Also sprach Zarathustra - Teil 2 - Kapitel 42-44 - Der Wahrsager - Von der Erlösung - Von der Menschen-Klugheit

Also sprach Zarathustra - Teil 2 - Kapitel 42-44 - Der Wahrsager - Von der Erlösung - Von der Menschen-Klugheit

3 Minuten

Beschreibung

vor 6 Monaten

Der Wahrsager





Untertitel: Die Vision der ewigen Wiederkunft des Kleinen und
Zarathustras Verzweiflung





Geschichte: Ein Wahrsager verkündet Zarathustra eine Lehre der
großen Müdigkeit: "Alles ist leer, Alles ist gleich, Alles war!".
Diese Weissagung stürzt Zarathustra in eine tiefe Trübsal und
einen langen Schlaf. Er träumt, er sei ein Grabwächter auf einer
Berg-Burg des Todes. Ein brausender Wind wirft ihm einen Sarg zu,
aus dem tausendfaches Gelächter von Kindern, Engeln und Narren
schallt, was ihn vor Grauen aufweckt. Sein Lieblingsjünger deutet
den Traum: Zarathustra selbst ist der Wind, der die Todtenkammern
aufbricht und mit seinem Lachen die Todesmüdigkeit überwindet.





Aussage: Das Kapitel ringt mit dem Nihilismus, der aus der
Erkenntnis der Sinnlosigkeit und Gleichheit aller Dinge entsteht.
Zarathustras Traum zeigt seine Mission: Er muss die "Gräber"
alter Werte aufbrechen und durch ein schöpferisches Lachen neues
Leben ermöglichen. Die Vision des "ewigen Kreislaufs" wird hier
noch als lähmend empfunden.





Von der Erlösung





Untertitel: Die Erlösung der Vergangenheit durch den schaffenden
Willen





Geschichte: Zarathustra begegnet Krüppeln und Bettlern, was ihn
zu einer Rede über die Zerbrochenheit des Menschen inspiriert.
Das Unerträglichste für ihn ist das "Es war" – die unumkehrbare
Vergangenheit. Der Wille ist ein Gefangener der Zeit, weil er
nicht zurück wollen kann. Daraus entsteht der "Geist der Rache",
der die Vergangenheit bestrafen will. Erlösung bedeutet, alles
"Es war" umzuschaffen in ein "So wollte ich es!". Dies kann nur
der schaffende Wille leisten, der die Vergangenheit bejaht und in
seine Zukunft integriert.





Aussage: Wahre Erlösung ist nicht metaphysisch, sondern
psychologisch. Sie besteht darin, die Machtlosigkeit gegenüber
der Vergangenheit zu überwinden. Dies geschieht durch einen
schaffenden Willen, der die Vergangenheit nicht ungeschehen
machen will, sondern sie als Teil seiner selbst bejaht und sie so
in ein schöpferisches "So wollte ich es!" verwandelt.





Von der Menschen-Klugheit





Untertitel: Zarathustras Strategien im Umgang mit den Menschen





Geschichte: Zarathustra reflektiert über seine
"Menschen-Klugheit". Seine erste Klugheit ist, sich betrügen zu
lassen, um nicht misstrauisch werden zu müssen. Seine zweite ist,
die Eitlen mehr zu schonen als die Stolzen, denn die Eitlen sind
gute Schauspieler und heilen von der Schwermuth. Seine dritte
Klugheit ist, sich den Anblick der Bösen nicht verleiden zu
lassen, denn auch in ihnen steckt viel Wunderwürdiges und Kraft.





Aussage: Der höhere Mensch, der unter den Menschen lebt, braucht
eine Art strategischer Klugheit, um nicht an ihnen zu
verzweifeln. Diese Klugheit basiert auf einer gewissen Distanz,
der Fähigkeit, die menschlichen Schwächen (Eitelkeit, Bosheit)
als Schauspiel zu betrachten und sogar zu schätzen, und einer
bewussten Naivität, um den Glauben an den Menschen nicht ganz zu
verlieren.

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