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Erweitertes Soziogramm einer Missbrauchsfamilie in Hörbuchform
Beschreibung
vor 10 Monaten
Diese Episode ist eine Erinnerung des Ich-Erzählers an seine
frühe Kindheit im Alter von zwei oder drei Jahren. Er befindet
sich in einer Pflegeeinrichtung. (Dass es eine Lungenheilanstalt
ist, wird hier nicht angesprochen, ist jedoch aus Episode 1
bekannt.) Dort wird er von „Frauen mit Macht“ beaufsichtigt, den
Schwestern, bekommt aber anders als die anderen Kinder keinen
Besuch. „Trauriges Gefühl von Gift in mir.“ Er sehnt sich nach
Nähe, möchte wie die anderen Kinder umarmt und lieb gehabt
werden. Deshalb klammert er sich an eine Schwester und bittet um
einen Gutenachtkuss, doch die Schwester stößt ihn schroff zurück.
Dieses Verstoßensein beschreibt er als „die Vertreibung aus dem
Paradies in die Hölle der Schuld“. Der Erzähler
mutmaßt, dass er hier erstmals in seinem Leben die
Scham empfand, wie minderwertig, wie böse er
sei, und fragt: „Kam so das Gift des Verschweigens in mein Leben?
Beginnt eine Vergewaltigung nicht lange, bevor sie stattfindet?“
Tatsächlich liegt hier offenbar emotionale
Gewalt durch Vernachlässigung vor, weil
die Mutter das Kind nie besucht. Unter dem „Gift
des Verschweigens“ kann man das Fehlen von (Ur-) Vertrauen und
emotionaler Zuwendung sehen, das später das Kind 1. anfällig
machen wird für die Zuwendung des Vergewaltigers und es 2. dem
Kind unmöglich machen wird, im familiären Rahmen über den
sexuellen Missbrauch zu sprechen. Diese Deutung des Erzähler-Ichs
legt nahe, wie stark verinnerlicht das
Schuldgefühl ist. Ob es wirklich aus dieser
frühkindlichen Erfahrung oder aus der späteren Vergewaltigung
herrührt: in jedem Fall prägt das Schuldgefühl seine
Selbstwahrnehmung so stark, dass er sogar eine Lebensphase, die
weit vor der Vergewaltigung lag, beim späteren Erinnern im Lichte
dieses Schuldgefühls deutet.
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