E66: Wie funktioniert Digitalisierung im Bereich Umweltdienstleistung und Abfallentsorgung? – Jens Bahnsen (Buhck Gruppe)

E66: Wie funktioniert Digitalisierung im Bereich Umweltdienstleistung und Abfallentsorgung? – Jens Bahnsen (Buhck Gruppe)

vor 6 Jahren
Die Entsorgungswirtschaft wird immer digitaler. Im Zentrum stehen dabei vor allem eine höhere Effizienz und ein besserer Kundennutzen. Einer, der sich besonders gut mit der Digitalisierung dieser Branche auskennt, ist Jens Bahnsen.
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Beschreibung

vor 6 Jahren

Die Entsorgungswirtschaft wird immer digitaler. Im
Zentrum stehen dabei vor allem eine höhere Effizienz und ein
besserer Kundennutzen. Einer, der sich besonders gut mit der
Digitalisierung dieser Branche auskennt, ist Jens Bahnsen. Er ist
Projektleiter Digitalisierung bei der Buhck Gruppe. Die Buhck
Gruppe ist ein norddeutsches Familienunternehmen, das auf
Entsorgungsdienstleistungen spezialisiert ist. Sie besteht aus 31
Einzelunternehmen mit verschiedenen Schwerpunkten.


Im Gespräch mit Nils erklärt Bahnsen, welche Chancen die
Digitalisierung für den Bereich der Umweltdienstleistungen
bietet, wo die großen Herausforderungen der Branche liegen und
warum es wichtig ist, das Konkurrenzdenken abzulegen und auf
Zusammenarbeit und Austausch zu setzen – gerade auch mit
Wettbewerbern.
Digitalisierung nach innen und außen

Für Bahnsen gibt es zwei Arten der Digitalisierung von
Unternehmen: die Digitalisierung nach innen und die
Digitalisierung nach außen. Bei der Digitalisierung nach außen
geht es um die Frage, welche digitalen Dienstleistungen man
seinen Kunden bieten möchte und welche Services man braucht, um
künftig am Markt bestehen zu können. Es geht darum, das
Kundenerlebnis zu optimieren und sowohl die Bestandskunden
zufriedenzustellen als auch neue Kunden zu akquirieren.


Bei der Digitalisierung nach innen hingegen geht es vor allem um
die Optimierung interner Prozesse. Es geht darum, Abläufe
effizienter zu gestalten und den Mitarbeitern dadurch mehr
Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, die sie dann anderweitig
nutzen können. Als klassisches Beispiel nennt Bahnsen einfache
Kundenanfragen oder Bestellungen. Früher wurden diese per Telefon
oder Fax angenommen. Heute können sie weitgehend automatisch
bearbeitet werden, sodass nur noch am Ende eine manuelle Prüfung
stattfinden muss.
Neue Geschäftsmodelle als Königsdisziplin

Neben den beiden genannten Bereichen kommt bei der digitalen
Transformation noch ein weiterer entscheidender Aspekt ins Spiel:
die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Laut Bahnsen
sei das die „Königsdisziplin“. Vorrangiges Ziel sei dabei, neue
Plattformen und digitale Modelle zu entwickeln, um neue
Zielgruppen anzusprechen und neue Geschäfte zu generieren. Das
sei auch perspektivisch wichtig. Schließlich sei es gut möglich,
dass herkömmliche Geschäftsmodelle in Zukunft nicht mehr
funktionieren werden.


Eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung aller drei
Aspekte der Digitalisierung ist laut Bahnsen, eine passende
Strategie für jedes einzelne Unternehmen innerhalb der
Unternehmensgruppe zu finden. Denn Buhck besteht nicht nur aus 31
Firmen. Das Unternehmen ist auch in drei ganz unterschiedlichen
Bereichen der Umweltdienstleistung unterwegs. Neben
Container-Diensten sind das die Rohr- und Kanalreinigung sowie
Beratungsleistungen, die sich mit Arbeitsschutz, Brandschutz oder
Genehmigungsverfahren befassen.


Während beispielsweise die Firmen, die auf die
Unternehmensberatung spezialisiert sind, bereits einen recht
hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, haben die Firmen mit Fokus
auf Rohr- und Kanalreinigung noch einen vergleichsweise hohen
Nachholbedarf. Zudem hätten alle Unternehmen der Buhck Gruppe
ganz eigene Anforderungen und Bedürfnisse. Aus diesem Grund kann
man, so Bahnsen, die einzelnen Firmen mit Blick auf die
Digitalisierung nicht über einen Kamm scheren. Man muss
individuell prüfen, wo was gebraucht wird.
Die Ängste der Mitarbeiter

Eine weitere Herausforderung bei der Unternehmensdigitalisierung
ist es, den Sorgen der Mitarbeiter auf angemessene Weise zu
begegnen und ihnen ihre Ängste zu nehmen. Eine weitverbreitete
Angst sei beispielsweise, dass man seinen Arbeitsplatz aufgrund
der Digitalisierung verlieren könnte. Diese Sorge ist laut
Bahnsen aber völlig unbegründet. „Tatsächlich sehen wir darin
eine Chance, den Mitarbeitern einfach Freiräume für neue Dinge zu
geben“, erklärt der Experte. Im Gegenteil sei es sogar notwendig,
den Arbeitsaufwand zu verringern. Denn aufgrund des
Fachkräftemangels sei die viel größere Gefahr, nicht genügend
Leute zu haben, um das Auftragsvolumen bewältigen zu können.


Auch die Sorge, dass man kaum noch mit den Kunden Kontakt habe,
ist Bahnsen zufolge unbegründet. Einige Abläufe sind inzwischen
zwar automatisiert und laufen komplett digital ab. Aber genau
dadurch hätten die Mitarbeiter nun mehr Zeit, sich wirklich um
den Kunden zu kümmern und ihn persönlich zu betreuen.


Eine weitere große Sorge vieler Mitarbeiter betreffe das Thema
Überwachung. Schließlich schafft die Digitalisierung sehr viel
Transparenz. Doch auch hier beschwichtigt Bahnsen: „Wir wollen
unsere Mitarbeiter nicht überwachen.“ Deshalb gebe es auch eigene
Datenschützer im Haus, die streng darauf achten würden, dass alle
EU-Richtlinien eingehalten werden.
Zusammenarbeit als Notwendigkeit

Auf die Frage hin, wie Ideen für die digitale Weiterentwicklung
der Buhck-Unternehmensgruppe entstehen und wie diese dann
umgesetzt werden, nennt Bahnsen ein Stichwort ganz besonders
häufig: die Zusammenarbeit. Zum einen gibt es interne Teams und
Arbeitskreise, die sich regelmäßig zusammensetzen und neue Ideen
besprechen und prüfen. Zum anderen setzt das Unternehmen
verstärkt auf die Kooperation mit den eigenen Kunden. Schließlich
würden diese am besten wissen, was sie brauchen und womit ihnen
wirklich geholfen ist. Bei der Entwicklung eines neuen
Online-Kundenportals beispielsweise werden die Kunden aktiv mit
einbezogen, damit sie am Ende den größtmöglichen Mehrwert
bekommen können.


Darüber hinaus wird im Rahmen der Digitalisierung aber auch die
branchenweite Zusammenarbeit immer wichtiger, ist Bahnsen
überzeugt. Gerade mittelständische Versorgungsunternehmen sollten
aufhören, sich abzuschotten und ihr „eigenes Ding“ zu machen. Es
sei erforderlich sich zu öffnen und gemeinsam Innovationen
voranzutreiben. Momentan gehe es der Branche zwar ausgesprochen
gut. Doch künftig könnte nicht ausgeschlossen werden, dass
insbesondere internationale Wettbewerber aus China und den USA
mit einem riesigen Budget auf den Markt strömen. Um dem
entgegenzuwirken, sei die engere Zusammenarbeit unabdingbar. Zum
Glück würden das zunehmend mehr Marktteilnehmer erkennen und auch
sehen, dass diese Art der Kooperation nicht nur notwendig ist,
sondern auch sehr, sehr viel Spaß machen kann.


Viel Spaß beim Zuhören!
Links aus dem Interview:

Buhck Gruppe – Ihr Umweltdienstleister in
Norddeutschland
Containerdienst, Abfallentsorgung, Baustoffe aus dem Recycling
und der Natur, Rohr- und Kanalservice, Beratung Umwelt,
Betriebs- und Produktsicherheit.

Disrupt Yourself – Der Podcast mit Christoph Keese
Wie unser digitaler Wandel gelingt – persönlich und im
Unternehmen.

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hamburg
Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hamburg ist Partner bei
allen Fragen zum wirtschaftlichen Einsatz von Digitalisierungs-
sowie Industrie 4.0-Technologien insbesondere für kleine und
mittlere Unternehmen (KMU)

Mittelstand Digital
Information für kleine und mittlere Unternehmen über die
Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Das
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ermöglicht die
kostenfreie Nutzung aller Angebote von Mittelstand-Digital

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