Deep Story #35 | Man muss das schöne ein wenig suchen | By Mar10n
1 Stunde 2 Minuten
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Beschreibung
vor 7 Jahren
Heute können wir euch einen neuen Geschichtenschreiber in unseren
Kreis vorstellen. Simon reist mit offenen Augen durch die weite
Welt und hält seine Erlebnisse in seinen sehr charmanten
Reiseblog fest. Staunend, ehrlich, hinterfragend und herzlich
schildert er seine Begegnungen mit Mensch und Natur. Wir hoffen
ihr genießt seine Premieren-Geschichte bei uns!
Wir steigen in den nächsten Bus und fahren zum Eingang in den
Tayrona-Nationalpark bei Calabazo. Im Kiosk dort – man kann sogar
mit Kreditkarte bezahlen – kaufen wir liter-weise Wasser. Und
dann geht es steil bergauf. Nach ungefähr zehn Sekunden sind wir
völlig durchnässt, der Aufstieg ist heiß, anstrengend und
staubig. Irgendwo steht ein altes Auto am Straßenrand. Ich
wundere mich, wie es da hingekommen ist, den Weg kann es auf
jeden Fall nicht gefahren sein. Bleibt eigentlich nur per
Hubschrauber.
Merkwürdig. An einer kleinen Hütte, als wir den Aufstieg
hinter uns und den Dschungel des Tayrona-Nationalparks vor uns
haben, trinken wir wieder einen frisch gepressten Orangensaft,
dass es die überall gibt: eines der besten Dinge in Kolumbien.
Von hier ist es dann nicht mehr weit bis zu der Abzweigung nach
links in den Dschungel und dann ist der Weg wirklich so, wie ich
ihn mir gewünscht habe. Riesige Bäume, undurchdringliches
Dickicht, kleine Affen sitzen auf den Ästen und aus der Ferne
hören wir das Donnern der Brüllaffen.
Es geht an einem kleinen Flusslauf entlang den Hügel hinunter, es
ist dunkel und schattig, der Boden feucht, hier und da krabbeln
größere Spinnen herum. Außer uns ist hier nie-mand, endlich
haben wir den Tayrona-Nationalpark für uns alleine. Der Weg wird
wieder steiler und nach etwa einer weiteren Stunde lichtet sich
der Wald allmählich und wir sehen zum ersten Mal wieder das
karibische Meer in seinem vollkommenen Blau vor uns liegen. Wir
haben das Geheimnis des Tayrona-Nationalparks endlich vor uns,
als wir aus dem Dschungel heraus auf eine große Wiese treten, die
Playa Brava.
Auf der Wiese stehen ein paar Hütten, Menschen sind zunächst
keine zu sehen. Als wir an der ersten Hütte vorbeikommen, sehen
wir, dass zwei Männer darin sitzen und sich unterhalten. Als sie
uns sehen, kommt einer der beiden heraus und begrüßt uns
fröhlich. Das hier sei ein Hotel, man könne in einer der Hütten
schlafen. Es gebe private Zimmer und Gemeinschaftsschlafräume. In
diesem Hotel möchte ich einmal wohnen, auch wenn es mehrere
Stunden zu Fuß dorthin sind.
Und wieder haben wir ein Stück vom Paradies gefunden. Dieses Mal
hier im Tayrona-Nationalpark. Die Bucht ist weit und, wie ihr
Name verspricht, wild. Wir sind die einzigen Menschen. Hinter uns
geht es steil in die Hügel hinauf, der Nebel hängt über dem
Dschungel, hier unten brennt die Sonne weiter. An den Palmen
hängen wir unsere schweißgetränkten Kleidungsstücke auf und legen
uns im Schatten einer Palme in den Sand. Diese Momente sind es,
die es mir leicht machen, zu verstehen, warum ich jeden Tag etwas
neues sehen will.
Stunden später und völlig erledigt liege ich mit einem kühlen
Bier in der Hängematte. Es ist wieder Nacht um mich herum. Ich
bin glücklich, hier zu sein. Man muss das Schöne ein wenig
suchen, dann wird man es auch irgendwann finden.
Musikalisch unterlegt wird dieser Trip durch den Dschungel von
Martin aus Dänemark. Er fängt die besondere Stimmung der
Einsamkeit des Einzelnen welcher sich in der lebhaften Natur
verliert ein und formt dadurch zusammen mit Simon eine deep
story, die einen immer tiefer in den Dschungel treibt und zu
Erkenntnissen führt.
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