Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit Eva Menasse: VON GRENZEN UND ABGRÜNDEN. Betrachtungen über die besondere Lage Österreichs

Tessa Szyszkowitz im Gespräch mit Eva Menasse: VON GRENZEN UND ABGRÜNDEN. Betrachtungen über die besondere Lage Österreichs

53 Minuten

Beschreibung

vor 4 Jahren

In ihrem jüngsten Roman Dunkelblum beschäftigt
sich die in Berlin lebende österreichische Schriftstellerin Eva
Menasse mit Ereignissen der österreichischen Geschichte, die
Verbrechen gegen die Menschlichkeit genannt werden müssen: die
zahllosen Massaker an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter:innen,
die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges zum Bau des
Südostwalls, einer sinnlosen und größenwahnsinnigen
Verteidigungsanlage der Deutschen Wehrmacht, ins Burgenland und
östliche Niederösterreich getrieben worden waren. Diese
sogenannten „Endphaseverbrechen“ in über 120 Gemeinden wurden
jahrzehntelang vertuscht, aber nur im deshalb notorisch
gewordenen Rechnitz wurden die Leichen bis heute nicht gefunden.
Eva Menasse siedelt die Handlung im Fantasiestädtchen Dunkelblum
an und verarbeitet historische Fakten der ganzen Gegend, aus
Mattersburg, Rechnitz, Jennersdorf, Deutsch-Schützen.Der Autorin
geht es in diesem Roman nicht nur um die literarische
Aufarbeitung der österreichischen Geschichte – oder viel mehr um
eine Aufarbeitung, die viel zu lange auf sich warten ließ.
Menasse interessiert sich einerseits für die konkrete Dynamik
einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und das meiste über
den anderen weiß, andererseits für die spezifischen Phänomene
dieser Grenzregion. Jahrhundertelang, während der
k.u.k.-Monarchie, gab es hier keine Grenze, erst 1918-21 wurde
sie blutig gezogen. Alle möglichen Verbrechen fanden an ihr und
wegen ihr statt, und als im Sommer 1989 der Eiserne Vorhang
ausgerechnet hier als erstes brüchig wird, scheint für einen
historischen Moment lang echte Aufarbeitung möglich.


Eva Menasse ist eine österreichische
Schriftstellerin. In Wien geboren lebt sie heute in Berlin. Sie
begann als Journalistin bei profil und der Frankfurter
Allgemeinen, bevor sie als Autorin mit den Romanen Vienna und
Quasikristalle reüssierte. Sie erhielt viele Literaturpreise,
darunter den Österrechischen Buchpreis 2017. Sie gehört zu den
Unterstützer:innen der Charta der digitalen Grundrechte der
Europäischen Union und der Jerusalemer Erklärung zum
Antisemitismus.


Tessa Szyszkowitz, London-Korrespondentin für
profil, Welt-Kolumnistin beim Falter, Autorin von Echte
Engländer. Britannien und der Brexit


Ein Gespräch im Rahmen der Reihe "Aus Kreiskys Wohnzimmer",
aufgenommen am 15. Dezember 2021 im Kreisky Forum.

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