Episode 17: Fahrstühle

Episode 17: Fahrstühle

6 Minuten
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Beschreibung

vor 10 Monaten

Diese Episode hat drei Teile. In Teil 1 wird in Ich-Form aus der
Sicht des Kleinkindes beschrieben, wie es in den Sterbekeller der
Lungenheilanstalt gebracht wurde, wo die Betten mit den
verstorbenen Patienten weiß zugedeckt auf die Bestattung warten.
Die Szene beschreibt die frühe Begegnung mit der
Todesangst: das Kind fürchtet, entdeckt und
durch die weiße Sterbedecke getötet, „totgedeckt“ zu werden.


Teil 2 ist durch den Wechsel in die Pierre-Form markiert. Der
ältere Pierre – ob als älteres Kind bzw. Jugendlicher oder
Erwachsener ist nicht ganz klar – hat seine Mutter mit dem in
Teil 1 beschriebenen Erlebnis konfrontiert. Die
Mutter reproduziert jedoch das Muster,
dass man Kindern ihre (Missbrauchs-) Erfahrungen nicht
glaubt: Sie streitet ab, dass es einen solchen
Sterbekeller überhaupt gegeben habe.


Teil 3 wechselt wieder in die Ich-Form. Der Ich-Erzähler befindet
sich in derselben psychiatrischen Klinik, die in Episode 1
bereits Schauplatz war. Grund ist, dass seine suizidale
Tendenz ihn dazu gebracht hat, eine Überdosis
Drogen zu nehmen. Die vielen weißen Betten in
der Klinik rufen die Erinnerung an die frühkindliche Erfahrung
mit dem Sterbekeller herauf. Die Betten erinnern ihn an ein
weißes Schneefeld und wecken den Wunsch, viele Jahre unter dem
Schnee zu schlafen. Im Gespräch mit dem Arzt äußert er, dass er
bereits ein rundes Dutzend Selbstmordversuche unternommen habe.
Sein Wunsch sei allerdings weniger der Tod, sondern eben ein
viele Jahre langer Schlaf, um danach aufzuwachen, verbunden mit
dem Wunsch, keinen Menschen mehr zu kennen, das
Stigma des Kainszeichens nicht
mehr zu tragen und neu gehen zu lernen. „Und was wollen Sie tun,
wenn ich Sie hier entlasse?“, fragt der Arzt. „Schlafen“,
antwortet der Erzähler. „Einfach nur schlafen.“

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