Zwoelfer-Special Folge 2: Glas aus Waldsassen für die Metropolen dieser Welt - von Pfeifen, Bläsern und Häfen

Zwoelfer-Special Folge 2: Glas aus Waldsassen für die Metropolen dieser Welt - von Pfeifen, Bläsern und Häfen

BITTE NICHT ANFASSEN! Zwoelfer Special 2: - Glas und Glasschmelzofen
32 Minuten

Beschreibung

vor 1 Jahr

BITTE NICHT ANFASSEN! #Zwoelfer-Special 2: Glas und
Glasschmelzöfen


Show Notes 


Wer durch den Flughafen in Orlando läuft, durch Paris schlendert
oder die Uhrzeit vom Big Ben in London abliest, der hat –
vermutlich unbewusst – schon Glas gesehen made in Waldsassen, in
der Oberpfalz. Die Firma Lamberts ist eine von weltweit drei
Firmen, die auf traditionelle Weise Flachglas herstellen. In
dieser Folge geht es um die Geschichte von Glas, um den
Unterschied zwischen Glasbläsern und Glasmachern und um die
Frage: warum hat sich denn ausgerechnet hier so eine Industrie
angesiedelt?


Dazu haben wir das Stiftlandmuseum in Waldsassen besucht, einen
Abstecher zur Firma Lamberts gemacht und sind in das
Glasschmelzofenmuseum in Plößberg gegangen. Denn ohne Ofen kein
Glas. Und auch ohne Wald kein Glas. Zumindest früher. Warum das
so war, erfahrt ihr in der aktuellen Folge.


Die Kooperation von das zwoelfer und dem Podcast „BITTE
NICHT ANFASSEN!“ wird gefördert von der Landesstelle für die
nichtstaatlichen Museen in Bayern.


#podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #oberpfalz
#bayern #handwerk #Glas #Ofenbau #Waldsassen #Plößberg


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Hilfreiche Links: 


Zum Agricola Ofen: https://de.wikipedia.org/wiki/Probierofen


Mehr Infos zu Georgius Agricola:
https://www.georgius-agricola.de/leben.html


Zum Waldglas: https://de.wikipedia.org/wiki/Waldglas


Zum Floatglas: https://www.youtube.com/watch?v=57TE8lHSzBE


Offizielle Homepage der Firma Lamberts: https://lamberts.de/start


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Infos zum Museum:


Stiftlandmuseum Waldsassen
Museumstraße 1
D-95652 Waldsassen


https://waldsassen.de/rathaus/staedtische-einrichtungen/stiftlandmuseum


Museen im Rathaus (Schmelzofenbaumuseum Plößberg)
Jahnstraße 1
D-95703 Plößberg


https://ploessberg.de/


~~~~~~~ 


über BITTE NICHT ANFASSEN!:  


Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte
Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an
Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das
Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das
Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir –
das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim
Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an
Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge.
Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so
viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 


Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an
kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und
alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich
noch nie gehört hast. 


Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein
besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen
darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und
-betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar
gemacht. 


Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem
Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und
Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories
mögen. 


BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur
für's Ohr. 


Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


 
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Kontakt: 
Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
 
E-Mail: info[at]escucha.de  


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über „Das Zwoelfer – Museen im Landkreis
Tirschenreuth!“:


Wir sind die Museen im Landkreis Tirschenreuth und hier gibt es
viel zu sehen, staunen und entdecken. 12 Monate im Jahr gibt es
ein vielseitiges Programm: Sonderausstellungen, Veranstaltungen
und Aktionstage zum Mitmachen.


Das Stiftland und der Steinwald haben einiges zu bieten und auch
die Museen in unserem Landkreis sind immer wieder einen Besuch
wert. Nicht nur in den größeren Städten wie Tirschenreuth,
Waldsassen, Mitterteich, Kemnath und Erbendorf finden Sie
mancherlei Museumsschätze, sondern auch in Bärnau, Bad
Neualbenreuth, Mähring, Plößberg und nicht zuletzt auf der Burg
in Falkenberg gibt es viel Neues und Altes zu entdecken.  


Wir laden Sie ein auf eine spannende und abwechslungsreiche
Entdeckungsreise durch die Museen im Landkreis Tirschenreuth und
wünschen Ihnen dabei einen angenehmen Besuch, bleibende Eindrücke
und interessante Begegnungen. Wir freuen uns auf Sie!


Wollt ihr uns unterstützen?  


~~~~~~~ 


Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei:
https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  


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Podcast-Credits:  
  


Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
Produktion: Escucha GbR  
Podcast-Grafik: Tobias Trauth;
https://www.instagram.com/don_t_obey/  
Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin)
https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann
(Musik)  


Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und
empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt
vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 


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Transkript 


Transkript


Transkript


Sprecher 1


Ja das Archaische, das Feuer und die, die Kollegen draußen, die
das Glas aufblasen und 5000 Farben von den Schattierungen her und
das Glas oder einfach ganz eigene Brillanz und Körperhaftigkeit,
also einfach eine eigene Seele.


Sprecher 2


Hallo und herzlich willkommen zu Bitte nicht anfassen. Museum mal
anders. Mein Name ist Ralph


Lukas


und mein Name ist Lukas und wir stellen für euch weirde Museen
vor, die aber alle sehr liebenswert sind. Und in diesem September
ist alles ein bisschen anders, denn ihr hört Folge zwei unseres
Zwoelfer Specials.


Ralph


Wer vor ihr eins nicht gehört hat, da ging es ja um die
Biertradition in der nördlichen Oberpfalz mit dem Namen Zoigl und
Lukas. Du hast ja da einiges erzählt. Zum Zoigl wiederhergestellt
wird, was sie in auszeichnet. Und du hast ja auch eine Werkstatt
besucht, in der Fässer hergestellt werden.


Lukas


Ja, auf jeden Fall eine sehr coole Folge, nicht nur für Bier
Fans, sondern für alle, die sich auch so ein bisschen für ja
lokale Geschichte interessieren. Und es ist auf jeden Fall so,
dass diese Tradition da jetzt auch zu einem richtigen
Touristenmagneten geworden ist.


Also von daher hört da gerne mal rein.


Ralph


Und ich weiß jetzt auch, dass ich wahrscheinlich immer einen
falschen Zoigl getrunken habe. Richtig. Ja, genau. Das ist jetzt
auf meiner Bucketlist der Dinge, bevor ich sterbe, echten Zeugen
trinken.


Lukas


Unser Prinzip ist es so, dass wir uns gegenseitig immer Museen
vorstellen. Ich war jetzt in der letzten Folge dran. Das heißt,
dass ich mich für diese Folge entspannt zurücklehnen kann, denn
da hast du was für mich vorbereitet.


Ralph


Richtig. Wie vergangenes Mal angekündigt, geht es bei mir auch
wieder um Handwerk, aber um ganz anderes und um auch ein ganz
seltenes Handwerk, an dessen Ende ein Produkt steht, das Du und
auch viele andere Menschen auf der ganzen Welt schon mal gesehen
haben. Und zwar produziert von einem Unternehmen in der
Oberpfalz. Da hören wir gleich einen Ton rein.


Unbekannter Sprecher 1:


Wir haben zum Beispiel die Zifferblätter von Big Ben geblasen.
Das sind mundgeblasene Gläser aus Waldsassen. Es gibt in den
bekanntesten Flughäfen Orlando Airport, London, Stansted, wo auch
immer, Glas, Kunst mit Glas aus der Oberpfalz, aus Waldsassen,
aus unserer Hütte. Es gibt aktuell auch wieder Projekte im
arabischen Raum, die wir noch nicht nennen dürfen, aber die jetzt
dieses Jahr bekannt werden werden. Es gibt auch zum Beispiel hier
in der Oberpfalz die Walhalla in Regensburg.


Lukas


Ja, krass. Also Moment, es war Big Ben. Es war, äh, Projekte in
im arabischen Raum, die noch nicht genannt werden können. Und es
war auch ein Flughafen und Flughäfen. Genau richtig. Ja, krass.


Ralph


Die Walhalla in Bayern. Ja, und da kommen auch noch viele andere
dazu, die er jetzt nicht genannt hat. Zum Beispiel Notre Dame
oder auch der Kölner Dom.


Lukas


Krass. Und da haben sie die Gläser gemacht,


Ralph


Da haben die die Gläser gemacht und es geht in der heutigen Folge
um welches Handwerk? Glasbläserei genau, Es geht um Glasbläserei.


Es geht's aber im Speziellen um die Glasmacherei, denn da gibt es
einen Unterschied. Den kann ich auch gleich erwähnen. Dann haben
wir es hinter uns, sozusagen. Dann weißt auch gleich, was gemeint
ist, also Glasblasen.


Damit ist er gemeint, dass jemand so ein Rohr hat, in das er
hinein bläst, Luft hineinbläst. Und dann, am anderen Ende dieses
Rohrs, hat man Glas, das dann wie ein Ballon aufgeblasen wird.
Darum spricht man von Glasblasen. Heute geht es ums Glasmachen.
Da wird die Technik des Glasblasens benutzt, aber es wird nicht
ein ein rundes Glasstück oder ein ein kugelartiges Glasstück
hergestellt, sondern Flachglas.


Bei diesem Handwerk spricht man vom Glasmachen.


Lukas


 Wie will man Flachglasblasen? Du kannst ja schlecht in
Quadraten blasen oder in rechteckigen Blasen.


Ralph


Na ja, man bläst das schon, aber es wird dann im Prozess flach
gemacht. Aber das erzähle ich dir später. Alles klar. Es soll
außerdem auch darum gehen, warum denn gerade ein Unternehmen in
der Oberpfalz damit so bekannt geworden ist.


Welche guten Gründe es dafür gibt, dass sich genau hier in der
nördlichen Oberpfalz das Glasmacher Handwerk angesiedelt hat. Und
ich beginne die Folge in Waldsassen. Das liegt rund 70 Kilometer
östlich von Bayreuth, und dort gibt es das Stiftlandmuseum. Kurz
zum Namen. Das kommt daher, weil es in Waldsassen ein Kloster
gibt, einen Kloster Stift und das hatte im Mittelalter sehr viele
Ländereien, die dann als Stiftland bezeichnet worden sind.


Und im Museum da gibt es eine ganz, ganz breite Palette an
Ausstellung Stücken und es ist auch sehr groß und ich möchte
nicht vorenthalten, was es da alles zu sehen gibt.


Franziska Beck


Unfassbar viele Gewerke, die man hier im Stiftlern Museum zeigt,
vom Brotbacken, Metzgerei, Flachsverarbeitung über alle möglichen
anderen Handwerksberufe, zum Beispiel der Büttner, also der
Fassmacher. Wir haben uns sogar eine eigene Dorfschule. Also wir
haben hier querbeet alles, würde ich sagen, aus dem Stiftland,
aus der Region.


Lukas


Okay, also auch hier ist wieder der Fassbinder Kontext sehen,
auch im Stiftland


Ralph


ja also wen du gerade gehört das ist Franziska Beck sie ist
Museumsfachkraft und zuständig für die Sammlungsarbeit im
Stiftland Museum, die Sammlung ist wirklich sehr umfangreich. Sie
hat es ja auch schon beschrieben.


Konkret sind das vier Stockwerke und ganz viele Räume, durch die
man durchgehen kann. Da kann man echt ein paar Stunden drin
verbringen. Es gibt auch einen Raum, der sich eben mit dem
Glasmachen auseinandersetzt und im speziellen halt den Beruf des
Glasmachers. Und in diesem Raum erfährt man auch, warum die
Tradition des Glasmachens denn in dieser Region angesiedelt ist.


Dazu Franziska Beck


Franziska Beck


Im Bayerischen Wald oder im Ostbayern war es einfach so die
Frage: Was kann man denn machen? Was haben wir eigentlich für
Rohstoffe vor Ort? Brennholz natürlich. Sonstige Ausgangsstoffe
für Glas konnte man da entsprechend auch zum Beispiel durch die
Eisenbahn hierher überführen. Also das wird dann ein Vorteil,
sagen wir an dem Standort. Aber andere Gewerke, die es vielleicht
in anderen Regionen geben hat, haben hier wenig Sinn.Macht
einfach vom Aufwand her zum Beispiel.


Lukas


Okay, also was ich jetzt noch verstanden habe es gibt wahnsinnig
viel Wald und damit wahnsinnig viel Brennholz. Genau. Und man
kann da mit der Eisenbahn gut hinfahren und er kann dann halt
Rohstoffe hinbringen. Äh, okay, aber jetzt mal kurze Frage. Ich
dachte Glas ist doch Sand. Das heißt, man braucht doch eigentlich
erst mal Sand oder geschmolzene Sand und jetzt weniger das
Brennholz.


Oder liege ich da falsch?


Ralph


Du brauchst schon beides. Das hast schon Recht Glas besteht aus
Sand, aber nicht nur. Es gibt ja noch andere Bestandteile. Hast
du eine Ahnung, was da sonst noch dazugehört?


Lukas


Nee, ich dachte, das ist halt Sand, der geschmolzen wird. Und
wenn der dann wieder abkühlt, wird er zu Glas.


Ralph


Ja, im Endeffekt schon. Aber es ist zu schwierig, diesen Sand zu
schmelzen, weil er eine zu hohe Temperatur hat. Und darum braucht
man gewisse Flussmittel. Heißt, das Material in die die
Temperatur, die die Schmelztemperatur senken. Und da nimmt man
Asche her und Kreide.


lukas


Das heißt, wenn der Sand bei einer so und so hohen Temperatur
schmelzen würde, machte das früher, wenn man das zugibt.


Ralph


Ja, ja, man sinkt um rund 200 bis 300 Grad. Die Temperatur zum
Schmelzen.


Also man braucht dann eine Temperatur von 1500 Grad immer noch
sehr viel. Also nicht so einfach im Backofen daheim zu machen.


Lukas


Aber das heißt jetzt hier, meine Fensterscheiben sind auch Sand
und Kreide.


Ralph


Heutzutage ist es so, dass man anstatt der Asche industriell
erzeugtes Soda nimmt. Das ist Natriumkarbonat, nicht zu
verwechseln mit Backpulver. Das ist wieder was anderes. Genau.
Aber im Prinzip ja. Also die frühesten Nachweise von Glas, Die
reichen zurück bis in die Pharaonenzeit In Ägypten, nämlich um
1800 vor Christus. Und die ersten Erzeugnisse waren dann Perlen,
die man geschmolzen hat. Und erste Hohlglasgefäße, also sowas wie
Gläser, aus denen man trinkt, die gibt es seit 1500 vor Christus.
Und das erste bekannte Rezept, das stammt aus dem siebten
Jahrhundert vor Christus, aus der Bibliothek des assyrischen
Königs Assurbanipal.


Und da steht eben auch schon drin, das mit Sand, Asche und Kreide
und auch noch im Verhältnis. Also da heißt es Nimm 60 Teile Sand,
180 Teile, Asche aus Meerespflanzen und fünf Teile Kreide und
erhältst Gas. Ja und wie gesagt, im Endeffekt ist dieses Rezept
so im Großen und Ganzen bis heute erhalten geblieben. Man hat ein
paar Stoffe ausgetauscht und die Verhältnisse auch angepasst.


Es hat dann noch relativ lange gedauert, bis dann das Glas blasen
erst erfunden worden ist. Also vorher hat man das geschmolzen und
hat das dann wieso Teigwülste um und um Tonformen herum gelegt
und dann hat man gewartet, bis das halt wieder abgekühlt ist.
Jedenfalls im ersten Jahrhundert vor Christus haben dann die
Phönizier das Glasblasen erfunden und ich mach jetzt ein
Zeitsprung ins 17. Jahrhundert, weil da ist es dann auch
interessant für die Oberpfalz vor der Industrialisierung.


Da gab es vorwiegend Waldglas in der Gegend und das wurde in
sogenannten Wald Glashütten erzeugt. Das waren halt quasi diese
Betriebsstätten, die sind dann immer gewandert, weil das Holz in
der Umgebung dann ausgegangen ist. Und wie du schon richtig
gesagt hast. Es gab halt sehr viel Holz, Holz und auch Wald in
der Oberpfalz ist ja noch immer so und der Verbrauch war was
enorm hoch, dass man immer wieder wandern musste.


Also eine Hütte hat da pro Jahr 20 bis 30 Hektar Wald verbraucht.
Und dazu muss ich aber sagen, nicht nur als Brennholz, sondern
für die Herstellung von Asche. Also man hat da Pott asche
hergestellt, das ist ja ein Bestandteil des Glases und das hat
halt das meiste Holz tatsächlich verbraucht. Okay, und das
bekannteste Waldglas ist so grünlich gefärbtes Glas und das
kennste bestimmt auch.


Das soll ja aber Franziska Beck kurz mal erklären, für was man
dieses Waldglas auch verwendet hat.


Franziska Beck


Butzenscheiben sind runde Glasscheiben mit einem leicht wulstigen
Rand und in der Mitte praktisch auch so ein kleiner Wulst.


Lukas


Butzen scheiben, hat sie gesagt. Das Wort sagt mir jetzt gar
nicht. Wieso meint er, dass ich das kann?


Ralph


Weil das noch oft in alten Wirtshäusern zu sehen ist oder in
alten Gebäuden generell, dass sie da oder in Rathäusern zum
Beispiel, Da hat man oft noch so Butzenscheiben drin. Es musst
dir vorstellen, das sind halt so runde Scheiben aus Glas, die
eingefasst sind in so Bleiruten oder so Metallrahmen. Ja, es
wirkt ein bisschen wie ein Mosaik. Ja, nur dass das halt alles
runde Scheiben sind, die sich da einfügen.


Lukas


Ich glaube sogar, dass meine Oma ganz früher mal so
Butzenscheiben hatte beim Hauseingang zumindest sah das auch so
aus.


Das war waren so runde, wulstige Dinger, die dann mit so
Metallgerüsten zusammengehalten worden sind. Es war immer von von
Innenseite sah es dann so ein bisschen so aus, als hätte man
irgendeine Weinflasche, als hätte man den Boden von so einer
Weinflasche dahin gehalten. Und dann kam so, so, so grünes Licht
rein, grünliches Licht rein.


Ralph


Ja, das ist ein sehr guter Vergleich, weil man darf sich von
dieser Wulst da jetzt nicht zu sehr in die Irre führen lassen.
Ist jetzt auch nicht so extrem wulstig, sondern es sieht eher aus
wie so ein Flaschenboden. Ah okay, alles klar. Und zur
Herstellung komme ich jetzt auch gleich noch. Die
Industrialisierung, die hatte ja dann auch enorme Auswirkungen
auf die Oberpfalz. Also vorher hat man eben dieses Waldglas da
hergestellt und das Textilhandwerk war auch in der Oberpfalz
vorher noch sehr verbreitet.


Dann kam ja mit der Industrialisierung die ganzen Maschinen, die
mussten umstellen und ein anderes Handwerk, das es in der Region
gab, trat dann in den Vordergrund. Und um zu erklären, um welches
Handwerk es sich da handelt, springen wir jetzt mal in den Ort
Plößberg. Der hat 3500 Einwohner und liegt auch wieder östlich
von Bayreuth, rund 60 Kilometer davon. Und dort habe ich Benno
Krottenthaler getroffen.


Benno Krottenthaler ist inzwischen in Rente, hat viele Jahre als
Konstruktionsleiter gearbeitet und Glas Schmelzofen entworfen.
Und er hat mich durch das Aufgepasst das Glas und Schmelzofen Bau
Museum geführt. Also das ist ein Titel, der gut in unsere Reihe
passt. Ja, kurz und knackig, oder? Das Glas und Schmelzofen war
Museum. Ja, genau. Und er ist einer der beiden ehrenamtlichen
Leiter.


Und das Museum? Das muss sich sehr so vorstellen. Es gibt zwei
Räume. Und in dem einen Raum geht es um die Glasprodukte und in
dem anderen Raum geht es um die Öfen, die man zur Herstellung des
Glases braucht.


Lukas


Also das heißt, diese Öfen hat man ab dem Zeitpunkt gebraucht, wo
man mit dem Wald Glas nicht mehr weitergekommen ist, sondern mit
dem Waldglas einfach zu viele Ressourcen verbrannt hat.


Und dann hat man sich überlegt okay, wir müssen industriell Glas
herstellen, brauchen dafür aber Öfen. Und da hat sich dann diese
Industrie angesiedelt. Habe ich das richtig verstanden?


Ralph


Jein. Also es war so, dass diese Öfen schon vorher hergestellt
worden sind. Aber die Leute, die vorher im Textilhandwerk tätig
waren, die hatten jetzt keine, keine Aufgabe mehr. Dann ist eben
das Handwerk der Ofenbaumeister so, hat an Popularität gewonnen.


Okay. Und dann sind die halt umgesattelt darauf. Wenn man dann in
den Raum reingeht, dann sticht einem gleich so eine ganz
bestimmte Konstruktion ins Auge. Das ist so ein kegelartiger
Ofen, den Benno Krottenthaler die auch mal beschreiben soll.


Benno Krottenthaler


Zunächst einmal, wenn wir beginnen, ist ein kleines Modell. Das
ist das sogenannte Agricola Ofen. Dann haben die Venediger schon
betrieben. In der Zeit im 16. Jahrhundert hat sich das
entwickelt, ganz einfach aufgebaut unten der Befeuerungsraum ist
natürlich ein Nachbau. In Wirklichkeit schaut natürlich anders
aus. Dreifach so groß der Schmelzraum mit kleinen Tiegel zu der
Zeit noch, dann oben der Kühlraum.


Lukas


Okay. Ähm. Also was ich verstanden habe, das ist ein kegelartiger
Ofen, den befeuerste unten dann hasste in der Zwischenebene
Tiegel. Ich nehme meinen Tiegel, wenn ich das richtig verstehe.
Das sind diese Formen, oder wo man dann den Sand rein macht, dann
würde das schmelzen, richtig?


Ralph


Ja. Also es sind wie so Eimer im Endeffekt, nur dass die aus
Stein bestehen, die müssen ja diese Hitze aushalten können.


Das ist dann oft Schamottstein. Genau. Und dass wir das Tiegel
oder auch als Hafen bezeichnet, das ist beides das Gleiche. Okay,
und da füllt man den Sand rein. Also das Sandkreide Aschegemisch,
heizt es dann auf und es schmilzt dann. Das schmilzt dann. Genau.
Und dann hätte man oben noch wie so ein Regal, wo man das
abstellen kann. Damit kühlt aha alles klar und er hat auch das
bezeichnet als Agricola Ofen.


Agricola Ofen heißt er deswegen, weil er nach Georgius Agricola
benannt ist. Das war ein Deutscher, ja, ich würde sagen
Universalgelehrter, der im 16. Jahrhundert gelebt hat, der viel
herumgereist ist und dann auch nach Venedig zum Beispiel, weil zu
der Zeit war Venedig ein herausragender Ort für Glasproduktion.
Und der hat dann eben ein Buch geschrieben zum Berg und
Hüttenwesen, und darin ist so ein Ofen beschrieben und das war
damals echt was, was sehr Neues und auch sehr Innovatives.


So ein Buch zu schreiben, weil handwerkliches Wissen eigentlich
bis dahin mündlich weitergegeben worden ist. Und was auch ganz
interessant ist, also das ist in Lateinisch verfasst. Dieses
Buch, dass er dann auch so Sachen drin hat wie Umweltschutz, das
finde ich ja ganz, ganz löblich. Aber auch Geister, Kobolde und
Drachen, die im Zusammenhang stehen mit den Rohstoffen und mit
dem Berg und Hüttenwesen, also Metaphysik und Naturschutz und
Bauanleitung.


Alles drin, alles richtig schöne Zeichnungen sind auch drin,
richtiger Renaissance, Mann. Und was man im Museum in diesem Raum
auch noch sieht, das sind die Werkzeuge, die man gebraucht hat
zum Glasmachen. Also ich hatte ja ganz am Anfang schon vom
Glasblasen und dem Rohr erzählt, das man dafür braucht. Aber es
gibt ganz viele unterschiedliche Rohre für verschiedene Arten der
Tätigkeiten und je nachdem, was man halt für eine Art von Glas
herstellen möchte, da zählt es gleich aus auf.


Benno Krottenthaler


Und nicht wundern, wenn du nicht alles verstehst. Ich hab's ja
sogar gesehen, dass mir das gezeigt hat und habe auch nicht alles
so wirklich verstanden. Aber ich fand es trotzdem spannend zu
hören, was da alles so eine eigene Bezeichnung hat und was es da
alles gibt.


Benno Krottenthaler


Das ist eine Hohlglaspfeiffe für kleine Artikel, natürlich mit
einem Loch drin. Und hier wird zum Beispiel für zum Herstellen
von Kelchglas. Das ist eine Pfeife für größere Artikel. Das ist
ein Abfemmeisen. Das heißt, wenn ich mit der Arbeit beginne, dann
muss ich das Glas oben säubern. Beim Hafen natürlich. Es ist
eigentlich eine rheinische Pfeife, die hat nun eine konische
Form, dass ich gleich mir Klaus aufnehmen kann.


Lukas


Okay. Also ich glaube wirklich, da muss man vor Ort sein und sich
diese Instrumente wahrscheinlich anschauen.


Ralph


Es klingt auch bisschen wie Witz, oder? Also wenn man sich das
anhört. Als Außenstehender könnte ich mir vorstellen, dass jemand
einfach irgendwelche Worte erfindet. Ja, aber es ist wohl eine
Fach eine Nomenklatur. Von daher ist es halt so


Ralph


Auch heute gibt es im Plasberg noch vier große Firmen, die Glass
Schmelzöfen herstellen und die auch weltweit verkaufen. Also nach
Australien, Indien, Brasilien, also in mehr als 75 Länder. Und
das sind dann aber jetzt nicht so Agricola Öfen wie der Benno
Krottenthaler vorgestellt hat, sondern das sind dann moderne,
richtig, richtig große Anlagen, sogenannte Floatglasanlagen.
Float, so aus dem Englischen. Wie sagt man da fließen, schweben,
gleiten, irgendwie so was. Und das funktioniert so, dass man das
Glas schmilzt und das kommt dann als teigige Masse auf.


So ein längliches Board aus flüssigem Zinn. Aufgrund des
Dichteunterschieds und der Oberflächenspannung schwimmt dann das
Glas oben und vermischt sich jetzt nicht mit dieser Zinnlösung
und dann kühlt sie oben ab. Es ist ein bisschen wie Öl und
Wasser, weißt du, Öl ist ja auch okay und dann vermischt sich
nicht mit Wasser. Und so entsteht dann eine flache Scheibe. Die
wird dann halt auch wieder mit Maschinen direkt handlich
geschnitten und dann schnell verpackt und dann kann es verkauft
werden.


Lukas


Also das heißt, unser Glas ist jetzt Fensterscheiben, oder für
keine Ahnung, Möbel oder was weiß ich benutzen. Das wird in
diesem Verfahren dann hergestellt.


Ralph


Ja okay, weil man einfach in großen Mengen so Glas herstellen
kann. Flachglas Okay, genau.


Es gibt aber noch Unternehmen, die auf traditionelle Art und
Weise Flachglas herstellen, in dem sies halt blasen. Und ganz am
Anfang hast du einen Ton gehört, wo es um das Glas vom Big Ben
geht und auch an Flughäfen. Und das ist das Unternehmen, um das
es geht. Das ist die Firma Lambertsund die stellt das eben noch
auf ganz klassische Art und Weise her.


Robert Christ


Also ich kann mich noch erinnern, als ich den ersten Tag hier
begonnen habe, bin ich in der Früh in die Hütte rausgegangen, als
junger 15-jähriger und hab mir dann diese diese Eindrücke zu
Gemüte geführt, dass einfach in die Hütte rauszukommen und dann
bin mir vorkommen wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen
in den Minen. Das waren also alles dunkle Öfen und alles hat
gefunkelt.


Und ja, das Archaische, einfach das Feuer und die, die Kollegen
draußen, die das Glas aufblasen und 5000 Farben von den
Schattierungen her. Und das Glas hat einfach ganz eigene Brillanz
und Körperhaftigkeit, also einfach eine eigene Seele.


Ralph


Wen du da gerade gehört hast. Das ist Robert Christ und er als
Prokurist bei Lamberts, eben dieser Firma in Waldsassen. Und es
ist so was ich vorher nicht wusste, dass die Glasmacher ja sehr,
sehr früh mit der Arbeit beginnen, nämlich um 3:30 in der Nacht.
Oh Gott, ja, ja, die haben dann gegen 9:30 Feierabend. Wenn es
bei uns erst losgeht.


Das ist so, weil die in ihrer Arbeit eben großer Hitze ausgesetzt
sind, weil die Öfen halt sauheiß sind. Und gerade im Sommer wär
das einfach zu anstrengend für die Leute. Die müssten ja so viel
auch trinken. Und dann aber das festgelegt, dass man in der Nacht
eben anfängt. Und ich wollte ja trotzdem mal sehen, wie wird das
Glas hergestellt?


Das heißt, ich musste dann doch relativ früh dahin, aber nicht um
3:30, sondern zu einer relativ humanen Zeit um 8:00 in der Früh.


Reportage vor Ort


Guten Morgen.


Ralph:


Vielleicht können Sie gleich mal beschreiben, wo wir uns jetzt
befinden, als.


Robert Christ


Wir stehen jetzt mitten in der Ofenhalle der Glashütte Lamberts.
Das ist ein eindrucksvolles Gebäude. Es wird auch bezeichnet als
die Kathedrale der Glaskunst, auch mit den ganzen Fenstern. Es
ist eine eigene Holzkonstruktion in einer damalig nahezu
einzigartigen Art und Weise, wie es gebaut worden ist. Die sehr,
ja hohe Halle mit 18 Metern. Wir haben 28 Meter Breite und eine
Länge von 70 Meter.


Und wenn Sie jetzt hier stehen und dann auf die Öfen schauen und
ja, das Feuer und die Kollegen, die es ausblasen, dann ist das
schon eindrucksvolle Szene.


Lukas


Okay, was ich jetzt aus beiden Tönen zum herausgehört habe er ist
anscheinend ziemlich begeistert von seiner Arbeit und spricht Ja,
es scheint jetzt ein mythischer Ort zu sein, so ein mystischer
Ort zu sein, wo es überall funkelt. Und du hast diese Hitze, dass
diese Öfen und diese Männer, die da irgendwie Glasblasen, ähm, so
wie du es beschrieben hast, stelle ich mir das so ein bisschen
vor wie so eine alte Bahnhofshalle.


Kennst du die zum Beispiel vom Kölner Hauptbahnhof oder vom ja,
vom Kölner Hauptbahnhof? Die so aussehen wie Flugzeughangar mit
diesen Eisenkonstruktionen. Und da dazwischen stehen dann so
diese Öfen, So stelle ich mir das so ein bisschen vor.


Ralph


Ja, Hangar klingt nicht schlecht. Also das glaube ich. Kommt gut
hin. Ja, es sind halt hohe Decken und man hat da oben noch so
Balkenkonstruktionen drin, das ist also Träger.


Ja, ja, so darfst du sie es auch vorstellen. Ich fand es sehr
faszinierend, da rein zu gehen und das zu sehen. Er hat halt
wirklich was, wie soll ich sagen, ein bisschen was aus der Zeit
gefallenes. Eine moderne Fabrikhalle sieht ganz anders aus. Und
es gibt da eben diese Öfen und verschiedene Stationen an die, an
denen die Leute arbeiten.


Und an einer Station wurde dann eben das Glas wirklich erst so
bearbeitet. Man muss zuerst mal aus dem Ofen holen, das
geschmolzene Glas und dann wird ja geblasen. Und an dieser einen
Station, da stand ein Team von drei oder vier Leuten, ich weiß
nicht mehr ganz genau, da gibt es da noch einen speziellen
kleineren Ofen, den die haben.


Das ist die sogenannte Trommel, weil es halt ein bisschen
aussieht wie so eine Wäsche Trommel beispielsweise und in der
wird dann das Glas noch mal je nach Farbe unterschiedlich
erhitzt, weil man gibt da Färbemittel dazu. Also es sind oft
Metalloxide wie Eisen, das färbt das Glas zum Beispiel grün oder
Silber für gelb und Gold für rosa und die brauchen eben
unterschiedliche Temperaturen und da wird das dann noch mal
geschmolzen.


Ja, und was die Arbeiter dort genau machen, das soll dir Robert
Christ noch mal beschreiben. Und falls du es nicht verstehst,
fragt er noch mal nach. Dann kann ich das auch noch mal mit
eigenen Worten zusammenfassen.


Robert Christ


Also wir stehen jetzt hier am Ofen und wir sehen es. Das
Glasmacherteam, das Glasscheiben bläst, wobei natürlich eine
Scheibe zu blasen nur über die Form des Hohlkörpers geht und dazu
wird ein Ballon aufgeblasen, das heißt der sogenannte Anfänger
oder auch die Kölblmacher, bei anderen Gläsern beginnt das Glas
dadurch, dass er an die Glaspfeife das Glas heran dreht und dann
formt und dann hier dieses diesen Posten sogenannten Pfosten
aufbläst und den Glasmacher Meister übergibt.


Und der Glasmachermeister, das sehen wir jetzt gerade. Er bläst
den Ballon weiter auf und gibt dem Ballon dann seine endgültige
Größe. Aus dem Ballon selbst wird dann 1/2 Zylinder erstellt.
Dadurch, dass das vorne geöffnet wird und aus dem Halbzylinder
ein Zylinder und dieser wird dann längsseitig aufgeschnitten und
wird dann wieder aufgeklappt, nachdem er erwärmt worden ist. Und
so entsteht dann ein flaches Glas, wenn dieser Zylinder dann
gestreckt worden ist. Ja, und so wird mundgeblasenes Flachglas
gefertigt.


Ralph


Ums noch mal zusammenzufassen. Also erst mal muss das Glas ja ans
Rohr reingebracht werden. Also an diese Pfeife wird dann
aufgeblasen zu einem Ballon, dann übergeben an den Glasmacher
Meister, der bläst noch mal größer und dann hat der so eine
Konstruktion. Also das ist wie so eine Form im Endeffekt die so
bogen förmig ist, sage ich jetzt mal so ein Halbrund und da legt
er das Glas rein und kann es dann dadurch durch drehen halt noch
mal so nachformen, das einfach recht gleichmäßig wird und das
wird dann vorne aufgeschnitten, weil es ist ja ein geschlossener
Ballon vorher noch, das wird dann aufgeschnitten und man hat dann
einen Zylinder und diesem Zylinder schneidet man dann der Länge
nach auf. Und wenn wir den der Länge nach aufschneidet und
ausklappt, dann entsteht ein flaches Glas. Ja, das halbwegs
vorstellen ja jetzt schon. Ja und dieses flache Glas, das kühlt
dann aus, wird vermessen und geht dann an die Kunden raus. Genau.
Und dann findest du es halt irgendwann, beispielsweise im Big Ben


Lukas


Was ist denn jetzt der Vorteil von diesem Handgeblasen in Glas im
Vergleich zum industriell hergestellten Glas? Weil ich nehme mal
an, die ganzen Farbstoffe könntest du doch auch in dieses andere
Verfahren reinbringen.


Ralph


Das ist richtig, Das sieht einfach anders aus. Also ich weiß
nicht, ob das jetzt der Vorteil ist, aber zumindest ist das halt
so die Eigenart davon. Das sieht ganz anders aus. Wenn du das
einmal gesehen hast, dann erkennst du das überall wieder kann ich
dir versprechen, das ist so, das ist nicht so charakterlos wie
andere Gläser, andere also das Fensterglas an sich ist ja finde
ich immer sehr neutral.


Was das ich mein ja, das ist einfach durchsichtig, der Sinn des
Glases. Genau. Und bei Lambertz ist es aber so, das ist in der
eher Kunstgläser muss man sagen.


Es wird eigentlich immer gefärbt in ganz, ganz vielen
verschiedenen Farben und dann halt für künstlerische oder
künstlerisch wertvolle Sachen eingesetzt. Das sieht einfach
anders aus. Es hat mehr, wie soll ich sagen, das hat mir Textur,
Textur oder Kontur.


Das ist nicht so gleich.


Lukas


Aber das heißt, dieses Glas wird dann auch wirklich nur für
ziemlich prestigeträchtige Projekte verwendet, weil ich nehme
auch an, dass das schweineteuer dann ist.


Ralph


Man kann sich das als Privatperson auch kaufen, das geht schon
auch, muss mal ein paar 100 € hinlegen, aber dann kannst du
auch so ein schönes Glas haben und das kannste, weil sie nicht
irgendwo hinhängen oder irgendwo aufstellen, draußen, wie du halt
magst, weil es wird aber auch in Verwaltungsgebäuden eingesetzt.
Und Robert Christ hat auch gesagt, dass immer mehr Shops das für
sich entdecken, was irgendwie so so exquisite Mode Shops zum
Beispiel, dass sie sagen ach, wir wollen dieses Glas, weil dann
wirkt unser Shop irgendwie noch mal interessanter, dann drapieren
wir, da weiß ich nicht, Schuhe oder Taschen drauf oder so, alles
klar.


Lamberts ist die einzige Firma in Deutschland, die so
mundgeblasenes Flachglas herstellt. Und weltweit, das muss man
wirklich anerkennend mit viel Anerkennung eigentlich schon sagen.
Hey, Weltweit gibt es nämlich nur drei Firmen, die das insgesamt
so machen.


Lukas


Krass, Wo sind die anderen zwei?


Ralph


Eine ist in Frankreich und eine irgendwo außerhalb von Europa.
Das weiß ich gar nicht mehr. Und damit das Handwerk nicht in
Vergessenheit gerät und sogar noch mehr Aufmerksamkeit erhält,
ist die Technik inzwischen Teil des immateriellen UNESCO
Weltkulturerbes geworden. Und im Stiftland Museum, um jetzt
endgültig den Kreis zu schließen, da findet man auch ganz viel
von der Firma Lamberts ausgestellt. Da gibt es Fotos vom Prozess,
es gibt aber auch fertige Gläser. Es gibt Pfeifen, aber nicht so
viele wie im Schmelzofen Baumuseum. Und ja, angefangen das Glas
auf diese Ballone kann man das sehen? Ja, und wen das
interessiert, der kann sich auch über die Touristeninformation in
Waldsassen für eine Führung anmelden in der Firma und das würde
ich echt empfehlen. Also wenn man in der Gegend ist, schaut euch
das an, es ist total interessant und eindrucksvoll.


Lukas


Wenn ich wieder da bin, dann schaue ich mir das mal an, das
klingt wirklich gut.


Ralph


Dann schau dir das an und dann geht es auch durch die Stadt
durch, durch Waldsassen. Und dann wirst du sehen, dass da überall
Lamberts Glas hängt. Alles klar damit, Lukas hätte ich jetzt so
ein Rundumschlag in Sachen Glas gemacht?


Lukas


Ja, danke. Ich habe auf jeden Fall viel gelernt. Also erstmal,
was Glas überhaupt ist. Jetzt kann ich ein bisschen
klugscheissen, dass es so da und Sand ist und auch die Geschichte
ist echt spannend. Ich hab halt Glas immer mit Venedig in
Verbindung gebracht und mit Murano und dieses berühmte Murano
Glas, was vielleicht von dieser Insel daherkommt und so, aber ich
wusste nicht, dass es in der Oberpfalz auch diese Glasbläser
Tradition gibt. Und vor allem wusste ich nicht, dass es immer
noch diese diese Hidden Champions gibt. Also diese kleinen
Firmen, die irgendwie so Weltmarktführer sind und was Krasses
machen und irgendwie auf einem, also irgendwie voll abseits der
großen Städte irgendwie so, aber, aber das gibt es ja wirklich
häufig und überall. Und das ist halt mal wieder ein Beispiel,
dass es das ist. Also auf jeden Fall vielen Dank. Ich habe da
viel dazu gelernt.


Ralph


Ja, gerne. Ich meine, ich habe auch sehr, sehr viel dazu gelernt
und es bleibt mir natürlich die Frage, was hören wir dann das
nächste Mal? Weil da bist du wieder dran.


Lukas


Ja, das nächste Mal geht zum Thema was auf jeden Fall nichts mit
Handwerk zu tun hat, sondern es wird politisch, es wird
historisch. Es geht um Menschen, die sehr mutig waren, die für
ihre Überzeugungen eingestanden sind. Und es geht um Menschen,
die das auch bisweilen sehr, sehr, sehr teuer bezahlt haben. Und
es geht auch darum, was das Ganze mit einem katholischen
Massenphänomen zu tun hat und mit angeblichen Wunderheilungen und
einer ganz berühmten Frau. Also es wird auf jeden Fall sehr
umfangreich, aber es wird alles, es steht alles unter einem
großen thematischen Überpunkt.


Ralph


Dann vielen Dank an alle, die uns bis hierher zugehört haben. Wir
freuen uns natürlich immer über Feedback. Gerade jetzt zu dieser
Sonderstaffel. Schreibt uns doch eure Meinung dazu. Was haltet
ihr davon, dass wir jetzt pro Folge zwei Museen vorstellen oder
auch, dass wir jetzt wöchentlich veröffentlichen? Wir profitieren
von eurem Feedback und nehmen das auch sehr ernst.


Lukas


Und wenn es dieses Format gefällt, dann sind wir immer über fünf
Sterne Bewertungen dankbar. Wir sind über Weiterempfehlungen
dankbar. Über Feedback, über alles Mögliche. Also teilt dieses
Format mit Leuten, die es interessieren könnte.


Ralph


Das war die zweite Folge unserer Kooperation mit Das Zwoelfer
Museen im Landkreis Tirschenreuth. Und das Ganze wird gefördert
durch die Landesstelle für nicht staatliche Museen in Bayern.


Der Beitrag Zwoelfer-Special Folge 2: Glas aus Waldsassen für die
Metropolen dieser Welt – von Pfeifen, Bläsern und Häfen erschien
zuerst auf Escucha.


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