Der Kampf der alten Männer ums Weiße Haus

Der Kampf der alten Männer ums Weiße Haus

23 Minuten

Beschreibung

vor 5 Jahren
Wie kann es sein, dass ausgerechnet die Vereinigten Staaten von
Amerika als nächsten Präsidenten nur zwei ziemlich alte (und weiße)
Männer anzubieten haben? Darf man das überhaupt fragen oder ist das
schon diskriminierend? Darüber sprechen Lars Haider, Chefredakteur
des Hamburger Abendblatts, und Dieter Lenzen, Präsident der
Universität Hamburg, in der neuen Folge ihres gemeinsamen Podcasts
„Wie jetzt?“ „Wenn ich Joe Biden sehe, tut er mir fast leid, und
ich frage mich, wie er es überhaupt körperlich schaffen will, vier
Jahre lang Präsident des wichtigsten Landes der Welt zu sein“, sagt
Haider. „In Deutschland wäre es undenkbar, wenn sich zwei Männer
Mitte/Ende 70 um die Kanzlerschaft bewerben würden. Die hätten doch
keine Chance.“ Das sieht Lenzen anders: „Bewerber in der Nähe
dieses Lebensalters hat es ja auch bei uns gegeben. Und man sollte
den US-Präsidenten eher mit den deutschen Bundespräsidenten
vergleichen, und die waren in der Regel älter als die Kanzler.“ Von
einer Altersgrenze für Politiker hält der Uni-Präsident gar nichts,
das wäre wirklich (alters)diskriminierend. Und außerdem habe sich
das Thema Altersgrenzen ins Gegenteil verkehrt: Früher sei es ein
sozialer Fortschritt gewesen, dass Menschen nicht bis zu ihrem
Lebensende arbeiten mussten und in den Ruhestand gehen durften.
„Jetzt heißt es plötzlich: Darf jemand überhaupt so lange arbeiten?
Müssen wir die Personen vor sich selbst und andere vor ihnen
schützen?“, sagt Lenzen. Das müsse man differenziert betrachten:
„Wenn es um körperliche Arbeit geht, ist es etwas anders, als wenn
es um die intellektuelle Leistungsfähigkeit oder um Erfahrung
geht.“ Zurück zur Wahl in den USA – wie geht sie aus? „Ich haben
bis zu seiner Corona-Erkrankung befürchtet, dass Trumps Strategie
aus Lügen und Attacken ein weiteres Mal aufgehen könnte“, sagt Lars
Haider. „Wir müssen uns, um diese Frage zu beantworten, sicherlich
über den Bildungsstand der durchschnittlichen amerikanischen
Bevölkerung unterhalten“, so Lenzen. Die Schulzeit in den USA sei
sehr viel kürzer als in Deutschland, auswendig gelerntes Wissen
spiele eine große Rolle bei Leistungsbeurteilungen. „Das
Durchdringen und Hinterfragen eines Sachverhalts steht in den USA
nicht unbedingt an erster Stelle.“ Soll heißen: Ein Schüler kann
zwar die Namen der amerikanischen Präsidenten aufzählen, aber nicht
ihre Politik bewerten. Davon profitiere unter anderem Donald Trump,
bei dem selbst eine „Form von Senilität und Ungebildetsein“
vorliege. Das komplette Gespräch hören Sie unter
www.abendblatt.de/podcast.

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