E64: Wie bringt man Digitalisierung in die Milchwirtschaft? – Philipp Ellerbrock (Milchhof Ellerbrock)

E64: Wie bringt man Digitalisierung in die Milchwirtschaft? – Philipp Ellerbrock (Milchhof Ellerbrock)

vor 6 Jahren
Wie kann man als Milchbauer dafür sorgen, dass die Kühe weniger krank werden, nicht so viele Antibiotika bekommen und sie ihre Kälber in einer möglichst stressfreien Umgebung zur Welt bringen können – und das mit vergleichsweise einfachen technologisch...
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Beschreibung

vor 6 Jahren

Wie kann man als Milchbauer dafür sorgen, dass die Kühe
weniger krank werden, nicht so viele Antibiotika bekommen und sie
ihre Kälber in einer möglichst stressfreien Umgebung zur Welt
bringen können – und das mit vergleichsweise einfachen
technologischen Mitteln?


Der Milchbauer Philipp Ellerbrock weiß, wie das geht. Er
hat seinen Kuhstall digitalisiert und nun reicht ein Blick auf
sein Smartphone, um zu wissen, wie es seinen Kühen geht.


In der 64. Episode von „Wege der Digitalisierung“
berichtet Nils von dem spannenden Gespräch, das er mit Ellerbrock
geführt hat und erklärt, warum sich die Digitalisierung des
Kuhstalls nicht nur für die Tiere lohnt, sondern sich auch
wirtschaftlich rentiert.
Die trächtige Kuh im Internet der Dinge

Die „vernetzte“ Kuh besteht bei Ellerbrock aus drei Komponenten.
Diese kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Kuh trächtig
ist und bald gebären wird.


Die erste Komponente ist eine Webcam, die im Stall untergebracht
ist. Mit ihrer Hilfe kann Ellerbrock den Geburtsvorgang
überwachen, ohne direkt im Stall anwesend zu sein. Ein Vorteil:
Denn im Idealfall bringt die Kuh ihr Kalb in einer ruhigen
Umgebung ohne fremde Störung zur Welt. Erst wenn sie doch Hilfe
benötigt, schreitet Ellerbrock ein – und zwar sofort, wenn er
über das Video sieht, dass etwas nicht nach Plan verläuft.


Das zweite technische Hilfsmittel, ist der sogenannte
Abkalbemelder „Moocall“: Rund 24 Stunden vor der Geburt wird ein
Sensor am Schwanz der trächtigen Kuh angebracht, der fortan die
Schwanzbewegungen misst. Setzen die Wehen ein, verändern sich die
Schwanzbewegungen und Ellerbrock bekommt eine entsprechende
Benachrichtigung über sein Smartphone. Er weiß also, ab wann er
die Aufnahmen der Webcam aus dem Stall genau verfolgen und sich
auf die Geburt vorbereiten sollte.


Die dritte Komponente, die im Rahmen der Kalbung eine wichtige
Rolle spielt, ist ein sogenannter Vital-Tracker. Dabei handelt es
sich um einen Sensor, den die Kuh wie eine Pille schluckt und der
sich dann im Pansen des Tieres festsetzt. Von dort aus überträgt
der Tracker fortlaufend und lebenslang Bewegungs- und
Temperaturdaten des Tieres.


Bei trächtigen Kühen, die die Kalbung erwarten, ist eine solche
kontinuierliche Messung sinnvoll, weil in den letzten 24 Stunden
vor der Geburt die Temperatur des Tieres ansteigt. So weiß
Ellerbrock, wann es Zeit ist, Moocall einzusetzen.
Weniger Antibiotika, mehr Umsatz

Aber nicht nur wenn es darum geht, die Geburt der Kälber zu
erleichtern, kommen vernetzte Technologien im Kuhstall Einsatz.
Mit dem Vital-Tracker lässt sich auch überprüfen, wie viel die
Tiere trinken und ob sie eventuell eine Krankheit ausbrüten.
Gerade im Sommer, wenn Ellerbrock nur wenig Zeit im Stall
verbringt, ist das eine große Hilfe. Denn so kann er frühzeitig
eingreifen, wenn es einer Kuh nicht gut geht und im besten Fall
verhindern, dass die Kuh ernsthaft erkrankt.


Auch die Antibiotikagabe kann auf diese Weise stark reduziert
werden. Das dient nicht nur dem Tierwohl, sondern spart auch
Geld. Denn bekommt eine Kuh Antibiotika, kann die Milch des
Tieres nicht in den Verkauf gehen. Und zwar nicht nur in der
Zeit, in der die Antibiotika verabreicht werden, sondern auch
noch zehn Tage darüber hinaus. Insgesamt bedeutet das einen
Verlust der Milchproduktion von rund 15 Tagen.
Große Wirkung mit einfacher Technologie

Was Nils am meisten an der Technologie im Kuhstall von Ellerbrock
beeindruckt, ist die Tatsache, dass es sich um eine
vergleichsweise einfache Technik handelt, die aber einen enormen
Mehrwert bietet: „Es ist großartig zu sehen, dass man heute dafür
sorgen kann, dass Kühe gar nicht erst richtig krank werden. Dass
man die Gabe von Antibiotika verhindern kann. Dass man für die
Kühe eine stressfreie Umgebung schaffen kann, wenn sie ihre
Kälber zur Welt bringen. Und dass man dafür insgesamt gar nicht
so eine komplizierte Technik benötigt.“


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Vernetzter Kuhstall – Artikel bei welt.de



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Milchwirtschaft? – Philipp Ellerbrock (Milchhof Ellerbrock)
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