Viel Energie für wenig Strategie

Viel Energie für wenig Strategie

16 Minuten

Beschreibung

vor 8 Jahren

Die Schweizer Strompolitik steht vor einer Wende. Bisher galt ein
Mix aus 55% Wasserkraft, 40% Kernenergie und 5% Alternativstrom
aus Sonne, Wind und Biomasse als Garant einer sicheren,
wirtschaftlichen und umweltverträglichen Versorgung. Doch wie
soll die Zukunft der Schweizer Stromversorgung aussehen? Patrick
Dümmler und Fabian Schnell nehmen im Podcast die Energiestrategie
2050 unter die Lupe.


Die Energiestrategie 2050 gilt in der Öffentlichkeit als
Strom-Strategie – in Wahrheit umfasst sie jedoch noch diverse
andere Bereiche. Angesprochen sind beispielsweise Fragen der
Energieeffizienz oder der Forschung und Entwicklung. Viele Fragen
stehen aufgrund dessen bis anhin unbeantwortet im Raum.


Trägt die Energiestrategie 2050 dazu bei, die Umweltbelastung
in der Schweiz zu reduzieren? – Im Bereich Strom eher nicht. In
der Schweiz ist die Stromproduktion nahezu zu 100% CO2-frei oder
zumindest CO2-neutral. Allerdings muss Strom aus dem Ausland
zugekauft werden. Die mehrheitlich aus Deutschland und Frankreich
importierte Elektrizität stammt teilweise aus Atom-, Kohle- oder
Gaskraftwerken. Damit die Umweltbilanz dadurch nicht zusätzlich
belastet wird, hat sich europaweit ein Handel mit
CO2-Zertifikaten etabliert.

Die Energiestrategie 2050 sieht ein Abschalten der
Kernkraftwerke ohne Ersatz vor. Welchen Einfluss hat das auf den
Forschungsstandort Schweiz? – Forschung im Wissen zu betreiben,
dass die Ergebnisse zumindest im Inland nicht angewendet werden
dürfen, ergibt wenig Sinn. Die Nuklearforschung wird in der
Schweiz daher keine Rolle mehr spielen.

Wenn die Kernkraftwerke in absehbarer Zeit vom Netz gehen:
Wie deckt dann die Schweiz ihren Strombedarf? – Die
Energiestrategie verbietet neue Rahmenbewilligungen für
Kernkraftwerke, diese Option verbaut sich die Schweiz also
gegebenenfalls selbst. Falls die Schweiz nicht mehr Strom
importieren will, müssen andere, wetterunabhängige
Produktionsarten den Wegfall der Kernkraftwerke kompensieren.
Eine Möglichkeit wären Gaskraftwerke. Diese produzieren
allerdings viel CO2 und stehen damit im Widerspruch zur
Klimapolitik.

Subventionen führen zu höheren Kosten und verzerren
Investitionsentscheide. Wer wird zur Kasse gebeten? – Vorab die
Konsumenten, insbesondere die privaten Haushalte, die heute ihren
Stromversorger nicht frei wählen dürfen.



Für Avenir Suisse schont der bunte und wenig kohärente Mix aus
Subventionen und Verboten weder die Umwelt noch das Portemonnaie
der Stromkunden. Alles in allem vermissen Patrick Dümmler und
Fabian Schnell bei der Energiestrategie 2050 vor allem eines: die
Strategie.


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