„Ich liebe Homeoffice!“ – „Ich auch!“

„Ich liebe Homeoffice!“ – „Ich auch!“

26 Minuten

Beschreibung

vor 5 Jahren
Normalerweise sind Dieter Lenzen, Präsident der Universität
Hamburg, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts,
in ihrer gemeinsamen Gesprächsreihe „Wie jetzt?“ (zu hören unter
www.abendblatt.de/podcasts, zu lesen alle zwei Wochen im
Abendblatt) oft unterschiedlicher Meinung. Als es jetzt um das
Thema Heimarbeit, neudeutsch: Homeoffice, ging, war das völlig
anders. „Ich liebe es“, sagt Haider. „Ich auch“, sagt Lenzen. Die
Gründe: Anfahrtswege fallen weg, Konferenzen werden effektiver, die
Konzentration auf die eigene Arbeit steigt, die Kreativität leidet
nicht, Krankenstände gehen zurück, usw. „Und die, die noch im Büro
sitzen, sind auch glücklicher: Es ist nicht mehr so laut, sie haben
genügend Platz, können ungestörter arbeiten“, sagt Haider. „Ich
glaube nicht, dass wir nach Corona wieder so arbeiten werden wie
zuvor.“ Lenzen hat in den zurückliegenden Monaten eine erstaunliche
Beobachtung in der Kommunikation via Video gemacht: „Die
Aggressionen gehen zurück, es gibt eine stärkere Sachorientierung,
Entscheidungsfindungen werden beschleunigt.“ Die Universität
Hamburg hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, wie die neue
Arbeitswelt dort nach dem Ende der Pandemie aussehen könnte.
„Wahrscheinlich wird es auf eine Mischform von Homeoffice und
Präsenz hinauslaufen, weil Teams auch mal zusammenkommen müssen“,
sagt Lenzen. Nur von zu Hause zu arbeiten ginge allein schon
deshalb nicht, weil man neue Kolleginnen und Kollegen dann gar
nicht kennenlernen würde und zum Beispiel Auszubildende oder
Praktikanten betreuen müsse. Wichtig sei auch, dass die Betroffenen
freiwillig entscheiden könnten, ob und wie viel sie von zu Hause
arbeiten wollen. Außerdem dürfe man nicht ausblenden, dass für
einen Großteil der Menschen in Deutschland Homeoffice keine
Alternative sei – für Handwerker, Verkäufer, Ärzte, Lehrer, etc.
„Wir müssen aufpassen, dass jetzt nicht eine neue
Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht. Die einen können zu Hause
machen, was sie wollen, und kriegen auch noch Geld dafür. Die
anderen müssen im Schweiße ihres Angesichts Straßen teeren. Da sehe
ich ein soziales Risiko“, sagt Lenzen.

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