93 Contenance, Coolness und Gelassenheit versus Authentizität, Emotionalität und Selbstausdruck

93 Contenance, Coolness und Gelassenheit versus Authentizität, Emotionalität und Selbstausdruck

13 Minuten
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Beschreibung

vor 11 Jahren
Heute geht es um Contenance, Selbstbeherrschung in Psychologie,
Spiritualität und Yoga. Das letzte Mal hat Sukadev geendet, indem
er über die Psychologie und Psychotherapie sprach. Ideal und Ziel
der Psychologie und Psychotherapie ist auch die Befähigung, ein
selbstbestimmtes Leben zu führen, Emotionen nicht hilflos
ausgeliefert zu werden. Hier kann man zwei Richtungen
unterscheiden: Diejenigen, die auf Kognitionen, Verstehen,
bewusstem Steuern beruhen. Und diejenigen, die über Herausholen von
Gefühlen, Aktivierung von Emotionen, Auflösen von emotionalen
Blockaden, Befreiung von steckengebliebenen Emotionen beruhen.
Kognitive Verhaltenstherapie beruht meist auf ersterem,
Psychoanalyse, Gestalttherapie, die meisten Richtungen der
humanistischen Psychologie auf letzterem. Wie ist das in der
Spiritualität und Religion? Auch in Religion und Spiritualität
spielt diese Polarität eine wichtige Rolle. Zum einen geht es
darum, Gott zu erfahren, zu erleben. Die Grundlage der Religion ist
die religiöse Erfahrung, wie William James, der amerikanische
Psychologie schon vor über 100 Jahren erkannt hat. Und religiöse
Erfahrung, spirituelle Erfahrung, mystische Erfahrung ist die
intensivste Erfahrung, derer ein Mensch fähig ist. Andererseits
betonen die meisten Religionen und spirituellen Richtungen die
Fähigkeit zur Selbstbeherrschung. Auch auf dem religiösen Gebiet
gibt es die apollinischen und die dionysischen Richtungen. Im
Christentum gibt es die Erweckungsbewegungen, die
Born-Again-Christians, in der indischen Tradition die extremen
Bhakti-Bewegungen und manche Tantra-Bewegung, in vielen
schamanischen Traditionen gibt es das Rauschhafte, viele religiöse
Feste bauen auf kollektiver Emotionalität auf und nutzen dafür
intensive Reize durch Musik, Farben, Gerüche, Tanzen etc. Die
Gefahr ist natürlich, dass solche Exzesse in Fanatismus
resultieren, dass Emotionalismus mit Spiritualität verwechselt wird
und das Schwelgen in Gefühlen und Gemeinschaftsgefühlen die
Gottverwirklichung ersetzt. Auf der anderen Seite stehen
spirituelle Richtungen, die Wert auf Selbstbeherrschung legen wie
Meister Eckhart, Puritanismus, Raja Yoga und Jnana Yoga. Hier
besteht die Gefahr der Unterdrückung der Emotionen, einer
oberflächlichen Vernunft-Religion, die innerlich hohl bleibt. Der
ganzheitliche Yoga ist eher ein Sowohl-als-auch, weniger ein
Entweder-oder. Yoga will zu intensivem Erleben, zur Erfahrung des
Göttlichen führen. Dazu gehört auch das Ermöglichen tiefer
spiritueller Erlebnisse, Geschick im Handeln, Kultivieren von
Mitgefühl, intensiver Liebe zu Natur, Geschöpfen, Mitmenschen und
Gott. Dazu gehören spirituelle Praktiken wie Musik, Tanz,
ekstatischem Mantra-Singen. Dazu gehören intensive Erfahrungen im
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