Wunden-Ausweis Lk 24,35-48

Wunden-Ausweis Lk 24,35-48

2 Minuten

Beschreibung

vor 4 Jahren

Bis in die 80ger Jahre hinein stand in deutschen Reisepässen ein
Angabenfeld „Besondere Kennzeichen“. „Blinddarmnarbe“ hätte da
stehen können. Das Feld war bei mir aber leer.


Weil die Jünger den Auferstandenen nicht erkennen, weist er sich
aus. Sein Ausweis sind „besondere Kennzeichen“: die Wundmale an
Händen und Füßen.


Es sind Wunden, nicht Narben, die die Jünger sehen. Die Goldene
Legende (Legenda Aurea, 13. Jh) berichtet, wie sich dem Hl.
Martin von Tours eine herrliche Gestalt als der auferstandene
Christus ausgibt. Martin entlarvt den Betrug des Versuchers: „Ich
werde nicht glauben, Christus sei gekommen, außer ich sehe ihn in
der Gestalt, in der gelitten hat, und mit den Wundmalen seiner
Kreuzigung.“


Was sagt uns der Ausweis der Wunden?


Die Wunden sagen: „Ich bin es!“ Ich bin derselbe, den ihr gehört,
dem ihr geglaubt habt und dem ihr nachgefolgt seid, der gegeißelt
und gekreuzigt wurde, um den ihr getrauert und den ihr aufgegeben
habt.


Die Wunden sagen: „So bin ich!“ Ich halte mein Wort, weil der
Vater sein Wort hält. Ich lasse mich nicht herauswerfen aus der
Welt oder aus Eurem Leben. Ich habe Eure Wunden zu meinen Wunden
gemacht.


Die Wunden sagen: „So seid ihr!“ Weil auch ihr Wunden tragt. Und
weil auch ihr Wunden schlagt. Ich leide Eure Leiden – jene, die
ihr selbst tragt, und jene, die ihr anderen zufügt.


Und die Wunden sagen: „So wird es sein!“ Alles wird einmal vor
Gott kommen und dort geheilt, versöhnt und vollendet werden.


Nach Ostern habe ich im Libanon über diese Stelle gepredigt. Vor
mir saß der zwölfjährige Toufic – den Kopf voller Wunden. Und ich
dachte: Diese Heilung, Versöhnung und Vollendung beginnt schon
da, wo wir die Wunden der Menschen berühren, die Jesus zu seinen
gemacht hat.


Fra’ Georg Lengerke

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