Also sprach Zarathustra - Teil 4 - Kapitel 75-77 - Das Lied der Schwermuth - Von der Wissenschaft - Unter Töchtern der Wüste
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Beschreibung
vor 5 Monaten
Das Lied der Schwermuth
Untertitel: Die Verführung durch die romantische Melancholie
Geschichte: Nachdem Zarathustra die Höhle verlassen hat, nutzt
der alte Zauberer die Gelegenheit, die höheren Menschen mit einem
schwermütigen Lied auf seiner Harfe zu verzaubern. Das Lied
beklagt das Schicksal des Dichters und Wahrheitssuchers, der
verbannt sei von aller Wahrheit und nur "Narr" und "Dichter" sein
könne. Die Gäste verfallen der melancholischen Stimmung. Der
"Gewissenhafte des Geistes" durchschaut jedoch den Trug, reißt
dem Zauberer die Harfe weg und ruft nach Zarathustra und "guter
Luft".
Aussage: Die Schwermut ist eine verführerische Gefahr, besonders
für die "höheren Menschen". Der Zauberer repräsentiert die
romantische, selbstmitleidige Kunst, die das Leiden verherrlicht
und den Geist in einem "Gefängnis" der Melancholie gefangen hält.
Dagegen steht die Forderung nach Klarheit, Stärke und einer
"guten Luft" des freien Geistes.
Von der Wissenschaft
Untertitel: Furcht als Ursprung der Wissenschaft und Mut als
wahre Vorgeschichte
Geschichte: Der Gewissenhafte des Geistes hält eine Rede, in der
er erklärt, dass er nach Sicherheit suche, während die anderen
die Unsicherheit lieben. Er stellt die These auf, dass
Wissenschaft aus der Furcht – insbesondere der Furcht vor dem
"inneren Vieh" – entstanden sei. Zarathustra kehrt zurück, wirft
ihm Rosen zu und stellt seine "Wahrheit" auf den Kopf: Nicht
Furcht, sondern Muth sei des Menschen ganze Vorgeschichte. Der
Mensch wurde erst zum Menschen, indem er den wildesten Tieren
ihre Tugenden (ihren Mut) abgeneidet und abgeraubt hat.
Aussage: Nietzsche widerspricht hier der Vorstellung, dass die
Wissenschaft aus einem rein passiven Sicherheitsbedürfnis
(Furcht) entsteht. Er stellt ihr einen aktiven, erobernden Impuls
gegenüber: Der wahre menschliche Antrieb zur Erkenntnis ist der
Mut, sich dem Unbekannten und Gefährlichen zu stellen und es zu
beherrschen.
Unter Töchtern der Wüste
Untertitel: Die Sehnsucht nach einer leichten, unproblematischen
Welt
Geschichte: Der Wanderer und Schatten bittet Zarathustra zu
bleiben, um die aufkommende Schwermut zu vertreiben. Er singt ein
zweites Lied, das er einst "unter Töchtern der Wüste" gedichtet
hat. Das Lied preist die Wüste und eine Oase mit den
"allerliebsten Freundinnen" Dudu und Suleika. Es ist ein
spielerisches, exotisches und sehnsüchtiges Lied nach einer
leichten, unbeschwerten, "wolkenlosen" Welt, im Gegensatz zum
schweren, zweifelsüchtigen Europa. Das Lied endet mit dem
wiederkehrenden Refrain: "Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten
birgt!".
Aussage: Das Lied drückt die Sehnsucht nach einer Flucht vor der
Schwere und Komplexität des europäischen Geistes aus. Die "Wüste"
ist hier doppeldeutig: Einerseits ist sie ein Ort der Reinheit
und Klarheit, andererseits symbolisiert der Refrain das Wachsen
des Nihilismus. Die "Töchter der Wüste" stehen für eine naive,
unproblematische Existenz, die für den Denker eine Versuchung,
aber keine Lösung ist.
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