Von CIA bis BND

Zeit für gute Geheimdienst-Podcasts

10. Oktober 2022 , aktualisiert: 11. Oktober 2022

Beim Thema Podcast haben Geheimdienste dieselben Probleme wie Unternehmen. Viele von ihnen wissen nicht so recht, wie es geht. Ich bin da gerne behilflich.

Bild: Pixabay
Zeit für gute Geheimdienst-Podcasts

Vergangene Woche machte eine überraschende Meldung die Runde. Der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA, also die Central Intelligence Agency, veröffentlichte einen Podcast. The Langley Files heißt das feine Material, das Ausgangspunkt für eine Kolumne voller Überraschung, Enttäuschung und scheinbaren Widersprüchen sein soll.

The Langley Files: A CIA Podcast

The mission of The Langley Files: A CIA Podcast is to educate and connect with the general public, sharing insight into the Agency’s core mission, capabilities, and agility as an intelligence leader…and to share some interesting stories along the way.

Manche Beobachter könnten davon überrascht sein, dass gerade die CIA einen Podcast veröffentlicht, schließlich ist sie nicht gerade für Offenherzigkeit oder Transparenz bekannt. Viel eher ist sie einer der berühmtesten, mächtigsten und gleichzeitig undurchsichtigsten Geheimdienste der Welt. Und jetzt fangen die dort ernsthaft an, Geheimnisse auszuplaudern - wie passt das zusammen?

Im Trailer von The Langley Files heißt es, vor vielen Jahrzehnten sei ein Zitat in Marmor geschlagen worden. Es lautet:

"And Ye Shall Know the Truth and the Truth Shall Make You Free"
Johannes 8:32

Das Zitat stammt aus der Bibel und besagter Marmor befindet sich in der Eingangshalle des CIA-Hauptquartiers in Virginia. Die deutsche Übersetzung geht ungefähr so: "... und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Irgendwie ironisch, denn die Wahrheit ist ja keineswegs immer ein Stein gemeißelt. Sie ist unstet und abhängig von Perspektiven, sie lässt sich verbiegen und missbrauchen. Gerade die CIA dürfte das wissen. Es ist schließlich ihr Tagesgeschäft, Informationen zu sammeln, auszuwerten und ausgewählte Teile davon weiterzureichen. In diesem Blickwinkel wirkt The Langley Files auch gleich weniger überraschend. Der Podcast ist ein PR-Instrument, in dem ausgewählte Informationen auf orchestrierte Weise an die Öffentlichkeit durchgereicht werden. So klingt er auch.

Man wolle "Geschichten von Pflichterfüllung und Hingabe" erzählen, heißt es da. "Geschichten, die über Hollywood-Skripts hinausgehen." Die CIA wolle "aus den Schatten hervortreten [...]". Donnerwetter! Aber dann kommt... nichts. Zumindest nichts Spannendes. The Langley Files klingt wie ein durchschnittlicher Corporate Podcast, nur amerikanischer, patriotischer. In der ersten Episode ist standesgemäß der Chef zu Gast und erzählt wenig Konkretes. Bei der FAZ findet man gar, die CIA habe sich mit ihrem Podcast gründlich blamiert.

Die dort erzählten Geschichten dreht sich keineswegs um "Wahrheit", die es angeblich zu erkennen gelte, sondern um Image. Der Eindruck, der bleiben soll ist: Ihr könnt uns vertrauen, denn wir sind die Guten. Wer hat ernsthaft darauf gehofft, dass düstere Geheimnisse gelüftet oder Selbstkritik geübt würden? Ich. Selbst Schuld. Denn mal ehrlich, das einzige noch überraschendere als ein CIA-Podcast wäre wohl gewesen, wenn der Geheimdienst sich plötzlich zu Foltervorwürfen, Abhörskandalen oder gezielten Tötungen äußerte.

Sind deutsche Geheimdienste im Podcast-Game?

Trotzdem war meine Neugierde geweckt und ich fragte mich, ob deutsche Geheimdienste das Podcasting womöglich auch schon für sich entdeckt hätten. Insgesamt kämen da drei Dienste infrage. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der Militärische Abschirmdienst (MAD) und der Bundesnachrichtendienst (BND). Im Gegensatz zu den Amerikanern scheinen die deutschen Nachrichtendienste es jedoch etwas klassischer zu halten. Klassisch meint in diesem fall geheim.

Auf Anfrage erhalte ich folgende Rückmeldungen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat "bislang leider keine Podcasts eingestellt, die über unsere Arbeit informieren." Die Pressestelle zeigt jedoch guten Willen, ein Video und eine schriftliche Ausarbeitung könne man stattdessen anbieten.

Ähnliches vom MAD. "Das ist zwar kein Podcast, aber immerhin ein Video ;)". An dieser Stelle erlaube ich mir einen Einwurf. Wer kess genug ist, mir ein Zwinkersmiley zu senden, dem traue ich auch das Podcasten zu. Zumal die Präsidentin des MAD, Martina Rosenberg, ja auch im Bundeswehrpodcast Nachgefragt: Gespräche zum Ukrainekrieg Podcast zu Gast war und dort die Arbeit ihres Dienstes erklärte. Womöglich war die Episode aber so geheim, dass nicht mal die eigene Pressestelle davon Wind bekam.

Nachgefragt: Gespräche zum Ukrainekrieg

Auch der Bundesnachrichtendienst sagt: "Noch gibt es keinen derartigen Podcast". Schade. Zahlreiche andere Staatsorgane machen schließlich vor, wie es gehen könnte. Die Polizei zahlreicher Bundesländer bemüht sich in Podcasts um mehr Transparenz, Bürgernähe und erlaubt Blicke hinter die Kulissen.

110 Prozent Berlin

Für Shows von Außenstehenden legen Geheimdienste die Podcast-Zimperlichkeit gelegentlich ab. So zum Beispiel der Präsident des Verfassungsschutzes, Thomas Haldenwang, im Podcast Stadt der Spione, oder Pressesprecherin Isabelle Kalbitzer vom BND im MachtWas?! Podcast. Wieso so zögerlich?

Von außen betrachtet scheinen deutsche Geheimdienste dieselben Sorgen zu haben wie viele andere Unternehmen und Organisationen auch. Zu den Klassikern zählen:

  • Niemand im eigenen Hause kennt sich mit Podcasts wirklich aus.

  • Irgendwer muss die Verantwortung für den Podcast (und die Folgen) übernehmen.

  • Was, wenn etwas schiefgeht?

Deshalb möchte ich die Kolumne mit ein paar gut gemeinten Hinweisen und einer geradezu verrückten Idee schließen. Solltet ihr, liebe deutsche Geheimdienste (ich duze euch jetzt einfach mal), Podcast-Pläne hegen, dann denkt nicht nur in Problemen, sondern auch in Chancen. Gibt es irgendwelche Themen, bei denen es sich anbieten könnte, sie proaktiv zum öffentlichen Diskurs zu stellen, anstatt sie von Investigativjournalisten aufdecken zu lassen? Ich schlage jetzt einfach mal welche vor: V-Leute in der rechten Szene, Rechtsextreme in den eigenen Reihen, das Afghanistan-Debakel...

Ernst gemeinte Selbstkritik fördert die Glaubwürdigkeit und stärkt das Vertrauen in der Bevölkerung. Gerade denjenigen, die über nahezu unbegrenzte Macht verfügen, steht sie gut zu Gesicht. Ein Podcast, der eigene Herausforderungen bespricht, anstatt nur Loblieder auf das eigene Haus zu singen, wäre ein echter Mehrwert und keine Enttäuschung wie The Langley Files. Ich würde definitiv reinhören. Zwinkersmiley.


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