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  4. "Roman in neun Briefen" (Fjodor Dostojewski)
War Fjodor Dostojewski auch ein Humorist? Dieser Autor, der u.a.
fünf sehr, sehr umfangreiche Romane schrieb, die heute deshalb
kaum noch jemand anrührt, voll von Mystik, Schwermütigem,
Existenziellem? Ja! Im Jahr 1845 schrieb und veröffentlichte er
seinen „Roman in neun Briefen“ in einer humoristischen
Zeitschrift, die schon bald danach verboten wurde – wie so vieles
im Zarenreich jener Jahre. Schon der Titel hat etwas Ironisches,
denn das Werk umfasst in der deutschsprachigen Manesse-Ausgabe
gerade mal 30 Buchseiten und ist eher eine Erzählung. Doch es gab
in Europa nun einmal sehr erfolgreiche, vielfach gelesene
Briefromane (allen voran die bereits im 18. Jahrhundert
erschienenen „Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe und
„Gefährliche Liebschaften“ von de Laclos), an die ein damals
junger Autor wie Dostojewski sicher gerne andockte. Schließt er
an diese Vorbilder auch inhaltlich an? Nein, in keinerlei
Hinsicht.

In diesem Werk schreiben zwei Männer einander Briefe, machen sich
darin verschiedene Vorwürfe, treffen sich nie, schreiben und
lesen nur – doch worum es im Kern des Streits eigentlich geht,
bleibt unklar. Es wird aufgebauscht, aufgetürmt, übertrieben,
empfindlich und empört getan. All dies geschieht in einer sehr
gehobenen Sprache, man bleibt höflich, sodass das Ganze immer
komischer im buchstäblichen Sinne wirkt und wird. Doch
Dostojewski wäre nicht einer der bedeutendsten und
eindrucksvollsten Autoren des 19. Jahrhunderts, wenn das
alles wäre, wenn dieser Text einfach nur einer Brief-Groteske
gliche. Plötzlich, in den letzten beiden Kapiteln, mischt sich
ein Erzähler ein, der das Ende wie ein Chronist begleitet. Und an
diesem Ende gibt es noch zwei deftige Überraschungen. Die beiden
Schreiber erfahren von diesen natürlich wieder nur in ihrer
merkwürdigen Post- und Text-Wirklichkeit ... – Alle Briefe sowie
die Kommentare des Chronisten liest wieder einmal äußerst
eindrucksvoll Rose Lohmann. Die Übersetzung aus dem Russischen
stammt von Christiane Pöhlmann.
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„"Roman in neun Briefen" (Fjodor Dostojewski)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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