Heuschrecken und Wilder Honig Teil 5: ALLESODERNICHTS Mt 11,2-6
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Beschreibung
vor 4 Jahren
Was, wenn alles Täuschung war? Das fragen sich zum Beispiel lange
unbemerkt betrogene Eheleute. Oder Leute, die erfahren, dass der
Mann ihrer Mutter nicht ihr Vater ist. Menschen, die sagen, ihnen
sei der Boden unter den Füßen weggezogen worden und sie fänden
sich im freien Fall, ohne zu wissen, wann, wo und wie sie
aufschlagen werden.
Mich hat diese Not mal in der frühen Phase der Klärung meiner
Priester- und Ordensberufung eingeholt. Ich war bei Paulus auf
die Frage gestoßen, was wäre, wenn die Auferstehung Jesu Betrug
und Lüge gewesen wäre. „Dann ist“, schreibt Paulus den Korinthern
„euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und
auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.“ Wenn wir
über den Tod hinaus nichts von Christus erhoffen können, fährt
Paulus fort, dann „sind wir erbärmlicher daran als alle anderen
Menschen“ (1 Kor 15,17-19).
Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann werde ich also umsonst
gelebt haben, wie ich gelebt habe, und mein Leben wäre auf einen
Trug gebaut gewesen. Alles für Christus Verlassene wäre verloren
und alles Vertrauen nichtig gewesen.
Eine ähnliche Not spricht aus der Frage, mit der Johannes der
Täufer aus dem Gefängnis einige seiner Jünger zu Jesus schickt:
„Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen
warten?“ (Mt 11,2-6; Lk 7,19) Zumal Johannes gar keine Zeit mehr
hat, zu warten. Sein Leben hängt am seidenen Faden der Launen
eines unberechenbaren Cholerikers (s. nächste Woche). Habe ich
dem Falschen den Weg bereitet, meine Stimme geliehen und mein
Leben gegeben? War alles umsonst?
Anfang dieser Woche hörte ich eine ähnliche Frage bei einer
älteren Verwandten, die eine tief geistliche und vom Glauben
geprägte Frau ist. Sie hatte eine Cousine und Freundin in den Tod
begleitet, die selbst in großer Demut, Freundlichkeit und Geduld
ihren letzten Weg gegangen war. Und nun sagt diese altgediente
Freundin Jesu: „Ich war immer überzeugt, dass es nach dem Tod
irgendwie weitergeht. Aber jetzt... Wenn ich mir vorstelle heute
zu sterben, dann bin ich ganz ohnmächtig und stumm und mir ist
irgendwie kalt zumute.“ Und sie zuckt mit den Schultern, während
ihr die Stimme versagt…
Vielleicht hat Johannes den Herrn nur um unseretwillen gefragt.
Der hl. Hieronymus vermutet, dass Johannes der Täufer selbst sich
seiner Sache ganz sicher gewesen sei. Er habe diese Frage den
Jüngern nur um ihrer selbst willen mitgegeben, damit sie sich
selbst von der Glaubwürdigkeit und Wahrheit des Wirkens Gottes in
Jesus überzeugen.
Die Frage ist also nicht einfach nur ein Zeichen von
Kleingläubigkeit. Sie ist erlaubt und mitunter sogar geboten:
„Bist Du es wirklich? Oder ist ein anderer der Christus?“ Sie
muss gestellt werden, damit sich zeigen kann, wo wir auf falsche
„Christusse“ vertraut haben und damit wir uns wieder und wieder
vom Wirken Christi in der Offenbarung, im Leben der Kirche und
der Zeugen Christi und in unserem eigenen Leben überzeugen – oder
uns neu überzeugen lassen. Schon von heute an. Und nicht erst,
wenn wir mit dem Rücken an der Wand stehen.
Die Antwort Jesu ist kurz. Und zugleich ist sie lang. Sie ist ein
Leben lang. Jesus sagt nicht einfach: „Ja, ich bin es!“ Er
erinnert die Jünger des Täufers, zu hören und zu sehen, was dort
geschieht, wo Jesus ist, und wovon sie Johannes und allen
Menschen erzählen sollen: „Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen
wird das Evangelium verkündet.“ Fromme Juden kannten diese Worte:
So hatte der Prophet Jesaja verheißen, dass es sein wird, wenn
der Gesalbte Gottes kommt.
Der seit Anfang der Welt Ersehnte, der von den Propheten
Verheißene ist in Jesus gekommen. Und er ist noch immer im
Kommen. Die Mission des Täufers ist erfüllt. Die Warterei hat ein
Ende. Jetzt könnt Ihr ihn je und je erwarten. Und ihm aufwarten.
Ihm und denen, die er mit Euch lieben will.
Fra' Georg Lengerke
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