Cytomegaloviren, die, wie alle Herpesviren, persistente Infektionen
in ihren Wirten etablieren, haben Mechanismen entwickelt, um einer
Elimination durch das Immunsystem zu entgehen. Alle bisher
untersuchten Herpesviren interferieren mit der
MHC-Klasse-I-restringierten Antigenpräsentation. Murines
Cytomegalovirus verfügt neben der m152-vermittelten Retention von
MHC-Klasse-I-Molekülen im ERGIC/cis-Golgi über weitere Mechanismen,
den Transport von MHC-Klasse-I-Molekülen an die Plasmamembran zu
verhindern (Thäle et al., 1995; Ziegler et al., 1997). In der
vorliegenden Arbeit konnte das MCMV Glykoprotein gp48, welches
durch das in der early Phase der Infektion exprimierte Gen m06
kodiert wird, als weiteres MHC-Klasse-I-reaktives Protein
identifiziert werden. Zellen, die das Gen m06 stabil exprimieren,
weisen eine stark verminderte Oberflächenexpression von
MHC-Klasse-I-Molekülen auf, und sind dadurch in ihrer Fähigkeit,
Peptide gegenüber CD8+ cytotoxischen T-Zellen zu präsentieren,
beschränkt. Das Typ I Transmembranprotein gp48 bindet im
Endoplasmatischen Retikulum (ER) an neu-synthetisierte
b2-Mikroglobulin-assoziierte MHC-Klasse-I-Moleküle, wobei eine
Peptidbeladung der Komplexe nicht erforderlich ist. Die
gp48/MHC-Klasse-I-Komplexe verlassen das ER und werden durch den
Golgi-Apparat in ein Lamp-1+ Kompartment, höchst wahrscheinlich in
die Lysosomen, transportiert und dort rasch abgebaut. Die
Degradation ist sensitiv gegenüber verschiedenen
endosomalen/lysosomalen Inhibitoren. Eine Hemmung führt zur
Akkumulation von komplex glykosylierten MHC-Klasse-I- und gp48
Molekülen, die sich resistent gegenüber Endoglykosidase H
verhalten. Gp48 Moleküle, welche nicht mit MHC-Klasse-I-Komplexen
assoziiert sind, werden nicht in die Lysosomen transportiert,
sondern durch das Proteasom abgebaut. Das virale Glykoprotein gp48
kann in eine MHC-Klasse-I-bindende Domäne und eine Transportdomäne
unterteilt werden. Der gerichtete Transport der MHC-Klasse-I/gp48-
Komplexe in die Lysosomen wird durch ein di-Leucin-Motiv im
cytoplasmatischen Anteil von gp48 vermittelt. Eine Deletion des
gesamten cytoplasmatischen Anteils bzw. eine Mutation des
Membran-proximalen di-Leucin-Motivs führt zur Wiederherstellung der
MHC-Klasse-I Oberflächenexpression, ohne die
gp48/MHC-Klasse-I-Assoziation zu beeinflussen. Für die Bindung von
gp48 an MHC-Klasse-I-Moleküle ist die luminale Domäne ausreichend,
sofern diese in membranverankerter Form vorliegt. Die direkte
Bindung an MHC-Klasse-I-Moleküle über die luminale Domäne von MCMV
gp48 und der gerichtete Transport, vermittelt über ein
di-Leucin-Motiv im cytoplasmatischen Anteil von gp48, stellt einen
neuartigen viralen Immunevasionsmechanismus dar, die
MHC-Klasse-Irestringierte Antigenpräsentation zu verhindern.
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