SONDERAUSGABE: Wie begleiten Führungskräfte ihre Mitarbeitenden gut durch die Coronakrise? – Petra Carlsen (Change Manufaktur)

SONDERAUSGABE: Wie begleiten Führungskräfte ihre Mitarbeitenden gut durch die Coronakrise? – Petra Carlsen (Change Manufaktur)

vor 6 Jahren
Das Coronavirus stellt unsere Welt gerade ordentlich auf den Kopf. Auch an den deutschen Unternehmen – vom Kleinbetrieb bis zum Konzern – gehen die Maßnahmen gegen das Virus nicht spurlos vorbei: Kurzarbeit, Homeoffice,
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Beschreibung

vor 6 Jahren

Das Coronavirus stellt unsere Welt gerade ordentlich auf
den Kopf. Auch an den deutschen Unternehmen – vom Kleinbetrieb
bis zum Konzern – gehen die Maßnahmen gegen das Virus nicht
spurlos vorbei: Kurzarbeit, Homeoffice, Umsatzeinbrüche und eine
ungewisse Zukunft. Das sind nur einige der Folgen. Doch die
aktuellen Zustände könnten auch positive Effekte haben.


In unserer zweiten Corona-Sonderausgabe sprechen wir mit
Petra Carlsen, Inhaberin der changemanufaktur. Sie berät Firmen,
Führungskräfte, Teams und einzelne Mitarbeitende zu den Themen
„Digital Leadership“ und „Change“. Im Interview mit Nils gibt sie
Tipps, was Unternehmenslenker jetzt tun können, um mit den
plötzlichen Veränderungen bestmöglich umzugehen. Zudem erklärt
sie, wie man die Mitarbeitenden sinnvoll durch die Krise
begleitet.
Eine Veränderung, der wir ausgeliefert sind

Unserer Gesellschaft, den Unternehmen und den einzelnen Menschen
wird aktuell allerhand abverlangt. Über Nacht scheinen wir in
einer komplett anderen Wirklichkeit zu leben. Firmenlenker und
Führungskräfte stellt das vor ungeahnte Herausforderungen. Zwar
sind Veränderungsprozesse in Unternehmen meistens mit Hürden und
Unwägbarkeiten verbunden. Typischerweise werden diese
Veränderungen aber von den Unternehmen selbst angestoßen: Der
Veränderung geht eine konkrete Planung voraus, etwa was zeitliche
Umsetzung oder finanzielle und personelle Ressourcen betrifft,
und es gibt klar definierte Ziele.


Bei der Corona-Pandemie ist das anders: Hier erleben wir alle
eine Art von Veränderung, die uns aufgezwungen wird und der wir
in gewisser Weise ausgeliefert sind. Und: „Alles, was momentan
passiert, ist für jeden von uns neu“, erklärt Carlsen. Wir haben
keine Erfahrung damit, sondern lernen gerade gemeinsam – und zwar
global. Für Arbeitgeber und Führungskräfte bedeutet das: Auch sie
können aktuell wenig tun, außer informiert zu bleiben und dann
für den eigenen Mikrokosmos „Unternehmen“ überlegen, welche
Maßnahmen heute sinnvoll sind, damit es die Firma morgen noch
gibt.
Klar, offen und ehrlich kommunizieren

Ein Arbeitgeber kann nicht prognostizieren, wie die Zukunft
aussehen wird, meint Carlsen. Das müsse er aber auch gar nicht.
Wichtig sei allein, dass er mit seinen Mitarbeitenden
kommuniziere – und das am besten täglich. Schließlich ändere sich
auch die Sachlage täglich. Deshalb sollte man möglichst jeden
Morgen das Gespräch mit dem Team suchen.


Dabei darf man laut Carlsen ruhig über die eigenen Ängste und
Sorgen sprechen. Gleichzeitig sollte man aber unbedingt auch
Chancen und Perspektiven aufzeigen. Darüber hinaus sei es
wichtig, klare Ansagen zu machen und konkrete Ziele vorzugeben.
Denn es sei unabdingbar, Orientierung zu bieten in dieser
chaotischen Zeit.


Und schließlich sollte man die Mitarbeitenden einbeziehen und sie
ganz konkret fragen, was sie jetzt brauchen und wo sie sich
Unterstützung wünschen. Zu einer guten Kommunikation gehöre
dementsprechend auch, stets ein offenes Ohr zu haben und wirklich
zuzuhören.
Entscheidungen treffen – und eventuell revidieren

Neben der klaren und offenen Kommunikation müssen Führungskräfte
laut Carlsen jetzt auch bereit sein, schnell Entscheidungen zu
treffen. Und sie müssen den Mut haben, diese Entscheidungen immer
wieder zu hinterfragen, anzupassen, gegebenenfalls wieder zu
revidieren oder aber „noch eine Schippe draufzulegen“, so die
Expertin.


Als positives Beispiel hierfür nennt sie die Bundesregierung, die
die Maßnahmen stets der neuen Faktenlage anpasst. Wichtig dabei
sei, sich immer wieder klar zu machen, dass man als Arbeitgeber
nicht prognostizieren muss, was du Zukunft bringt. Die Rolle des
Arbeitgebers sei lediglich, vorausschauend zu denken und jeden
Tag fähig zu sein, Entscheidungen zu treffen und diese
verständlich zu vermitteln.
Die Krise als Chance

Für Unternehmen, die schon vor der Coronakrise eine offene Kultur
gelebt haben, mögen die genannten Aspekte vergleichsweise leicht
umzusetzen sein. Firmen mit einer weniger offenen
Unternehmenskultur könnten sich hingegen durchaus schwertun mit
den aktuellen Anforderungen. Gleiches gilt für Firmen, die dem
Homeoffice und dem mobilen Arbeiten bislang eher skeptisch
gegenübergestanden haben. Gerade für diese Unternehmen könnte die
aktuelle Krise aber auch eine riesige Chance sein.


„Manchmal ist es auch gut, wenn sich Menschen plötzlich bewegen
müssen“, ist Carlsen überzeugt. Und die derzeitigen Umstände
würden uns gar keine andere Wahl lassen, als zu reagieren. Denn
wer jetzt noch am Alten festhält, wird nicht weiterkommen.


Für Führungskräfte bedeutet das: Sie haben jetzt die Chance und
Pflicht, gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden zu lernen und neue
Wege einzuschlagen. Auf Führungsebene heißt das, dass man nun
lernen müsse, loszulassen und den Untergebenen zu vertrauen. Auf
Ebene der Mitarbeitenden wiederum bedeute es, dass sie jetzt ihre
Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten aktivieren müssten – auch
und gerade, wenn das bislang eher wenig von ihnen gefordert
wurde.
Aufbau einer wahrhaftigen Vertrauenskultur

Und noch einen weiteren Vorteil kann die aktuelle Lage mit sich
bringen: Die Corona-Pandemie ist die ultimative Chance, eine
wahrhaftige, tiefgreifende Vertrauenskultur im Unternehmen
aufzubauen. Dafür ist es laut Carlsen zum einen wichtig,
Entscheidungen einzig und allein zum Wohle der Firma und der
Mitarbeitenden zu treffen – und nicht um des eigenen Fortkommens
Willen.


Zum anderen sei es zentral, wirklich feinfühlig mit den
Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Denn, so Carlsen, Corona ist
die Bedrohung für den Menschen. Es ginge hier tatsächlich in
einigen Fällen um Leben und Tod und neben der Angst um den Job
würden sich viele auch um ihre Gesundheit und das Leben der
engsten Familienangehörigen Sorgen machen. Daher müsse in einer
Krise wie dieser letztlich immer der Mensch im Mittelpunkt
stehen.


Oder wie es Carlsen lapidar ausdrückt: „Scheiß auf den Umsatz,
wenn ich dafür aber meine Mitarbeiter mitnehme und Vertrauen
aufbaue und ihnen das gute Gefühl gebe, dass wir gut durch die
Krise kommen.“


Viel Spaß beim Zuhören!


Der Beitrag SONDERAUSGABE: Wie begleiten Führungskräfte ihre
Mitarbeitenden gut durch die Coronakrise? – Petra Carlsen (Change
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