E79: Wieso erscheint so vielen Menschen ihre Arbeit sinnlos – und wie lässt sich das ändern? – Mark Poppenborg (Intrinsify)
vor 5 Jahren
„Wir sorgen für mehr echte Arbeit und weniger sinnlose
Beschäftigung.“ So lautet die Mission von Intrinsify. Das
Unternehmen wurde 2011 von Mark Poppenborg und Lars Vollmer
gegründet. Seither bilden sie Führungskräfte und Berater aus,
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Beschreibung
vor 5 Jahren
„Wir sorgen für mehr echte Arbeit und weniger sinnlose
Beschäftigung.“ So lautet die Mission von Intrinsify. Das
Unternehmen wurde 2011 von Mark Poppenborg und Lars Vollmer
gegründet. Seither bilden sie Führungskräfte und Berater aus,
begleiten andere Firmen bei Projekten rund um die
Organisationsentwicklung und geben ihr Wissen auf Veranstaltungen
und in Artikeln, Podcasts und Videos weiter. Das große Ziel:
„Mehr Freiheit durch Fortschritt.“
Im Interview mit Nils erklärt Poppenborg, wie wir wieder
mehr Freude in unsere Arbeit bringen können, warum Kreativität
heute der eine entscheidende Wettbewerbsvorteil ist und wie uns
Digitalisierung dabei helfen kann, genau diese bei den
Mitarbeitenden zu fördern.
Digitalisierung – ein „Flutschbegriff“
Für Poppenborg ist Digitalisierung in erster Linie ein
Plastikwort oder auch „Flutschbegriff“. Damit meint er Wörter,
die man „immer nutzen kann“, weil die Kommunikation einfach
weiterflutscht, „ohne dass man sagen muss, was man eigentlich
meint“. Man könne einfach von „Digitalisierung“ sprechen und sich
dann in Sicherheit wähnen. Denn gerade weil der Begriff schwammig
ist und jeder etwas Unterschiedliches darunter versteht, findet
er immer Anschluss.
Im Kern ist Digitalisierung für Poppenborg letztlich aber „nichts
anderes als das, was wir schon seit Jahrtausenden machen: nämlich
Technisierung“. Digitalisierung, so der Experte, ist schlicht
technischer Fortschritt – und den habe es auch in der
Vergangenheit auf rasante Weise gegeben. Das Besondere an der
heutigen Digitalisierung: Sie ermöglicht uns die Überwindung
menschlicher Grenzen durch Technik und die Automatisierung von
Prozessen in bislang ungekannter Weise.
Automatisierung als wesentlicher Hebel
Vor allem die Automatisierung sei einer der wesentlichen Hebel
der Digitalisierung, der echten Fortschritt bringe. Denn durch
sie könne ein großer Teil der Arbeit, der keine Ideen erfordere,
sondern lediglich aus der Wiederanwendung bereits vorhandenen
Wissens bestehe, an die Technik abgegeben werden. Dieser
automatisierbare Teil der Arbeit bestehe in der Regel schlicht
aus dem Abarbeiten von immer gleichen Prozessen oder Checklisten,
für die die Mitarbeitenden in ihrer menschlichen Besonderheit
eigentlich gar nicht gefordert sind. Und: Es handelt sich dabei
um genau die Arbeit, die den meisten Menschen keinen Spaß macht.
Wenn diese Arbeit für den Menschen also reduziert werden kann,
bleibt mehr Zeit für spannendere Aufgaben, bei denen Kreativität
gefragt ist und die Mitarbeitenden das Gefühl haben, wirklich
etwas beitragen zu können. Laut Poppenborg ist das der wohl
wichtigste Aspekt in unserer heutigen Arbeitswelt: Seiner
Erfahrung nach gehen viele Menschen zwar tagtäglich zur Arbeit.
Wirklich arbeiten würden sie aber nicht, sondern seine nur
beschäftigt. Heißt: sie würden letztlich nichts Sinnvolles tun.
Stattdessen würden sie sich mit lästigen Prozessen befassen, die
sie von der eigentlichen Arbeit abhalten. Das frustriere und
demotiviere.
Mehr Raum für kreatives Potenzial
Nimmt uns die Automatisierung also die lästigen, repetitiven
Aufgaben ab, hilft sie uns dabei, dass wir uns bei der
Arbeit wieder wirksam fühlen. Denn plötzlich haben wir wieder
Zeit für Dinge, mit denen wir tatsächlich etwas bewirken können.
Der digitale Fortschritt ermöglicht es uns aber nicht nur, unser
Wohlbefinden zu steigern und unser Bedürfnisse nach
Selbstverwirklichung zu befriedigen. Er hilft auch den
Unternehmen – und das auf mehreren Ebenen: Zum einen steigert
Automatisierung die Produktivität, weil Prozesse effizienter
gestaltet werden können und die Mitarbeitenden mit mehr Freude
bei der Arbeit sind. Zum anderen haben die Menschen mehr Raum, um
ihr kreatives Potenzial zu entfalten – was wiederum zum zentralen
Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen werden kann.
Der Taylorismus ist überholt
Im 19. und bis ins 20. Jahrhundert hinein sind die Märkte „groß,
träge und breit“ gewesen, so Poppenborg. Mit den vorangegangenen
technologischen Innovationen wie Dampfmaschine und Elektrizität
sei es damals plötzlich möglich gewesen, neue Märkte zu
erschließen. Es traf also „eine riesige Nachfrage auf ein kleines
Angebot“. Um diese Nachfrage zu stillen, musste man zum ersten
Mal Masse produzieren. Der sogenannte Taylorismus war die Antwort
darauf. Ziel war es damals, die Produktivität menschlicher Arbeit
zu steigern. Das schaffte man, indem man die Arbeit in kleinste
Einheiten teilte, die man ohne viel Nachdenken bewältigen konnte
und die wegen des geringen Umfangs schnell zu wiederholen waren:
Der Mensch wurde eingesetzt „als verlängerter Arm der Maschine“,
so Poppenborg.
Heute ist die Situation eine völlig andere: „Die Märkte sind
wieder satter und kompetitiver geworden“, so Poppenborg. Das
Angebot sei inzwischen größer als die Nachfrage. „Das heißt, man
muss sich mit anderen Wettbewerbern darüber streiten, wer den
Kunden bekommt.“ Dieser Streit manifestiere sich in der Währung
Innovation: „Wer schneller innoviert und die Kundenbedürfnisse
besser befriedigt, der gewinnt den Kunden.“
Für die Unternehmen ist das Maß an Überraschungen und Dynamik
gestiegen. Denn um mit dem Wettbewerb mithalten zu können, der
immer neue Ideen präsentiert, ist auch die Notwendigkeit
gestiegen, kreativ zu sein und die Kreativität der Mitarbeiter zu
fördern. Das Problem dabei: Viele Unternehmen sind noch immer der
alten Denkweise des Taylorismus verhaftet: Es gibt klare
Hierarchien, klare Strukturen, klare Prozesse und kaum Freiraum
für eigene Ideen und Kreativität.
Die Antwort auf Komplexität lautet: Komplexität
Was also können Unternehmen tun, um diese alten Organisations-
und Arbeitsstrukturen aufzubrechen? Poppenborg rät dazu, sich ein
aktuelles, drängendes Problem herauszunehmen und zu überprüfen,
ob die existierenden offiziellen Strukturen und Prozesse
angemessen sind, um das Problem zu lösen. Dafür sollte man direkt
mit den Mitarbeitenden sprechen und fragen, ob es möglicherweise
inoffizielle Lösungswege gibt, die geeigneter sind.
Es geht also darum, herauszufinden, ob die offiziellen
Richtlinien, Budgetvorgaben, Checklisten und Anweisungen
tatsächlich dabei helfen, die tagtäglichen Herausforderungen zu
meistern. In vielen Fällen, da ist sich Poppenborg sicher, wird
sich herausstellen, dass dies nicht der Fall ist. Stattdessen
wird es unter der Hand viele, sehr individuelle Lösungen geben,
die jeweils für bestimmte Arbeitsbereiche funktionieren.
„Typischerweise wird ja Komplexität immer als Feindbild
dargestellt“, so Poppenborg. Viele Unternehmerinnen und
Unternehmer würden glauben, sie müssten Komplexität unbedingt
reduzieren. Sie sehen sie als Wurzel allen Übels. „Aber das
Gegenteil ist der Fall“, meint der Experte. „Die Komplexität ist
ja nichts, was man sich aussuchen kann, sondern sie wird vom
Markt angeliefert.“ Sie sei geradezu Ausdruck der Dynamik und der
Vielfalt, die wir heute in den wettbewerbsintensiven Märkten
hätten.
Wer also mit dieser Komplexität umgehen wolle, der müsse ihr
Komplexität entgegenstellen: „Das heißt, ich brauche Vielfalt im
Unternehmen, genauso wie die Gesellschaft Vielfalt braucht.“ Und
um diese Vielfalt zu etablieren, müsse man individuelle, am Ort
des Geschehens gefundene Lösungen legitimieren und auch
Unterschiedlichkeit und Meinungsverschiedenheiten zulassen.
„One size fits all“ funktioniere in diesem Fall eben gerade
nicht. Im Gegenteil: Man müsse für jede Herausforderung
unterschiedliche Lösungen finden, auch auf Kosten von
Effizienzgewinnen und Synergieeffekten. „Weil Wirtschaftlichkeit
eben nicht mehr nur an Effizienz hängt“, so Poppenborg, „sondern
längst schon durch den Faktor Flexibilität abgelöst worden ist.“
Links aus dem Interview Mark Poppenborg online
Twitter-Profil
Profil bei LinkedIn
Website von Mark Poppenborg
Website von intrinsify – Gute Ideen für Arbeit und Dich
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Leben
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Webtipp
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Der Beitrag E79: Wieso erscheint so vielen Menschen ihre Arbeit
sinnlos – und wie lässt sich das ändern? – Mark Poppenborg
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