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  4. 19. Politisches Handeln lernen. Agency und Handlungsmacht mit Georg Marschnig
In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Georg
Marschnig von der Universität Graz. Georg ist Professor für
Geschichtsdidaktik und politische Bildung. Er hat außerdem fast
zehn Jahre an einem Grazer Gymnasium Deutsch und Geschichte
unterrichtet. Wir sprechen über Agency und Handlungsmacht bei
Jugendlichen und darüber, wie Schule nicht nur zum Nachdenken,
sondern wirklich zum politischen Handeln anregen kann.

Georg erklärt zu Beginn, worin der Unterschied zwischen
Handlungsfähigkeit und Handlungsmacht liegt. Agency meint für ihn
nicht nur das Wissen über eigene Möglichkeiten. Es geht darum,
die eigenen Anliegen auch wirklich umzusetzen. Jugendlichen in
der Theorie zu zeigen, wie politische Beteiligung funktioniert,
reicht nicht. Sie müssen die Erfahrung machen, sich tatsächlich
einzubringen.

An konkreten Beispielen diskutieren wir, warum politisches Lernen
in der Schule oft im Theoretischen stecken bleibt. Georg
beschreibt die Schule als machtdurchzogenen Ort, der politisches
Lernen manchmal sogar erschwert. Er erzählt von einem Projekt zu
zivilem Ungehorsam. Jugendliche haben sich beim BILLA auf den
Boden gesetzt, Flashmobs und Sitzaktionen gemacht. So haben sie
körperlich erfahren, was es heißt, sich im öffentlichen Raum zu
positionieren.

Ein zentrales Beispiel ist das Projekt rund um einen vergessenen
Gedenkstein in Graz-Straßgang, der an ein NS-Endverbrechen
erinnert. Über zweieinhalb Jahre haben Georgs Schüleri*nnen
gemeinsam mit Historiker*innen und städtischen Akteur*innen
versucht, den Gedenkstein neu zu verhandeln. Dabei haben sie
gelernt, mit politischem Widerstand und Kompromissen umzugehen.

Außerdem geht es um die Verbindung von historischem und
politischem Lernen. Georg macht deutlich: Historisches Lernen
kann nie politikfrei sein. Umgekehrt braucht politisches
Verstehen immer auch historisches Denken. Besonders in Österreich
mit dem Fach Geschichte und politische Bildung ergibt sich daraus
die Chance, beides enger zusammenzudenken.

Weitere Themen:

Schule als ambivalenter Ort politischen Lernens und warum
Machtstrukturen Diskussionen im Klassenzimmer erschweren.

Reflexion als zweiter Schritt. Warum Erleben allein nicht
reicht und Nachbesprechungen Handlungsmacht sichtbar machen.

Projekte in der Geschichtskultur. Wie Denkmaldiskussionen und
Straßennamendebatten als Lernanlässe funktionieren.

Lehrpläne aus der Gegenwart heraus denken. Warum aktuelle
politische Debatten wie Lueger, die steirische Landeshymne oder
Black Lives Matter gute Anknüpfungspunkte sind.

Eine Folge über Agency und Handlungsmacht als Ziele politischer
Bildung. Über das Verlassen des Klassenzimmers. Und darüber,
warum echte politische Erfahrungen Jugendliche nachhaltiger
prägen als jede Diskussion in der Schule.

Ressourcen und Links:

Georg Marschnig / Universität Graz

Christian Heuer: Straßenkämpfe. Zu den Zeitpraktiken zivilen
Ungehorsams. In: Didactica Historica 11 (2025)

Lale Yildirim: Historische Agency auf dem Markt der
Erinnerungen der pluralen Gesellschaft: historische
Diskursfähigkeit als Handlungsmächtigkeit

Georg Marschnig & Kolleg*innen: Enacting Agency in
Digital Realms. Mapping Colonial Heritage as Civic Engagement.
In: Barsch, Sebastian & Rein, Franziska (Hrsg.): Digital
Civic Engagement and Youth Empowerment towards Achieving
Inclusive Society. Oxford University Press (erscheint 2027)

Herman Melville: Bartleby, der Schreiber
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„19. Politisches Handeln lernen. Agency und Handlungsmacht mit Georg Marschnig“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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