Die Lebenslüge Mt 21,28–32
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Beschreibung
vor 5 Jahren
Ich sitze in einer unbekannten Gesprächsrunde. Wir sprechen
darüber, was wer beruflich macht, als einer mich fragt: „Und, wie
ist das so, mit einer Lebenslüge zu leben?“
Offenbar fand er, dass der priesterliche Zölibat eine einzige
verlogene Heuchelei sei.
Ich habe mich sehr geärgert. Aber anstatt wütend zu werden,
lächelte ich die Sache weg. Doch die Frage hat mich – anders als
beabsichtigt –nicht losgelassen: „Wie ist das, mit einer
Lebenslüge zu leben?“
Jesus erzählt von zwei Söhnen, die ihr Vater beide zur Arbeit in
den Weinberg schickt. Der eine weigert sich und geht dann doch.
Der andere sagt Ja, geht aber nicht hin.
Wie ist das mit meinen Lebenslügen, wenn ich mich Christ nenne,
aber lebe, als gäbe es Gott nicht? Oder wenn ich von anderen
selbstverständlich erwarte, was ich selbst nicht zu leben vermag?
Oder wenn ich Menschenrechte für heilig halte, sie aber Menschen
erst ab einem bestimmten Alter zugestehe?
„Die Zöllner und die Dirnen haben Johannes geglaubt“, sagt Jesus
den religiös und moralisch Etablierten, „ihr aber habt nicht
bereut und ihm nicht geglaubt“.
In der Fazenda da Esperanza in Brasilien bin ich einer jungen
Frau begegnet, die als Mädchen einen Mann umgebracht hat, in
dessen Abhängigkeit sie geraten war. Sie sagte mir: „Für die
Menschen war ich nur noch ein Stück Dreck. Und ich habe ich einen
Gott kennen gelernt, der mich liebt und mich heil macht – obwohl
ich eine Mörderin bin.“
Seitdem halte ich Ausschau nach denen, die erst Nein gesagt und
dann zum Ja gefunden haben, damit ich von ihrem Ja zur Liebe
Gottes lernen kann.
Mittlerweile bin ich dem Flegel fast dankbar für seine pampige
Gewissensfrage: „Wie ist das, mit einer Lebenslüge zu leben?“
Fra’ Georg Lengerke
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