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bto – der Ökonomie-Podcast von Dr. Daniel Stelter Archiv

436 Episoden
59 Minuten
Arbeit muss sich lohnen und der Sozialstaat sollte die richtige Balance zwischen Unterstützung und dem Setzen von Anreizen finden. Die aktuelle Diskussion zum Bürgergeld dreht sich genau um diese Frage: Ist die Hilfe ausreichend oder zu großzügig bemessen, um einen Arbeitsanreiz zu setzen? 

Die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) versuchte in einer Studie nachzuweisen, dass sich Arbeit immer lohnt. Die Stiftung geht von einem Vergleich zwischen nicht arbeitenden Bürgergeldempfängern und Mindestlohnarbeitern mit 38,2 Arbeitsstunden pro Woche aus. Je nach Wohnort und den dortigen Wohnkosten ergeben sich dabei im Vergleich zum Bürgergeldbezug Stundenlöhne von 2,48 Euro bis 4,33 Euro, die einen Lohnabstand von monatlich 379 bis 662 Euro (Single-Haushalt) ergeben. Damit dieser Abstand überhaupt erreichbar ist, müssen aber gegebenenfalls Ansprüche auf Sozialleistungen wie Wohngeld, Kindergeld oder Kinderzuschlag einbezogen werden. Es darf bezweifelt werden, dass derartige Stundenlöhne ausreichend große Anreize bilden, um Menschen zur Arbeit zu motivieren und die Sozialsysteme zu entlasten.

Schon vor der Einführung des Bürgergeldes gab es Kritik an seiner Anreizwirkung. In der 159. Episode des Podcasts sprach Daniel Stelter mit dem Bürgergeld-Experten Holger Schäfer, Senior Economist für Beschäftigung und Arbeitslosigkeit am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Zeit für ein bto REFRESH.

Hörerservice

Studie Bürgergeld statt Hartz IV (...) des DIW: https://is.gd/lqplUE 

Studie Lohnt sich Arbeit in Deutschland noch? der Hans-Böckler-Stiftung des DGB: https://is.gd/APIxwe 

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1 Stunde 27 Minuten
Deutschland lebt „strukturell über seine Verhältnisse“, so der Bundesrechnungshof. Im Jahr 2026 wird fast jeder dritte von der Bundesregierung ausgegebene Euro mit Krediten finanziert. Das hat wenig mit einer „soliden Finanzwirtschaft“ zu tun, konstatieren die Rechnungsprüfer. Einer Feststellung, der man mit Blick auf die Finanzpolitik der letzten Jahrzehnte, deren Folgen wir heute zu spüren bekommen, wohl nur zustimmen kann.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln macht dieser Tage in einer neuen Studie folgende Rechnung auf: Die Sozialausgaben des Bundes sind seit 1992 von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 5,2 Prozent gestiegen. Standen soziale Leistungen 1992 noch für 35 Prozent des Haushalts, sind es heute 48 Prozent. Pro Einwohner stiegen die Ausgaben inflationsbereinigt um 82 Prozent. Im Gegenzug sank der Anteil der Investitionen am Haushalt von 15,4 Prozent 1992 auf 8,6 Prozent im Jahr 2011. Seither stiegen sie wieder an, auf 12,2 Prozent im letzten Jahr. 

Doch nicht allein der Bund leidet unter den steigenden Sozialausgaben. Auf kommunaler Ebene ergibt sich das gleiche Bild. Seit Jahren werden Investitionen vernachlässigt, während die Zahlungen für soziale Leistungen ungezügelt ansteigen. Jetzt, wo die schlechte wirtschaftliche Lage beginnt, sich in den Steuereinnahmen bemerkbar zu machen, explodieren die Defizite.

Im Gespräch mit Daniel Stelter ist in dieser Episode Prof. Dr. Jens Boysen-Hogrefe. Er ist Experte für Staatsfinanzen und Öffentliche Haushalte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und lehrt an der Kieler Christian-Albrechts-Universität Ökonometrie und Prognosemethoden.

Hörerservice

Studie Budgetzusammensetzung des Bundes – Ein Blick auf die Ausgabenseite seit 1992 des Instituts der Deutschen Wirtschaft: https://is.gd/XnlYBy 

Studie Kommunaler Finanzreport 2025 - Knappe Kassen, große Aufgaben der Bertelsmann Stiftung: https://is.gd/OE2LUg 

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1 Stunde 17 Minuten
Das Drucken gefälschter Banknoten ist illegal. Das Schaffen privaten Geldes ist es jedoch nicht. Weit über 90 Prozent des von uns genutzten Geldes wurde von den Privatbanken geschaffen. Es stellt sich die Frage, ob das so weitergehen soll. 

Die Öffentlichkeit betrachtet das Geld der Banken als elektronisches Bargeld und damit als eine sichere Kaufkraftquelle. Dabei stehen auf der einen Seite der Bankbilanzen riskante Vermögenswerte und auf der anderen Seite Verbindlichkeiten, die die Öffentlichkeit für sicher hält. Deshalb fungieren Zentralbanken als Kreditgeber der letzten Instanz. Außerdem bieten Regierungen Einlagensicherungen und Kapitalspritzen. Das Bankwesen ist zwar aus diesem Grund auch stark reguliert, dennoch wirken Kreditzyklen nach wie vor enorm destabilisierend.

Könnte eine Umstellung auf ein sogenanntes Vollgeldsystem das Finanzwesen stabiler machen? Das diskutierte Daniel Stelter mit Prof. Dr. Joseph Huber in Folge 106 “Geldsystem: Verschuldung und Finanzkrisen erfordern Umdenken”. Angesichts der aktuellen Schuldensituation ist es Zeit für ein bto REFRESH.

Hörerservice

Erläuterung der Bundesbank zur Geldschöpfung: https://is.gd/NiPzA0 

Erläuterung der Bank of England zur Geldschöpfung: https://is.gd/sgytX6  

Kommentar von Martin Wolf in der Financial Times (kostenpflichtig): https://is.gd/TCCyAw 

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1 Stunde 31 Minuten
Die westlichen Industrienationen stehen vor einem historischen Schuldenproblem, nachdem sie Kriegslasten ähnelnde Verbindlichkeiten in Friedenszeiten angehäuft haben. Gleichzeitig stehen wir vor großen geopolitischen Herausforderungen. In der neuen, multipolaren Welt, geprägt von der Rivalität zwischen China und den USA, muss Europa selbst für die eigene Sicherheit sorgen und die Verteidigungsausgaben massiv erhöhen, obwohl der fiskalische Spielraum bereits heute gegen null tendiert. Die naheliegenden Lösungen – Sparen oder Steuererhöhungen – sind politisch toxisch. Eine finanzielle Repression würde dauern und wäre ebenfalls mit negativen Nebenwirkungen verbunden. 

Bleibt eine radikale Idee: die Neuordnung des Geldsystems. Der Umstieg auf sogenanntes Vollgeld verspricht nicht nur mehr Finanzstabilität, sondern ermöglicht auch einen eleganten Weg der Entschuldung.

Wie das Vollgeld-System funktionieren könnte, bespricht Daniel Stelter mit Norbert Tofall vom Flossbach von Storch Institut. Er ist nicht nur Experte für Geldordnung und Marktwirtschaft, sondern auch für die Themen Reformen und Wohlstand, Strukturwandel der Globalisierung, Geopolitik und Geoökonomik sowie für die politische und ökonomische Entwicklung in Deutschland, Europa, den USA und China.

Hörerservice

Studie zu verdeckten Verbindlichkeiten des Staates: https://is.gd/t2Hxng 

Text Vollgeldsystem: So lösen sich Schulden in Nichts auf (ET: 2015) von Dr. Daniel Stelter: https://is.gd/rCXs7K 

Kommentar Finanzielle Repression oder Geldreform? von Norbert F. Tofall von Flossbach von Storch: https://is.gd/bgMtxq 

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27 Minuten
bto#325 REFRESH – Zumeist schauen die Finanzminister in Deutschland nur auf die Einnahmen und Ausgaben eines Jahres, aber sie erstellen keine ordentliche Bilanz. Angesichts überbordender Schulden und der Situation des Staatshaushalts ist es aber höchste Zeit, dass man den Zuwachs an Verbindlichkeiten durch Leistungszusagen und den Verzehr an Vermögen durch unzureichende (Re-)Investitionen offen ausweist, um zu besseren Entscheidungen zu kommen. Hätte der Bund dieses Doppik genannte Verfahren, die doppelte Buchführung, in den letzten 20 Jahren genutzt, dürften Sozialversicherungen und Infrastruktur heute in einem besseren Zustand sein. Stattdessen werden immer neue Schulden als Sondervermögen getarnt und die dringend nötige, aber nur mit tiefgreifenden und unbequemen Reformen umsetzbare Haushaltssanierung wird immer weiter verschoben. 

Worum es bei der doppelten Buchführung geht und warum auch der Staat wie ein Unternehmen bilanzieren sollte, hat Daniel Stelter bereits in einem der ganz frühen bto-Podcasts – Episode 31 – erklärt. Zeit für ein bto REFRESH. 

Hörerservice 

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1 Stunde 16 Minuten
bto#324 – Das ifo Institut, das Institut der Deutschen Wirtschaft, der Rat der Wirtschaftsweisen, die Bundesbank, der Bundesrechnungshof: Alle diese namhaften Institutionen – und nicht nur sie – zeigen in unzähligen Studien auf, dass Deutschland ein erhebliches Wachstumsproblem hat, massiv an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren hat, sich nun endgültig ein Sozialsystem nicht mehr leisten kann, das in Wahrheit schon lange nicht mehr bezahlbar ist, und zudem eine Regierung hat, die den Spielraum der als “Sondervermögen” verbrämten Billionen-Schulden dazu nutzt, Löcher zu stopfen, die sie selbst durch Ausweitung des Sozialstaats und Leugnung des Reformbedarfs vergrößert hat. 

Geht es so weiter, droht schon bald der völlige Stillstand. Noch verfügt die Bundesregierung über 16 Prozent diskretionären fiskalischen Spielraum. Doch dieser Spielraum erodiert schnell: Bis 2029 könnte er auf nur noch fünf Prozent schrumpfen. Im Jahr 2035 könnte er null betragen, wie das Dezernat Zukunft in einer aktuellen Studie vorrechnet. Dann wären Wahlen, wie die Autoren schreiben, “fiskalisch und politisch bedeutungslos”. 

In dieser Episode spricht Dr. Daniel Stelter mit Dr. Florian Schuster-Johnson, Head of Growth & Budget Lab beim Dezernat Zukunft. Der promovierte Ökonom ist Spezialist für Fiskalpolitik, Makroökonomik und Finanzstabilität in Deutschland und der EU.

Hörerservice

Einschätzung des ifo Instituts München zum Haushalt: https://is.gd/9ytmWx 

Studie des Institut der Deutschen Wirtschaft Köln: https://is.gd/cNkgdh 

Bundesbankkommentar: https://is.gd/mRBn73 

Studie des Dezernat Zukunft: https://is.gd/WFhrIe 

Haushaltstracker des Dezernat Zukunft: https://is.gd/jyJYOB 

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1 Stunde 5 Minuten
bto#323 REFRESH – Die Auswirkungen des Klimawandels werden in immer dramatischeren Bildern beschrieben. Nur dadurch – glauben die Vertreter dieser Auffassung – lässt sich die Bevölkerung für die zweifellos erforderlichen Maßnahmen gegen den Klimawandel mobilisieren. Doch was ist dran an den Bildern überfluteter Städte und vertrockneter Landstriche? Was sind die wirklich realistischen Szenarien und welche Schlüsse sollte man aus ihnen ziehen?

Das diskutierte Daniel Stelter mit Professor Dr. Jochem Marotzke, Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie und einer der koordinierenden Leitautoren des aktuellen Sachstandsberichts des Weltklimarates (IPCC), in Episode 177 im Februar 2023. Nach dem Skandal um die Veröffentlichung einer fehlerhaften Studie aus dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung im Wissenschaftsmagazin nature ist es Zeit für dieses bto REFRESH. 

Hörerservice 

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1 Stunde 2 Minuten
bto#322 – Im April 2024 sorgte eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für Schlagzeilen. Die Studie, veröffentlicht im renommierten Wissenschaftsjournal Nature, prognostizierte der Welt einen Einkommensverlust von 19 Prozent bis zum Jahr 2050, verursacht durch den Klimawandel.

Mittlerweile steht fest, dass die Studie fundamental fehlerhaft ist. Der tatsächliche wirtschaftliche Schaden wird bei weitem nicht so groß sein wie die Studie behauptet. Während die Prognose bei ihrer Veröffentlichung mediale Monsterwellen schlug, verursachte die eigentlich gute Nachricht allerdings keine Schlagzeilen. Was nicht nur deshalb bedauerlich ist, weil sich so Zukunftsängste verfestigen und sich der Eindruck vieler Menschen, alles würde schlechter werden, verfestigt. Sondern weil die Studie des PIK in die politische Entscheidungsfindung einfließt. Die OECD, die Weltbank, die US-Regierung und das Network for Greening the Financial System (NGFS) – ein Zusammenschluss von Zentralbanken – beispielsweise übernahmen die Ergebnisse des PIK als Leitlinie. 

Der Alarmismus verunsichert nicht nur viele, er trübt den realistischen Blick auf die Welt und ihren Zustand. Der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski schreibt in seinem gleichnamigen Buch über „33 erstaunliche Lichtblicke" und führt damit eine faktenbasierte Aufklärung fort, die der Schwede Hans Rosling vor Jahren mit seinem internationalen Bestseller „Factfulness" begründet hat. Daniel Stelter diskutiert mit Axel Bojanowski und stellt fest: In der Welt geht es voran. 

Hörerservice

Text zur Klimastudie des PIK (Bezahlschranke): https://is.gd/fzcZWf 

Text zum PIK (Bezahlschranke): https://is.gd/0rxvCQ 

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1 Stunde 30 Minuten
bto#321 REFRESH – Die Bilder von Xi, Putin und Modi, die gemeinsam lachen und sich an den Händen halten, haben jüngst eine klare Botschaft an die internationale Gemeinschaft gesendet: Die Machtverhältnisse in der Welt verändern sich! Der 25. Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) war das größte Treffen in der Geschichte des Zusammenschlusses seit seiner Gründung im Jahr 2001. Obwohl die Mitglieder längst nicht so einheitliche Positionen vertreten, wie der Gipfel suggerierte, ist die multipolare Welt inzwischen Realität.

Eine wichtige Rolle in dieser neuen Welt spielt Indien. Der Subkontinent bekommt immer mehr Gewicht und strebt selbstbewusst einen eigenen Weg zwischen den Blöcken an. Gerade im Vergleich zu China verkörpert Indien dabei eine andere Haltung. Der indische Top-Manager und frühere CEO von Tata Sons, Ramabadran Gopalakrishnan, meinte in Episode 239 vom April 2024, kulturell würde man eher mehr auf Soft Power setzen. Zeit also für ein bto REFRESH.

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Shownotes

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1 Stunde 43 Minuten
bto#320 – Die Dominanz des Westens und seiner liberalen Werte im Zeitalter der multipolaren Welt scheint zu erodieren: China, Russland und andere BRICS-Staaten folgen eigenen Entwicklungspfaden, die oft explizit anti-liberal sind und auf tief verwurzelte kulturelle und zivilisatorische Normen zurückgreifen. Die Erwartung, der Liberalismus wäre ein erfolgreiches Exportgut in der globalisierten Welt und damit das „Ende der Geschichte“, wie es der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama im Sommer 1989 formulierte, wurde enttäuscht. Stattdessen ist unstrittig, dass wir uns in einem Systemwettbewerb befinden. 

Die BRICS-Staaten haben schon jetzt ein größeres ökonomisches Gewicht als der Westen. Auch militärisch sind sie ernst zu nehmen, wie die jüngste Parade in Peking deutlich gezeigt hat. Wollen wir im Systemwettbewerb bestehen und zugleich unsere Gesellschaftsordnung bewahren, müssen wir im Westen Selbstkritik üben, alte Gewissheiten hinterfragen und nach tragfähigen Lösungen suchen. Die überzogenen Ansprüche des liberalen Paradigmas – offene Märkte, Wettbewerb als Ziel an sich, Verhinderung jeglicher Ungleichbehandlung und maximaler Minderheitenschutz – sind im globalen Kontext überzogen und kaum durchsetzbar.

Über die Zukunft des Liberalismus spricht Dr. Daniel Stelter mit dem irischen Ökonomen und Podcaster Philip Pilkington, dessen Buch The Collapse of Global Liberalism: And the Emergence of the Post Liberal World Order im Mai erschienen ist. Das vollständige Gespräch (englisch) befindet sich am Ende dieses Podcasts.

Hörerservice

Das Streitgespräch zum Liberalismus: https://is.gd/f3lelZ 

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1 Stunde 7 Minuten
bto#319 REFRESH – Frankreichs Staatsschuldenkrise steht symptomatisch für die Herausforderungen, vor denen viele Staaten im Westen stehen: Was tun, um die Schulden in den Griff zu bekommen? Getilgt werden Staatsschulden ohnehin nur höchst selten. Sie werden umgeschuldet und über Zeit entwertet. Wachsen die Schulden dennoch schneller als die nominale Wirtschaftsleistung, bleibt Sparen, Pleitegehen oder eben die heimliche Enteignung der Sparer über die Inflation. 

Dazu müssen die eigentlich unabhängigen Notenbanken unter den Einfluss des Finanzministeriums gebracht werden. Der Fachbegriff dafür ist die sogenannte „fiscal dominance”. Donald Trump strebt genau das offen und laut an. Die europäischen Regierungen hingegen dürften es auf dem leisen Weg versuchen. 

Wie „fiscal dominance” funktioniert und was es bedeutet, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Guillaume Plantin, Professor für Economics und Fakultätsdekan an der französischen Universität Sciences Po in Episode 240. Zeit also für ein bto REFRESH.

Hörerservice

Der zitierten Artikel von Prof. Plantin und Kollegen: https://is.gd/3mMQpD 

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58 Minuten
bto#318 – Die Welt steht vor einer neuen Schuldenkrise. Laut jüngstem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die globale Staatsverschuldung im Jahr 2025 rund 95 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts erreichen – Tendenz weiter steigend. Bis 2030 könnte der Wert schon nahe an 100 Prozent liegen. 

Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Frankreich. Hier liegt die Staatsverschuldung bei 113 Prozent des BIP und das Defizit bei gut sechs Prozent. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Versteckte Pensionslasten sind quer durch alle Ministerien verteilt, sodass z. B. Bildungs- oder Militärausgaben auf dem Papier viel höher aussehen, als sie in der Realität sind. Tatsächlich stehen Milliarden versteckter Versorgungsleistungen hinter diesen Positionen. Politische Polarisierung und Reformverweigerung lähmen das Land. Innerhalb von nur zwölf Monaten dürfte am 8. September die mittlerweile dritte Regierung daran scheitern, einen mehrheitsfähigen Konsolidierungskurs zu finden. Die Konsequenzen dürften gravierend werden, und zwar über die französischen Landesgrenzen hinaus.

Im Gespräch analysiert Romain Poirot-Lellig, ehemaliger EU-Diplomat und Dozent für internationale Beziehungen an der Universität Sciences Po in Paris, wie Frankreich seine wahren Haushaltsprobleme verschleiert und warum das Land damit nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Eurozone gefährdet. Daniel Stelter zieht daraus die Lehre für Deutschland: Die aktuelle Politik mit Sondervermögen, kreditfinanzierter Aufrüstung und fehlenden Reformen führt in eine ähnliche Sackgasse. Die Folge: finanzielle Repression – niedrige Zinsen, hohe Inflation und schleichende Enteignung der Sparer.

Hörerservice

Studie des IPP: https://is.gd/7Bawc8

Zusammenfassung der IPP-Studie: https://is.gd/OsIZZc

Gastbeitrag von Romain Poirot-Lellig im Handelsblatt: https://is.gd/fQwxyX 

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50 Minuten
bto#317 REFRESH – Die Wirtschaft stagniert seit mittlerweile sechs Jahren und Deutschland steckt tief in der Rezession. In den Jahren 2023 und 2024 ist die Wirtschaftsleistung geschrumpft und auch das Jahr 2025 verspricht keine nachhaltige Besserung. Die Industrieproduktion bricht ein, die Exportwirtschaft verliert Marktanteile und hohe Energiekosten, Steuern und Bürokratie ersticken die Wettbewerbsfähigkeit. Sollte es in den kommenden Jahren zu einer Belebung kommen, dann fußt sie auf der deutlich steigenden Staatsverschuldung und dem Beschäftigungsaufbau im öffentlichen Sektor. Diese Faktoren kaschieren jedoch nur den fortlaufenden Niedergang des Privatsektors, namentlich den der Industrie. 

Wollten die politisch Verantwortlichen das ändern, so müssten sie getreu dem Motto „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“ anerkennen, welchen Anteil sie mit ihren Entscheidungen am Niedergang tragen. Doch weit gefehlt und von Selbsterkenntnis keine Spur. Die Bundesregierung beschönigt die Lage lieber, statt mutige und dringend notwendige Reformen anzugehen.

Prof. Stefan Kooths, Direktor des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum am Kiel Institut für Weltwirtschaft und Vorsitzender der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft, warnte bereits in Folge 41: „Deutschland hat keine Teflon-Wirtschaft!“. Seine Analyse aus dem September 2020 war ein klarer Weckruf – und ist heute aktueller denn je. Zeit also für ein bto REFRESH. Daniel Stelter analysiert verpasste Chancen, politische Fehler und die Frage, ob Deutschland noch den Mut zur Erneuerung findet.

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Bundesbankbericht “Was steckt hinter dem mehrjährigen Rückgang der deutschen Exportmarktanteile?”: https://is.gd/yuNY9J  

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1 Stunde 8 Minuten
bto#316 – 62 Prozent der Deutschen erwarten eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, nur 14 Prozent haben Hoffnung auf Besserung und 22 Prozent rechnen mit Stagnation, so lautet das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage. Dabei steckt das Land nach den kürzlich aktualisierten Zahlen des Statistischen Bundesamtes schon seit Jahren in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2023 gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent gesunken, 2024 schrumpfte Deutschland um 0,5 Prozent. 

Die Politik der letzten Jahrzehnte und die Parteien, die sie getragen haben, sind die Hauptverantwortlichen für diese Entwicklung. Die über Jahre falsche Politik hat die Grundlagen der deutschen Wettbewerbsfähigkeit zerstört. Beispiele dafür sind unter anderem die marode Infrastruktur, ein schwaches Bildungssystem und die gescheiterte Energiepolitik. Statt die Probleme mit Reformen anzugehen, wollen sich die Verantwortlichen aber schon wieder mit immer mehr Schulden durchmogeln. 

Warum? Ist es fehlende politische Finesse oder Angst vor den Wählern, denen man die Reformbotschaften nicht vermitteln zu können glaubt? Daniel Stelter diskutiert mit Vince Ebert, Physiker, Kabarettist und Autor des Buches „Wot Se Fack, Deutschland?“, wie man in einer Zeit wachsender Unsicherheit das Wahlvolk überhaupt noch erreichen kann – jenseits von Schlagworten, ideologischen Gräben und einer zunehmend emotionalisierten Debattenkultur. Dabei geht es auch um die Frage, wie Deutschland wieder mehr Rationalität und Mut zur Veränderung findet.

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Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen: https://is.gd/tgQdXX 

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1 Stunde 16 Minuten
bto#315 REFRESH – Schlechte Nachrichten für die Europäische Union: In praktisch allen Bereichen – vor allem bei Wirtschaftsleistung und Innovationskraft – verliert sie den Anschluss an die führenden Länder USA und China. Es brauchte den peinlichen Zoll-Deal mit Donald Trump gar nicht, um den Verlust an geopolitischer Bedeutung für jeden Beobachter sichtbar zu machen. Neue Prioritäten und eine grundlegende Reform der Staatengemeinschaft sind überfällig. 

Worin die größten Herausforderungen liegen, zeigt die Studie „Quo vadis Europa?“ vom Centrum für Europäische Politik (cep) aus dem Jahr 2023. Sie legt zentrale Schwächen der EU schonungslos offen. Im Fokus stehen dabei fehlende Zukunftsstrategien, Innovationsschwäche im globalen Technologiewettbewerb, übermäßige Bürokratie, hohe Energiepreise, demografischer Wandel und die strukturellen Probleme des Euro. 

Die Studie war Ausgangspunkt für das aufschlussreiche Gespräch zwischen Daniel Stelter und Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des Centrums für Europäische Politik (cep), in Episode 208. Schon da warnte Vöpel: Ohne grundlegende Strukturreformen droht Europa weiter an Wettbewerbsfähigkeit und Zusammenhalt zu verlieren. Kritiker der EU sollten nicht als „Europa-Feinde“ diffamiert, sondern als konstruktive Reformer verstanden werden – nur so kann die Union die Herausforderungen von Handel, Energie, Migration und Technologie meistern. Zeit also für ein bto REFRESH.

Hörerservice

Die Studie Quo vadis Europa: https://is.gd/WUAbm2 

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bto – der Ökonomie-Podcast von Dr. Daniel Stelter

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