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  4. "Auf der Galerie" (Franz Kafka)
Eine Zirkusbühne ist ein Ort der Artistik, der außergewöhnlichen
Fähigkeiten, der Zurschaustellung derselben, und ja: Es ist eine
Show, die eben auch verhüllt, all die quälenden Übungsstunden,
die überhaupt erst die bestaunenswerten Körper und Skills
hervorbringen, hinter allerlei Tüchern, Kostümen, Stoffen
verschleiert. Denn wir, die Staunenden, wollen Körperkunst und
Schönheit bewundern – nicht etwa in Mitleid geraten ob der harten
Schule des Trainings und der Dressuren.

Franz Kafkas „Auf der Galerie“ bringt die Ambivalenz in zwei
Sätzen zur ästhetischen Darstellung, im Konjunktiv der eine, im
Indikativ der andere. Im ersten könnte es so sein wie beschrieben
– im zweiten ist es so, wie es ist. Was genau, legt der Titel des
Textes nahe: Es geht um die Zuschauerränge, die Wahrnehmungen
also, die Rezeption des in der Manege Geschehenden. Niemand sieht
die Schinderei der Kunstreiterin durch den „peitschenschwingenden
erbarmungslosen Chef“, ihre eigene, offenbar von Erkrankung oder
extremer Erschöpfung gekennzeichnete körperliche Lage
(„hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin“), und das noch „auf
schwankendem Pferd“ und stets „begleitet vom vergehenden und neu
anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich
Dampfhämmer sind“. Dampfhämmer! Nein, die hören wir nicht, und
das alles sehen wir nicht. Stattdessen „eine schöne Dame, weiß
und rot“, die „hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die
stolzen Livrierten vor ihr öffnen“, und den Direktor, der sie
„vorsorglich (...) auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine
über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt
begibt“. Nach der Aufführung gilt alle Aufmerksamkeit nur ihr,
der Künstlerin, die „hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht,
mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit
dem ganzen Zirkus teilen will“. Und der Galeriebesucher? Legt
„das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlussmarsch wie in einem
schweren Traum versinkend", beginnt zu weinen, ohne es zu wissen.
Aus Rührung?

Kafkas Text (1919 entstanden) ist ebenso ein künstlerisches
Meisterstück, virtuos gestaltet, bewundernswert im sprachlichen
Ausdruck – „makellos“, wie der Autor selbst einmal notierte. Es
liest Volker Drüke.
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„"Auf der Galerie" (Franz Kafka)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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