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Samstag, 9. März 1941 - erster Eintrag im Tagebuch Etty Hillesums
-
Mir scheint, in den letzten Jahren wird so viel über Etty
Hillesum publiziert, dass die eigene Beschäftigung mit ihren
Tagebüchern nahezu in den Hintergrund tritt.
Daher nun hier die Tagebücher der Etty Hillesum als Hörbuch!
Etty Hillesum wäre 2014 einhundert Jahre alt geworden.
Mit 29 Jahren wurde ihr Leben in Auschwitz-Birkenau
zerrissen. Sie hätte gerne lange gelebt! Ihr Tagebuch aus den
Jahren 1941-1943 ist eines der eindrücklichsten spirituellen, ja
mystischen Sprachwerke ungedeckten Schreibens aus dem 20.
Jahrhundert.
Wer ist, wer war diese junge Frau?
Etty wächst ohne spezifisch jüdische Erziehung in Middelburg, in
den Niederlanden auf. Sie hat zwei Brüder, Mischa und Jaap, der
erste ein hochbegabter Pianist, der zweite Arzt. Die Ehe der
Eltern wird als „turbulent“ bezeichnet.
Nach der Schule studiert sie ab 1932 in Amsterdam Slavistik,
später auch Jura. Sie macht ein ausgezeichnetes juristisches
Examen. Mitten im Zweiten Weltkrieg beginnt sie zudem das Studium
der Psychologie.
1941 beginnt sie eine Liebesbeziehung mit ihrem Therapeuten, dem
aus Deutschland kommenden Juden Julius Spier, der als
Chiropsychologe in Amsterdam arbeitet. Spier rät ihr, Tagebuch zu
führen. Das ist der Beginn dieses außerordentlichen Dokuments
einer persönlichen, seelischen, spirituellen, gottsuchenden
Entwicklung, die zur Sprache, zur Schrift gerinnt.
Etty lebt, aus dem Blickwinkel traditioneller Moral, ein
ungeordnetes, ja „unter solchen Augen“ verwerfliches Leben.
Seit ihrem 27. Lebensjahr hat sie, auch sexuell, intensive
Beziehungen zu zwei Männern, dem 62 Jahre alten Witwer Han
Wegerif, ihrem Hauswirt, und eben zu Julius Spier, 55 Jahre alt,
seinerseits verlobt mit einer jungen jüdischen Frau, die in
London lebt und auf Spier wartet.
Etty bejaht im Kern die Beziehung zu beiden Männern, sie liebt
beide und hat das Empfinden, beiden, wie sie schreibt,
„treu“ zu sein. „Ich bin ihm innerlich treu. Und auch Han bin ich
treu. Ich bin allen treu.“ Ihr Weg ist nicht nur hier
„unorthodox“. Ihr sich immer mehr abzeichnender eigener
geistlicher, ja mystischer Weg tiefer Gottverbundenheit, in
Denken, Beten und Leben, erfährt in ihr auch keine Hinderung, als
sie sich zu einer Abtreibung entschließt. Sie fühlt sich nicht
imstande, unter den historischen Umständen – der Verfolgung, der
Deportation und der Ausrottung der Juden – ein Kind in die Welt
zu setzen.
Weder ihre sexuelle Freizügigkeit noch die Abtreibung sind ein
Hindernis für ihre Beziehung zu Gott, die weiter besteht und nach
diesem Geschehen noch intensiver wird.
1942 erhält Etty eine Position beim Judenrat von Amsterdam, einer
von den deutschen Besatzern geschaffenen Beratungs-, Auskunfts-
und Verwaltungsstelle für die Juden in den Niederlanden.
Damit hätte sie einen gewissen Schutz vor Deportation gefunden.
Als ihr klar wird, dass die Stelle eingerichtet ist, die
Verfolgung, Deportation und Vernichtung der
niederländischen Juden zu flankieren und mit vorzubereiten,
kündigt Etty die Stelle binnen zweier Wochen.
Im August 1942 wird sie ins Sammellager Westerbork deportiert.
Ihr noch gültiger Sonderausweis des Judenrates ermöglicht ihr
noch mehrmals eine Rückkehr nach Amsterdam. Sie deponiert ihr
Tagebuch über ihre Freundin Maria Tuinzing bei der befreundeten
Familie Smelik. Sich in Sicherheit zu bringen oder unterzutauchen
lehnt sie aus Solidarität mit ihren jüdischen Schwestern und
Brüdern ab.
Am 7. September 1943 wird sie mit vielen Anderen von Westerbork
nach Auschwitz abtransportiert, wo sie ihren Vater und andere
Verwandte wiedersieht. Am 30. November 1943 wird sie in
Auschwitz-Birkenau ermordet.
(Vortrag "Tor der Sehnsucht", Markus Roentgen)
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Über diesen Podcast
Die Tagebücher der Etty Hillesum - gelesen von Susanna Pütters
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