E50: Wie können wir Kinder für MINT-Fächer und -Berufe begeistern? – Gesine Liese (Kinderforscher an der TUHH)

E50: Wie können wir Kinder für MINT-Fächer und -Berufe begeistern? – Gesine Liese (Kinderforscher an der TUHH)

vor 7 Jahren
Fragt man Kinder und Jugendliche nach ihren Berufswünschen, so werden meist Berufe wie Lehrerin, Fußballspieler oder Polizistin genannt. Auch die Berufe der Eltern stehen hoch im Kurs. Der Grund: Andere Berufe sind unbekannt und den Kindern so fremd,
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Beschreibung

vor 7 Jahren

Fragt man Kinder und Jugendliche nach ihren
Berufswünschen, so werden meist Berufe wie Lehrerin,
Fußballspieler oder Polizistin genannt. Auch die Berufe der
Eltern stehen hoch im Kurs. Der Grund: Andere Berufe sind
unbekannt und den Kindern so fremd, dass sie keinen Bezug zu
ihnen haben. Das gilt vor allem für technische und
naturwissenschaftliche Berufe. Denn auf den ersten Blick haben
diese nur wenig mit der Lebensrealität von Kindern zu
tun.


Dabei können viele Alltagsfragen mithilfe von Technik und
Naturwissenschaften beantwortet werden. Auch Kindern können diese
Themen also nahegebracht werden – wenn sie auf anschauliche und
leicht verständliche Weise vermittelt werden. Genau das haben
sich die Kinderforscher an der Technischen Universität Hamburg
(TUHH) zur Aufgabe gemacht.


Im Interview mit Nils erklärt die Gründerin und Leiterin der
Kinderforscher Gesine Liese, was ihr Projekt so besonders macht
und wie sie es schafft, sogar Grundschüler für technische und
naturwissenschaftliche Fragestellungen zu begeistern.
Mit dem Spirit des Silicon Valley

Die gebürtige Deutsche Gesine Liese ist als Kind mit ihren Eltern
in die USA ausgewandert – in das heutige Silicon Valley, wo ihr
Vater bei IBM gearbeitet hat. Bis zu ihrem High-School-Abschluss
hat sie dort gelebt und der Spirit des Silicon Valley hat sie bis
heute tief geprägt. Liese hat hautnah miterlebt, wie aus kleinen
Garagen-Startups milliardenschwere Unternehmen wurden. Und sie
hat gesehen, dass man alles schaffen kann, wenn man nur fest an
sich und seine Ideen glaubt: „Wir alle, die in diesem Zeitraum
zwischen 1968 und 1984 im Silicon Valley groß geworden sind,
haben den Glauben, dass wir die Welt bewegen können.“ Und genau
so gehe es ihr auch: „Ich möchte gerne die Welt verändern.“


Das ist Liese gelungen: Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Liese
hat sie 2006 die Kinderforscher gegründet. Die Kinderforscher
sind ein Projekt der TUHH. Das Ziel: Schülerinnen und Schüler von
der dritten bis zur 13. Klasse für naturwissenschaftliche und
technische Fragen zu begeistern, um so ihr Interesse an den
MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und
Technik) zu aktivieren und zu fördern. Wie die Kinderforscher das
schaffen? Indem sie durch praktische und alltagsnahe Experimente
zunächst den Forschergeist der Kinder und Jugendlichen wecken und
ihnen dann hautnah zeigen, wie an der TUHH an genau diesen Themen
geforscht wird.
Kindheitserfahrungen kreieren

Der Grundgedanke dahinter ist simpel: „Jeder, der Ingenieure
kennt, weiß, dass sie wahnsinnig gerne herumtüfteln“, sagt Lise.
„Und wenn man sie fragt, wie sie auf ihren Berufswunsch gekommen
sind, dann hört man oft, dass es an einer Kindheitserfahrung lag.
Dass sie selbst gerne etwas gebaut haben oder mit dem Opa an
Modelleisenbahnen gebastelt haben oder Ähnliches.“ Bei den
Kinderforschern geht es genau darum, diese Kindheitserfahrungen
zu kreieren und den Kindern Naturwissenschaften und Technik auf
spielerische Weise nahezubringen.


Um das zu erreichen, bieten die Kinderforscher viele verschiedene
Projekte und Produkte an. So gibt es Experimentierkurse für
Grundschüler, in denen sie im wöchentlichen Wechsel in ihren
Klassenräumen experimentieren und Exkursionen an die TUHH machen,
oder den Nachwuchscampus, der sich an ältere Schüler ab der
achten Klasse richtet. Zudem bieten die Kinderforscher sogenannte
Experimentierkisten an. In diesen Kisten werden Materialien zu
spannenden Fragen aus dem Alltag zusammengestellt, etwa „Wie geht
Hefeteig auf?“, „Warum fliegen Flugzeuge?“ oder „Wie wird
Abwasser sauber?“. Mit den genannten Angeboten erreichen die
Kinderforscher jährlich rund 1.000 Kinder und Jugendliche aus
Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Tendenz steigend.
Kniffelix: Online-Plattform für das Experimentieren zuhause

Mit ihrem jüngsten Angebot Kniffelix wollen die Kinderforscher
noch höher hinaus und noch mehr Kinder und Jugendliche erreichen.
Kniffelix ist eine Online-Plattform, die die Experimente der
Kinderforscher zu den Kindern und Jugendlichen nach Hause bringt.
Liese selbst vergleicht Kniffelix mit den Lach- und
Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus – jedoch mit einem
wesentlichen Unterschied: Die Kniffelix-Experimente sind
interaktiv. Auch hier gibt es zwar kurze Videos, in denen
bestimmte Themen angesprochen, Fragen geklärt oder Berufsbilder
aus dem MINT-Bereich vorgestellt werden. Die Zuschauer werden
aber zwischendurch immer wieder dazu aufgefordert, selbst aktiv
zu werden:


„Wenn ich fernsehe, dann sitze ich vor einem Fernseher. Wenn ich
die Kniffelix-Plattform aufrufe, dann gibt es da erstmal ein
kleines Video von zwei bis drei Minuten, um mich an eine
Alltagsfrage heranzubringen. Zum Beispiel werde ich gefragt,
welcher Pizzatyp ich bin, ob ich einen knusprigen Pizzaboden
lieber mag oder einen fluffigen, weichen. Von da aus wird dann
gefragt, wie das überhaupt mit dem Hefeteig funktioniert. Und
dann werde ich vom Computer weg in die Küche geschickt, um das
selbst mal auszuprobieren“, erklärt Liese das Konzept.
Interaktion und Mitmachen im Fokus

Darüber hinaus werden die Teilnehmer dazu animiert, Fotos von
ihren Experimenten hochzuladen und eigene Experimentierideen
vorzuschlagen. Anhand von Quizfragen können die Kinder und
Jugendlichen ihr Wissen auf spielerische Weise testen und noch
mehr lernen. Bei allem stehen der Austausch, die Interaktion und
das eigenständige Ausprobieren und Aneignen von Wissen im
Vordergrund.


Dabei ist laut Liese vor allem eines wichtig: der Spaß an der
Sache. „Man sollte definitiv keine Scheu bei Kindern entstehen
lassen“, sagt Liese. Viele Erwachsene hätten selbst Hemmungen in
Sachen Experimentieren. Vor Dingen, die neu für sie sind, hätten
sie häufig Angst. Kinder hingegen würden diese Angst nicht
kennen. Deshalb sei es umso wichtiger, die eigenen Vorbehalte
nicht auf die Kinder zu übertragen. Das gelte auch für Vorurteile
und Stereotype, die man selbst möglicherweise im Kopf hat, etwa,
dass Mädchen in bestimmten technischen Dingen nicht so begabt
seien wie Jungen.
Ein gesundes Mittelmaß

Gleichzeitig warnt Liese vor einer zu starken Fokussierung auf
das Technisch-Naturwissenschaftliche. Es sei zwar großartig, wenn
man das Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen in den
Kindern wecken und sie für derartige Themen begeistern könnte.
Dabei dürfe man aber nicht vergessen: Jedes Kind ist
unterschiedlich und hat unterschiedliche Interessen. Wenn ein
Kind also liebend gerne tüftelt und experimentiert, sollte man
das fördern. Wenn es aber lieber mit Puppen oder mit der
Spielküche spielt, dann ist auch das völlig in Ordnung.
Grundsätzlich gilt laut Liese: Eltern sollten alles in Maßen
anbieten, einen gesunden Mittelweg finden und Einseitigkeit
vermeiden.


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Kinderforscher an der TUHH

Gesine Liese

Kniffelix

Hamburg Open Online University

mintforum.de

Creating Innovators (Buch)



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-Berufe begeistern? – Gesine Liese (Kinderforscher an der TUHH)
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