Lukas


Zufällig von Elvis Anhängern?


Ralph


Ne, Wurzelanhänger. Nee, das war, ähm. Das war im Zusammenhang
mit der Wahl von US Präsident Trump. Und es gab eben eine
Gegendemonstration und dann kam ihm der Einfall: Hey, wir könnten
da jetzt einfach mal mit demonstrieren, Ich bastel mir jetzt mal
ein Schild und schreib da was drauf, was überhaupt nichts mit der
Demonstration zu tun hat. Gesagt, getan, hat halt ein Schild
genommen und hat draufgeschrieben Birds aren’t real. Also Vögel
sind nicht echt. Und dann ist er mit diesem Schild halt
mitmarschiert und wurde dann auch ab und zu von Leuten
angesprochen und gefragt: Was heißt das dann? Was machst du da?
Und dann hat er halt so eine Rolle angenommen und hat gesagt: Ja,
Vögel existieren nicht. Das ist alles Bullshit, was uns da
erzählt wird und hat dann so ein mediales Interesse erweckt, dass
er quasi übers Internet bekannt wurde, über YouTube und andere
Seiten, über Social Media.


Ralph


Dann hat sich echt relativ schnell so eine Bewegung draus
gebildet, nämlich die Birds Aren’t Real Bewegung. Und das Ganze
hat er dann auch nach einer Weile unterfüttert mit Informationen.
Er hat wirklich wie so eine seine Geschichte drumrum gesponnen,
in der es darum geht, dass die US-Regierung von 1959 bis 1971
alle Vögel umgebracht hat und durch Drohnen ersetzt hat, die
aussehen wie echte Vögel und die sich aber auch aufladen, indem
sie sich auf so ein Stromkabel setzen. Und wenn sie auf dem Auto
kacken, dann ist der Vogelschiss eigentlich ein Peilsender, mit
dem dann die Autos getrackt werden. Und die ganze Zeit hat Peter
halt da diese Rolle gespielt und hat dann eben Leute gefunden,
die da mitgemacht haben. Und so ist er dann immer wieder in Shows
eingeladen worden. Es wurde drüber diskutiert und erst im Jahr
2021 hat er dann öffentlich zugegeben: Hey, das Ganze war nur ein
Spaß. Ich wollte einfach mal gucken, wie so eine
Verschwörungstheorie funktioniert. Und die Leute, die ihm gefolgt
sind, die sagen auch: Hey, wir wussten ja die ganze Zeit, das war
eigentlich nur Spaß. So, und warum erzähle ich dir eigentlich
jetzt diese Geschichte? Was hat das mit dem Museum zu tun? Es ist
so, dass diese Geschichte von Peter McIndoe, die hat auch Roland
Albrecht mitbekommen. Roland Albrecht ist der Direktor von dem
Museum, das ich besucht habe. Ich habe es ja in der letzten Folge
schon angekündigt. Ich war ja in Berlin für dieses Museum. Und
diese Geschichte von Peter, die ist bei ihm ja, sagen wir mal,
auf fruchtbaren Boden gefallen. Und da können wir uns mal einen
Ton anhören, nämlich Ton eins.


Roland Albrecht


Ich war mal mit Leuten zusammengesessen, und dann gab es so
Verteilerkasten, da fing ich an, dass ganze Verteilerkasten
hängen alle zusammen. Alle Verteilerkasten sind verkabelt auf der
ganzen Welt miteinander. Ja, wenn genügend viel ein Netzwerk von
Verteilerkasten sind, dann bilden die ja eine eigene Intelligenz
heraus. Und die haben uns schon lang unterworfen. Und die
Verteilerkasten haben die Menschen unterworfen, dahingehend, dass
wir immer mehr Verteilerkasten bauen. Wir sind die Sklaven der
Verteilerkasten, um immer die Reproduktion der Verteilerkasten zu
garantieren. Und das habe ich erzählt, und die waren alle: Was?
Stimmt das wirklich?


Lukas


Hä? Okay. Also, Moment, er hat sich jetzt quasi seine eigene
Verschwörungstheorie ausgedacht, mit den Verteilerkasten. Und das
heißt, es geht heute ums Verschwörungstheorie Museum in Berlin?


Ralph


Nee, das gibt's leider noch nicht. Wäre mal eine gute Idee, finde
ich. Aber es geht im Endeffekt um um Geschichten, ums Ausdenken.
Und Roland Albrecht? Der hat das Ganze ja auch nicht ernst
gemeint, sondern er hat das ja gleich nachdem er es seinen
Freunden erzählt hat, hat er gesagt Hey, war nur Spaß. Ihm gefiel
diese Idee einfach so gut, dass er gesagt hat, ich schreib da
jetzt einen Text dazu.


Und diesen Text, den kann jeder, der mal ein Museum kommt, lesen.
Und das Museum, um das es heute geht, das ist eben nicht das
Verschwörungstheorie Museum, sondern das ist das Museum der
unerhörten Dinge. Das ist jetzt ein Begriff, der klingt relativ
abstrakt, aber das erkläre ich dir Bzw. Roland. Du musst dir das
so vorstellen das Museum der unerhörten Dinge, das liegt in
Berlin Schöneberg. Und zwar zwischen den Hausnummern fünf und
sechs in der Straße. Das hat wirklich jetzt keine eigene
Hausnummer, sondern das liegt dazwischen. Ist ja, find ich, ganz
passend für dieses Museum. Und von außen sieht es recht klein
aus. Also es ist auch sehr klein und ein bisschen wie ein
Atelier. Also man kann durch so ein großes Fenster reingucken und
dann sieht man da weiße Wände, relativ leerer Raum. Aber an
diesen Wänden sind so Regale befestigt und auf diesen Regalen
stehen ganz kleine Gegenstände, Dinge. Und das sind eben die
Ausstellungsstücke von Roland Albrecht, Stücke aus ganz
verschiedenen Materialien. Und eins dieser Stücke, das ist mir
gleich aufgefallen, gleich ins Auge gestochen, nämlich eine Rose,
eine Rose mit zwei Blättern, die aber aussieht, als wäre sie
verrostet. Und darunter steht dann auf dem Text Blatt Goethe
Rose. Also nicht Gürtelrose, sondern Goethe Rose, benannt nach
Johann Wolfgang von Goethe. Und es geht eben darum, wenn man
jetzt diesen Text liest, dass Goethe 1786 seine erste
Italienreise unternimmt, und er reiste unter falschem Namen,
nämlich unter dem Namen Johann Philipp Möller, und verbringt dann
auch Zeit im tschechischen, also im heute tschechischen Karlsbad.
Und ab hier lese ich jetzt mal einen kleinen Ausschnitt der
Beschreibung vor. Hier zitiere ich.


Lukas


Vom Museum oder von was jetzt?


Ralph


Vom Museums Text.


Lukas


Alles klar. Ich habe keine Ahnung, worum es geht.


Ralph


Das klärt sich gleich. Ich fange an zu lesen: Der falsche Name
sollte ihn vor dem allzu schnellen Zugriff seines Herzogs Karl
August schützen, aber auch vor Neugierigen, denn er war mit
seinem Werther in ganz Europa ein berühmter Mann. Unter falschem
Namen aufzutreten, gab ihm zusätzlich ein Gefühl der Freiheit.
Goethe fühlte sich schon eine ganze Weile unwohl in seiner Haut.
Nichts wollte sich entwickeln, nichts gelingen. Die Arbeit für
Herzog Karl August war ihm nach zehn Jahren fad geworden. Die
Beziehung zu Charlotte von Stein entwickelte sich überhaupt
nicht. Es wurde nur komplizierter. Er fühlte sich von ihr
kontrolliert, in seiner Art getadelt. Alles um ihn herum empfand
er als zäh und frisch, dunkel und versteinert, sich selbst als
fixiert, festgezurrt und eng. Er fühlte sich wie die
versteinerten Rosen aus Karlsbad, die es damals wie heute in
diesem mondänen Kurort zu kaufen gibt. Papier Rosen, an denen
sich, nachdem sie zwei Wochen im heißen Karlsbader Mineralwasser
gelegen haben, Sprudel Stein ablagert, der so den Rosen ein
versteinertes, rostiges Aussehen verleiht. Johann Wolfgang von
Goethe nahm als Johann Philipp Möller eine dieser versteinerten
Rosen in seinem Reisegepäck mit. Sie sollten ihn fortan auf
seiner Reise daran erinnern, wie erstarrt er sich in Deutschland
fühlte. Zitatende.


So, das heißt dann weiter. Ich muss jetzt ein bisschen
zusammenfassen, weil das wirklich ein langer Text ist. Es heißt
dann weiter, dass Goethe die Rose einem Gärtner in Palermo
geschenkt hat. Und bis heute wird die Rose im Botanischen Garten
in Palermo ausgestellt unter dem Namen La Rosa piertificata del
Signor Goethe bzw kurz Rosa del Goethe.Und jetzt kommts! Schau
mal, was ich hier hab. So, weil ich ich habe nämlich so eine
Rose.


Lukas


Ja, hast du das Museum mitgehen lassen.


Ralph


Nee, es ist so, dass ich ja anscheinend offensichtlich auch so
eine Goethe Rose habe. Ich habe die aber von meinem Onkel Erich
geschenkt bekommen. Da war ich noch ein Kind und ich habe die
eben bis heute, weil ich in meinem Kinderzimmer so eine Vitrine
mit so Andenken drin habe. Und ich habe dann Roland Albrecht auch
davon erzählt, worauf er gelacht hat und folgendes gesagt hat.


Roland Albrecht


Das ist eine ganz einfache Rose, die kann man bis heute noch
kaufen. In Karlsbad, im Bad, da war ich mal, und da gab es einen
Kiosk, das ist eine Papierrose, und die kann man da kaufen. Und
dann ist mir eingefallen an so einem Kiosk, wo ich sie sah:
Goethe ist von Karlsbad abgereist, seine Italienreise, das fiel
mir dann ein. Und seine Frau, die war Papier Rosen Hersteller.
Und diese zwei Basisinformationen, die hatte ich im Kopf. Und
dann sah ich die Rose in Karlsbad, aber die hat er mitgenommen.
Und dann schreib ich die Geschichte.


Lukas


Hä?


Ralph


Ja, ja, das ergibt alles Sinn. Also wir haben ja jetzt so eine
Parallele zu dem, was Roland Albrecht ja vorhergesagt hat. Also
er hat quasi irgendwie eine Inspiration, eine Idee. Dann schreibt
er einen Text und dann gibt es diesen Text im Museum zu sehen, zu
lesen. Dieser Dinge gibt es quasi 20 zu sehen im Museum,
zumindest als ich da war. Die sind alle von ihm selbst
ausgedacht, diese Geschichten, die sind also nicht echt, aber
haben halt trotzdem so ein Fünkchen Wahrheit mit drin. Wie zum
Beispiel, dass Goethe ja in Karlsbad war. Also das greift er ja
auf. Nur er spinnt die Geschichte quasi weiter und fügt dann was
Fantasievolles ein. Und das ist dann so, dass er wirklich auch
viel dafür recherchiert und vermischt dann eben Fakt und Fiktion.


Und das hat er mir auch ein bisschen anschaulicher erklärt anhand
von zwei Kerzen. Es gibt da noch auf einem Regal zwei Kerzen, die
da stehen. Das sind, ich würde mal sagen, faustgroße Kerzen, die
aussehen wie Hasen und darunter werden die betitelt als Ur-Hasen,
als die Ur-Hasen von Joseph Beuys. Joseph Beuys sagte was?


Lukas


Klar, Künstler Düsseldorf Ja, sehr abstrakte Kunst und ist auch
von Beuys das Zitat Jeder ist Künstler?


Ralph


Das ist gut möglich. Das würde auf jeden Fall zu ihm passen.
Beuys hat viel Aktionskunst gemacht und den kennt wahrscheinlich
auch jeder oder sehr viele Leute vom Sehen, weil er ja immer als
Markenzeichen diesen Filzhut aufhatte. Wie jetzt Roland Albrecht
auf diese Ideen kommt und wie er Fakt und Fiktion vermischt, das
soll er jetzt uns mal erzählen.


Roland Albrecht


Als Beuys abgestürzt ist mit seiner JU auf der Krim, wie er
beschrieben hat, dann ist er von Tataren gefunden worden, die
haben ihn mit Filz umwickelt und Fett eingerieben und dann ist er
aus Ohnmacht aufgewacht. Es beschreibt Beuys dasselbe in seiner
Autobiographie. Und dann hat der gesehen, wie zwei Kerzen – die
haben ihm die hingestellt – jetzt von mir dazu über, das ist von
mir zwei Kerzen und drum hat Beuys sich immer wieder in seinem
Kunstwerk auf den Hasen berufen. Das ist wieder Beuys, der hat
sich ja wirklich darauf berufen, und der bringt auch
Originalzitate vom Hasen. Jetzt füge ich also mehrere Sachen
zusammen und füge dazu etwas von mir. Und ich sah diese Hasen,
die hab ich wirklich in Russland gesehen, einmal. Und dann habe
ich, da habe ich an Beuys gedacht. Und dann habe ich die Story
irgendwie im Kopf gehabt. Aber um die zu schreiben, musste ich
recherchieren.


Lukas


Okay, also Moment, das heißt, sein Museums Konzept ist, dass er
einfach Geschichten erfindet und die zu bereits bestehenden
Geschichten irgendwie hinzu dichtet und dazu jeweils Objekte hat.
Und die stellt er aus.


Ralph


Genau. Aber es geht immer bei den Objekten los. Also er hat nicht
die Geschichte und dann sucht er sich irgendwie ein Objekt,
sondern es ist umgekehrt. Er hat halt erst diese Dinge, nachdem
das Museum ja benannt ist und dann hat er eine Assoziation dazu.
Das erklärt er auch gleich noch mal, Also nur damit man jetzt das
noch mal versteht Es sind abgesehen von dieser Papierrose, die
verrostet ist, sind das wirklich sehr gewöhnliche Dinge. Also das
ist zum Beispiel das gewöhnlichste Objekt überhaupt, einen Stein,
den er ausgestellt hat zum Beispiel, oder ein Spielzeugauto oder
ein Löffel oder Schrottteile. Und er findet diese Dinge halt oft
auf der Straße, wo das dann jemand anders weggeworfen hat oder wo
es vielleicht am Straßenrand auch jemand bewusst zurückgelassen
hat. Und dann nimmt Roland Albrecht halt diese Dinge, zieht sie
sich an, hat Assoziationen damit und er hört sie. Ton Nummer
vier.


Roland Albrecht


Natürlich ist es nicht ein Hören mit dem Ohr, ich nehme jetzt
kein, kein Stethoskop für dieses Ding. Das Ding ist saublöd. Das
sagt nichts (Gelächter). Nein, ganz ehrlich gesagt, meistens ich
seh etwas und dann habe ich in dem Moment, wo ich das sehe oder
finde, habe ich eine Assoziation. Ja, und dann muss sich das Ding
insofern bewähren, dass ich dann auf eine Woche auch noch die
Assoziation habe, damit ich mit dem Ding was verbinde. Und dann
entsteht daraus eine Geschichte.


Lukas


Was macht Roland denn eigentlich sonst so? Was hat der für einen
Background?


Ralph


Guckst du mir ins Skript oder was? Das würde jetzt tatsächlich
als nächstes kommen. Roland Albrecht ist Künstler.


Lukas


Ich habe mir das fast gedacht.


Ralph


Er war jahrelang als Fotograf tätig und holt sich seine
Inspirationen, wie er diese Dinge aufbereitet, auch ganz klar,
sagt das selbst, von der Kunstrichtung Fluxus hast du vorher
schon mal gehört?


Lukas


Ja, tatsächlich. Berühmteste Vertreterin von Fluxus ist doch zum
Beispiel Yoko Ono.


Ralph


Ja, genau. Also Fluxus, das ist so eine auch eine Aktionskunst,
oftmals Performancekunst. Also es ist halt in den 60er Jahren
entstanden, des vergangenen Jahrtausends, Jahrhunderts, ja doch
Jahrtausends. Stimmt doch beides. Egal, ist in den 60er Jahren
entstanden und sollte halt so eine Gegenbewegung sein zu der
elitären Kunst und Anti zu auch zu der Kunstszene. Und dass Kunst
halt so vermarktet wird und dass nur reiche Leute sich Kunst
leisten können und dass ist so ein Bildungs Ding ist. Und da gab
es dann auch ganz ganz wüste Performancekunst, wo zum Beispiel
ein Konzertflügel einfach zersägt worden ist oder wo man auch
bewusst darauf verzichtet hat, Kunstwerke zu signieren, weil es
ja auch oft so ist, man hat das Signatur Du was von welchen
Künstlern das ist und dann wird dadurch der Wert gesteigert von
einem Kunstobjekt. Beuys war übrigens auch eine Zeit lang im
Fluxus unterwegs. Ein anderer Vertreter ist George Brecht, den
Roland Albrecht sehr schätzt. Über den kann er auch mal ganz kurz
was erzählen.


Roland Albrecht


Zum Beispiel George Brecht hat ein Bild gemacht. Unheimlich schön
ist aber die Idee hier die Insel of Men, die bei England liegt,
die sieht so ähnlich aus wie eine Insel in der Karibik. Und dann
hat er gemeint, die müsste man alle 20 Jahren austauschen. Da ist
ein Bild gemacht worden von einem Dampfer, der diese Insel in die
Karibik bringt, weil da ist es immer so kalt. Und diese
karibische Insel zur Abkühlung, die kommt dann 20 Jahre da hoch
und allein so eine Idee zu haben, die finde ich einfach toll. Ja,
und Fluxus hat etwas mit sehr ernst Gemeinten, Überlegtem, aber
auch Blödsinn zu tun. Aber jetzt nicht blödsinnig im Sinne von
Hahaha, so Schenkelklopfer, sondern da steckt mehr dahinter. Es
gibt zum Nachdenken. Ich sage jetzt nicht, dass ich Fluxus
Künstler bin, Gotteswillen, aber ich fühle mich dem nahe.


Lukas


Es korrespondiert ja mit dem, was er vorher gesagt hat. Dass er
quasi sagt, er hat was ernst Gemeintes, also zum Beispiel
irgendwelche Künstler, Biografien und fügt etwas hinzu, wo
sicherlich auch der eine oder andere Blödsinn dabei ist.


Ralph


Ja, du lernst schon was, aber du musst da echt aufpassen, dass
das nicht einfach so glaubst. Und diese Idee für das Museum der
unerhörten Dinge, die ist Roland Albrechts 1997 gekommen. Also es
ist schon über 20 Jahre alt. 25 Jahre gibt es ja dieses Museum.
Da wurde nämlich in Dresden angefragt für die Galerie
Raskolnikow. Das sollte eine Ausstellung konzipieren. Die hat er
dann damals schon Museum der unerhörten Dinge genannt, und das
hat er dann auch schon eben das gleiche Konzept. Danach wollte er
das digital weiterführen, da wollte er so was wie eine Wikipedia
Seite aufbauen, wo er quasi Artikel schreibt, die halt auch nur
halb wahr sind, mit Verlinkungen auf irgendwelche anderen
Halbwahrheiten, andere Dinge. Und dann war es aber so, also der
war zu dem Zeitpunkt ja auch schon in Berlin, dass ihm eine Raum
Einheit angeboten worden ist, nämlich in der Straße, in dem
heutigen Sitz des Museums der unerhörten Dinge und dann hat er
halt die die Chance wahrgenommen und das halt da reingesetzt als
echtes Museum. Und das ist auch wirklich im Teil des Museums
Verbunds, weil er erfüllt auch tatsächlich sehr viele Kriterien,
die andere Museen auch haben. Er hat einen öffentlich
zugänglichen Ausstellungsraum, er hat regelmäßige Öffnungszeiten,
er hat Objekte, die er ausstellt, er arbeitet wissenschaftlich
und er hat sogar ein Depot mit über 300 Objekten, die nach
Gewicht sortiert sind.


Wie er schon angedeutet hat. Er ist Fluxus sehr nahe und bei
Fluxus ist vieles lustig, aber es gibt auch einen ernsten
Anspruch dabei. Und so ist es ja bei seinem Museum auch. Da ist
es so, dass es zwar einfache Dinge sind, aber es sind jetzt keine
besonderen Dinge, und und und. Das zu hinterfragen besondere
Dinge. Damit meine ich jetzt zum Beispiel im Haus der Geschichte
in Bonn. Da ist ja der Pullover von Helmut Kohl ausgestellt, den
er anhatte, als er da die Verhandlungen hatte mit Gorbatschow.
Und es ist eigentlich auch ein normales Ding. Aber dadurch, dass
so eine historische Persönlichkeit wie Kohl den zu diesem
Zeitpunkt auch noch anhatte, gewinnt das an Bedeutung. Und das
kannst du ja nicht einordnen. Was das ist, welche Bedeutung das
hat. Wenn du den Kontext nicht hast, dann ist das für dich
einfach ein Ding. Aber im Gegensatz dazu hat halt Roland Albrecht
diese ganz, ganz gewöhnlichen und vor allem unbedeutenden Dinge.
Und das ist ihm ganz, ganz wichtig, dass es halt nur so
unbedeutende Dinge sind. Er will gar nicht irgendwelche
Prunkgegenstände haben.


Roland Albrecht


Jedes Ding hat eigentlich eine Bedeutung, wenn man es zulässt,
wenn man die mit Bedeutung auflädt und das ist die Erzählung. Es
ist so ähnlich, wie wenn man in Urlaub ist an der Nord Ostsee
oder weiß der Teufel wo. Man findet am Strand eine Muschel, die
soll mir niemand erzählen, dass es die erste Muschel des Lebens
ist. Muscheln gibt es zu Zigtausenden, aber man nimmt die
Muscheln mit nach Hause und an der Muschel hängt die Geschichte
des ganzen Urlaubs. Und man denkt sich immer wieder, wenn man die
Muschel sieht: Ich war dort im Urlaub und verbindet damit viele,
viele angenehme oder blöde. Ich weiß, wie der Urlaub verlaufen
ist, aber man verbindet damit etwas. So ist es bei allen Dingen
glaube ich. Ich nehme es auf und gib den Dingen wieder eine
Geschichte.


Lukas


Ja, sehr philosophisch, aber würde ich auf jeden Fall so
unterschreiben. Erinnert mich auch übrigens wieder ans Elvis
Museum, wo ja auch lauter Dinge drin sind, die eigentlich total
alltäglich sind. Und nur weil es irgendwie mit Elvis Presley in
Verbindung stehen, haben sie eine Bedeutung. Aber wären die nicht
von Elvis Presley, dann wären die halt irgendwo anders. Also dann
hätten die überhaupt keine Bedeutung. Und so stimmt es also.
Letztlich sind die Erzählungen, die Objekten erst zu dem
verhelfen, was es sind. Ja, ist ja eine ähnliche Strategie. Zum
Beispiel mit dem Hosensack Museum in in Basel. Wo, wo ich war,
falls du dich noch dran erinnern kannst, da war es ja auch so,
das sind ja komplett alltägliche Gegenstände. Holzlöffel, Fiat
500 Modelle, das ist ja nichts, was irgendwie einen hohen
materiellen Wert hat. Und nur aufgrund der Anordnung und nur
aufgrund der Präsentation wird diesen Objekten eine Bedeutung
gegeben und damit hat es musealen Wert.


Ralph


Oder wenn wir jetzt zum Beispiel das Wurzel-Museum heranziehen,
diese Objekte sind ja nicht bearbeitet, sondern es sind ja
einfach nur Wurzeln, die halten für den Aussteller, für den Bernd
eine bestimmte Assoziation haben und dadurch halt eine Bedeutung
gewinnen, dass zum Beispiel, dass er sagt: Ach, das ist doch ein
Biber.


Lukas


Wir könnten ja vielleicht mal so eine Art Kategorisierung für die
Bitte nicht anfassen Museen reinbringen, weil ich schon das
Gefühl habe, dass je mehr Museen wir besuchen, desto mehr lassen
sie sich in diese Kategorien einteilen. Zum Beispiel: Es gibt
diese Museen, bei denen wir waren, die so ganz viel über Handwerk
beschreiben, was vor Ort für ein Dorf ganz wichtig war
Mausefallen, Peitschen und so was dann haben wir so diese Museen,
die so ein bisschen anarcho sind, sag ich mal, wo es eigentlich
eher darum geht, was macht ein Objekt zu einem Objekt, da würde
ich sagen passt das Sack-Museum, Wurzel-Museum und jetzt auch
hier Museum der unerhörten Dinge. Dann haben wir häufig noch so
eher naturhistorische Geschichten oder generell Material
Geschichten, wie zum Beispiel hier das Ziegelstein Museum oder
das Zusatzstoffe Museum. Also ich finde wir könnten mal so eine
Liste, so eine Kategorisierung irgendwie einführen.


Ralph


Wie würdest du denn eigentlich das Museum Vieille Montagne
einordnen? Das war ja das, wo es um dieses Grenzgebiet geht. Das
ist ja schon ein geschichtliches Thema.


Lukas


Ja, so wie das Levi Strauss Museum, das ist für mich
Geschichtliches Museum, Lokal, Geschichtliches Museum. An alle
Hörer:innen dann da draußen. Ihr müsst jetzt natürlich, so ihr
das noch nicht geschafft habt, alle vorangehenden Folgen.


Ralph


Aber was Roland Albrecht erzählt hat, dass man quasi diesen
Dingen einfach selber eine Bedeutung gibt. Das ist ja glaube ich
was, wo jeder nachvollziehen kann. Mit dieserMuschel als Beispiel
jetzt, weil ich weiß nicht, wie es dir geht, Du hast doch
bestimmt auch Gegenstände, oder?


Lukas


Hunderte, Hunderte. Eines ist mir aufgefallen. Ich war
vergangenen Sommer in München, habe da Freunde besucht. Da waren
wir am Flaucher also quasi so eine Strand Region an dem Fluss, an
der Isar, und da war ein Kieselstein. Es, es besteht ja nur aus
Kieselsteinen, dieses Ufer. Dann habe ich einen umgedreht und
stand da hinten hat jemand mit Edding Schand draufgeschrieben.
Also Schande, nur ohne E. Da dachte ich mir Hey, wie geil ist
das? Ja, den hab ich mitgenommen, weil ich mir dachte: es ist
schon sehr geil, den Schandstein zu haben. Der Kontext ist so
witzig, dass ich zufällig von Millionen von Steinen, die da
liegen, genau einen habe, wo hinten was drauf steht.


Ralph


Ja und dass du jetzt auch noch weißt, unter welchen Umständen du
den gefunden hast, in welchem Kontext sozusagen. Dadurch hat es
auch Erinnerungswert. Ich habe nämlich auch kurz nachgedacht und
mir sind sofort einige Gegenstände eingefallen, zum Beispiel habe
ich so einen ganz kleinen Holzsplitter, der ist 15 Jahre alt und
den habe ich damals eben auf der Abifahrt mitgenommen von Paris.
Der erinnert mich jetzt immer an Paris oder ich habe noch in so
einer Kiste ein Haarbüschel, wo ein Kaugummi drin klebt, Also der
erinnert mich an eine Party, wo halt ein Mädel war und die hatte
da diesen Kaugummi drin und dann sollte ich den irgendwie
rausmachen. Dann habe ich den mit der Schere rausgeschnitten und
weiß nicht, warum, aber irgendwie habe ich dieses Haarbüschel
behalten.


Lukas


Vielleicht hattest du dich in die verguckt gehabt oder so?


Ralph


Ich habe es leider vergessen, wie die aussieht keine Ahnung,
wobei vielleicht damals. Aber ich finde das total wichtig. Also
diese Dinge, die eigentlich nichts wert sind, wie Haare, so oder
ein Holzsplitter. Die haben für mich persönlich halt wirklich
diesen Erinnerungswert. Das sind sie, die sind so eine Stütze für
mich, weil hätte ich diese Gegenstände nicht, würde ich mich
wahrscheinlich auch nicht mehr an diese Situation erinnern.


Lukas


Kann gut sein.


Ralph


Es ist also total subjektiv. Naja, was man halt mit diesen Dingen
assoziiert, was man mit diesen Dingen in Verbindung bringt. Und
so ist es ja bei Roland Albrecht im Endeffekt auch. Der sieht was
und dann drückt er einem ja seine Geschichte quasi auf. Also
freundlich. Es klingt so hart.


Lukas


Wie viel Zeit hast du denn in dem Museum verbracht? Bei Roland
Albrecht?


Ralph


Na ja, ich war da schon zwei Stunden, aber halt auch um viel mit
ihm darüber zu reden. Wie so oft in Museen ist es ja ganz
spannend zu erfahren, was sich die Leute dabei gedacht haben.


Lukas


Und wie viele Leute gehen da so hin?


Ralph


Schon viele. Ich weiß nicht wie viele, aber er sagt, dass es
Berlins meistbesuchtes Museum ist, wenn man es auf die
Quadratmeterzahl herunterbricht.


Lukas


Besucher pro Quadratmeter Museumsfläche. Aber ist das jetzt die
Wahrheit oder ist das jetzt die Behauptung?


Ralph


Ich würde mal sagen, es ist eine Behauptung, die schwer
nachzuprüfen ist.


Lukas


Das ist richtig.


Ralph


Also bei ihm weiß man nie so wirklich, wie er es jetzt meint. Ich
habe ihn ja zum Beispiel auch gefragt, wie es mit seinem Museum
weitergehen soll in Zukunft. Weil Roland Albrecht ist ja jetzt
auch schon 70 Jahre alt und dann hat er gesagt, er macht eine
Hafenkneipe draus, weil wenn das ja mit dem Klimawandel so
weitergeht, dann steigt der Meeresspiegel und irgendwann liegt es
dann quasi am Meer und dann kann er aus dem Museum der Dinge eine
Hafenkneipe machen.


Lukas


Also ganz ein verrückter Typ.


Ralph


Sehr sympathisch, sehr lustig. Ja, und ich habe mich mit ihm auch
nach dem Museumsbesuch noch ein bisschen vor das Museum gesetzt
und haben einen Kaffee getrunken. Also es war wirklich sehr
angenehm. Und um auf deine Frage zurückzukommen, da war ja
wahrscheinlich gefragt wieviel Zeit braucht man eigentlich, um
durch dieses Museum zu kommen? Weil es ist ja ein sehr
textlastiges Museum. Das heißt, es geht ja darum, wirklich diese
Sachen durchzulesen. Diese Texte, und ich denke, da bist du in
vielleicht einer Stunde, eineinhalb Stunden durch. Aber weil das
eben so textlastig ist und er auch ein gewisses Vorwissen
braucht, richtet sich das Museum jetzt nicht an Kinder oder
Jugendliche.


Lukas


Also wahrscheinlich. Du musst doch zumindest grundlegend Ahnung
von Kunstgeschichte im 20. Jahrhundert haben, schätze ich mal?


Ralph


Ja.


Lukas


Zumindest einige Namen gehört haben, um es irgendwie einordnen zu
können.


Ralph


Also wer jetzt nicht weiß, wer Goethe ist, das sollte vielleicht
auch nicht in das Museum gehen. Also würde ich das jetzt mal von
der Dimension her nahelegen.


Lukas


Und würdest du noch mal hingehen?


Ralph


Ja, ich würde noch mal hingehen. Aus zwei Gründen. Der eine ist
ja der, dass viele Dinge noch unerhört sind. Die liegen ja im
Depot und immer wieder findet er neue Dinge und tauscht das dann
aus. Das heißt, wenn ich das nächste Mal hingehe, das sind dann
bestimmt andere Dinge ausgestellt. Und zweitens würde ich ihn
tatsächlich einfach gern mal wieder auf einen Kaffee treffen und
mich mit ihm darüber unterhalten, was es Neues gibt. Das klingt
jetzt vielleicht irgendwie echt doof, aber ich habe mich sehr,
sehr wohlgefühlt.


Lukas


Ich finde, es klingt überhaupt nicht doof. Das ist mir auch schon
ein paar Mal passiert, dass diese Leute, die so ehrenamtlich oder
halt nebenbei so von Museen, dass es echt ziemlich coole Leute
sind.


Ralph


Die haben echt interessante Sachen zu erzählen.


Lukas


Ja, auf jeden Fall. Ja, du hast das schon angekündigt, dass es
ein bisschen so um die Metaebene geht, Aber mir fällt jetzt auch
nichts mehr ein, was jetzt noch irgendwie offengeblieben ist. Ich
müsste mir halt auch mal angucken. Das mache ich vielleicht mal,
wenn ich in Berlin bin.


Ralph


Kann ich sehr empfehlen. Ich finde halt, dass das ein Museum ist,
das, wenn du dich darauf einlässt, dass das dich halt noch mal
zum Nachdenken anregt. So wie wir halt jetzt auf dieser Metaebene
ein bisschen drüber sprechen. Was macht ein Museum aus oder auch
mit diesen Kategorien, dass wir jetzt überlegt haben, okay, in
welche Kategorie fallen eigentlich die Museen, die wir besucht
haben? So ein Museum ist das und das ist ein Besuch, von dem du
zehren kannst oder was mitnimmst oder nicht, nur halt jetzt was
lernst, während du da bist, sondern wo du halt dann ins Denken
kommst.


Lukas


Wir könnten hier mal das bitte nicht anfassen Museum gründen, wo
wir quasi Dinge ausstellen, die alle in kleinen Museen drin sind
und dann quasi jedes Mal, dass wir quasi aus unserem Podcast ein
Museum machen.


Ralph


Hey, ganz ehrlich, habe ich auch schon überlegt.


Lukas


Jeder soll also bei jedem Museum, wo wir bislang waren, die
sollen uns alle ein Objekt irgendwie als Dauerleihgabe zur
Verfügung stellen und dann stellen wir das irgendwo außen an,
nennen wir das das Museums Museum.


Ralph


Ja, genau. Museum der Museen. Ja, warum nicht?


Lukas


Dann sammeln wir von jedem ein Foto und quasi die Leute hinter
skurrilen Museen und widmen denen ein Museum. Und die kriegen
alle freien Eintritt. Jedes Jahr. Lass uns das mal überlegen. Ich
finde die Idee, ein Museums-Museum zu gründen gar nicht so doof.
Müsste mal überlegen, wie wir das machen.


Ralph


Ich habe jetzt schon so einen langen Zeitplan, so lang Zeitplan
oder Wunsch, besser gesagt, dass wir das jetzt noch drei Jahre
machen oder bis jetzt noch zwei Jahre, weil dann haben wir 36
Museen besucht und dann können wir daraus ein Kartenspiel machen,
ein Quartett.


Lukas


So ein Quartett?


Ralph


Ja, das ist doch geil.


Lukas


Ja, aber wir dürfen unsere ganzen zukünftigen Ideen nicht so raus
plappern, weil sonst wird es vielleicht von jemanden kopiert. Ja
gut, dann würde ich sagen, bevor es jetzt zu sehr ins Wilde
abdriftet und bevor wir zu viele unsere Marketing Ideen hier raus
posaunen. Vielen Dank, Ralph, dass du für mich, für uns, für alle
da draußen in Berlin warst und das Museum der unerhörten Dinge
besucht hast.


Ralph


Gerne, hat mir Spaß gemacht.


Lukas


Gut.


Ralph


Und kannst du denn was über deinen nächsten Besuch erzählen?
Wohin soll es gehen?


Lukas


Ja, also es wird aller Voraussicht nach, aller Voraussicht nach –
Es ist noch nicht ganz sicher. Es wird wieder um Dinge gehen, die
dafür sorgen, dass es Menschen danach besser geht.


Ralph


Ja, das finde ich gut. Ein positiver Ansatz finde ich gut.


Lukas


Ja, es ist ein sehr positiver Ansatz. Das sind Dinge, die die
Menschheit schon seit Jahrtausenden benutzt. Jeder von uns einmal
in der Hand hatte, die aber eigentlich nur dafür gut sind, an was
anderes ranzukommen, was die Menschen glücklich macht. Und darum
wird es gehen.


Ralph


Hm. Ja, ich weiß Bescheid.


Lukas


Ganz klar.


Ralph


Ja, dann sind wir jetzt am Ende angelangt. Vielen Dank für alle,
die so lange durchgehalten haben. Wir würden uns natürlich sehr
freuen, wenn ihr den Podcast weiterempfehlen würdet, wenn ihr
fünf Sterne da lasst, wenn ihr eine Bewertung schreibt. Wir lesen
auch gerne diese Bewertungen Und ja, bleib gesund.


Lukas


Macht's gut. Bis dann. Ciao.


Ralph


Ciao, Ciao.


Der Beitrag Das Museum der unerhörten Dinge in Berlin erschien
zuerst auf Escucha.


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