E52: Welche Chancen bietet die Digitalisierung für ein mittelständisches Chemieunternehmen? – Arnold Mergell (Hobum Oleochemicals)

E52: Welche Chancen bietet die Digitalisierung für ein mittelständisches Chemieunternehmen? – Arnold Mergell (Hobum Oleochemicals)

vor 7 Jahren
Produkte, Prozesse, Wertschöpfungsketten und weiche Faktoren – das sind die vier Bereiche, auf die sich die Digitalisierung laut Arnold Mergell auswirkt. Er ist überzeugt: Die Digitalisierung birgt auch für Branchen,
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Beschreibung

vor 7 Jahren

Produkte, Prozesse, Wertschöpfungsketten und weiche
Faktoren – das sind die vier Bereiche, auf die sich die
Digitalisierung laut Arnold Mergell auswirkt. Mergell ist
Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsvereins für den Hamburger
Süden und geschäftsführender Gesellschafter der Hobum
Oleochemicals, ein Hamburger Familienunternehmen in vierter
Generation, das auf die Herstellung von Lacken und Farben sowie
Kunst- und Klebstoffen für Industriekunden spezialisiert
ist.


Mergell kommt somit aus einer Branche, die bislang kaum von der
Digitalisierung betroffen war. Dennoch setzen sich sein Team und
er seit geraumer Zeit intensiv mit dem Thema auseinander. Denn
Mergell ist überzeugt: Die Digitalisierung birgt auch für
Branchen, deren Produkte sich nicht digitalisieren lassen, ein
enormes Potenzial.


Im Interview mit Nils führt er anhand von zahlreichen Beispielen
aus, wie sich Wettbewerbsvorteile auf- und ausbauen, Prozesse
vereinfachen und Wertschöpfungsketten optimieren lassen – und
das, ohne dass die Mitarbeiter um ihren Job fürchten müssen.
Auswählen aus den Möglichkeiten

Die eine Digitalisierungsstrategie, die allen Unternehmen hilft,
gibt es laut Mergell nicht. Vielmehr müsse sich jede Firma eine
eigene Strategie zurechtlegen, ist Mergell überzeugt und
vergleicht die Strategieentwicklung mit dem Einkauf im
Supermarkt. Dabei wähle man ja auch aus vielen verschiedenen
Angeboten aus und stelle sich den Warenkorb so zusammen, dass er
zu einem passe.


Trotz der individuellen Unterschiede erkennt Mergell aber
durchaus Gemeinsamkeiten, was die übergeordneten Handlungsfelder
betrifft. Alles in allem macht er vier Bereiche aus, die jedes
Unternehmen mit Blick auf die Digitalisierung genau prüfen solle:
Produkte, Prozesse, Wertschöpfungsketten und weiche Faktoren.
Nicht alles lässt sich digitalisieren

Fest steht dabei aber auch: Nicht alle Bereiche können in allen
Branchen und Unternehmen digitalisiert werden. Mergells Firma
Hobum ist dafür das beste Beispiel: Die Lacken und Farben lassen
sich schlicht nicht digitalisieren. Es sind extrem langlebige
Produkte, die zum Teil schon seit Jahrzehnten genauso auf dem
Markt sind und die voraussichtlich auch noch in vielen Jahren
genauso angeboten werden. Eine Digitalisierung ist hier schlicht
nicht möglich.
Mehr Effizienz durch die Automatisierung von Prozessen

Ganz anders sieht es im zweiten Bereich, der Prozesstechnologie,
aus. Die Produkte der Hobum werden im sogenannten Batchprozess
hergestellt. Das heißt, die einzelnen Herstellungsschritte werden
streng nacheinander abgearbeitet, vergleichbar mit dem Kochen
nach Rezept mit einem Thermomix.


Mit Hilfe der Digitalisierung könnte dieser Prozess künftig noch
stärker automatisiert werden. Das wird deutlich, wenn man sich
den konkreten Ablauf der Qualitätssicherung anschaut: So müssen
nicht nur die Endprodukte, sondern auch die Zwischenprodukte
immer wieder analysiert werden. Dafür muss der Reaktor zum
Stillstand gebracht werden und abkühlen – wobei es sich um
Ausgangstemperaturen von bis zu 300 Grad handeln kann.
Anschließend wird eine Probe gezogen und in einem separaten Labor
festgestellt, ob diese in Ordnung ist. Erst dann kann der Reaktor
wieder aufgeheizt und der Prozess fortgesetzt werden. Der ganze
Prozess dauert viele Stunden und ist sehr aufwändig.


Über eine digitale Echtzeit-Analyse könnte die Qualitätssicherung
künftig automatisiert und das Verfahren erheblich kosten-,
energie- und zeiteffizienter gestaltet werden. Dabei könnte die
Charge, die sich gerade in der Herstellung befindet, nicht nur
durch Sensoren im Reaktor in Echtzeit überprüft werden. Die
Charge könnte bei Bedarf sogar direkt nachgebessert werden, etwa
indem fehlende Rohstoffe hinzugefügt oder die
Herstellungstemperaturen angepasst werden.
Reibungsloser Ablauf der Supply Chain

Auch im dritten Bereich, dem Thema Wertschöpfungsketten, könnte
die Digitalisierung in Zukunft bei Hobum effektiv genutzt werden.
Das gilt für interne Prozesse wie die Auftragsannahme und
-abwicklung ebenso wie für alle externen Prozesse von der
Absprache mit den Rohstofflieferanten bis zur Auslieferung der
Produkte an den Endkunden.


Erheblich effizienter gestaltet werden könnte die Supply Chain
beispielsweise, wenn der Kunde nicht nur die Ware der Hobum
bekommt, sondern ihm auch ein smarter, mit der Hobum vernetzter
Tank bereitgestellt wird. Der Tank könnte Verbrauch und Füllstand
kontinuierlich messen und die Hobum rechtzeitig darüber
informieren, wann es wieder Zeit ist, Rohstoffe zu bestellen, um
eine neue Charge herzustellen und diese dann auszuliefern.


Mit dieser Vernetzung könnte die Supply Chain nicht nur erheblich
effizienter und reibungsloser ablaufen. Die Hobum hätte außerdem
ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal. Sie würde dem Kunden
nämlich nicht mehr nur ein Produkt liefern, sondern gleich den
kompletten Versorgungsprozess übernehmen.
Die Digitalisierung als Chance in Zeiten des Fachkräftemangels

Der vierte Bereich, die weichen Faktoren, schließlich umfassen
viele verschiedene Themen, etwa Cyber-Kriminalität,
Cloud-Computing und Kommunikation. Eine ganz besondere Rolle
spielt laut Mergell die interne Kommunikation mit den
Mitarbeitern. Wichtig sei, mit ihnen über die Veränderungen, die
durch die Digitalisierung ausgelöst werden, zu sprechen und ihnen
eventuelle Ängste zu nehmen.


Mergell selbst habe keine Angst davor, dass es durch digitale
Neuerungen in seinem Betrieb zu einem großen Arbeitsplatzabbau
kommen werde. Im Gegenteil: „Ich sehe überhaupt nicht die Gefahr,
dass wir heute 50 Leute sind und irgendwann nur noch 30 wegen der
Digitalisierung. Ich sehe eher die Chance, dass wir irgendwann
100 sind, also doppelt so viele, dann aber das Dreifache an
Produkten generieren.“ Für Mergell sei die Digitalisierung eine
Chance, Wachstum zu begleiten, insbesondere auch in Zeiten des
Fachkräftemangels.
Kleine Schritte auf dem Weg in die digitale Zukunft

Aktuell hat die Hobum – wie so viele deutsche Mittelständler –
erst kleine Schritte in Richtung digitale Zukunft unternommen.
Anders als andere Unternehmen hat die Hobum dafür aber auch Zeit:
Die Edelstahl-Reaktoren, in denen die Produkte hergestellt
werden, sind extrem langlebig und arbeiten auch nach vielen
Jahrzehnten noch einwandfrei. Und auch die Produkte haben sich
über die Jahre nicht verändert:


„Ein Produkt, was gut ist, bleibt auch gut“, ist Mergell
überzeugt. „Die Applikation darf sich ändern, ein Automobil darf
sich ändern, smarter werden, digitaler werden, elektrifiziert
werden, mit Wasserstoff angetrieben werden. Aber solange ein Auto
aus Metall gebaut wird, braucht es Korrosionsschutz.“ Und dafür
werde heute – und voraussichtlich noch lange in der Zukunft – ein
wasserbasierter Härter verwendet, der bereits in den
Achtziger-Jahren entwickelt wurde.


Die Hobum hat damit einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen
Unternehmen, deren Produkt-Zyklen kürzer sind. Ausruhen und
abwarten will Mergell dennoch nicht. Momentan erarbeitet das
Unternehmen eine umfassende Digitalisierungsstrategie, die in den
kommenden Jahren nach und nach umgesetzt werden soll.


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Hobum Oleochemicals

Der Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden



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ein mittelständisches Chemieunternehmen? – Arnold Mergell (Hobum
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