Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
  1. Startseite
  2. Podcasts
  3. BetDenkZettel Podcast
  4. Die offene Rechnung der Kirche Lk 6,27-38
Wenn jemand sagt, er habe mit einem anderen noch eine Rechnung
offen, dann bedeutet das, dass einer dem anderen etwas schuldet.
Dabei kann es sich um eine dingliche Schuld (zum Beispiel aus
einem Geschäft) handeln, die zu bezahlen ist, oder um eine
moralische Schuld (aus einem Vergehen oder Verbrechen), die
bereut, gesühnt und wieder gut gemacht werden soll. Solange die
Rechnung offen bleibt, stimmt etwas nicht. Die Gerechtigkeit
fordert, dass die Rechnung beglichen wird. Und das tut sie nicht
nur im Namen der Gläubiger und der Opfer, sondern im Namen einer
sittlichen Ordnung, in der wir gut leben können.

Im Evangelium ist nun davon die Rede, dass die Jünger Jesu die
Rechnung offenlassen sollen. Ihren Feinden sollen sie gut sein
und die Fluchenden segnen. Für die Beleidiger sollen sie beten,
ihren Schlägern die andere Wange hinhalten und dem Manteldieb
auch noch das Hemd lassen. Kein Wunder, dass man die Christen
anfangs für eine Gefahr für die sittliche Ordnung gehalten hat.

Aber sind sie das wirklich? Angenommen, eine ausgleichende
Gerechtigkeit würde mit mathematischer Präzision durchgesetzt.
Dann hätte keiner von uns eine Chance. Jeder bliebe Sklave seines
Ungenügens und seiner unbeglichenen und unbegleichbaren Schuld.
Jeder Mensch ist darauf angewiesen, dass es so etwas gibt wie
Gnade, Erbarmen, Vergebung.

Deshalb gehört zur Gerechtigkeit, sagt Jesus, dass ich die
Menschen so behandele, wie ich behandelt werden will. Deshalb
soll ich mir vorstellen, Gott würde mich einmal so behandeln, wie
ich die Menschen behandelt habe. Und darauf, wie Gott mich
behandeln wird – darauf möchte ich mich freuen können.

Daran muss ich denken, wenn es in dieser Zeit um den Umgang mit
Schuld in der Kirche geht. Denn wo in der Kirche Erbarmen und
Vergebung mit Verharmlosung und Vertuschung vertauscht wird, da
wird die Gerechtigkeit nicht geöffnet, sondern zerstört – und mit
ihr das Vertrauen, der Glaube und das Leben von Menschen.

Die Auseinandersetzung um die Kirche scheint mir heute der
Ernstfall zu sein, in dem wir sogenannten „Vertreter der Kirche“
das Offenlassen der Rechnung üben sollen – und zwar da, wo nicht
andere, sondern wir selbst Opfer sind. Dazu werden wir
ironischerweise geradezu genötigt. Denn wo sich berechtigte und
notwendige Anklagen gegen die Kirche und ihre Amtsträger mit
ungerechten Beschuldigungen und Verleumdungen mischen, dort wird
jede Verteidigung und jeder Versuch, Gerechtigkeit wieder
herzustellen, als erneute Verharmlosung und als Fortsetzung und
Steigerung all dessen wahrgenommen, was Verbrechen in der Kirche
begünstigt hat.

Mir scheint, an dem Punkt will sich zu unserer Reue die Liebe
gesellen. Das ist die Stunde, in der die leidende Liebe die
Rechnung offenlässt.

Fra' Georg Lengerke
Episode melden

„Die offene Rechnung der Kirche Lk 6,27-38“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz