Wie Videos Podcasts verändert

Mehr als nur Audio

6. Apr 2026 , aktualisiert: 7. Apr 2026

Ein Podcast war nie dazu gedacht, gesehen zu werden, sondern gehört zu werden. So zumindest sieht es der Schweizer Medienunternehmer und Branchenexperte Darryl von Däniken. Was zuerst etwas zugespitzt klingt, trifft jedoch einen wunden Punkt.

Bild: Pexels
Mehr als nur Audio

Während Podcasts lange Zeit nur als Hörmedium galten, gehören heute bei vielen Formaten Kameras und aufwendige Studio-Setups scheinbar ganz selbstverständlich dazu. Damit verändert sich nicht nur, wie Podcasts produziert und verbreitet werden, sondern auch, was viele überhaupt noch unter einem Podcast verstehen.

Podcasts sind als Medium groß geworden, weil sie sich unter anderem so leicht in den Alltag einfügen lassen. Man kann sie hören, ohne dafür alles andere stehen und liegen zu lassen, wie zum Beispiel beim Aufräumen, Auto fahren oder Spazierengehen. Ein Podcast muss nicht gesehen werden, um zu funktionieren. Und genau darin liegt seine besondere Stärke.

Video für Podcasts: Was die Kamera verändert

Kommt nun eine Kamera mit ins Spiel, so verändert sich genau das, was Podcasts lange ausgezeichnet hat: ihre besondere Nähe und das Gefühl, ganz nah am Gespräch zu sein. Auf diesen Punkt zielt auch die Position von Darryl von Däniken. Ohne Kamera, so argumentiert der Gründer von BrandAudio, entsteht ein anderer Raum für Gespräche. Wer nur spricht und gleichzeitig nicht gesehen wird, wirke oft entspannter. Das Gespräch könne unmittelbarer und manchmal auch ehrlicher sein. Sobald Kameras mitlaufen, so der Experte, verändere sich diese Situation. Dann gehe es nicht mehr nur darum, was gesagt wird, sondern auch wie jemand aussieht, wirkt oder sich präsentiert. Dabei macht Video aus einem Gespräch nicht automatisch etwas Schlechtes, aber oft etwas anderes.

Dass diese Entwicklung keine Randerscheinung mehr ist, zeigt sich längst auch in der Nutzung von Podcasts. Video spielt im Podcast-Bereich eine immer größere Rolle, vor allem für jüngere Zielgruppen. Laut dem Online Audio Monitor 2025 nutzen fast 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Videopodcasts, jedoch nur rund ein Drittel schaut und hört auch aufmerksam zu. Der Podcast bleibt also zwar im Kern ein Hörmedium, wird aber zunehmend in einem Umfeld genutzt, in dem Videos immer wichtiger werden.

Neue Anforderungen in Zeiten von Videopodcasts

Hinzu kommt, dass Videopodcasts nicht nur anders konsumiert, sondern auch anders produziert werden. Wo früher ein Mikrofon, eine gute Idee und ein angenehmes Gespräch oft ausgereicht haben, kommen heute Kamera, Licht, Set und ein aufwendigerer Schnitt dazu. Wer auf Video setzt, muss also nicht nur gut klingen, sondern oft auch gut inszeniert sein und am besten auf mehreren Plattformen funktionieren.

Gerade für kleinere Produktionen kann das zum Problem werden, denn aufwendige Studio-Setups und eine professionelle Nachbearbeitung kosten viel Geld, Zeit und vor allem Know-how. Wenn Videopodcasts immer mehr zum Standard werden, so steigt damit auch der Druck auf Formate, mit deutlich weniger Ressourcen.

Viele Formate werden heute längst nicht mehr nur über klassische Audio-Plattformen gefunden, sondern mehr über Social-Media-Plattformen. So entwickelte sich YouTube über die Jahre immer mehr zu einem wichtigen Podcast-Zugang. Hinzu kommt, dass rund 42 Prozent der regelmäßigen Podcast-Nutzenden in den sozialen Medien auf Podcasts aufmerksam werden.

Reichweite kann somit vor allem durch Clips in den sozialen Netzwerken generiert werden. Video ist in diesem Zusammenhang mehr als nur eine Ergänzung zum Podcast, vielmehr ist es auch ein Teil seiner Vermarktung.

Was am Ende bleibt

Doch genau hier kann es zu Spannungen kommen. Zwar bringt ein zusätzliches Video zum Podcast neue Reichweite und Vermaktungsmöglichkeiten, doch gleichzeitig verändert es auch das Format selbst. Denn wenn ein Podcast immer stärker visuell gedacht wird, rückt oft das in den Hintergrund, was ihn einmal so stark gemacht hat: nämlich die Nähe und die Alltagstauglichkeit.

Vielleicht ist es deshalb gar nicht entscheidend, ob ein Videopodcast noch ein Podcast ist. Spannender ist eher, was die Kamera mit dem Medium macht und wie sich Podcasts dadurch in Zukunft verändern könnten. Genau darin liegt auch der Punkt, den Darryl von Däniken anspricht. Nicht, dass Video grundsätzlich schlecht wäre, sondern dass der Podcast dabei leicht etwas verlieren kann, was ihn ursprünglich so besonders gemacht hat.