E43: Was haben Berechenbarkeit, Digitalisierung und „Made in Germany“ miteinander zu tun? – Anke Nehrenberg (kommitment GmbH & Co. KG)
vor 7 Jahren
Digitalisierung bedeutet Veränderung, oft sogar rapide Veränderung.
Welchen Blick auf Digitalisierung hat also jemand, der Unternehmen
bei Veränderungsprozessen begleitet? Das erfahren wir in der
heutigen Episode von „Wege der Digitalisierung“ von Anke...
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Beschreibung
vor 7 Jahren
Digitalisierung bedeutet Veränderung, oft sogar rapide
Veränderung. Welchen Blick auf Digitalisierung hat also jemand,
der Unternehmen bei Veränderungsprozessen begleitet? Das
erfahren wir in der heutigen Episode von „Wege der
Digitalisierung“ von Anke Nehrenberg. Sie ist nicht nur
Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung
kommitment, sondern auch in einer ganzen Reihe von Ehrenämtern
aktiv: unter anderem im Digitalausschuss der Handelskammer
Hamburg, den Digital Media Women, dem DIHK in Berlin und im
Beirat für Digitalisierung von Dataport. In all diesen
Umgebungen sieht sie aus ganz unterschiedlichen Perspektiven,
wie Unternehmen auf die Herausforderungen der Digitalisierung
reagieren. Im Interview mit Nils erläutert sie, wie sich
Unternehmenskultur und Management wandeln müssen, um in
digitalen Zeiten erfolgreich zu bleiben.
Digitalisierung als Treiber für Veränderung
Ursprünglich meint Digitalisierung, dass Dinge der physischen
Welt ins Digitale oder Virtuelle übertragen werden. Und das
meinen auch viele Unternehmen heute noch, wenn sie von
Digitalisierung sprechen. Für Anke Nehrenberg ist
Digitalisierung aber noch viel mehr: Die digitale
Transformation ist eine Veränderung, die sich auf alle Bereiche
eines Unternehmens auswirkt, die ein neues Arbeiten und eine
neue Kommunikation bringt und die zu einem vollständigen Wandel
in der Unternehmenskultur, aber auch in der Wertschöpfung
führt.
Das Problem dabei: Viele Firmen haben laut Nehrenberg das
Gefühl, mit der Digitalisierung ein großartiges neues Werkzeug
an die Hand bekommen zu haben, mit dem sie ganz viel machen
könnten – wenn sie denn nur wüssten, wie und wofür.
Die zentralen Herausforderungen der Digitalisierung
Grundsätzlich hat zwar jedes Unternehmen und jede Organisation
ihre ganz eigenen Probleme und Herausforderungen. Dennoch
erkennt Nehrenberg zwei große Themen, die fast alle Unternehmen
hinsichtlich der Digitalisierung umtreiben: die Unsicherheit
und der erforderliche Wandel in der Unternehmenskultur und in
den Unternehmensprozessen.
Herausforderung 1: Unsicherheit
Gerade in Deutschland haben wir eine Tradition, in der das
Denken in unserer Industrie stark von Kontinuität, Planbarkeit
und Berechenbarkeit geprägt ist: Der Ingenieur könne alles
berechnen. Das sei ein wesentlicher Aspekt hinter der Idee von
„Made in Germany“, ist Nehrenberg überzeugt. Inzwischen bewegen
wir uns allerdings in einer zunehmend komplexen Welt, in der
diese Berechenbarkeit nicht mehr gegeben ist.
Viele Unternehmen und Organisationen fühlen sich dadurch
verunsichert und orientierungslos und stoßen an ihre Grenzen.
Denn sie versuchen, die altbekannten Muster, die lange
funktioniert haben, auf die neuen Begebenheiten anzuwenden –
und fahren damit vielfach an die Wand. Denn Digitalisierung
heißt auch, dass Veränderungen schneller passieren und zu einem
gewissen Teil einfach unberechenbar sind.
Herausforderung 2: Wandel der Unternehmenskultur
Die zweite große Herausforderung, die Nehrenberg im Kontext der
digitalen Transformation von Unternehmen ausmacht, ist die
Notwendigkeit, die Unternehmenskultur an die neuen
Gegebenheiten anzupassen.
Viele Unternehmer gehen den Kulturwandel laut Nehrenberg falsch
an: Sie wünschen sich explizit einen Kulturwandel, weil sie
hoffen, dass sich dadurch die Firma ändert. Das sei Nehrenberg
zufolge aber verkehrtherum gedacht. Kulturwandel verläuft
nämlich genau andersrum: Erst müssen neue Prozesse etabliert,
anders gearbeitet und neue positive Erfahrungen gemacht werden,
damit sich dann nach und nach die Unternehmenskultur erneuern
kann.
Wie Unternehmen den Herausforderungen der Digitalisierung
begegnen können
Wie können Unternehmen den beiden genannten Herausforderungen
nun am besten begegnen?
Role-Models und kleine Schritte
Um einen positiven Kulturwandel im Unternehmen zu erreichen,
braucht es laut Nehrenberg vor allem Role Models. Denn: „Ich
kann nur mein eigenes Verhalten ändern. Ich kann schwer andere
Menschen ändern. Aber ich kann Menschen anregen, ihr Verhalten
zu überdenken und es zu ändern, indem ich die Rahmenbedingungen
dafür schaffe“, so Nehrenberg.
Zudem sollten Unternehmer versuchen, weniger groß zu denken.
Anstatt einen großen Change-Prozess in die Wege zu leiten, dem
ein langer Planungsprozess vorausgeht, sollten sie
Veränderungen in überschaubaren Experimenten testen. Sie
sollten Hypothesen für ihr Unternehmen sowie für ihr eigenes
Verhalten entwickeln und diese dann in kleinen Iterationen
überprüfen. Auf diese Weise können sie ihr Unternehmen und die
Unternehmenskultur Schritt für Schritt zum Positiven hin
verändern.
Vertrauen und Lernen
Für die zweite Herausforderung – die Unsicherheit und
Orientierungslosigkeit – ist es schwieriger, eine Lösung zu
finden. Laut Nehrenberg kann aus Unsicherheit nur dann
Sicherheit entstehen, wenn man selbst eine Handlungskompetenz
hat und ein gewisses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie
die Kompetenzen anderer.
Weiterhin ist Nehrenberg zufolge eine positive Fehlerkultur für
den Erfolg eines Unternehmens entscheidend. Denn weil vieles im
Rahmen der Digitalisierung neu ist und viele Wege zum ersten
Mal beschritten werden, können Unternehmen oftmals nur durch
Experimente lernen. Sie müssen also nicht nur das Lernen
lernen, sondern vor allem auch, dass sie Fehler zulassen
dürfen. Was sie hingegen nicht zulassen dürfen, ist, dass der
gleiche Fehler noch einmal passiert. Denn dann hätten die
Unternehmen laut Nehrenberg nichts gelernt.
Zeit für das postheroische Management
Um diese Aspekte – Lernen und Vertrauen – in die
Unternehmenskultur zu integrieren, ist es wichtig, die
bisherigen Standards von Führung und Kontrolle aufzugeben. Die
Zeiten des postheroischen Managements seien laut Nehrenberg
vorbei. Die Unternehmenslenker müssten sich erlauben, von ihren
Team-Mitgliedern zu lernen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen:
„Die Rolle von Führung ändert sich. Das bedeutet auch: Ich
schaffe Möglichkeiten und Räume zum Lernen und tue das auch
selbst. Ich stelle mich nicht mehr vor das Team, sondern bin
Teil des Teams.“
P.S. Unser Podcast ist Medienpartner der
Hub.Berlin geworden! Wir werden dort vor Ort ein paar sehr
spannende Interviews führen dürfen. Vielleicht sehen wir uns ja
dort?
Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:
Anke Nehrenberg
kommitment GmbH & Co. KG
Tim Pritlove
Forschergeist (Podcast)
Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken (Buch)
Quellen-Liste
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„Made in Germany“ miteinander zu tun? – Anke Nehrenberg
(kommitment GmbH & Co. KG) erschien zuerst auf
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