Kippen statt Mona Lisa und Montmartre – das Rauchermuseum Paris

Kippen statt Mona Lisa und Montmartre – das Rauchermuseum Paris

BITTE NICHT ANFASSEN! #31 – Das Rauchermuseum Paris
39 Minuten

Beschreibung

vor 1 Jahr

BITTE NICHT ANFASSEN! #31 – Le Musée du Fumeur (Das
Rauchermuseum) Paris


Show Notes 


Paris ist die Stadt der Lichter, der Liebenden und der Raucher.
Kein Wunder also, dass es eigentlich nur hier das Rauchermuseum
(le musée du fumeur) geben kann. Gegründet von einer Ikone der
Cannabis-Szene klärt das Museum über geschichtliche und
schamanistische Aspekte des Rauchens auf. Aber weil Rauchen nun
mal tödlich ist, erfahrt ihr in dieser Folge außerdem über die
tragische Geschichte der Marlboro Men. Schließlich machen wir
einen Abstecher in eine Zigarrenmanufaktur, die unweit des
größten Tabakanbaugebietes in Europa liegt. Und all das in nur
einer einzigen Folge!


#podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #Paris
#Tabak #Rauchen #Lahr #Schwarzwald #lemuseedufumeur #Frankreich


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Hilfreiche Links: 


So sieht das Musée du fumeur von innen aus:


https://www.escucha.de/wp-content/uploads/rauchermuseum-von-innen-scaled.jpeg


Das ist Museumsbetreiber Max:


https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Museumsbetreiber-Max-scaled.jpeg


So sieht der Wickeltisch für Zigarren aus dem Jahr 1924 aus:


https://www.escucha.de/wp-content/uploads/der-wickeltisch-von-1924-scaled.jpeg


Hier bereitet Monika ein Zigarrendeckblatt vor:


Und das hier ist Gregor Grüb:
https://escuchade-my.sharepoint.com/:i:/g/personal/lukas_escucha_de/ERDpwaf_DEFFtXDVy7NNx7gBoE5SfOvn0bGhYdPB9tGAvA?e=kS30tJ


~~~~~~~ 


Infos zum Museum:  


Infos zum Museum:


Le Musée du fumeur


7 Rue Pache


75011 Paris


https://www.museedufumeur.net





Herr Lehmann Cigarrenmanufaktur


Lotzbeckstraße 47


77933 Lahr/Schwarzwald


Deutschland


https://herr-lehmann.com


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über BITTE NICHT ANFASSEN!:  


Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 


Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an
kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und
alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast. 


Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht. 


Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen. 


BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr. 


Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


 
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Kontakt: 
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
 
E-Mail: info[at]escucha.de  


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https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  


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Podcast-Credits:  
  


Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth;
https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin)
https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann
(Musik)  


Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 


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Transkript 


Max


There’s a north American Indian saying that says what a rabbit
can eat a human can smoke. So we can got over there to my peace
pipe.


INTRO


Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha


Lukas


Einen wunderschönen guten Tag und ganz herzlich willkommen zu
dieser brandneuen Folge von Bitte nicht anfassen Museum mal
anders. Mein Name ist Lukas.


Ralph


Und mein Name ist Ralph. Und in diesem Podcast geht es um kleine,
skurrile, ungewöhnliche Museen in Deutschland und darüber hinaus.
Und der Clou an unserem Podcast ist ja der, dass wir abwechselnd
immer diese Museen besuchen und dann dem anderen und auch euch da
draußen davon erzählen.


Lukas


Und das Spannende in diesen Museen ist, dass es eben nicht nur um
die Objekte geht, sondern das eigentlich in jedem Museum ganz
viele tolle Geschichten dahinter stecken. Und so war es auch in
der letzten Folge. Ralph, Da hast du mir das Kleingärtnermuseum
in Leipzig vorgestellt und wir haben oder ich hab rausgefunden
und damit ist wirklich eine Wissenslücke geschlossen worden,
warum der Schrebergarten eigentlich Schrebergarten heißt. Das
heißt für alle unter euch, die diese letzte Folge vom
Kleingartenmuseum noch nicht angehört haben, hier noch mal die
dringende Empfehlung.


Ralph


Ja und weil ich ja jetzt mein Soll wieder mal erfüllt habe, heißt
es, dass du dran bist. Ja, ich erinnere mich ja noch daran, dass
du das letzte Mal gesagt hast, dass es in dieser Folge um ein
Museum gehen wird. Das, na ja, das Museum nicht. Aber ich glaube,
das, was darin ausgestellt ist, dass das ein beschissenen Ruf
hat.


Lukas


Genau so ist es.


Ralph


Sag aber, was das ist, das erfahren wir jetzt erst mal heute.
Weil. Ich hab gar keine Ahnung.


Lukas


Ich steige einfach direkt ein mit einer Frage an dich Was haben
Bono, Bill Kaulitz und Ben Affleck gemein, außer dass sie alle
berühmt sind und dass alle Namen mit B beginnen.


Ralph


Sind alles weiße Männer?


Lukas


Auch das ist richtig.


Ralph


Was haben die gemeinsam?


Lukas


Bono, Bill Kaulitz und Ben Affleck.


Ralph


Okay, okay. Also Bono ist ja der Sänger von U2. Bill Kaulitz ist
der Sänger von Tokio Hotel und Ben Affleck ist der Mann von
Jennifer Lopez und Schauspieler und Regisseur. Ja.


Lukas


Vielleicht gibt es eine ganz berühmtes Bild von Ben Affleck. Das
ist sogar zu einem Meme geworden.


Ralph


Oh Gott.


Lukas


Und es ist immer ein Meme. Wenn du gestresst bist, dann siehst du
dieses Bild von Ben Affleck und er macht da was.


Ralph


Da macht er was Hujemine aus. Welche von welchem Jahrzehnt
sprechen wir jetzt aus?


Lukas


Nicht so altes Bild. Ja, genau das ist das Problem. Also, du
kommst. Du kommst nicht drauf.


Ralph


Ich komm nicht drauf. Keine Ahnung.


Lukas


Also, Bono und Bill Kaulitz und Ben Affleck eint, dass sie alles
passionierte Raucher sind. Und wie du sicherlich weißt, ist
Rauchen erst mal keine gute Sache. Ganz im Gegenteil. Das möchte
ich ganz am Anfang mal feststellen, wenn man sich mal die Zeit
anguckt. Weltweit sterben jährlich fast 8 Millionen Menschen an
den Folgen von Rauchen. Das sind etwa 33-mal so viele Menschen,
wie durch Kriege und bewaffnete Konflikte pro Jahr sterben.


Lukas


Also das mal ganz kurz Rauchen ist nicht gesund und tötet, weil
Rauchen tötet. Es stimmt. Aber: Aber Tabakkonsum und Glimmstängel
haben eine ziemlich interessante globale Geschichte. Und in
dieser Folge soll es unter anderem darum gehen. Es geht um die
Geschichte des Tabaks, es geht um die Geschichte des Rauchens und
es geht um die Kulturtechnik Rauchen. Und dazu habe ich nicht nur
ein Museum für diese Folge besucht, sondern auch einen
Handwerksbetrieb mit Musealem Wert.


Lukas


Und jetzt kannst du dir wahrscheinlich vorstellen, wie das Museum
heißt oder worum es in diesem Museum geht. Ich stelle trotzdem
die Frage In welches Museum gehen wir heute?


Ralph


Ins Rauchermuseum? Richtig.


Lukas


Und letztendlich eine Stadt oder ein Land, das du mit Rauchen in
Verbindung bringst?


Ralph


Ich würde jetzt sagen, aus eigener Erfahrung. Frankreich.


Lukas


Bingo. Genau. Das Rauchermuseum ist in der französischen
Hauptstadt. Es heißt also offiziell Le Musee du Fumeur. Und es
ist ein sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr eigentümlicher Ort.
Und das schon mal vorweg Es ist ein Museum, was ich nicht
uneingeschränkt empfehlen würde.


Ralph


Ja, gut für Kinder wahrscheinlich schon mal ungeeignet.


Lukas


Ja, aber auch für Museumsbesucher.


Ralph


Für Menschen generell.


Lukas


Okay, also vielleicht mal, vielleicht mal so ein bisschen. Also
das Museum befindet sich im 15. Arrondissement in Paris und ist
eigentlich ein Laden für Raucherzubehör. Und du gehst da rein und
es ist ein kleines Museum, wo du allen möglichen, also wo du
alles mögliche kaufen kannst, das irgendwie mit Tabak Vaping CBD.
Keine Ahnung, was zu tun hat und dieser Laden ist ein bisschen
unaufgeräumt und dann gibt es aber so eine zweite Tür und die
öffnet sich. Und wenn du durch diese Tür durch gehst, dann kommst
du in so eine richtig lange Galerie eines Pariser Altbaus. Also
total schön, Alles ein bisschen runtergekommen, aber trotzdem
stylisch. Und in diesen drei Hinterzimmern sind verschiedene
Galerien ausgestellt, sind verschiedene Vitrinen ausgestellt und
da ist alles Mögliche drinnen, was irgendwie mit Tabakrauchen,
Pfeifen und allem darüber hinaus zu tun hat.


Lukas


Das Museum selbst ist von Mishka gegründet worden, die es in der
Kifferszene ein riesen Name, die gilt als die Grande Dame des
Cannabis Aktivismus. Die ist mittlerweile 80 Jahre alt und ist
leider krank. Deswegen konnte ich mich nicht mit ihr unterhalten
und sie hat aber damals das Museum gegründet mit dem Impetus,
also mit der Idee, den spirituellen, schamanistischen und
historischen Wert des Rauchens darzustellen, darauf aufmerksam
machen zu wollen.


Lukas


Und vielleicht Funfact. Diese Mischa ist in der Kiffercommunity
so berühmt, dass nach ihr sogar eine Marihuanamischung benannt
wurde.


Ralph


Wusste ich nicht.


Lukas


Ja, wusste ich auch nicht. Jedenfalls hat sie das Museum und den
Shop irgendwann mal aufgegeben, um sich komplett auf Verlag und
Publikationen zu konzentrieren. Und Max war damals in dem Museum
angestellt, also bzw. in dem Laden auch angestellt und hat dann
dort sozusagen als Aushilfe begonnen und dann irgendwann mal den
Laden und das Museum übernommen. Ich habe ihn natürlich gefragt,
warum er der Meinung ist, dass gerade in Paris so viel geraucht
wird.


Lukas


Und das soll dir Max mal selber erklären.


Max


French people love to smoke. That’s for sure and I think French
people they accept their bad stuff. Some people hide, in France
we don’t hide. I think that’s the main reason.


Ralph


Also die Franzosen gehen halt einfach offen damit um und zeigen,
was sie machen, auch wenn es nicht so toll ist oder was.


Lukas


Der Grund, warum die Franzosen auch weiterhin so viel rauchen,
liegt daran:. Die Tabak- oder Zigarettenpolitik in Frankreich ist
ja deutlich restriktiver als zum Beispiel in Deutschland. Das
siehst du zum Beispiel daran, dass Zigarettenschachteln nur noch
in so einem einheitlichen Vogelschisskackbraun verkauft werden,
dass Zigaretten fast doppelt so teuer sind wie in Deutschland und
dass quasi der Staat irgendwie alles dafür macht, Zigaretten
Konsum zu verhindern. Und er meint halt, dass die Franzosen dann
so einen natürlichen Widerstand haben und sagen Ja, jetzt erst
recht. In diesem Museum geht es halt vor allem um die
Kulturgeschichte, den Anbau und halt, das habe ich ja vorhin
schon so ein bisschen erwähnt, die gesellschaftliche und
spirituelle Bedeutung des Rauchens. Ja, und ich habe ja gesagt,
dass ich diesen Museumsbesuch nicht so uneingeschränkt empfehlen
kann. Und aus meiner Sicht liegt es daran, dass das Museum ein
bisschen in die Jahre gekommen ist. Und ich hatte außerdem auch
nicht den Eindruck, dass es derzeit krass genutzt wird. Und das
hat mich ehrlich gesagt gewundert, weil bei der Recherche gab es
zahlreiche Artikel über dieses Museum von französischen
Zeitungen, also wirklich auch bekannter und großen Magazinen, die
da drin waren. Und deswegen dachte ich okay, das ist vielleicht
wirklich was, aber ich hatte den Eindruck, dass es noch so ein
bisschen so ein Anhängsel von dem Laden ist, wird aber eigentlich
nicht mehr so wirklich benutzt. Und das ist eigentlich schade,
weil es ein tolles Museum sein könnte, weil es wirklich
differenziert ist und es ist jetzt keine Werbeplattform fürs
Rauchen und es ist jetzt auch nicht keine Werbeplattform für
diesen Laden, aber es ist halt einfach so ein bisschen so ein
bisschen links liegen gelassen worden.


Lukas


Einwas, was ist in diesem Museum halt auch süß und es hat mir
auch Max erklärt, dass halt Menschen so ziemlich alles geraucht
haben, was sich irgendwie rauchen lässt. Aber das soll er dir
nochmal erklären.


Max


It was smoking all plants not just tobacco. I was just saying
right here you can see some opium. You can se tobacco, you can
see cannabis. There is a lot of things that can be smoked.
There’s a north American Indian saying that says what a rabbit
can eat a human can smoke. So we can got over there to my peace
pipe.


Ralph


Hast du das verifiziert? Ob das Zitat der indigenen Bevölkerung
Amerikas ist?


Lukas


Nee, habe ich nicht. Aber ich find es trotzdem witzig. Was ein
Hase essen kann, kann mensch rauchen. Und ein Beispiel ist eben
das, was man vielleicht mit dem Rauchen so krass in Verbindung
bringt. Also zum Beispiel die Friedenspfeife. Also die
Friedenspfeife gab's wirklich, die wurde auch wirklich benutzt
von verschiedenen Stämmen amerikanischer Ureinwohner und da gibt
es auch ein paar ausgestellt in den Vitrinen, die schon noch alle
wirklich ganz schön aus.


Lukas


Eine ganz besonders. Das ist sozusagen das krasseste Exponat in
dem Museum. Das hat mir Max auch noch mal gezeigt.


Max


This is one of my main artifacts. It’s a peace pipe from south
dakota so it’s made with real limestone. It’s a sacred earth. So
you can see it’s not hooked up together because it’s not
war-time. So this comes really from the South Dakota, 19th
centure.


Ralph


Also ich finde, man hört auch viel frei heraus, dass der Bock
darauf hat, das zu erzählen und dass er ganz begeistert von ist.
Kurze Verständnisfrage Limestone Was ist denn das auf Deutsch?


Lukas


Livingston lässt sich übersetzen mit Kalkstein. Also das ist
quasi der Pfeifentopf der Friedenspfeife, Der ist aus Kalkstein,
und da hat man, und das ist eben auch ein Beispiel, da hat man
eben gar kein Tabak verwendet, sondern für die Friedenspfeife hat
man Süßgras und Salbei verwendet. Und das liegt unter anderem
daran, dass traditionell Tabak, also die Tabakpflanze, als solche
gar nicht in Nordamerika gewachsen ist, sondern ausschließlich in
Südamerika.


Ralph


Kommt die ursprünglich aus Südamerika?


Lukas


Genau die kommt ursprünglich aus Südamerika. Und jetzt gibt es
einen kleinen Exkurs in die Geschichte des Tabaks und in die
Geschichte, wie der Tabak eigentlich zu uns gekommen ist, weil
das ist nämlich ziemlich verrückt und auch echt interessant.
Musikalisch über die können wir eigentlich machen, finde ich.


Ralph


Ja, ich bin gespannt.


Lukas


In der deutschen Sprache heißt die Pflanze ja Tabak, in der
spanischen Sprache heißt sie Tabaco und es gibt verschiede
Theorien, woher der Name stammt. Das ist nicht ganz geklärt. Es
gibt die, die die Version, dass es aus Mundarten, spanischen
Mundarten, aus Haiti oder Kuba entsteht. Die haben das damals
Tauaco genannt und aus dem Tauaco ist dann Tabaco geworden.


Lukas


Es gibt aber auch die Theorien, dass der Name Tabak sich von dem
mexikanischen Ort Tabasco ableitet oder von der Antillen Insel
Tobago, denn da wurde nämlich das Rauchrohr, also quasi auch ein
Rauchgerät, was indigene Stämme zum Rauchen benutzt haben. Für
rituelle Leistungen. Das wurde da Tobago genannt. Andere wiederum
sagen, es kommt von der neuspanischen Provinz Tabaco, aber das
kann man so in 100-prozentiger Sicherheit nicht sagen. Was man
aber sagen kann und deswegen auch der Ursprung Südamerika. Tabak
gehört zu der Pflanzengattung der Nachtschattengewächse. So, und
jetzt die Frage. Ralph, welche Pflanzen gehören denn noch zur
Gattung der Nachtschattengewächse?


Ralph


Hm, das sind ja alles Pflanzen, die nicht so viel Sonne brauchen,
Richtig, oder?


Lukas


Nicht unbedingt. Also der Name schon der Name ist ein bisschen
irreführend. Was die eint ist, dass die aus Südamerika kommen.
Was kommt alles aus Südamerika?


Ralph


Äh, Tomaten. Ja.


Lukas


Bingo.


Ralph


Was kommt noch aus Südamerika. Paprika. Vielleicht.


Lukas


Man kann eigentlich sagen, 3/4 dessen, was in der mediterranen
Küche als Gemüse verwendet wird, kommt aus Südamerika.
Ursprünglich also Tomaten Auberginen. Jedenfalls Tomaten,
Auberginen und Tabak gehören derselben Pflanzengattung an,
nämlich der Pflanzengattung der Nachtschattengewächse. Hätte ich
auch nicht gedacht, dass Aubergine und Tabak dieselbe Pflanzen
Pflanzengattung sind. Woher das Wort Tabak kommt, ist nicht so
einwandfrei geklärt, aber es ist einwandfrei geklärt, woher das
Wort Nikotin kommt.


Lukas


Also einer der Hauptinhaltsstoffe von Tabak ist ein Nervengift,
und das ist ja das, was unter anderem in Zigaretten so
suchtmachend ist. Nikotin Hast ne Idee oder willst du? Willst du
dich dem annähern oder soll ich es einfach sagen?


Ralph


Ich könnte mir vorstellen, dass das irgendwie mit Negro oder so
zu tun hat. Schwarz?


Lukas


Nee.


Ralph


Dann habe ich keine Ahnung.


Lukas


Der Name Nikotin kommt vom französischen Diplomaten und Gesandten
am portugiesischen Hof, Jean Nicot. Der hat von 1530 bis 1604
gelebt. Und Jean Nicot war derjenige, der den Tabak nach
Frankreich gebracht hat. Das heißt, die Ursprünge einer jeden
französischen Raucher Geschichte beginnt, lässt sich sozusagen
auf Jean Nicot zurückführen. Und das interessant dabei ist, dass
Jean Nicot den Tabak vor allem als Heilpflanze eingeführt hat und
dazu Tabaksamen an den französischen Hof geschickt hat. Und er
hat tatsächlich mit dieser Tabak, mit der Tabakpflanze als
Heilpflanze Werbung dafür gemacht, dass man mit Tabak so ziemlich
alles und jeden heilen kann. Gerade im französischen Hof damals
ist es dann, als Wunderkraut bezeichnet worden.


Ralph


Na ja, für manche Leute bis heute.


Lukas


Katharina de Medici, damals die französische Königin, soll zum
Beispiel den Tabak gegen Migräne genommen haben und den Tabak am
liebsten geschnupft haben. Eine Folge davon ist, dass zum
Beispiel Schnupftabak lange als poudre de la reine, also quasi
Pulver der Königin bezeichnet wurde, weil jemand Schnupftabak
gegen Migräne genommen hat. Und nachdem Jean Nicot gestorben war,
wurde dann einige Jahrzehnte später das Nikotin nach Jean Nicot
benannt und die Pflanzengattung, also die Untergattung der
Nachtschattengewächse, als Nikotiana.


Ralph


Okay, also.


Lukas


Alle nikotinhaltigen Pflanzen sind Nikotiana. Jedes Mal, wenn ich
mich mit Medizingeschichte beschäftige, bin ich einfach so
dermaßen froh. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts geboren worden zu
sein. Weil ich glaube, dass Medizin früher mehr kaputt gemacht
hat, als dass es geholfen hat. Das sieht man übrigens auch bei
den Tabakblättern. Die hat man nämlich zum Beispiel auf offene
Wunden gelegt und bei Magenbeschwerden sollte der kranke
Tabaksaft trinken. Und es gibt eine Überlieferung dazu aus einem
Kräuterbuch aus der Schweiz im Jahr 1656. Und da steht drinnen
das Kraut, reinigt Gaumen und Haupt, vertreibt, die Schmerz und
Müdigkeit, stillt Zahnweh, behütet den Menschen vor Pest, verjagt
Läuse, heilt den Grind, Brand, alte Geschwüre, Schaden und
sonstige Wunden.


Ralph


Das stimmt nicht, oder was?


Lukas


Nein, es gibt überhaupt keine Kinder. Und. Und jetzt wird's total
interessant, weil mit dem Tabak hat man sogar. Also mit dem
Tabakrauch, also wirklich schon der Verbrennung von Tabak hat man
versucht, sogenannten Miasmen entgegenzuwirken. Miasmen das war
damals eine Theorie, dass Krankheiten wie Pest vor allem aus
Ausdünstungen des Erdbodens kommen. Das ist quasi verdorbene Luft
und der schreibt man Verunreinigungen zu, die dann Pest oder
andere Seuchen ausgelöst haben, indem man quasi einfach Tabak
geraucht hat, hat man gemeint, dass man quasi damit diesen
Miasmen, also den bösen Ausdünstungen aus dem Boden
entgegenwirken kann.


Ralph


Okay, ja, noch nie gehört.


Lukas


Und jetzt kommt mein persönlicher Favorit der Medizingeschichte.
Ich glaube, da hatten wir auch schon mal bei Bitte nicht anfassen
irgendwann mal darauf rekurriert, aber ich bin mir nicht mehr
sicher. Mein persönlicher Favorit ist die Humoralpathologie. Sagt
dir der Name was? Humoralpathologie?


Ralph


Nein.


Lukas


Die Humoralpathologie ist die sogenannte Vier Säfte Lehre. Hast
du den schon mal gehört?


Ralph


Uff, Ja, ich habe das schon mal gehört, aber ich habe keine
Ahnung, was das wirklich bedeutet.


Lukas


Vier-Säfte-Lehre bedeutet, es gibt vier Säfte. Das ist unter
anderem Blut und Galle. Und Krankheiten werden vor allem dann
ausgelöst, wenn diese. Wenn diese Säfte nicht in Einklang sind.
Und es geht auf ein antikes Prinzip zurück. Und hat sich aber in
weiten Teilen eigentlich bis ins 18. Jahrhundert, sogar bis ins
19. Jahrhundert teils gehalten. Jedem Stoff werden dann
verschiedene Charakteristika zugewiesen und zum Beispiel wenn man
jetzt irgendwie Grippe hat, dann hat man zu wenig schwarze Galle
oder zu wenig Blut. Und dann muss man Stoffe nehmen, denen
gewisse Eigenschaften zugeschrieben wird. Und das wird dann
wieder angeglichen. Und beim Tabak war man der Meinung, dass es
quasi die schwarze Galle, Blut, Schleim und gelbe Galle ist und
diese vier Säfte besonders gut in Einklang bringt. Aber das ist
natürlich kompletter Schmarrn. Aber die Mythen um die Gesundheit
des Tabaks halten sich bislang noch. In den 1950 er Jahren galt
zum Beispiel Rauchen am Steuer als medizinisch empfehlenswert.


Ralph


Okay, verrückt.


Lukas


Die Begründung war Nikotin hält wach und es trägt zur Sicherheit
im Straßenverkehr bei. Und da gibt es also es gibt einen Ausweg.


Ralph


Aber da ist was dran, oder?


Lukas


Ja, es gibt einen ADAC. Also es gibt eine Ausnahme von der ADAC
Motorwelt aus dem Jahr 1952, die eine englische Studie zitiert.
Die habe ich aber nicht recherchieren können. Das heißt, das
jetzt bitte unter Vorbehalt. Da steht Kraftfahrer unter dem
Einfluss des Nikotins neigen weniger zu alkoholischen
Beeinträchtigungen ihrer Fahrtleistungen. Das heißt, wer raucht,
fährt betrunken sicherer. Und der ADAC sieht eine seiner
Hauptaufgaben darin, die laufende Zusammenarbeit zwischen den
Tabak und den Kraftfahrer Vereinigungen zu sichern. Ja, es ist
erstens schon irgendwie ziemlich wild, da. Und hast du ne Idee,
wann sie dieses Image von Tabak als Heilpflanze gewandelt hat?


Ralph


Vor allem wie war das das als Heilpflanze dann? Könnte sich das
denn gewandelt haben? Gibt es da ein auslösendes Ereignis.


00:18:36:02


Lukas


Mal anders rum? Welche Epoche? Also wann? Ab wann glaubst du,
wusste man, dass Tabak schädlich ist?


Ralph


Also auf jeden Fall 20. Jahrhunderts?


Lukas


Genau.


00:18:45:19 – 00:18:50:08


Ralph


Ob es früher. Ich würde tatsächlich sagen, ich bleibe beim 20.
Jahrhundert.


Lukas


Ja. Also, die erste offizielle Publikation, dass Tabak schädlich
ist. Das war 1952, der Artikel Cancer by the Carton im Readers
Digest. Und zum Ersten Mal gab es 1964 einen großen
wissenschaftlichen Report, der den Zusammenhang zwischen Krebs
und Zigaretten belegt hat, ja, der aber lange vor allem auch von
der Tabakindustrie geleugnet wurde. Und ich glaube, die
Tabakindustrie gerade in den USA im 20. Jahrhundert kann man
schon sagen, das ist schon so eine ziemlich ruchlose und
skrupellose Vereinigung gewesen. Also es ist ziemlich übel.


 Ralph


Da gibt’s doch diesen Film. Vielleicht kennst du den auch.
 Thank you for smoking.


Lukas


Genau da geht es unter anderem darum. Ja. Und? Hast du die Serie
Mad Men angeguckt? Zufällig?


Ralph


Nein.


Lukas


Also, Serie Mad Men geht es ja darum. Um um eine Werbeagentur aus
den 50er und 60er Jahren in New York. Und Don Draper. Der ist
sozusagen das Mastermind der Werbeindustrie ist, und der kriegt
ja damals Lucky Strike als Kunden und soll quasi diesen
gesundheitsschädlichen Report anders framen und da ist eben
dieses Ding entstanden, eben auch von Philip Morris, dass Tabak
Ja, wir wissen, dass es das ist Schädliches, aber es ist halt vor
allem Lifestyleprodukt. Und ich glaube, dass kein anderes Produkt
so krass dafür steht wie der Marlboro Mann. Also den Marlboro
Man, den kennst du, glaube ich, auch, oder?


Ralph


Also ja, das ist so ein Cowboy, der früher immer am Lagerfeuer
saß, glaube ich. Das war ja die Werbefigur genannt. Na ja, da
wirst mal was sagen. Aber ich glaube, da hat eine ganz tragische
Geschichte dann noch.


Lukas


Ja, also es gibt ja nicht nur einen Marlboro Mann, es gibt ja
mehrere Marlboro Men und die meisten haben ziemlich große
Geschichten. Also der Marlboro Mann Wayne McLaren, der ist 1992
im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs gestorben, hat nach eigener
Aussage am Tag eineinhalb Schachteln Zigaretten geraucht und gilt
sozusagen als der berühmteste Marlboro Man. Und ab dem Zeitpunkt,
wo er wusste, dass er Lungenkrebs hat, ist er krasser Anti Tabak
Aktivist geworden. Ja, 1987 ist ein weiterer Marlboro Mann
Darsteller gestorben, David Miller an einem Lungenemphysem. 1995
starb wiederum der nächste Mal David McLean an den Folgen des
Rauchens und Eric Lawson, auch der war Marlboro Man, aber auch
zwischen 78 und 81, also der hat und trotzdem eine ganz schöne
Zeit gelebt. Aber der starb 2014 an chronisch obstruktiver
Lungenerkrankung. Und du hast ja gerade den den Film Smoking
erwähnt und da spielte der Marlboro Mann auch eine Nebenrolle. Na
also. Die ganze Geschichte mit dem Marlboro Men ist einfach
ziemlich übel, weil die sind also ich glaub ein oder zwei gibt
es, die relativ alt geworden sind, aber alle anderen sind quasi
an den Folgen des Rauchens gestorben.


Ralph


Hmm, ja schlimm.


Lukas


Ja genau. Also das ist eine Geschichte des Marlboro Men, dass
halt Rauchen generell einfach ein ziemlicher Scheiß ist. Das kann
man nicht anders ausdrücken. Gleichwohl kann man einfach nicht
negieren, dass halt Rauchen auch eine gewisse Kulturgeschichte
ist, dass halt Rauchen auch als Genussmittel genutzt wird und
dass halt Rauchen auch zumindest in gewissen Kreisen sehr edle
Sache sein kann.


Lukas


So, jetzt denk mal, wenn du jetzt ans Rauchen denkst, jetzt denkt
man nicht an Zigaretten und an Marlboro, Mann. Und dann drei
Schachteln Lucky Strike am Tag, sondern denk mal an was Edles, an
etwas, was man sich nur einmal. Keine Ahnung, alle paar Monate
gönnt. An was würdest du da denken?


Ralph


Was man raucht oder wie? Ein paar Monate? Ja. Ähm. Ach, so eine
Zigarre.


Lukas


Genau richtig. Eine Zigarre. Und ich habe ja schon erwähnt, dass
es in diesem Teil noch einen Handwerksbetrieb mit musealen Wert
geben wird. Und zwar war ich dazu im Schwarzwald, genauer gesagt
in Lahr am Schwarzwald, denn da befindet sich die letzte
Zigarrenmanufaktur, die aus deutschem Tabak in Deutschland
deutsche Zigarren dreht.


Ralph


Ja, ja, ich wusste gar nicht, dass Tabak in Deutschland angebaut
wird.


Lukas


Wusste ich auch nicht. Tatsächlich ist Südbaden das größte
Anbaugebiet in ganz Europa. Und Gregor Rübder ist einer der
Geschäftsführer dieser Manufaktur. Der soll dir mal kurz
erzählen, was es mit dem Tabak da auf sich hat.


Gregor Grüb


Also die Gegend hier war ja abwechselnd Deutsch, Französisch,
Französisch, Deutsch und der Name des Tabaks ist badischer
Geudertheimer. Geudertheim ist ein kleines Dorf im Elsass,
gehörte aber damals zu Deutschland und danach wurde der Name
benannt. Es gab noch zwei weitere Sorten. Die Hauptsorte ist der
Virginia, der Virginia Tabak aus dem Zigarette und Shisha Tabak
gewonnen wird. Aber wir brauchen unseren badischen Geudertheimer.


Ralph


Wie heißt der noch mal?


Lukas


Badische Geudertheimer


Ralph


Ja, Und die stellen da noch Zigarren her?


Lukas


Genau. Die drehen die selbst. Und zwar gibt es diese Manufaktur,
die heißt Herr Lehmann. Die gibt es seit 1924. Und damals gab es
in Lahr im Schwarzwald noch über 200 Tabak Manufakturen und da
war generell in der ganzen Tabakwelt recht bekannt, weil die
Marke Roth-Händle auch von daher kommt. Ich weiß nicht, ob du das
schon mal gehört und es war eine sehr berühmte. Ich weiß nie, ob
es sie noch gibt, aber es war jedenfalls eine sehr berühmte
deutsche Zigarettenmarke. Genau. Und Herr Lehmann ist die letzte
Manufaktur, die noch in Lahr produziert. Und das ist das
Spannende daran. Und deswegen bin ich da auch hingegangen. Die
machen das noch mit originalem Equipment aus den 1920 er Jahren.


Ralph


Was heißt das?


Lukas


Das heißt alle. Also da, das ist ein Handwerksbetrieb und da gibt
es Apparaturen und Werkzeuge und Tische und alles. Das ist aus
den 20er Jahren. Und das siehst du auch. Und damit du mal
vielleicht einen Eindruck davon bekommst, wie das genau geht,
soll dir das Gregor Grüb einfach noch mal kurz erklären. Und zwar
Was ist so der erste Schritt, wie man in Deutschland in der
Manufaktur eine Zigarre macht?


Gregor Grüb


Wir stehen ganz konkret jetzt vor einem vor einem Wickeltisch.
Das Tabakherstellen, ist oder Zigarrenherstellen ist ein
zweistufiger Prozess. Und da möchte ich gerne einmal damit
aufräumen, was das typische Bild ist, das man im Kopf hat bei
Zigarren, da geht es ja immer um ganze Tabakblätter und Cuba und
irgendwelche Schenkel auf denen rumgerollt wird. Das ist bei uns
nicht der Fall. In Europa war es immer sogenannter gerissener
Tabak, also wie bei der Zigarette auch kleine Stücke von Tabak
und die werden genommen im ersten Schritt und werden auf diesem
Wickeltisch wird ein Blatt ausgelegt, in das dann wiederum dieser
gerissene Tabak eingefüllt wird. Und das ist wie so ein optisch
so halb so wie so ein Webstuhl. Es wird nämlich mechanisch mit
dem Fuß nach vorne und hinten bewegt, damit man diesen ersten
Schritt ermöglichen kann. Das Ergebnis nennen wir einen einen
Wickel oder eine Puppe.


Ralph


Gut, also wenn ich das richtig verstanden habe, haben die einen
Blatt Papier oder irgendwie so was.


Lukas


Nee, so ein Tabakblatt.


Ralph


Und auf dieses Tabakblatt kommt kommen so gerissene Stücke von
dem Tabak drauf.


Lukas


Genau


Ralph


Dieses große Tabakblatt, Das wird dann gerollt und ja, das ist
dann irgendwie die Zigarre. Letzten Endes werden wahrscheinlich
über mehrere Schichten dann.


Lukas


Genau das ist Schritt eins und eben, man hat ja dieses Bild im
Kopf und das gibt es tatsächlich auch in Südamerika, dass man
eine Zigarre wirklich nur aus Tabakblättern dreht, also dass man
Tabakblätter so fest und so lange ineinander dreht, bis es quasi
eine Zigarre ist. In dem Fall ist es aber so, dass das halt
gerissen wird. Das hat verschiedene Vorteile, die ist dadurch
länger haltbar. Zum Beispiel Gregor Grüb hat es als Webstuhl
ausgedrückt. Es musste dir wirklich vorstellen, wie so ein
uralten massiven Tisch, wo du unten mit dem Fuß so eine Mechanik
bewegen kannst. Und diese Mechanik löst einen Dreh Mechanismus
aus und die sorgt dafür, dass dieser Tabak gleichmäßig verteilt
wird, sodass eine gleichmäßig dicke Puppe eben entsteht. Das ist
Schritt eins der Tabakherstellung.


Lukas


Und wenn diese Puppe dann dann fertig ist, dann wird die in so
eine Holzschablone rein gepresst. Auch das ist total des sind
einfach so Holz Aussparungen, die sind auch uralt. Die sind
genauso 100 Jahre alt, da werden die reingepresst und dann kommt
ein Negativ obendrauf genau in die andere Richtung, wird dann
eingespannt, festgezurrt und dann wird es 24 Stunden lang
gepresst und erst dann ist der erste Schritt.


Lukas


Erst dann ist die Puppe voll und ganz fertig. Genau. Aber das ist
eben noch nicht die fertige Zigarre. Also das könnte man so zwar
schon rauchen, aber es fällt noch nicht gut, weil das Kronjuwelen
der Zigarren Herstellung fehlt, nämlich das Deckblatt und es
Deckblatt ist ja auch aus Tabak und das ist quasi das, was bei
beim Zigarrendrehen besonders schwer es.


Lukas


Gregor Grüb und sein Team die haben ja sozusagen die Manufaktur
übernommen, weil die gesagt haben, sie wollen nicht, dass diese
Tradition ausstirbt, weil Gregor Grüb selbst keine Zigaretten,
keine Zigarren drehen kann, haben die Leute gesucht, die diese
Kunst, die Puppe mit dem Deckblatt zu verbinden, noch können.


Gregor Grüb


Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der das wirklich kann.
Also unsere Annahme war, als wir anfingen, Na ja, es wird noch
ein paar nicht ganz mehr Junge, aber die schon mal gemacht haben,
geben, die uns da unterstützen können. Und das war gleich null.
Die hatten keine Lust oder waren halt dahin gestorben und haben
wir diese Anzeige geschaltet, im Zigarrendreher gesucht und wir
bekamen wahnsinnig viele Anrufe, wenn sie Zigaretten drehen
wollen. Das kann ich auch, da kann ich Ihnen helfen. Und das hat
uns aber natürlich nicht geholfen. Also mussten wir wirklich
warten. Wir hatten sehr, sehr viel Glück, dass die Monika und
noch zwei andere dann zu uns kamen und uns da unterstützt haben.


Ralph


Also insgesamt drei Leute haben sie gefunden.


Lukas


Die es sind keine gelernten Zigarrendreher, die haben das halt
einfach ausprobiert und haben sie dann selber drauf gebracht. Das
heißt verlorenes Handwerkswissen, was die sich wieder drauf
gemacht haben und Monika war auch vor Ort. Also eine der Zigarren
erinnern und sie macht es eben professionell für die Zigarren
Manufaktur. Ich war nebendran, als sie mir das erklärt hat, wie
dieser letzte Schritt, also diese Veredelung der Zigarre erfolgt.
Das heißt, wir erinnern uns, vorhin gab es diese Puppe, die 24
Stunden gepresst wurde. Dann werden da die Enden abgeschnitten.
Und jetzt kommt dieses Deckblatt drauf. Und wenn dieses Deckblatt
drauf ist, dann schaut diese Zigarre auch richtig schön und
richtig ist dieses.


Ralph


Deckblatt, die äußerste Schicht sozusagen.


Lukas


Genau. Es auch ein Tabakblatt. Genau. Und sie hat mir das jetzt
erklärt. Ich habe das aufgezeichnet. Ich weiß nicht, ob das
akustisch so gut rüberkommt, sonst. Ich habe auch ein Video davon
aufgezeichnet und dieses Video gibt es in den Shownotes. Aber wir
hören jetzt mal rein, wie Monika diese Zigarre veredelt.


00:29:22:02


Ralph


Da hören wir jetzt mal rein.


Monika


Das ist jetzt angefeuchtet und wenn ich das nicht in der Tüte
hätte, würde es in einer halben Stunde trocken sein. Wenn ich
jetzt diese Mittelrippe entfernen will, sie nicht.


Lukas


Du kuckst dann natürlich auch Sind da Löcher drinnen? Sind jetzt
große, unregelmäßige?


Monika


Ja, und vor allen Dingen wie rum leg ich es also hier? Das sind
ja die Nähte von Ihnen. Das ist wie im Socken innendrin die
Nähte. Die müssen natürlich nachher wieder drin sein. Deswegen
muss ich es richtig rum hinlegen. Das sind die Nähte. Innendrin
sind nicht außen. Und dann schneide ich mir das passende Stück
raus.


Lukas


Das sieht aus wie so ein Minipizza-Roller, mit dem du ja die. Das
Ding ist aber auch schon wahrscheinlich so alt wie die Möbel.


Ralph


Ja der Minipizza Roller. Ja, man hat halt viel oder Ich habe viel
Geraschel gehört und ich glaube jetzt habe ich durch diese. Ja
durch den Kommentar von Monika habe ich erst so richtig gecheckt,
dass es ja ein Blatt ist, das ja auch diese Rippen hat und dass
man da eben drauf achten muss, welchen Teil ich habe, welchen
Teil man nimmt.


Also wie groß ist denn eigentlich so ein Tabakblatt? Das habe ich
noch gar nicht verstanden.


Lukas


Also das Tabakblatt wird ja geerntet, dann ist es grün und dann
wird es getrocknet und irgendwann fermentiert und dann wird es so
braun. Das ist so ein ganz dunkles Braun halt, wie  eben so
Zigarrenblätter aussehen und es ist aber total trocken. Das
heißt, wenn du das nicht anfeuchten würdest und du würdest es
einfach drehen wollen, das würde dir sofort auseinanderbrechen.


Lukas


Das heißt, du musst es wirklich mit so einem Spray befeuchten,
damit es überhaupt elastisch wird. Und deswegen lässt Monika in
dieser Plastiktüte drinnen, damit quasi die Feuchtigkeit nicht
rausgehen kann. Dieses Tabakblatt ist ferment iert, würde ich mal
sagen. Wie? Wie hoch wird es sein? So 30 40 Zentimeter maximal.
In der Regel irgendwas. Also ich, ich, ich Ich lehne mich jetzt
aus dem Fenster und sag 27,5 Zentimeter im Durchschnitt Länge und
15,3 Zentimeter im Durchschnitt Breite.


Lukas


Und das ist so eine ovale Form, die geht genau die Rippen von dem
Blatt kann es natürlich nicht verwenden. Deswegen musst du die
Blätter Ränder so rausschneiden, dass du immer ein perfektes
Blatt hast, in der du die Puppe dann einwickeln kannst. Da zeigt
sich halt so ein bisschen die Handwerkskunst, weil es ist nämlich
wirklich verdammt schwer, ein Blatt so zu finden, dass das mit
der Puppe so passt, dass am Ende eine perfekte, überall
gleichmäßige und gut rauch bare Zigarre entsteht.


Lukas


Und deswegen ist es eigentlich auch so, dass man industrielle
Zigarren, also hochklassige Zigarren sind in den seltensten
Fällen industriell. Es würde zwar gehen, aber dieses Deckblatt
machen. Das ist halt was, was maschinell kaum umsetzbar ist.


Ralph


Stelle ich mir gar nicht so kompliziert vor, aber ich muss dann
einfach das Video mal angucken, weil ich denke mir halt grad so
ja gut, das ist ein ovales Blatt, das hat diese Mittelrippe und
dann.


Lukas


Die musste raus machen


Ralph


Schneidest du halt weg und nimmst du dann nur das linke Teil oder
nur das rechte Teil dafür?


Lukas


Aber das muss es so sein, dass es trotzdem nah an die Puppe ran
gemacht wird. Also es hört sich einfach an, es ist aber wirklich
nicht einfach. Da muss man wirklich reinkommen.


Ralph


Wenn es zu lang ist, dann schneidet man es weg mit diesem
Minipizza Rolle vielleicht an oder so.


Lukas


Genau, aber dann sieht die Zigarre scheiße aus. Am Ende hast du
quasi ein Produkt, das sowohl optisch gut ausschaut, als auch die
Qualität stimmt. Das ist dann wirklich Handwerkskunst und das
sieht man zum Beispiel auch. Ich habe mal geguckt, ich bin ja
immer so ein Fan was es was kosten die teuersten Zigarren, was
kostet der teuerste Wein blablabla Darin ist es vielleicht.


Lukas


Ich habe natürlich bei den Zigarren auch nach geguckt. Die
teuerste Zigarre, da kostet die Kiste 15.000 € und das macht
einen Zigarrenpreis von 375 € pro Zigarre. Das ist die
Meister Torcedora Norma der Marke Cohiba aus Kuba. 375 € pro
Zigarre. Auch ziemlich wild, oder? Wenn du überlegst, ist das nur
Tabakblättern? Und dann geht noch die Gurkha Majesty’s Reserve.
Und da kostet die Zigarre 400 $ das Stück.


Lukas


Also, das ist so ein bisschen, so ein bisschen das Spannende. Und
angeblich ist sie deswegen so gut, weil das Deckblatt, was da
genommen wird, 18 Jahre lang gereift hat und eine ganz streng
geheime Einlagen Mischung in diesem Deckblatt diese Zigarre so
außergewöhlich macht.


Ralph


Hattest du denn auch die Möglichkeit, da ein bisschen zu rollen
oder was anzufassen?


Lukas


Nee, ich muss auch ehrlicherweise gestehen, ich habe Respekt vor
Handwerkskunst und ich finde es dann immer so ein bisschen
übergriffig, wenn ich dann sagen würde Ja, lassen Sie mich da mal
hin rollen, weil ich habe halt gesehen, was es für einen, was es
für ein Aufwand ist, was und dann weiß ich nicht, Finde ich es
irgendwie so? Keine Ahnung.


Lukas


Ich habe das zugeguckt, geguckt und ich war das sehr fasziniert
von und das soll reichen. Und dadurch, dass ich ja weder
Zigarrenrauch noch irgendwie in nächster Zeit vorhabe, daran
etwas zu ändern, ist es für mich auch voll okay.


Ralph


Okay. Ja.


Lukas


Ja, lieber Ralph, hast du noch Fragen?


Ralph


Du hast ja am Anfang dieses Museum in Paris beschrieben und die
Friedenspfeife zum Beispiel. Da gezeigt, Was ist denn da sonst
noch so ausgestellt? Also Zigarren sind da auch oder Zigarren
eher nicht.


Lukas


Das sind auch Zigarren ausgestellt. Das sind auch zum Beispiel
Überlieferungen aus alten Schriften ausgestellt, die noch mal das
Thema Tabak als Heilpflanze haben. Sind alte Fotografien
ausgestellt. Also alles mögliche alte Opiumpfeifen, ähm, Sachen,
was man zum Beispiel in Asien geraucht hat, also verschiedenste
Rauchgeräte und alles was damit zusammenhängt in der ganzen Welt.
Aber wie gesagt, es ist halt und das eben noch mal, es ist halt
alles so ein bisschen.


Lukas


Man hatte das Gefühl, dass es seit 30 Jahren keiner mehr
hingegangen ist und das soll auch keiner mehr Lust hatte
hinzugehen. Und deswegen wirkt es halt alles ein bisschen
runtergekommen weißer und das ist halt echt schade.


Ralph


Ja, auf jeden Fall. Also, um es noch mal zu sagen Wir sind jetzt
nicht.


Ralph


Wir wollen jetzt keine Werbung für's Rauchen machen, aber das
Rauchen eine spannende Geschichte ist und halt einfach auch
gesellschaftlichen Aspekt und und Wert hat. Das ist ja gegeben
und darum ist eigentlich auch die Forschungen und Museum
dahingehend eigentlich recht wertvoll. Und dann schade, dass es
halt nicht so gepflegt worden ist in den letzten Jahren.


Lukas


Vielleicht kann man das ja mal wieder machen, Vielleicht kann man
das ja wieder wieder irgendwie ein bisschen revitalisieren. Aber
jetzt aktuell, glaube ich, wird es erst erstmal so weitergehen.
Um ganz ehrlich zu sein. Deswegen würde ich jetzt auch sagen,
jeder der jetzt in Paris ist oder da Urlaub macht, Paris ist ja
die Stadt der Museen möglicherweise und wissen ja immer für
Alternativen, kleinen und skurrile Museen da.


Lukas


Deswegen machen wir diesen Podcast. Aber das Rauchermuseum könnte
ich jetzt nicht uneingeschränkt empfehlen.


Ralph


Ja, okay, hat dann überhaupt Eintritt gekostet.


Lukas


Und gute Frage. Ich weiß, es kann keinen. Ich hab nichts gezahlt.
Kann ich dir nicht sagen.


Ralph


Ja gut, macht nix. Ja, ja, Hier. Wunderbar. Dann vielen Dank für
diese Vorstellung. Ich bin auf jeden Fall schlauer geworden. Ich
habe mich noch mal mit den Nachtschattengewächse
auseinandersetzen. Das ist eine Bildungslücke. Auch mit der Lehre
der vier Säfte.


Lukas


Vier Säfte Lehre.


Ralph


Aber ja, spannend. Also muss ich nicht auch, dass in Deutschland
Zigarren hergestellt werden aus deutschen Tabak?


Lukas


Ja, das größte Tabak Anbaugebiet Europas.


Ralph


Na ja, Irre. Hm. Nie gehört.


Lukas


Ich habe jetzt meinen  Soll erfüllt für diese Folge. Und ich
will natürlich wissen, was wird in der nächsten Folge auf mich
zukommen. Also ich will es nicht komplett wissen, aber zumindest
will ich so bissel erfreuen können, damit ich den ganzen Monat
drüber nachdenken kann. Oha, was wird er mir erzählen?


Ralph


Was wird also die nächste Folge? Die wird wieder richtig
spannend. Es geht um ein Museum, das nur existiert. Also wie sage
ich, dass dieses Museum existiert, Nur weil ein Mann, der
Gegenstände gesammelt hat, mit einer reichen Frau verheiratet
war? Also diese reiche Frau, die hat ihm ermöglicht, dass er auf
der ganzen Welt seine Sammelleidenschaft da erfüllen konnte und
und Gegenstände sammeln konnte.


Ralph


Wird das nicht gegeben, wird vielleicht auch dieses Museum nicht
geben und der Gegenstand ist eigentlich ein ganz, ganz
alltägliche Gegenstand. Hast auch schon mal eine Hand gehabt und
die gibt es halt überall auf der Welt.


Lukas


Ich bin gespannt.


Ralph


So soll es ja sein.


Lukas


Eigentlich ist es ja nur dazu gedacht, dass die Leute wissen, das
bitte nicht anfassen, sie Gefallen gefunden haben und das
Vorhaben, lange, lange, lange weiterzumachen.


Ralph


Und genau das Ding mit den Teasern ist halt Eigentlich möchte man
schon teasern, aber man hat so Schiss, dass man zu viel Tesa hat.
Oder weiß es die andere Person? Warum machen wir das so
kryptisch? Das sage ich ja. Keiner weiß, was es ist. Ja.


Lukas


Wie dem auch sei, wenn ihr uns unterstützen möchte, wir betreiben
bitte nicht anfassen ehrenamtlich, dann könnte das tun. Über
Steady oder über Go fand Meter haben wir jeweils zwei Kampagnen
eingerichtet. Wir würden uns natürlich wahnsinnig darüber freuen,
denn für uns ist es natürlich auch ein ziemlich großer Aufwand.
Wir sind ja jedes Mal bei den Museen vor Ort und machen nichts
remote, sondern wir sind wirklich da und sprechen mit den Leuten.


Lukas


Und natürlich ist es für uns immer super, wenn ihr uns
unterstützt. Das könnt ihr auch tun durch eine fünf Sterne
Bewertung, durch eine Weiterempfehlung, durch Teilen mit so
vielen Leuten der Bewertung schreiben, uns Briefe schreiben,
Liebeserklärungen schreiben usw und so fort.


Ralph


Also jetzt am Ende dieser Folge, schickt das mal weiter an Leute,
die sich für Zigarren interessieren. Genau die werden ihre Freude
damit haben.


Der Beitrag Kippen statt Mona Lisa und Montmartre – das
Rauchermuseum Paris erschien zuerst auf Escucha.


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