GS004 Der Mega Sonntag mit Philipp
3 Stunden 5 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 9 Monaten
Philipp hat seinen Freund Alex besucht. Ganze drei Stunden haben
sie sich an dem 21. Jahrhundert abgearbeitet. Hier ist das
Ergebnis des Rundumschlags.
Die Digitalisierung ist kein bloßes technisches Upgrade, sondern
ein zivilisatorischer Bruch – vergleichbar mit der
Industrialisierung oder dem Buchdruck. Sie automatisiert nicht
Muskelkraft, sondern Denk- und Koordinationsarbeit und stellt
damit die Grundlogik sämtlicher gesellschaftlicher Teilsysteme
infrage. Was wir bisher erlebt haben, war lediglich
Proto-Digitalisierung: Spielereien wie Social Media,
Online-Shopping oder Apps, ohne dass Staat, Verwaltung oder
Wirtschaft grundlegend transformiert wurden. Doch echter Wandel
ist selten freiwillig. Innovation braucht fast immer einen
externen Schock, weil bestehende Machtstrukturen – ob
wirtschaftlich, politisch oder bürokratisch – kein Interesse an
Effizienz oder Transparenz haben. Dabei ist das zentrale Konzept
zur Analyse der Gegenwart Transaktionskosten: Sie erklären, warum
es Staaten, Banken, Firmen oder Verwaltungen überhaupt gibt –
nämlich um teure Kommunikation zu vermeiden. Wenn aber
Transaktionskosten digital auf nahezu null sinken, verlieren
diese Institutionen ihre Existenzberechtigung. Was bleibt, sind
Hierarchiekosten – und der Wunsch, alte Privilegien zu bewahren.
Auch Geografie verliert ihre ordnende Kraft. Informationen
bewegen sich nicht mehr mit Pferdekutschen, sondern mit
Lichtgeschwindigkeit – und damit entfallen viele Gründe für
nationale Strukturen. Der Wandel ist radikal, aber
missverstanden: Er führt nicht zu Megaplattformen, sondern zu
struktureller Dezentralität – ohne dass es dafür Blockchain
braucht. Doch genau diese Dezentralität, Effizienz und
Transparenz wollen viele nicht. Denn sie bedrohen Komfortzonen,
Macht, Geschäftsmodelle. Digitalisierung könnte soziale
Ungleichheit abbauen, aber sie darf es nicht. Deshalb verkennen
viele das Ausmaß des Wandels – und klammern sich an ökonomische
und juristische Denkweisen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Die entscheidende Frage ist: Wie kann man strukturiert über
Zukunft nachdenken, wenn man sie nicht sehen will? Kein Wunder
also, dass Alex nach 30 Jahren Informatik nicht mehr nur
analysiert, sondern empört ist.
Weitere Episoden
1 Stunde 9 Minuten
vor 7 Monaten
37 Minuten
vor 7 Monaten
47 Minuten
vor 8 Monaten
1 Stunde 29 Minuten
vor 9 Monaten
1 Stunde 27 Minuten
vor 9 Monaten
In Podcasts werben
Kommentare (0)