Episode 9: Schule - Lehrer

Episode 9: Schule - Lehrer

Häusliche Gewalt / Sexueller Missbrauch
3 Minuten
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Beschreibung

vor 10 Monaten

In dieser Episode geht es um die Rolle des
institutionellen Umfelds. In der Ich-Form wird erzählt,
wie ein Lehrer das Kind auf seine blauen Flecken anspricht. Das
Kind fasst Vertrauen zum Lehrer und sagt: „Mein Vater ...“ Der
Lehrer kündigt an, mit dem Vater zu reden, und kommt tatsächlich
zu einem Hausbesuch. Das Kind hört vom Bett aus, wie Lehrer und
Stiefvater miteinander reden. Der Stiefvater schildert dem
Lehrer, wie schwierig und verlogen das Kind sei. Anschließend
schlägt er das Kind und wirft ihm dabei vor, dem Lehrer Lügen
erzählt zu haben. Dieser maximale Widerspruch – der Stiefvater
bezeichnet den Bericht über seine Gewalt als Lüge, während er sie
ausübt – ist symptomatisch für die Dualität der
Realitäten in der Familie: „Wahrheit“ ist das, was die
Erwachsenen vorschreiben (die „offizielle Wahrheit“ des
familiären Systems), Wirklichkeit ist das, was mit dem Kind
geschieht. „Enttäuschte Hoffnung, wo es nie
wirklich Hoffnung gab“, erfährt das Kind am nächsten Tag in der
Schule, weil der Lehrer sich auf die Seite des Vaters hat ziehen
lassen: „Bist du nicht selber schuld, dass dein Vater dich so
behandelt?“ Aus heutiger Sicht besonders verstörend erscheint es,
dass der Lehrer dem Kind zwar glaubt, dass es Gewalt erfährt, er
diese aber als legitimes Mittel der Erziehung einstuft. Für das
Kind ist entscheidend: auch durch diese Enttäuschung
verinnerlicht es das Schuldgefühl, das es auch
im Kontext des sexuellen Missbrauchs erlebt. „Der einzige Mensch,
dem ich vertraute: verloren. Und schuld war wieder ich.“ Diese
Schuldgefühle entstehen – und das ist auch in heutigen Fällen
aktuell – auch dann, wenn man Kindern ihre
Missbrauchserfahrungen nicht glaubt.

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