«Der Staat ist auch kein besserer Investor»

«Der Staat ist auch kein besserer Investor»

24 Minuten

Beschreibung

vor 8 Jahren

Die Devisenreserven regen die Phantasie der Schweizer Politiker
seit Jahren und in grosser Regelmässigkeit an. Gerade kürzlich
wurde ein neuer Vorstoss für die Gründung eines «strategisch
investierenden Staatsfonds» eingereicht.


Im Podcast diskutieren Daniel Kalt, Chefökonom der UBS, und Jakob
Schaad, Vizedirektor von Avenir Suisse, diese Idee. Einig sind
sich die beiden Gesprächspartner über die zentrale Bedeutung
einer unabhängigen Nationalbank. Unterschiede hingegen zeigen
sich bei der Frage, wie diese am besten gewährleistet werden
könnte.


Für Daniel Kalt wäre die Gründung eines Staatsfonds in einem
einzigen Szenario plausibel, und zwar dann, wenn es der
Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Fall einer sich wieder
allmählich normalisierenden Geldpolitik gelänge, ihre während der
letzten Jahre angehäuften Devisenreserven mit Gewinn abzubauen.
Kalt plädiert dafür, einen derartigen «Windfall-Gain» nicht, wie
für Nationalbankgewinne bisher vorgesehen, direkt an Kantone und
Bund auszuschütten, sondern ihn in einem Fonds anzulegen, sodass
mehrere Generationen von den Erträgen profitieren könnten.


Jakob Schaad kann die Motive hinter dieser Idee gut
nachvollziehen, fürchtet aber das Risiko der politischen
Einflussnahme. Entscheidend sei bei einem derartigen Fonds
nämlich die Governance. Wie könne diese gewährleistet werden,
wenn jeder Politiker unter «strategischen» Anlagen etwas anderes
verstehe? Er warnt davor, jetzt Strukturen zu schaffen für eine
Situation, die noch gar nicht eingetreten sei. Damit öffne man
dem Klientelismus Tür und Tor. Im schlimmsten Fall könnte die SNB
dadurch die Hoheit über ihre Bilanz verlieren.


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