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  3. Kritische Zukunftsforschung Podcast

Episoden

32 Minuten
Klassische Zukunftsforschung baut wunderbare Szenarien, nur ändert sich damit in der Praxis oft wenig. Jonas hat drei Jahre an einem Format gearbeitet, das anders funktioniert: der Missionswerkstatt. Sie arbeitet nicht am Kegel, sondern am Standort, und verschiebt den Denkrahmen der Teilnehmenden, ohne je analytisch zu werden. Für uns beide ist sie angewandte kritische Zukunftsforschung.

Johannes interviewt Jonas über das, was dabei herausgekommen ist. Über eine Teilnehmerin, die ein Jahr später kaum noch wusste, was ihre Mission war, und trotzdem ihr Handeln verändert hatte. Über eine Wissenschaftlerin, die eine Woche später ein Paper einreichte, das sie sich vorher nicht getraut hätte. Und über einen selbst organisierten Skatepark in Halle, der aus einer Missionswerkstatt heraus tatsächlich gebaut wurde.

„Einfach weitermachen“, sagt Jonas am Ende. Das ist die Antwort auf die Frage, die Teil 1 der Doppelfolge offengelassen hat.

Show Notes:

00:00 Intro: Von der Theorie in die Praxis

02:01 Die Missionswerkstatt und ihre Entstehung aus den D2030-Szenarien

04:36 Drei Jahre, elf Werkstätten, 120+ Teilnehmende

05:57 Ist das noch Zukunftsforschung? Der Sprung in die angewandte kritische Zukunftsforschung

08:22 Die drei Phasen der Werkstatt: Imaginationsbarriere, utopisches Bestärken, Realisierung

15:38 Denkrahmen verschieben als Bauchgefühl: Beispiele aus der Praxis

21:24 Stören heißt oft einfach: innehalten.

22:42 Zeitliche Dimension, Peer Group und die Kunst des Dranbleibens

27:04 Der dritte Punkt der kritischen Zukunftsforschung: vom Denken ins Tun

31:08 „Einfach weitermachen“ und wo die Missionswerkstatt zu finden ist

Erwähnte Ressourcen:

Missionswerkstatt: missionswerkstatt.de

D2030 Deutschland Neudenken: d2030.de

Methodenhandbuch Missionswerkstatt: missionswerkstatt.de

Halle Rollt: halle-rollt.de

Vorherige Folge: #3-7 Was heißt hier kritisch? Grundlagen der kritischen Zukunftsforschung (Teil 1)

Kontaktinformationen:

Jonas Drechsel: Webseite | LinkedIn

Johannes Kleske: Webseite | LinkedIn

Alle Details zur Community rund um kritische Zukunftsforschung auf kritische-zukunftsforschung.de.
28 Minuten
Kritik in der kritischen Zukunftsforschung heißt nicht, andere Zukunftsbilder niederzumachen. Kritik heißt, den Denkrahmen, von dem aus wir in die Zukunft schauen, zu identifizieren … und zu stören.

In dieser Folge fragen wir, was hinter den Begriffen steckt. Wir arbeiten uns von Armin Grunwalds „zukünftigen Gegenwarten“ und „gegenwärtigen Zukünften“ über den Futures Cone zum Kernkonzept vor: dem Denkrahmen, der bestimmt, was wir uns überhaupt als plausibel vorstellen können. Wie das wirkt, zeigt sich gerade an Friedrich Merz, bei dem man live beobachten kann, wie sich sein USA-Denkrahmen verschiebt. Und am KI-Diskurs, den das AGI-Narrativ in einen schmalen Möglichkeitskegel presst. In Teil 2 zeigt Jonas, wie er mit diesem Verständnis in der Missionswerkstatt arbeitet und Zukunftsbilder bewusster konstruiert.

Show Notes:

00:00 Intro: Was ist eigentlich kritische Zukunftsforschung

01:08 Grunwald: zukünftige Gegenwarten und gegenwärtige Zukünfte

03:39 Der Futures Cone und sein blinder Fleck

11:12 Plausibilisierung und Denkrahmen (Fischer und Dannenberg)

15:43 Den Denkrahmen stören: Beispiele Merz und KI

21:43 Kritik als Verschiebung des Startpunkts in der Gegenwart

23:14 Methodisch arbeiten mit der Causal Layered Analysis

26:42 Ausblick auf Teil 2: Die Missionswerkstatt

Erwähnte Ressourcen:

Armin Grunwald: Wovon ist die Zukunftsforschung eine Wissenschaft? (in: Popp/Schüll, „Zukunftsforschung und Zukunftsgestaltung“, Springer 2009, S. 25–35)

Nele Fischer und Sascha Dannenberg: The social construction of futures: Proposing plausibility as a semiotic approach for Critical Futures Studies (Futures, 2021)

Sohail Inayatullah: Causal Layered Analysis: Poststructuralism as Method (Futures, 1998)

Roland Barthes: Mythen des Alltags (Original 1957, deutsche Vollausgabe 2010)

Arvind Narayanan und Sayash Kapoor: AI as Normal Technology (Knight First Amendment Institute, 2025)

Frühere Folge mit Nele Fischer: #2-4 Reflexionen über Denkrahmen

Kontaktinformationen:

Jonas Drechsel: Webseite | LinkedIn

Johannes Kleske: Webseite | LinkedIn

Alle Details zur Community rund um kritische Zukunftsforschung auf kritische-zukunftsforschung.de.
1 Stunde 2 Minuten
In dieser Episode sprechen wir mit Zamina Ahmad, Gründerin von shades&contrast und KI-Expertin, über den Zustand von KI in deutschen Unternehmen jenseits der Schlagzeilen. Zamina berät seit Jahren Konzerne wie Bosch und Siemens, aber auch NGOs wie das Deutsche Rote Kreuz bei der KI-Implementierung, und bringt eine seltene Perspektive mit: den Realitätscheck. Drei Jahre nach dem ChatGPT-Launch zeigt sich eine überraschende Kluft zwischen Unternehmen, die KI längst in Prozesse integriert haben, und solchen, denen noch das Interface erklärt werden muss. Zaminas These: Wir leben in einer „hybriden Ära“, in der KI Teilaufgaben übernimmt, aber menschliche Qualitätskontrolle unverzichtbar bleibt. Wir sprechen über Bias in Algorithmen und die Grenzen der Datengrundlage: Wer „CEO“ promptet, bekommt zu 100 Prozent einen weißen Mann. Zamina selbst kann sich nicht nachpromten, weil ihre Gesichtszüge in den Trainingsdaten schlicht nicht repräsentiert sind. Wir diskutieren den EU AI Act als ethischen Kompass und digitalen Kolonialismus in der Datenarbeit. Und wir fragen: Sind Trainingsdaten eigentlich „Used Futures“, also Vergangenheit, die als Zukunft fortgeschrieben wird? Eine Folge über die Differenzierung zwischen Hype und Realität, über Hybridität statt Revolution und die Frage, wie wir KI gestalten wollen, technisch und gesellschaftlich.

Show Notes:

00:00 – Intro: Was ist kritische Zukunftsforschung? 

01:05 – Vorstellung Zamina Ahmad 

02:01 – Werdegang: von Data Analytics über Machine Learning zu KI 

05:20 – Was ist eigentlich KI? Definition und Abgrenzung 

07:40 – Metaphern im KI-Diskurs: hilfreich oder irreführend? 

10:42 – Drei Jahre ChatGPT: Hype vs. Realität 

11:36 – Die hybride KI-Ära: Teilautomatisierung statt Revolution 

13:25 – Jobless Growth: Das Problem mit den Junior-Stellen 

17:14 – KI in deutschen Unternehmen: Wo stehen wir wirklich? 

20:59 – Von Strategie zu Tools: Der Wandel 2023 zu 2024 

24:00 – Tool-Tipps: Perplexity, Claude, Gamma AI, CIP Doxyview 

26:44 – Fair AI in der Beratungspraxis 

28:58 – EU AI Act: Innovationshürde oder ethischer Kompass? 

33:10 – Wer fragt nach Responsible AI? Konzerne und Non-Profits 

34:44 – Bias in Marketing-Bildern: Das Duty-free-Beispiel 

38:37 – „Du kannst mich nicht nachprompen“: Grenzen der Bildgenerierung 

40:11 – Used Futures und KI: Wenn Bias zur Zukunft wird 

43:00 – AI for Good: Taiwans Fake-News-Check als Vorbild 

46:31 – Deutschland im KI-Wettrennen: Kritisieren viel, machen wenig 

49:36 – Digitaler Kolonialismus: Daten aus dem Süden, Modelle für den Norden 

55:51 – Vergleich mit dem Internet: Sind wir 1997 oder 1999? 

1:00:03 – Abschluss: Differenzierung statt Schwarz-Weiß-Denken

Kontaktinformationen:

Zamina Ahmad: Website | shades&contrast | LinkedIn

Jonas Drechsel: Website | LinkedIn

Johannes Kleske: Website | LinkedIn

Alle Details zur Community rund um kritische Zukunftsforschung auf kritische-zukunftsforschung.de

Erwähnte Ressourcen:

Tool-Tipp Anonymisierung: CIP Doxyview

Podcast Hoololio: Spotify
1 Stunde 5 Minuten
Beschreibung:

In dieser Episode sprechen wir mit Wenzel Mehnert, Zukunftsforscher am Austrian Institute of Technology in Wien und an der TU Berlin, über das faszinierende Phänomen der Hypes. Wenzel ist Teil einer internationalen Forschungsgruppe, die Critical Hype Studies als neues Forschungsfeld etabliert. Wir erkunden, wie Hypes entstehen, warum sie so mächtig sind und welche Rolle sie in unserer Aufmerksamkeitsökonomie spielen. Wir diskutieren die Unterschiede zwischen Hypes, Trends und Viralität, das Konzept des „Critihype“ und warum sogar die Kritik an Hypes diese oft verstärkt. Von KI über Metaverse bis hin zu Neuralink – wir dekonstruieren aktuelle Technologie-Hypes und zeigen auf, wie diese performativ wirken. Eine Folge über die Macht der Erwartungen, die Rolle der Medien und praktische Strategien für einen reflektierten Umgang mit Hype-Zyklen.

Show Notes:

00:00: Intro und Vorstellung von Wenzel Mehnert

02:27: Werdegang und interdisziplinärer Hintergrund

04:28: Von der Masterarbeit zur Zukunftsforschung

08:20: Worldbuilding als Methode – Speculative Ethnography

14:13: Vom Zukunftsdenken zu Hype-Studies

16:53: Definition und Eigenschaften von Hypes

24:32: Hype vs. Trend vs. Viralität – Abgrenzungen

29:00: Aufmerksamkeitsökonomie und strategische Hype-Erzeugung

35:34: Performativität und der Gartner Hype Cycle

39:42: Critihype und die Dialektik der Kritik

46:03: Wishful Worries und spekulative Ethik

50:47: Neologismen und Hype-Vermeidung

55:25: Journalismus und Medien im Hype-Ökosystem

58:36: Praktische Tipps: Hype-Assessment und gesundes Misstrauen

1:03:21: Ausblick auf die Barcelona-Konferenz und Abschluss

Erwähnte Ressourcen:

Website der Critical Hype Studies Community: hypestudies.org

Futures Garden Projekt: futuresgarden.eu

Critical Hype Studies Konferenz Barcelona (September 2025): https://hypestudies.org/conference 

Nectome – Beispiel für gescheiterten Mind-Upload Hype: https://wenzelmehnert.de/onewebmedia/mehnert_Futures%20Circle_EASST.pdf 

Kontaktinformationen:

Wenzel Mehnert: Website | LinkedIn

Jonas Drechsel: Website | LinkedIn

Johannes Kleske: Website | LinkedIn

Alle Details zur Community rund um kritische Zukunftsforschung auf kritische-zukunftsforschung.de
48 Minuten
In dieser Episode sprechen wir mit Dr. Oliver Lauenstein über Verbindungen zwischen kritischer Theorie und kritischer Zukunftsforschung. Oliver erkundet, wie Konzepte von Theodor W. Adorno und anderen Vertretern der Frankfurter Schule auf heutige Zukunftsdiskurse anwendbar sind. Wir diskutieren die „ Vernunft“ – wie ursprünglich aufklärerisches Denken nicht zu Emanzipation, sondern zu neuen Formen der Beherrschung führte – und was dies für aktuelle technologische Entwicklungen wie KI bedeutet. Oliver erläutert Adornos skeptische Haltung gegenüber utopischem Denken und weshalb detaillierte Zukunftsbilder problematisch sein können. Wir ergründen, wie die kritische Zukunftsforschung von dieser Perspektive profitieren kann, indem sie nicht nur alternative Zukünfte entwirft, sondern auch hinterfragt, welche gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnisse in unseren Zukunftsvorstellungen reproduziert werden. Eine Folge über die Wichtigkeit des „Nicht-Identischen“, die Offenhaltung der Zukunft und die Frage, ob Adorno heute wohl kritischer Zukunftsforscher wäre.

Show Notes:

00:00: Intro und Vorstellung von Oliver Lauenstein

05:30: Wäre Adorno heute kritischer Zukunftsforscher?

09:45: Instrumentelle Vernunft – Grundkonzept und Bedeutung

15:20: KI und moderne Technologien im Licht kritischer Theorie

22:10: Kritik an utopischem Denken und Zukunftsvisionen

29:40: Gegenwartskritik durch Zukunftsforschung

37:15: Verhältnis zwischen kritischer Theorie und kritischer Zukunftsforschung

45:30: Die Notwendigkeit, Zukunft offen zu halten

52:40: Adornos hypothetische Kritik an heutiger Zukunftsforschung

56:03: Ausblick und Abschluss

Kontaktinformationen:

Oliver Lauenstein: LinkedIn

Jonas Drechsel: Website | LinkedIn

Johannes Kleske: Website | LinkedIn

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Über diesen Podcast

Das hier ist ein Podcast. Das heißt, zwei alternde, weiße Männer malen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt. Dieses Prinzip haben wir uns nicht ausgedacht - das ist der Status Quo dieses Mediums. Wir nähern uns in unseren Gesprächen einem Ansatz kritischer Zukunftsforschung, mit dem solche Vorstellungen entzaubert und Alternativen neu gedacht werden können. Bestenfalls haben wir uns also abgeschafft, bis wir alt sind.
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„Kritische Zukunftsforschung“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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