E62: Wie verändert die Digitalisierung die Branche der Industriekameras? – Mark Hebbel (Basler AG)

E62: Wie verändert die Digitalisierung die Branche der Industriekameras? – Mark Hebbel (Basler AG)

vor 6 Jahren
Wie verändert die Digitalisierung die Branche der Industriekameras? – Mark Hebbel (Basler AG)Die Basler AG ist ein klassischer Hidden Champion. Der Mittelständler bietet Kameralösungen für Industrie, Verkehr, Medizin und Retail an,
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Beschreibung

vor 6 Jahren

Wie verändert die Digitalisierung die Branche der
Industriekameras? – Mark Hebbel (Basler AG)Die Basler AG ist ein
klassischer Hidden Champion. Der Mittelständler bietet
Kameralösungen für Industrie, Verkehr, Medizin und Retail an. Im
Jahr 2017 verkaufte das Unternehmen aus Ahrensburg rund 500.000
Kameras. Damit gehört die Basler AG zu den Weltmarktführern ihrer
Branche.


Im Interview mit Nils erklärt Mark Hebbel, Head of
Software Solutions bei der Basler AG, wie sich die Anforderungen
an die Kameras im Zuge der Digitalisierung verändern, welche
neuen Möglichkeiten sich bieten und wie neue, innovative Produkte
in Zusammenarbeit mit kleinen, spezialisierten Startups
entstehen.
Vom Kameraanbieter zum Software-Dienstleister

Ursprünglich hat die Basler AG individuelle Industriekameras
entwickelt und gefertigt. Mit zunehmender Digitalisierung wird
die Entwicklung von IoT-Geräten, die mit den Kameras verbunden
sind, und Software, die die Daten auswertet, aber immer
wichtiger.


Um diese Software anbieten zu können, arbeitet das Unternehmen
seit einiger Zeit mit anderen Unternehmen zusammen – und zwar
insbesondere mit spezialisierten Startups. Eine Win-Win-Situation
für beide Seiten. Denn, so Hebbel, kleine Startups hätten die
besten Ideen und würden die neuste und innovativste Software
herstellen. Oft hätten sie aber keine eigenen Sales Channels.
Deshalb sei eine Zusammenarbeit nur naheliegend: Die Basler AG
lässt sich die Software von den Startups lizensieren und verkauft
sie dann über ihren Vertriebskanal. Beide Unternehmen bleiben
unabhängige Firmen, aber profitieren von der Kooperation, indem
die Basler AG ihren Kunden die passende Software mitliefern kann
und den Startups eine zweite Cash-Quelle zur Verfügung steht.
Digitalisierung = mehr Effizienz, Innovation = höhere
Effektivität

Auf die Frage hin, was Digitalisierung für ihn ist, erklärt
Hebbel, dass Digitalisierung nicht ohne Innovation gedacht werden
könne. Während es bei der Digitalisierung darum gehe, die
Effizienz zu steigern und Dinge effizienter zu machen, gehe es
bei der Innovation darum, die richtigen Dinge zu machen und die
Effektivität zu erhöhen. Was das bedeute, könne man anhand der
neueren Geschäftsentwicklung der Basler AG nachvollziehen.
Neue Anwendungsmöglichkeiten der Kameras

Noch vor einigen Jahren wurden die Kameras der Basler AG früher
vor allem genutzt, um Produktionslinien zu überprüfen und Defekte
zu finden. Jetzt weiten sich die Anwendungsmöglichkeiten im Zuge
der Digitalisierung immer weiter aus. Insbesondere durch den
B-to-C-Bereich hätten sich die Erwartungen und Anforderungen der
Nutzer an die Kameras drastisch verändert. Nun geht es laut
Basler darum, die Technologie, die im Consumer-Bereich bereits
genutzt wird, zuverlässig in den Industrial-Bereich zu
übertragen.


Als Beispiel hierfür nennt Hebbel das sogenannte Skeleton
Tracking, mit dem das (menschliche) Skelett erkannt und die
empfangenen Daten ausgewertet werden können. Bisher wurde diese
Technologie vor allem im Gaming-Bereich genutzt. Sie kann aber
auch im industriellen und medizinischen Bereich sowie im Kontext
von Smart Cities und Smart Homes eine wichtige Funktion
übernehmen. So etwa wenn eine ältere Person im Haushalt einen
Unfall hat: Liegt sie eine kritische Zeit lang auf dem Boden,
könnte das über das Skeleton Tracking erkannt und über eine
Software automatisiert ein Notarzt oder die Polizei gerufen
werden.


Auch im Immobilienbereich können Kameras mit entsprechender
Software hilfreiche Daten liefern. So können sie beispielsweise
erkennen, wie viele Leute in ein Geschäft kommen und wo diese
sich aufhalten. Zudem können Besucherströme analysiert werden.
Kameras, die Mimik und Gestik lesen, könnten des Weiteren die
Emotionen der Besucher auswerten und darüber informieren, ob die
Kunden zufrieden oder unzufrieden sind. Diese Daten könnten
wiederum mit anderen Daten in Zusammenhang gebracht werden.
Beispielsweise könnte anhand von Big Data analysiert werden, wie
sich das Wetter auf die Zufriedenheit der Kunden und deren
Kaufverhalten auswirkt oder die Daten von Läden an
unterschiedlichen Standorten könnten verglichen werden. Für die
Konzeption und Vermietung von Ladenflächen sind solche
Informationen goldwert.
Zukunftsherausforderung Changemanagement

Gefragt nach der größten Herausforderung, die das Unternehmen zu
meistern hat, nennt Hebbel das Thema Changemanagement: Die Basler
AG wandele sich immer mehr vom Kameraverkäufer zum
Softwaredienstleister. Vor allem der Sales-Bereich sei daher
einem erheblichen Wandel unterworfen. Um die Mitarbeiter bei
diesem Wandel mitzunehmen, habe die Firma ein Team aufgebaut,
dass sich ausschließlich um das Changemanagement und die
Mitarbeiterzufriedenheit kümmere.


Mit Blick auf die großen technischen Herausforderungen nennt
Hebbel das Thema „Business Ecosystem“, also den Verbund
verschiedener Unternehmen bzw. ihre Kooperation und Interaktion
bei einem Projekt. Im IoT-Bereich seien so viele einzelne Partner
im Spiel, dass die Projektkoordination und insbesondere das
Schnittstellen-Management eine extrem herausfordernde Aufgabe
sei, vor allem wenn es um Smart Cities gehe. Hier sei noch
einiges zu tun.


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Mark Hebbel bei LinkedIn

Website der Basler AG

Basler AG bei Facebook

Karriere-Seite der Basler AG bei Facebook



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