Jura-Klausur und Falllösung richtig nachbereiten (Teil I)

Jura-Klausur und Falllösung richtig nachbereiten (Teil I)

vor 3 Jahren
7 Minuten
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Beschreibung

vor 3 Jahren

Die meisten Repetitorien (und leider mittlerweile auch
einige Unis) legen es Kandidat*innen in der Examensvorbereitung
nahe, so schnell wie möglich mit dem Schreiben von Probeklausuren
zu beginnen. Allerdings erklären sie dir in den seltensten
Fällen, was du zu tun hast, sobald du eine Klausur geschrieben
und korrigiert zurückerhalten hast. Im Einzelunterricht und in
Gruppencoachings haben viele Studierende mir deshalb die Frage
gestellt, wie man eine Klausur am besten nachbereite.


In diesem zweiteiligen Beitrag möchte ich dir mein
Framework zur Nachbereitung jeder Klausur vorstellen. Du kannst
es auch dann nutzen, wenn du die Klausur gar nicht abgegeben
hast.


Hier ist mein supersimples Framework in drei Schritten, das
du eins zu eins übernehmen kannst, wenn gewünscht. Befolge diese
oder ähnliche Schritte jedes einzelne Mal, wenn eine deiner
Klausuren benotet zurückgegeben wurde.


1. Vergleiche dich mit dir selbst. Es geht nicht darum,
eine neue Bestmarke zu setzen. Es geht darum, ob die Benotung
dieser Klausur oberhalb deines persönlichen Schnitts
liegt.


2. Untersuche den Lösungsvorschlag auf Ausführungen zu
bestimmten Sachverhaltsangaben, die du nicht in der Lage warst,
rechtlich zu deuten. Angenommen, in dem von dir bearbeiteten
Sachverhalt fand sich die folgende Formulierung: »Da die
Geschäfte gut laufen, beabsichtigt G, demnächst das Stammkapital
seiner UG auf 25.000 € zu erhöhen. Im Vorgriff auf die
Kapitalerhöhung lässt G bereits neues Briefpapier mit dem
Briefkopf ›X-GmbH‹ drucken.« Das erfordert eine Transferleistung
von dir; im besten Fall denkst du sofort an die analoge Anwendung
des § 179 Abs. 1 BGB bei Verwendung eines falschen
Rechtsformzusatzes. Hast du diese Transferleistung in der in Rede
stehenden Klausur nicht erbracht, macht das nichts; Hauptsache,
es gelingt dir beim nächsten Mal. Das wiederum setzt voraus, dass
du in Zukunft dafür sensibilisiert bist.


Um deine Lücken zielgerichtet schließen zu können, erstelle
dir passend zu diesen Sachverhaltsangaben Notizen (z. B.
Karteikarten), die die bei dir fehlenden Deutungshypothesen
umfassen.


3. Beginne eine Fehlerliste, die du mit der Zeit in eine
Checkliste für ein gelungenes Gutachten umwandeln kannst. Filtere
dafür diejenigen Fehler heraus, die noch auf eine geringe
Methodenkompetenz oder grobes Unverständnis schließen
lassen.
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