Mangelnder Wettbewerb unter den Spitälern
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vor 7 Jahren
Seit 2012 können Patienten innerhalb ihrer Kantone – und unter
gewissen Einschränkungen in der ganzen Schweiz – frei zwischen
privaten und öffentlichen Spitälern wählen, sofern die
Einrichtungen auf einer kantonalen Spitalliste aufgeführt sind.
Medizinische Leistungen werden neu mit Fallpauschalen
rückvergütet und nicht mehr durch direkte Subventionen an
öffentliche Spitäler finanziert.
Verena Nold, Direktorin der Schweizer
Krankenversicherer-Branchenorganisation Santésuisse, spricht im
Podcast mit Jérôme Cosandey über die Auswirkungen der neuen
Spitalfinanzierung auf die Gesundheitskosten. Zwar sei das
Kostenwachstum gebremst worden, doch es brauche weitere
Massnahmen, um die erwünschten qualitativen und quantitativen
Effekte des verstärkten Wettbewerbs zu realisieren. Es gebe in
der Schweiz zu viele Spitäler, die alle Leistungen anbieten
wollen, was zu Doppelspurigkeiten führe – nicht zuletzt aufgrund
des «Kantönligeistes». Wettbewerbshürden, kantonale Subventionen
und schlecht informierte Patienten seien ein wichtiger Grund für
die fehlende Spezialisierung der Spitäler und die damit
resultierenden Überkapazitäten, sagt Cosandey.
Dass die Patienten wenig Preisbewusstsein entwickelten, sei laut
Nold nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sie die Kosten
nur indirekt über die Krankenkassenprämien bezahlen. Eine
Vermittlerrolle der Krankenversicherungen, kombiniert mit einem
Bonus-System, wie es Avenir Suisse in der Studie «Gesunde
Spitalpolitik» vorgeschlagen hat, hält sie für einen
prüfenswerten Ansatz. Demnach würden Krankenkassen ihren
Patienten vor planbaren Eingriffen eine Liste von geeigneten
Spitälern vorlegen. Entscheidet sich der Patient für ein Spital
mit tieferem Basistarif als das nächstgelegene, teilen sich die
Versicherung und der Patient die Kosteneinsparungen. Es gelte
dabei jedoch eine Zweiklassenmedizin zu vermeiden, betont Nolt.
Dass sich der Patient zusammen mit dem Arzt selber für ein
«teureres» Spital in der Nähe oder eine andere Lösung entscheiden
kann, ist auch für Jérôme Cosandey zentral. Es wäre denkbar, in
verschiedenen Kantonen oder Regionen Pilotprojekte anzustossen,
die bei Erfolg von der ganzen Schweiz übernommen werden könnte.
Die Kassen hätten bereits heute Erfahrung mit verschiedenen
Versicherungsmodellen, betont Verena Nold. Die Gesprächspartner
sind sich einig darüber, dass diese Vielfalt eine Stärke des
Schweizer Gesundheitssystems ist, im Unterschied etwa zu stark
zentralisierten Lösungen wie in England. Es ermöglicht politische
Innovationen im Gesundheitssektor, ohne gleich das ganze Land zu
tangieren.
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