«Umwege erweitern den Horizont»

«Umwege erweitern den Horizont»

34 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren

In der Studie «Exzellenz statt Regionalpolitik im Hochschulraum
Schweiz» hat Avenir Suisse ein 10-Punkte-Programm für
wettbewerbsfähige Hochschulen präsentiert. Im Gespräch mit Markus
Zürcher, dem Generalsekretär der Schweizerischen Akademie der
Geistes- und Sozialwissenschaften, diskutiert Co-Autor Matthias
Ammann die Vorschläge von Avenir Suisse.


Wenig beeindruckt zeigt sich Markus Zürcher von der Feststellung,
dass die Kosten pro Studierenden zu den höchsten gehören – das
gelte für alles und jedes in der Schweiz. Die von Avenir Suisse
geforderte höhere Autonomie der Hochschulen, bzw. eine
Beschränkung des politischen Einflusses, unterstützt er hingegen
sehr. Es gebe in der Tat ausgesprochen viele Standorte auf
relativ kleiner Fläche. Anderseits bemühten sich die Hochschulen,
Schwerpunkte und Netzwerke zu bilden. Die zunehmende
Projektförderung und abnehmende Grundfinanzierung führe
automatisch zu Schwerpunktbildung.


Um das Stichwort «Wettbewerb» entspinnt sich im Podcast eine
ausführlichere Diskussion: Geht es bei der Forderung nach
Wettbewerb darum, möglichst viel Drittmittel einzuwerben,
möglichst viele Studierende anzuziehen oder um die höchste Zahl
an Publikationen? – Insbesondere hinter letzteres setzt Zürcher
Fragezeichen: Der Publikationsausstoss nehme ständig zu, tauge
aber nur beschränkt als Qualitätsmerkmal. Exzellenz und Qualität
seien zwei verschiedene Dinge. Jede Hochschule versuche, sich als
ein Exzellenzzentrum zu positionieren – mit dem Resultat, dass am
Ende alle irgendwo exzellent seien. Qualität hingegen sei schwer
zu messen.


Den Fachkräftemangel im Bereich der Mint-Fächer beurteilt Zürcher
weniger kritisch als Avenir Suisse. Die Tatsache, dass sich seit
1991 die Anzahl der Studierenden in Naturwissenschaften und in
technischen Wissenschaften verdoppelt haben, während sie im
Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften konstant geblieben
sind, stimmt ihn zuversichtlich. Daran erkenne man die hohe
Sensibilität bei den Jungen.


Der vielleicht umstrittenste Vorschlag der
Avenir-Suisse-Hochschulstudie betrifft die Forderung nach höheren
Studiengebühren. Dieser Forderung hält Zürcher entgegen, dass es
bei uns kein ausgebautes Stipendiensystem gibt wie in den
angelsächsischen Ländern. Auch äussert er Zweifel an der
disziplinierenden Wirkung von Studiengebühren. Nicht zuletzt
solle man daran denken, dass Umwege den Horizont erweitern.


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