«So lange es Arme gibt, sind wir nicht am Ziel»
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vor 8 Jahren
Medien berichten gerne über Einkommen, besonders gerne über jene
von Spitzenmanagern. Natanael Rother kann damit nicht viel
anfangen, und zwar aus drei Gründen:
Erstens, die publikumsträchtige Neiddiskussion bringt letztlich
keine Antwort auf die Frage: «Was können wir gegen Armut tun?»
Zweitens entstehen Löhne nicht in einem Verteilkampf zwischen
Managern und Arbeitnehmern, sondern auf dem Arbeitsmarkt. Hohe
Steuern auf hohen Einkommen bringen Niedrigverdienern keinen
direkten Vorteil.
Drittens hat sich die Einkommensverteilung in der Schweiz in den
letzten zehn Jahren erstaunlich stabil entwickelt, wie Rothers
kürzlich publizierte Studie «Wie gut geht es uns? Zahlen und
Grafiken zur Einkommensverteilung in der Schweiz und in der Welt»
zeigt. Im Gegensatz etwa zu den USA ist bei uns keine
Entkoppelung der oberen von den unteren Einkommensgruppen
feststellbar. Der überwiegenden Mehrheit der Menschen geht es
heute besser als 2007, wenn man die Entwicklung ihrer verfügbaren
Einkommen (nach Umverteilung, obligatorischen Abgaben und
staatlichen Unterstützungsleistungen) vergleicht. Etwas mehr
Gelassenheit in der hitzigen Diskussion über die hohen Löhne
einiger weniger wäre aufgrund der Faktenlage durchaus angebracht.
Und trotzdem: Diese guten Nachrichten punkto Einkommensverteilung
dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass es in der Schweiz
aktuell immer noch 100 000 Menschen gibt, die in Armut leben. Und
genau hier, also bei der Suche nach konstruktiven Lösungen zur
Bekämpfung der Armut, sollte die Verteilungsdiskussion ansetzen.
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