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  4. Karfreitag Consummatum est Joh 19,30
Vergangenen Samstag habe ich eine meiner Tanten beerdigt. Kurz
nach ihrem Tod hat mir meine Schwester ein Bild von ihr gezeigt.

Ich habe schon viele Verstorbene gesehen. Oft sahen sie ein wenig
blass aber sonst noch ganz proper aus. Man hätte denken können:
Ja, wenn nur der Herzfehler nicht gewesen wäre…, oder: wenn nur
das Virus nicht gewesen wäre…, oder: wenn nur die Ampel nicht rot
gewesen wäre…, dann könnte dieser Mensch eigentlich noch leben.

Bei meiner Tante Annemarie war das anders. Ihr Bild hat mich
verstört. Ich habe sie nicht gleich erkannt. Sie war buchstäblich
nur noch Haut und Knochen. Sie sah aus, als wäre nichts mehr
übrig, was noch hätte leben können.

Ich sah die Tante und musste an das letzte Wort Jesu im
Johannesevangelium denken: „Es ist vollbracht!“. Genaugenommen
fiel mir der lateinische Satz ein: „Consummatum est!“ Das ist
mehr als bloß „beenden“, „abschließen“ oder „fertig werden“. Es
heißt soviel wie „zusammenbringen“, „verzehren“, „vollenden“. Im
griechischen Urtext steht da „tetelestai“ und das hat mit dem
„Telos“, dem Ziel zu tun: Es bedeutet: „erfüllt“, „bezahlt“,
„angekommen sein“.

Alles ist gegeben, alles angekommen, alles erfüllt. Das sagt
Jesus am Ende seines Lebens. Und das sagte mir das Leben meiner
Tante Annemarie: Alles ist gegeben. Nichts ist zurückgehalten.

Und nun steigt eine Frage in mir auf. Erst leise, dann lauter und
bald brennend. Wenn Jesus alles und auch sich selbst gegeben hat
(und mit ihm Menschen wie meine Tante Annemarie), was ist dann
bei mir angekommen und von mir angenommen?

Und was will und kann, darf und soll ich geben, wenn ich am Ende
mit Jesus möchte sagen können „Consummatum est!“

Das letzte Wort Jesu markiert nicht ein Ende. Es bezeichnet einen
Anfang. Es schließt nicht ab, sondern auf.

Fra' Georg Lengerke
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„Karfreitag Consummatum est Joh 19,30“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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