Nicht in fremden Gärten gärtnern

Nicht in fremden Gärten gärtnern

20 Minuten

Beschreibung

vor 6 Jahren

In der Debatte um Menschenrechte und globale Wirtschaft wird oft
die Moralkeule geschwungen – und der Prügelknabe steht längst
fest: die multinationalen Unternehmen. Sie sollen von unethischen
Geschäftspraktiken profitieren, ihre Macht auf Kosten der
Gesellschaft einsetzen und dadurch das Gemeinwohl unterminieren,
heisst es. Entsprechend wird gefordert, Schweizer Konzerne
müssten mehr Verantwortung übernehmen und Schweizer Recht im
Ausland umsetzen – zum Beispiel durch die
Unternehmensverantwortungs-Initiative.


Wie sinnvoll und ethisch ist die Übertragung des Schweizer Rechts
tatsächlich? Und entspricht das gezeichnete Bild der Multis der
Realität?


Anlässlich der kürzlich publizierten Studie «Schweizer Vögte in
der Fremde» diskutieren Fabian Schnell, Forschungsleiter Smart
Government, und Philipp Aerni, Direktor des Zentrums für
Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit (CCRS) an der
Universität Zürich, unter der Leitung von Nicole Dreyfus über die
Rolle und das Potenzial der Multinationalen als regionale Akteure
in Entwicklungs- und Schwellenländern.


Jedes Land soll über ein eigenes Rechtssystem verfügen und es
gemäss lokalen Gegebenheiten entwickeln können, betont Fabian
Schnell. Der Versuch, in Entwicklungs- und Schwellenländern nun
Schweizer Recht durchzusetzen, erhöht vor allem das
Investitionsrisiko, führt zu deren Rückgang und verhindert damit
die Verbesserung der ökonomischen Lage in den betroffenen
Ländern. Philipp Aerni sieht beurteilt die Problematik ähnlich:
Die Regulierung müsse entsprechend dem Stadium des
Strukturwandels vor Ort angepasst werden. Jedes Land soll gemäss
seinem Tempo einen eigenen Policy-Mix finden und bestimmen, wie
es den Wandel nachhaltig fördern möchte.


Unproduktiv und schädlich findet er polarisierende Debatten, in
denen positive Beispiele kaum Platz finden. Das sei schade, denn
manche Unternehmen leisten mehr als die NGO, weil sie im lokalen
Markt Arbeitsplätze und das Know-how schaffen.
Stereotypisierungen der multinationalen Konzerne vergiften
hingegen die Atmosphäre und verhindern eine konstruktive
Zusammenarbeit zwischen der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft.
Das Potenzial international tätiger Unternehmen muss im Interesse
der Entwicklungsländer, aber auch im Interesse der Schweiz
erkannt und genutzt werden.


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