Klartext - der ajour-Talk Archiv
58 Episoden
52 Minuten
Was 1985 mit einer Gruppe junger Künstlerinnen und Künstlern begann, gehört inzwischen fix ins Universum des Kinder-, und Jugendtheaters: Die Bieler Theatergruppe «La Grenouille» bietet seit 40 Jahren hochstehende Unterhaltung für die Kleinen und für Teenager. Im Gespräch mit Nicoletta Cimmino redet die Mitgründerin Charlotte Huldi darüber, was ein gutes Theaterstück für Kinder ausmacht, warum es da durchaus einen Unterschied zwischen Deutsch-, und Westschweiz gibt, und warum es in ihren Augen nicht stimmt, dass Kinder und Jugendliche heute sich weniger gut konzentrieren können als vor 40 Jahren.
58 Minuten
Er ist einer der bekanntesten Journalisten des Landes und empfängt in seiner Talkshow regelmässig berühmte und weniger berühmte Menschen zum Gespräch. Urs Gredig lebt vom Dialog. «Es macht mir unglaublich viel Spass», sagt er. Wenn man den Freipass habe, Menschen Fragen zu stellen, sei das ein grosses Privileg. Im Klartext mit Nicoletta Cimmino redet Urs Gredig über seine journalistische Haltung und seinen Weg von Davos, wo er auf die Welt kam, über Grossbritannien, wo er Korrespondent war bis ins TV-Studio in Zürich Leutschenbach. Die «Halbierungsinitiative» über die das Schweizer Stimmvolk am kommenden 8. März abstimmt, benennt er klar: «Eine Halbierung wäre das falsche Signal», in einer Zeit, in der verlässliche Information zunehmend unter Druck gerate. Und Biel? Kein Zuhause, aber viele Erinnerungen. Als Jugendlicher besuchte Urs Gredig in Neuenburg die Handelsschule: «Wir kamen sehr gerne nach Biel, zum Beispiel in den Chessu - ich mag den herben Charme der Stadt.»
50 Minuten
Seit 22 Jahren ist Daniel Villard CEO beim EHC Biel. Im «Klartext» mit Nicoletta Cimmino spricht er über Höhenflüge, Krisen, Nachwuchsförderung und Sorgenfalten wegen der Tissot Arena. «Wir wollen mit Menschen und finanziellen Mitteln vernünftig umgehen». So umschreibt Daniel Villard seine Auffassung von guter Klubführung. Er hat viel Schönes erlebt in den bisherigen 22 Jahren, zum Beispiel den Wiederaufstieg in die oberste Liga 2008. Aber auch Enttäuschungen und Krisen. Seine Ziele hat er hoch gesteckt: Noch mehr Spieler-Nachwuchs, ein drittes Eisfeld – und zuverlässigere Abonnenten, die auch tatsächlich an die Spiele kommen. Er spricht über den frühen Tod seines Vaters und über seinen Umgang mit der Tatsache, dass sein eigener Sohn im Verein unter Vertrag steht.
52 Minuten
Mit 28 Jahren packte die ausgebildete Lehrerin Isabelle Freymond ihre Koffer und zog nach Brüssel, um dort die Theaterausbildung zu absolvieren. Zurück in ihrer Heimatstadt Biel spielte sie nicht nur selber in Stücken und Filmen. Als Leiterin des jungen Theaters bringt Isabelle Freymond seit 2014 immer wieder unzählige Kinder und Jugendliche auf die Bühne. Doch Freymond möchte nicht in die Schublade «Jugendtheater» gesteckt werden. Das beweist sie mit der aktuellen Inszenierung der Mono-Oper «Das Tagebuch der Anne Frank» am Tobs, die auf viel Lob gestossen ist. Ein Gespräch über Neuanfänge, Loslassen, Liebe – und Theater, das das pralle Leben abbilden sollte.
50 Minuten
Der Twanner Winzer Martin Hubacher vom «Johanniterkeller» wurde heuer erneut zum Berner Winzer des Jahres gekürt. Er ist Gast im Klartext bei Nicoletta Cimmino. Als Martin Hubacher 1994 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters den Johanniterkeller übernahm, stand er schlagartig allein in der Verantwortung. Der erste Pinot Noir misslang. «Ich wollte alles aus der Traube holen - und habe übertrieben. Da habe ich gelernt: Es gibt keine Rezepturen beim Weinmachen.» Entscheidend sei, sich dem Jahr anzupassen, nicht umgekehrt. Weinmachen sei ein Tanz zwischen Mensch und Natur. Der «Läset» sei die intensivste Zeit. «Wir arbeiten zwölf Monate für diese drei Wochen. Ich bin morgens der Erste im Keller und abends der Letzte. Jede Stunde kann zählen.» Von der romantischen Vorstellung des Winzers mit Glas in der Hand ist da wenig zu spüren. Hubacher wünscht sich mehr Bewusstsein für regionale Produkte. Während Corona seien die Keller leer gekauft worden, heute dominierten wieder Aktionen. «Und dann frage ich mich schon: Braucht es einen Wein aus Südafrika für 4.95 im Grossverteiler?» Sein Grundsatz bleibt schlicht: «Wir nehmen jedes Jahr so, wie es kommt - und machen das Beste daraus.»
57 Minuten
«Ich glaube, Wörter sind nicht das beste Werkzeug, um verstanden zu werden», sagt James Gruntz im Gespräch mit Nicoletta Cimmino. Nach sieben Jahren Pause meldete sich James Gruntz letztes Jahr mit "Blink Twice" zurück - einem Album über Liebe, Kinder, Zeit und eine flüchtige Gegenwart. Im «Klartext» redet der gebürtige Nidauer darüber, wie er sein Leben zwischen Kunst und Familie balanciert. Er gibt zu: «Mit dem Ende des Arbeitstags habe ich bis heute Mühe, manchmal bin ich einfach noch im kreativen Flow, und sollte eigentlich das Abendessen zubereiten.» Gruntz spricht offen über sein früheres Lampenfieber: «Ich hatte das Gefühl, mir mit Auftritten etwas wegzunehmen, was ich ganz für mich kreiert hatte» - und über seine Abneigung Social Media, welche immer wichtiger werden: «Ich mache ja eigentlich Musik. Das ist für mich das Wichtige.» Ein Gespräch über die Kunst des Loslassens, das Vatersein und die Suche nach Echtheit in einer lauten Welt.
54 Minuten
Mit «Schön. Reich. Tot» publiziert die Bieler Autorin Nadine Hostettler ihr drittes Buch. Sie erzählt darin die Geschichte einer Familie über drei Generationen. «Ich bin zwar aus Biel weggegangen, aber die Stadt hat mich nie losgelassen», erzählt Nadine Hostettler im Gespräch mit Nicoletta Cimmino. Sie war lange Zeit als Journalistin tätig, zum einen als Auslandkorrespondentin in Zentralamerika, zum anderen für das Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Jetzt konzentriert sie sich auf ihre Karriere als Romanautorin. In ihrem jüngsten Buch «Schön, reicht, tot» erzählt sie die Geschichte der fiktiven Bieler Familie Borel - und die Geschichte des Aufstiegs und des Niedergangs der Schweizer Uhrenindustrie, den sie als Jugendliche unmittelbar mitbekommen hat. Im «Klartext – der ajour-Talk» redet Nadine Hostettler über ihre Beziehung zur Stadt Biel, über die Lehr- und Wanderjahre in Zentralamerika und über ihre Bücher.
51 Minuten
„Ich bin geografisch ein Jurassier, durch und durch. Und politisch hundertprozent ein Berner.“ Mit diesem Satz bringt Manfred Bühler seine Identität auf den Punkt. Der Politiker aus Cortébert wuchs auf dem Bauernhof auf, lernte Französisch erst in der Schule und studierte später auf Deutsch in Bern. Heute präsidiert Bühler die kantonalbernische SVP, als erster Romand in der Geschichte der Partei. Für ihn ist das mehr als Symbolik. „Wenn ein zweisprachiger Kanton zweisprachig sein will, dann müssen sich die Leute begegnen; im Parlament, in der Regierung, im Alltag.“ Zweisprachigkeit sei kein Verwaltungsakt, sagt er, sondern ein menschliches Prinzip: „Man wird nicht zweisprachig durch zweisprahchige Institutionen, sondern durch Menschen, die bereit sind, die Brücke zu schlagen.“ Ein Gespräch über den Bilinguismus, Meinungsfreiheit, harte politische Debatten - und seine Mutter: "Ich bewundere sie tief für alles, was sie geschafft hat".
56 Minuten
Sie ist Testesserin, schreibt Gastro-Newsletters, hat gerade ein Kochbuch mit Berner Rezepten veröffentlicht, kommentiert YB-Spiele - und startet nun als "Storytellerin" für Restaurants. Im "Klartext" mit Nicoletta Cimmino erzählt Claudia Salzmann, wie ihr Interesse für Nahrung und Küche in ihrer Kindheit auf einem Emmentaler Bauernhof erwacht ist, was sie über Foodtrends denkt, warum sie selten vernichtende Gastrokritiken publiziert - und warum sie in der raren Freizeit für das Fanradio der Berner Young Boys Spiele kommentiert.
57 Minuten
Neubau in Brügg, Pandemie, #metoo im Operationssaal - und eine Allergie gegen Respektlosigkeit: Kristian Schneider, CEO des Bieler Spitalzentrums ist Gast im Klartext mit Nicoletta Cimmino. Wie führt man ein Spital in Zeiten von Fachkräftemangel, politischem Druck und grossen Bauprojekten? Kristian Schneider, CEO des Spitalzentrums Biel erzählt von seiner Laufbahn vom Pflegefachmann bis an die Spitze einer der wichtigsten Institutionen der Region. Er spricht über die Kunst, trotz Krisen positiv zu bleiben, den Wert von Respekt in der Führung und die Bedeutung von Klartext – gerade in einer Zeit voller internationaler Konflikte. Schneider gibt Einblicke in das ambitionierte Neubauprojekt in Brügg, das nicht nur für Biel, sondern auch für andere Spitäler in der Schweiz Vorbildcharakter haben soll. Persönlich und offen erzählt er zudem von seiner Kindheit, seinen prägenden Erfahrungen und warum ihn Begegnungen mit Menschen schon früh in Führungsrollen brachten.
57 Minuten
Im Juli 2021 brachen Jasmin Bühler und Carol Frischknecht zu einer langen Wanderung auf, 16’000 Kilometer bis ins Himalaya-Gebirge. Unterwegs erlebten die beiden Frauen Strapazen: 35 verschlissene Paar Schuhe, schwere Rucksäcke und Nächte voller Gewitter. Doch vor allem prägte sie die Begegnung mit Menschen: unglaubliche Gastfreundschaft, spontane Hilfe und kleine Gesten, die den Weg leichter machten. Im Gespräch erzählen die beiden, wie diese Reise ihr Leben verändert hat, warum sie heute offener auf Menschen zugehen, was sie über Vertrauen gelernt haben. Und weshalb sie ihre kleine Mokka-Maschine bis zum Himalaya getragen haben.
55 Minuten
Die Bernerin Bea Petri baute in Zürich mit der «Schminkbar» ein florierendes Unternehmen auf, mit mehreren Filialen in der ganzen Schweiz und über hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie wurde dafür zur «Unternehmerin des Jahres» gekürt. Als sie die Firma vor neun Jahren an ihre Töchter übergab, stürzte sie in eine tiefe Sinneskrise: «Ich hatte Depressionen, musste Medikamente nehmen». Heute widmet sich Bea Petri anderen Projekten, zum Beispiel «Nas Mode» in Burkina Faso. An der Schule in der Hauptstadt Ouagadougou erhalten junge Frauen eine fundierte Ausbildung in Kosmetik, Schneiderei, Coiffure und mehr. Statt Geld vergibt Bea Petri zudem Mikrokredite in Form von Sachleistungen, damit die ausgebildeten Frauen eigene Geschäfte aufbauen können. Soeben ist ihr neues Buch «12 Leben» erschienen, in dem sie Menschen vorstellt, die dank «Nas Mode» ihr Leben in die Hand nehmen konnten. Im «Klartext» mit Nicoletta Cimmino spricht Bea Petri über ihre Zeit als «Schminkerin der Nation» - und darüber, welche Bundesräte besonders lustig waren in der Maske, über das Loslassen, Mut, und kleine Notlügen, die grosses bewirken.
55 Minuten
Ondine Riesen ist gebürtige Luzernerin, aber leidenschaftliche Wahlbielerin. Über die Stadt sagt sie, sie fühle sich hier so wohl, als trüge sie ständig einen Pijama. Riesen ist Coach, betriebliche Mentorin und Mitgründerin von Ting, einer Plattform, die Geld, Ideen und Gemeinschaft zusammenbringt. Projekte – von Garten-Sharing bis zu Apps gegen Food Waste – wurden so schon ermöglicht. Ihr Credo: Vertrauen und Solidarität sind stärker als Misstrauen und Tabus, gerade wenn es ums Geld geht. Persönlich spricht Riesen offen über ihr Leben mit ADS – eine Diagnose die für sie eine grosse Erleichterung war: "Ich dachte, vielleicht bin ich einfach dumm und faul". Sie erzählt von ihrer Leidenschaft für Musik, die sie liebevoll in Playlists an ihre Freundinnen verpackt, von ihrer Kindheit auf dem Land - und von Zukunftsplänen.
58 Minuten
Als "Königin der Nacht" feiert die Berner Sopranistin Rebekka Maeder am 11. September beim TOBS in Biel mit der Zauberflöte Première. Im Klartext mit Nicoletta Cimmino erzählt sie von ihrem Kindheitserlebnis mit genau diesem Werk, von der kompromisslosen Pflege ihrer Stimme und den mentalen Höhenflügen dieser Extremrolle. Ein Gespräch über Kür und Pflicht einer Opernsängerin, über den Sinn und Unsinn von Triggerwarnungen in der Oper - und wo es in der Welt der klassischen Musik noch immer Ungleichheiten gibt.