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  4. Del Toros "Frankenstein": Ein Opus aus Bildern, aber fern der Vorlage
Guillermo del Toro hat sich mit “Frankenstein” an eines der
bekanntesten Werke der Literaturgeschichte gewagt. Und wie zu
erwarten, liefert er kein klassisches Kostümstück, sondern eine
eigene, visuell überwältigende Interpretation. Der Film ist in
jeder Einstellung üppig ausgestattet: großzügige Sets,
sorgfältige Kostüme und ein atmosphärisches Licht, das zwischen
düsterer Melancholie und märchenhafter Überhöhung pendelt. Man
sieht sofort, wie viel handwerkliche Liebe in diesem Projekt
steckt. Dieser Film wirkt nicht einfach nur produziert, sondern
gebaut und geschmiedet.

Del Toro interessiert sich aber weniger für die philosophischen
Kernthemen, wie Mary Shelley sie in ihrem Roman anlegte, sondern
stärker für sein eigenes mythologisches Universum. Die Fragen
nach Verantwortung, ethischer Grenzen und dem existenziellen
Schmerz der Kreatur sind zwar vorhanden, aber sie treten hinter
der starken Bildsprache und del Toros persönlicher Deutung
zurück. Genau hier liegt der zentrale Punkt: Seine Version lässt
vieles von dem, was den Roman seit zwei Jahrhunderten so stark
macht, spürbar außer Acht. Die literarische Tiefe, die kühle
Klarheit und die moralische Wucht - all das wird von einer sehr
freien, sehr modernen Interpretation überlagert.

Das ist nicht zwingend schlecht, nur anders. Wer eine werkgetreue
Adaption sucht, wird irritiert sein. Wer aber bereit ist,
“Frankenstein” als del Toros eigenes Märchen aus Fleisch, Blut
und Metall zu sehen, findet einen Film, der einen packen kann.
Unterm Strich: ein sehenswertes Werk. Kein Shelley-Frankenstein,
aber ein del-Toro-Frankenstein: opulent, emotional und extrem
eigensinnig. Und auf seine Weise absolut faszinierend.

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