Klartext - der ajour-Talk Archiv
58 Episoden
53 Minuten
138'672 Stimmen: So viele Stimmen wie die Finanzdirektorin Astrid Bärtschi (Mitte) hat bei Berner Regierungsratswahlen noch nie jemand bekommen. Sie wurde in den Medien sogleich "die Überfliegerin" der kantonalen Wahlen vom vergangenen Wochenende getauft. Bärtschi gehört zu den erfolgreichsten Berner Politikerinnen der letzten Jahre. Und zu den gelassensten. Laut sein müsse sie nicht, sagt sie: «Ich glaube, ich bin ein Beispiel dafür, dass man nicht laut und schrill sein muss, damit man wahrgenommen wird.» Als Mitte-Politikerin profitiere sie davon, nicht zu stark zu polarisieren und Stimmen von links bis rechts zu erhalten. Inhaltlich will die Finanzdirektorin den eingeschlagenen Weg weitergehen: Steuern schrittweise senken, die Verwaltung digitalisieren und die Arbeitswelt in der Verwaltung modernisieren. Ein Gespräch über ihre glückliche Kindheit, das Reiten, die verpasste Karriere als Geigenspielerin – und warum sie ihrer Heimat Ostermundigen immer treu geblieben ist.
58 Minuten
Seit 10 Jahren ist Dubai die Heimat des Kommunikationsexperten und Ex-Journalisten Peter Brun. Er war lange Zeit Journalist (Radio 24, SRF) und dann als Kommunikationschef das Gesicht und die Stimme des Reiseanbieters Kuoni. Krisen faszinieren ihn beruflich bis heute: Kommunikation in schwierigen Zeiten müsse «faktenbasiert und schnell» sein - und vorallem authentisch. Die aktuelle Situation in den Vereinten Arabischen Emiraten sei trotz Bedrohung durch Raketen und Drohnen differenziert. «Es gab nie Panik und Chaos». Erstaunt hat ihn der Tenor in den sozialen Medien bei Kriegsbeginn: Dort hätten «Häme, Schadenfreude und Neid» dominiert. Ein Gespräch über Krisenkommunikation, die Medien, sein Leben zwischen Dubai und der Schweiz - und warum Heimat und Daheim nicht das gleiche ist.
49 Minuten
Die gebürtige Bielerin Sabine Reber wird auch schon mal als «Gärtnerin der Nation» bezeichnet. Sie selber meint dazu achselzuckend «wenn man im TV kommt, ist man irgendwann mal irgendetwas ‹der Nation›..». Die Autorin, die heute im Saanenland lebt, erzählt auch von Brüchen in ihrem Leben, vom Schreiben und vom plötzlichen Ende ihrer langjährigen Gartenkolumnen: «Es ist ein grosser Teil meines Selbstverständnisses, der wegbricht.» Statt Stillstand setzt sie auf Bewegung, im Denken wie im Alltag: «Ich bin ein Bewegungsmensch.» Ein Gespräch über das Guerilla-Gärtnern, ihre Abneigung gegen Tulpenfelder, König Charles als Vorbild, und ihr Mantra: «Jeder Mensch braucht einen Garten.»
49 Minuten
Atina Tabé wurde 1984 in Teheran geboren und flüchtete als kleines Kind nach Berlin. Seit über zwölf Jahren lebt sie in Solothurn. Im «Klartext» mit Nicoletta Cimmino spricht die Künstlerin über die aktuelle Situation in ihrem Heimatland. Hoffnung gebe es – aber «unterm Strich herrscht Krieg, es sterben Menschen». Sie wünsche sich, bald schon in den Iran reisen zu können; seit ihrer Kindheit war sie nie mehr dort. Und sie wünsche sich für das iranische Volk eine Regierung, die gut zu den Menschen dort ist. Erst in der Schweiz habe sie ihre iranische Seite entdeckt. In Deutschland habe sie immer darum kämpfen müssen, überhaupt als Deutsche akzeptiert zu werden. Mit ihren drei kleinen Kindern spricht Atina Tabé bewusst Persisch: «Die Sprache ist wie ein Parfum. Sie können es tragen oder nicht und selber entscheiden, was sie damit machen wollen.»
57 Minuten
Die SRF-Sportjournalistin Claudia Moor ist in Ostberlin aufgewachsen und der Liebe wegen nach Biel gezogen. Seit über 25 Jahren kommentiert sie für SRF im Fernsehen Sport. Gerade ist sie von den Olympischen Winterspielen in Milano Cortina zurückgekehrt. Die Stimmung? «Weniger olympisch als auch schon», sagt sie im Gespräch mit Nicoletta Cimmino, und schenkt einen Blick hinter die Kulissen eines der wichtigsten Sportevents überhaupt. «Aber nach drei Wochen habe ich olympische Ringe unter den Augen.» Zudem erzählt Claudia Moor, wie sie den Mauerfall am 9. November 1989 verschlafen hat: «Ein Freund rief an und erzählte, die Mauer sei offen. Ich dachte, er spinnt, und ging wieder ins Bett.» Ein Gespräch über ihre Liebe zum Sport, ihre grosse Bewunderung für Roger Federer, über die jüngere Geschichte Deutschlands - und darüber, was es mit «Anschleicher»-Liedern auf sich hat. (Hint: In der Schweiz sind das Lieder, die sich zum Slowtanzen eignen)
56 Minuten
Wenn am Montag die eidgenössischen Räte in Bern zur Frühjahrssession zusammenkommen, ist Lorenz Furrer in seinem Element: «Ich finde diesen Mikrokosmos faszinierend und freue mich immer darauf. Bin dann aber auch froh, wenn die Session wieder zu Ende ist.» Im Gespräch mit Nicoletta Cimmino spricht der Mitgründer der berühmten Berner Lobby-Agentur Furrerhugi über seine Arbeit, darüber, warum Lobbyisten immer wieder in der Kritik stehen, wie er als Pfarrerssohn in Muri aufgewachsen ist - und wie er mit seiner Ehefrau, Warenhausbesitzerin Nicole Loeb die Balance zwischen Business und Privatleben schafft.
56 Minuten
In diesen Tagen erscheint sein neustes Buch: "Live Bold". Darin plädiert der Bieler Politiker und Berufsoffizier Mathias Müller für eine neue Betrachtung der Männlichkeit. Ein in sich gefestigter Mann sei weder toxisch noch übergriffig, jedoch jederzeit bereit, sich zu verteidigen, Im Gespräch mit Nicoletta Cimmino redet Müller über das Buch, aber auch über seine Kindheit, seine bereits früh erwachte Liebe für die USA, seine Leidenschaft für die Schweizer Armee und warum er bei seinen drei Kindern erzieherisch eher locker unterwegs war: "Ich bin ein antiautoritärer Vater".
54 Minuten
Sein Klarinettenlehrer hat ihm vom Gitarrespielen abgeraten, weil er da noch mehr üben müsse. Trotzdem ist der Bieler Mathias Schenk seit 23 Jahren mit der Band «Death by Chocolate» unterwegs und hat dabei auch sein Talent zur Unterhaltung entdeckt. Egal ob im Podcast «Hergöttli Panaschiert» oder auf der Bühne mit dem Programm «Gurtner & Schenk: Marathon» - er kann nicht aufhören, Leute zum Lachen zu bringen. Der kreative Tausendsassa erzählt in dieser Folge unverblühmt von ersten Schwimmversuchen in Dotzingen, warum er beim Musikmachen in einen Flow kommt und dass er es am liebsten hat, «wenn Leute fast verrecken vor Lachen.» Zudem feiert er auch noch gleich seinen 39. Geburtstag im Studio mit einer Nachricht an sein jüngeres Ich: "Sälü. Ich bin noch da."
51 Minuten
Jakob "Köbi" Kölliker war Spieler, Trainer, Sportchef. Er hatte eine internationale Karriere, wie man sie im Schweizer Eishockey kaum findet. Alles begann in Biel, dort, wo der «Buschanger» erstmals Schlittschuhe schnürte, uns sein Vater Eismeister war. Im «Klartext – der ajour-Talk» mit Nicoletta Cimmino blickt der heute 72-Jährige zurück auf sein letztes Engagement beim SCB-Frauenteam («Das Frauen-Eishockey hat riesiges Potenzial») – und erklärt, warum man als Trainer bei den Frauen feinfühliger kommunizieren muss. Er spricht über die Unterschiede zwischen dem Schweizer und dem deutschen Nationalteam («Die Deutschen waren überfordert, wenn sie nicht einfach Befehle bekamen»), über seine glücklichste Zeit bei Ambri-Piotta, seine tiefe Verbundenheit zu Biel und über Willy Gassmann, den früheren Präsidenten des EHC Biel («Ein richtiger Patron»). Und «das Schlitzohr», so nannte man Kölliker gerne, verrät, warum er froh ist, dass es früher keine Smartphones gab, die seine damaligen Eskapaden hätten festhalten können.
56 Minuten
Edna Epelbaum wuchs in der Stadt Biel oberhalb eines Kinos auf, ihre Spielplätze waren die Projektionskabinen. Der erste Film, den sie sah, war «Heidi» – schwarz-weiss: «Ich schrie durch den dunklen Saal: Warum schlafen hier alle?», erinnert sie sich lachend an ihre erste Kinoerfahrung als Dreijährige. Obwohl sie zunächst nach Amerika ging, um eigene Wege zu finden, übernahm sie später das Familienunternehmen von ihrem Vater Vital Epelbaum. "Für meinen Beruf gibt es keinen eidgenössischen Fachausweis - das ist "learning by doing". Der Vater liess sie machen, stand beratend zur Seite: «Wir hatten uns gemeinsame sechs Monate Probezeit gegeben um zu schauen, ob wir miteinander arbeiten können» erzählt sie. Ist das Kino am Sterben, wie es immer wieder heisst? Edna Epelbaum ist gelassen: «Solange wir als Gesellschaft das Bedürfnis haben, Geschichten zu erzählen, gemeinsam zu lachen, solange wird das Kino überleben», ist sie überzeugt.
56 Minuten
Er wird manchmal als der «achte Bundesrat» bezeichnet: Bundeskanzler Viktor Rossi. Im Gespräch mit Nicoletta Cimmino gewährt der Berner einen Blick hinter die Kulissen des Bundeshauses - und erzählt, er habe als Jugendlicher nicht mal gewusst, dass es überhaupt einen Bundeskanzler gebe. Sein Lebensweg verlief nicht geradlinig. Nach der achten Sekundarklasse durfte er nicht weiter in die Schule. Aus disziplinarischen Gründen wurde er ausgeschlossen. Er begann eine Kochlehre. Ein erster Bruch im Lebenslauf und die Möglichkeit, sich zu besinnen: «Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selbst.» Rossi, Sohn eines italienischen Vaters und einer slowenischsprachigen Mutter aus Kärnten, holte nach der Lehre das Gymnasium nach und studierte Wirtschaft und Recht an der Universität Bern. Seine Karriere führte ihn in die Stadt Biel. Er wurde Direktor der kaufmännischen Berufsschule, dem heutigen BFB. «Dabei sprach ich am Anfang schlecht Französisch». Mehrsprachigkeit ist für den Bundeskanzler der Kern der Schweiz: «Eine Sprache ist mehr als ein Kanal zum Verstehen". Im Klartext erzählt Viktor Rossi auch davon, was ihm Italien heute bedeutet, wie er als Lehrling einmal für die erste Schweizer Bundesrätin, Elisabeth Kopp gekocht habe. Und im Bezug auf die digitale Empörungsökonomie plädiert er für Gelassenheit: «Man muss nicht auf alles in drei Sekunden reagieren», sagt er mit Blick auf den jüngsten verbalen Angriff des US-Präsidenten auf die Schweiz anlässlich des World Economic Forums (WEF).
54 Minuten
Seit der Brandkatastrophe von Crans-Montana hat man in der Schweiz viel über kollektive Trauer gesprochen. Doch im Gespräch mit Nicoletta Cimmino gibt die Bieler Trauerbegleiterin Fernanda Vitello zu bedenken: „Jeder Mensch trauert einzigartig, es gibt keine allgemein gültigen Regeln.“ Vitello leitet in Biel und im Seeland Trauergruppen, gestaltet Abschiedsrituale und hört einfach zu, wenn Menschen nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen. „Leider werden Trauernde in unserer Gesellschaft oft gedrängt, doch endlich wieder einmal fröhlich zu sein“, sagt die gebürtige Sizilianerin. Doch beim Trauern gebe es kein Richtig oder Falsch. Ein Gespräch über Leben und Tod – und alles dazwischen.
55 Minuten
Seit einem Jahr ist Glenda Gonzalez Bassi Bieler Stadtpräsidentin. Als erste Frau überhaupt, erste Romande seit sehr langer Zeit – und erste Person mit lateinamerikanischen Wurzeln. Im zweisprachigen Gespräch mit Nicoletta Cimmino zieht "Glenda", wie sie von vielen einfach genannt wird, Bilanz des ersten Amtsjahres: mehr Verantwortung, mehr Öffentlichkeit, weniger Zeit – aber keine Zweifel am eingeschlagenen Weg. Sie will mehr Partizipation für Alle. Auch wenn damit gewisse Prozesse langsamer werden. Der "Klartext" über ihre Pläne, ihre Projekte, über zweisprachige Berufsbildung, Stadtentwicklung und ihre Vorstellung einer gesunden, mobilen Stadt.
46 Minuten
In der Twentys Cocktail Bar in der Bieler Altstadt rührt und schüttelt Lorenz Struchen seit 2023 Drinks für ein anspruchsvolles Publikum. Klassiker und innovative Neukreationen. Mit Erfolg: 2023 wurde der Bieler zum "Barkeeper of the year" gekürt. Im Klartext mit Nicoletta Cimmino redet er über seine Leidenschaft, die Rolle des Barkeepers als Gastronom, Psychologe und Künstler in Personalunion, über den Umgang mit alkoholisierten Gästen und über seine Lieblingsbars in fremden Ländern.
52 Minuten
Mit «Hallo Betty» – dem Film über Betty Bossi tourt er gerade durch die Schweiz. Der erfolgreiche Schweizer Filmproduzent Peter Reichenbach ist zu Gast bei Nicoletta Cimmino im Klartext. In seinem Elternhaus gingen Heinz Rühmann, Friedrich Dürrenmatt und andere ein und aus, aber auch junge Künstlerinnen und Künstler, die kein Geld hatten. «Meine Mutter brachte die Randständigen der Kunst nach Hause, mein Vater die Stars», erinnert er sich. Als Vierjähriger singt er schon mal im Pyjama vor den Gästen den «Papageno» aus der Zauberflöte. Und steht als Kind auf der Bühne des Zürcher Opernhauses. Nach der Schule geht er direkt in die Kunst: «Ich habe das Theater und die Oper geliebt – und wusste früh, dort gehöre ich hin.» Er beginnt seine Laufbahn als Regieassistent, arbeitet in München, Paris und bei seinem Onkel François Reichenbach, dem Oscar-prämierten Dokumentarfilmer. Heute blickt er auf eine jahrzehntelange Karriere zurück. Er hat viele der erfolgreichsten Schweizer Filme produziert: «Der Verdingbub», «Nachtzug nach Lissabon», «Platzspitzbaby», die «Wilder»-Staffeln und aktuell: «Hallo Betty», den Film über die Erfinderin von Betty Bossi, Emmi Creola. Der Filmproduzent sei «der, der die Rechnungen bezahlt», fasst er seine Aufgabe lakonisch zusammen. Ein Gespräch über Kunst, Familie, Filmmusik – und die Schauspielerin Julie Andrews: «Die erste Frau, in die ich mich verliebt habe.»