E48: Wie verändert Digitalisierung unser Lernen und unser Denken? (Teil 1/2) – Lisa Rosa (Landesinstitut für Lehrerbildung)

E48: Wie verändert Digitalisierung unser Lernen und unser Denken? (Teil 1/2) – Lisa Rosa (Landesinstitut für Lehrerbildung)

vor 7 Jahren
Die Digitalisierung wirkt sich auf nahezu alle unsere Lebensbereiche aus. Sie verändert nicht nur die Art, wie wir arbeiten, sondern auch, wie wir lernen und uns Wissen aneignen. Schulen als zentrale Bildungsinstitutionen müssen diese gravierenden Tran...
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Beschreibung

vor 7 Jahren

Die Digitalisierung wirkt sich auf nahezu alle unsere
Lebensbereiche aus. Sie verändert nicht nur die Art, wie wir
arbeiten, sondern auch, wie wir lernen und uns Wissen aneignen.
Schulen als zentrale Bildungsinstitutionen müssen diese
gravierenden Transformationen berücksichtigen. Vor allem eine
Kompetenz muss im Zeitalter der Digitalität, in der jeder
ungefiltert Informationen verbreiten kann, verstärkt in den Fokus
rücken: die Fähigkeit, kritisch zu denken.


In der 48. Folge von „Wege der Digitalisierung“ spricht Nils mit
Lisa Rosa. Sie war 20 Jahre Lehrerin für Musik, Politik und
Geschichte und ist heute als Lehrerfortbilderin im Landesinstitut
für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung Hamburg tätig. Im
ersten Teil des Interviews erklärt sie, was die aktuelle Phase
des kulturellen Umbruchs mit den Anfängen der Industrialisierung
zu tun hat.
Das Digitale als neues Leitmedium

Für Lisa Rosa ist Digitalisierung kein rein technologischer
Begriff. Zwar sei der Prozess des Digitalisierens von vormals
physischen Dingen ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung.
Rosa versteht darunter aber etwas weitaus Komplexeres: etwas, das
die gesamte heutige Gesellschaft prägt und noch lange Zeit prägen
wird. Sie sieht darin eine neue Epoche – und die könne natürlich
nicht nur aus der Technologie bestehen.


Das Digitale ist laut Rosa das vierte große Leitmedium, das den
Buchdruck als letztes Leitmedium ablöst. In der
Menschheitsgeschichte hat es bislang drei Leitmedien gegeben. Das
erste war die orale Sprache. Mit ihrer Entstehung hat sich die
„Menschwerdung“ des Affen vollzogen. Das zweite Leitmedium war
die skriptorische Sprache, die von Lesen und Schreiben geprägt
war und sich in der Antike entwickelt hat. Das dritte schließlich
war der Buchdruck, der im 15. Jahrhundert mit Gutenberg entstand.


Gemein ist allen Leitmedien, dass sie zu enormen Umwälzungen
geführt und die menschliche Kultur grundlegend verändert haben.
Mit der oralen Sprache ist eine arbeitsteilige Gesellschaft
entstanden, die sesshaft werden sowie Ackerbau und Viehzucht
betreiben konnte. Die skriptorische Sprache hat zur Staatsbildung
antiker Hochkulturen geführt und ohne den Buchdruck wäre die
Industrialisierung nicht denkbar gewesen. Mit der Digitalisierung
schließlich ist eine neue Informations-, Wissens- und
Lerngesellschaft entstanden.
Von den vorangegangenen Kulturumbrüchen lernen

Indem die Digitalisierung in einen größeren historischen Kontext
gestellt und als eine von vier mediengeschichtlichen Epochen
gesehen wird, ist es laut Rosa möglich, Vergleiche zu den
früheren Epochen zu ziehen. Das sei vor allem deshalb so wichtig,
weil wir uns aktuell in einer Umbruchphase von der
Buchdruck-Kultur zur digitalen Kultur befinden und noch nicht
wissen, welche Herausforderungen und Konflikte dadurch
möglicherweise noch entstehen werden. Wenn wir nun aber in die
Vergangenheit blicken, können wir sehen, wie die Gesellschaft in
früheren Epochen mit den durch die neuen Medientechnologien
ausgelösten Umwälzungen umgegangen ist.


Eine der großen Herausforderungen, die vielen Menschen heutzutage
Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Welt zunehmend
komplexer und unübersichtlicher wird. Für Rosa lautet die Antwort
auf die voranschreitende Komplexität der Welt, dass wir selbst in
unserem Denken und Tun komplexer werden müssen. Im nächsten Teil
des Interviews erläutert Rosa, wie die Menschen früher mit den
großen medialen Umwälzungen umgegangen sind und welche besonderen
Herausforderungen sich für uns aus der digitalen Revolution
ergeben.


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Lisa Rosa

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg



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