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Ein Koffer vor der Tür 

Kischinjow, 1980. Die Sowjetunion bereitete sich auf die
Olympischen Spiele in Moskau vor, im Fernsehen liefen Bilder von
einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Doch in der moldauischen
Hauptstadt begann sich unter dieser Oberfläche eine Geschichte zu
entwickeln, die selbst erfahrene Ermittler vor ein Rätsel
stellte. 

Vor der Wohnung des Bekannten von Alexander Skrynnik stand eines
Tages ein Koffer. Was darin lag, war zunächst kaum zu begreifen.
Im Inneren befand sich der Kopf einer Frau. 

Der Fund war nicht nur ein Mordfall. Er war eine
Botschaft. 

Der Täter hatte den Kopf nicht einfach versteckt. Er hatte ihn
gezielt zu einem Mann gebracht, den er kannte, und eine Nachricht
hinterlassen. Es ging um Geld und um Drohungen gegen die Familie
des Empfängers. Für die Ermittler bedeutete das zunächst, dass
sie es möglicherweise nicht mit einem gewöhnlichen Raub- oder
Beziehungsdelikt zu tun hatten. Jemand wollte Angst erzeugen. Und
jemand wollte, dass eine ganz bestimmte Person Angst
bekam. 

Noch schwieriger war eine andere Frage: Wer war die
Frau? 

Die Identifizierung der Toten wurde zum ersten großen Problem der
Ermittler. Der Täter hatte die Leiche so schwer verstümmelt, dass
die üblichen Möglichkeiten zur Identifizierung nicht ausreichten.
Schließlich wurde eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen.
Der Kopf der unbekannten Frau wurde im Fernsehen
gezeigt. 

Es war ein Schritt, der heute kaum vorstellbar wäre. Doch er
führte zum Ziel. 

Ein siebenjähriger Junge erkannte die Frau als seine Mutter,
Irina Trasyn. Er hatte sie seit Tagen nicht gesehen. Mit der
Identifizierung bekam das Opfer einen Namen zurück – und die
Ermittler erhielten einen ersten festen Punkt in einem Fall, der
sich gerade erst entwickelte. Der Junge wurde anschließend in
einem Kinderheim untergebracht. 

Ein unauffälliger Mann 

Alexander Iwanowitsch Skrynnik war kein Mann, bei dem seine
Umgebung einen Serienmörder vermutet hätte. 

Sein genaues Geburtsdatum und manche Einzelheiten seiner frühen
Biografie sind bis heute nicht eindeutig überliefert. In den
verfügbaren Darstellungen wird er Anfang der 1950er-Jahre
geboren. Er stammte aus der Moldauischen SSR und lebte später in
Kischinjow. 

Er war verheiratet und Vater. Beruflich arbeitete er unter
anderem als Tischler beziehungsweise als Arbeiter in der
Kischinjower Süßwarenfabrik Bucuria. Dort galt er offenbar als
fleißiger und erfolgreicher Mitarbeiter. Er war
Produktionsauszeichner und Kandidat für die Kommunistische
Partei. Nach außen entsprach sein Leben damit weitgehend dem Bild
eines gewöhnlichen sowjetischen Arbeiters und
Familienvaters. 

Doch hinter dieser Fassade entwickelte sich ein ausgeprägter Hass
auf Frauen. 

Berichten über seine Aussagen zufolge empfand Skrynnik sein
Privatleben als gescheitert. Nach der Geburt eines Kindes habe er
erkannt, dass er seine Frau nicht liebe. Gleichzeitig beneidete
er einen Bekannten, Feodosiy Glukharyov, um dessen Erfolg bei
Frauen. 

Glukharyov soll zahlreiche Beziehungen gehabt haben. Für Skrynnik
wurde dieser Bekannte offenbar zu einer Projektionsfläche für das
eigene Gefühl des Versagens. 

Dann gab Skrynnik eine Zeitungsanzeige auf, in der er nach einer
Partnerin suchte. 

Eine Begegnung endete für ihn mit einer Geschlechtskrankheit.
Später erklärte er, dieses Erlebnis habe seine Einstellung
gegenüber Frauen verändert. Aus persönlicher Enttäuschung wurde
in seiner eigenen Vorstellung eine Art Weltanschauung. Frauen
seien für sein Unglück verantwortlich, so die spätere Darstellung
seiner Motive. 

Nichts davon erklärt einen Mord. 

Es erklärt höchstens, wie ein Mensch seine eigene Wut in eine
Rechtfertigung verwandeln konnte. 

Der erste Mord 

Die Spur der Gewalt führte zunächst weit weg von
Kischinjow. 

Mitte der 1970er-Jahre arbeitete Skrynnik in der Jakutischen
ASSR. Dort wurde die Stewardess Nina Puganova ermordet. Ihr
Körper wurde schwer verstümmelt aufgefunden. Die Ermittlungen
brachten zunächst keinen Täter hervor. 

Der Mord blieb ungelöst. 

Jahre später sollte sich herausstellen, dass die Ermittler damals
bereits nach einem Mann suchten, dessen Name ihnen erst sehr viel
später begegnen würde. 

Skrynnik kehrte irgendwann nach Moldau zurück und führte dort
sein scheinbar normales Leben weiter. Er arbeitete, war
verheiratet und bewegte sich unauffällig in seinem sozialen
Umfeld. 

Der Abstand zwischen seinem Alltag und seinen Verbrechen war
enorm. 

Gerade diese Diskrepanz machte den späteren Fall so verstörend.
Der Mann, der tagsüber einer geregelten Arbeit nachging, war
zugleich mit einem ungelösten Mord aus einer anderen Region
verbunden. 

Die Frau im Koffer 

1980 begann die Mordserie in Kischinjow eine neue Dimension
anzunehmen. 

Skrynnik traf Irina Trasyn. Sie war Mutter eines siebenjährigen
Sohnes. 

Was zunächst wie ein gewöhnliches Treffen ausgesehen haben soll,
endete mit ihrer Ermordung. Anschließend verstümmelte der Täter
die Leiche und trennte den Kopf vom Körper. 

Dann kam der Koffer. 

Er brachte den Kopf zu seinem Bekannten Glukharyov. Die
beigefügte Nachricht enthielt Forderungen und Drohungen.
Glukharyov sollte Geld zu einem bestimmten Ort bringen. Zugleich
wurde seiner Familie Gefahr angedroht. 

Damit hatte Skrynnik eine zweite Ebene in seine Tat
eingebaut. 

Er wollte nicht nur töten. Er wollte einen anderen Menschen
terrorisieren. 

Für die Polizei bedeutete das zunächst eine völlig andere
Ermittlungsrichtung. Warum wurde ausgerechnet Glukharyov bedroht?
Warum wurde eine Leiche in seine Nähe gebracht? Und wer konnte
einen persönlichen Konflikt mit ihm haben? 

Der Verdacht fiel zunächst auf Menschen aus dessen
Umfeld. 

Ein Täter, der seine Ermittler in die Irre
führte 

Die Ermittler betrachteten Glukharyovs Bekanntenkreis. Eine
mögliche Erklärung war, dass sich jemand an ihm rächen wollte.
Beziehungen, Eifersucht und persönliche Konflikte rückten in den
Mittelpunkt. 

Auch ein Verwandter geriet ins Visier. Er hatte in der
Vergangenheit einen Streit mit Glukharyov gehabt und ihm sogar
gedroht. Als die Polizei ihn im Zusammenhang mit dem Fall antraf,
versuchte er zu fliehen. 

Doch die Spur führte nicht zum Mörder. 

Der Mann war offenbar aus einem anderen Grund nervös geworden.
Gegen ihn bestanden Verdachtsmomente wegen wirtschaftlicher
Delikte. Für den Mord gab es jedoch ein Alibi. 

Die Ermittler standen wieder am Anfang. 

Dann kam die nächste Nachricht. 

Eine Hand im Schatten 

Kurz darauf wurde eine weitere Frau getötet. Ihr Name wird in den
verfügbaren Darstellungen als Anastasia Mikhailova
angegeben. 

Diesmal brachte der Täter keine vollständige Leiche zu seinem
Bekannten. Er hinterließ eine abgetrennte Hand – erneut verbunden
mit einer Nachricht und Drohungen. 

Die Situation wurde immer unheimlicher. 

In Kischinjow entstanden Gerüchte. Manche Menschen glaubten, ein
besonders grausamer Täter sei aus einer anderen Region in die
Stadt gekommen. Andere erzählten sich Geschichten über
Grabschänder oder sogar über einen Kannibalen, der angeblich in
der moldauischen Hauptstadt sein Unwesen treibe. 

Der Name Nikolai Dzhumagaliev tauchte in den Gerüchten auf.
Dzhumagaliev war tatsächlich ein anderer sowjetischer
Serienmörder, dessen Verbrechen zu jener Zeit bekannt geworden
waren. Eine Verbindung zu Skrynnik bestand jedoch
nicht. 

Die Angst wuchs schneller als die Erkenntnisse der
Polizei. 

Der Fehler des Täters 

Doch der Täter hatte einen Fehler gemacht. 

Eine junge Frau namens Olga Lebedeva überlebte einen
Angriff. 

Skrynnik hatte sie im zentralen Park von Kischinjow angegriffen.
Nach den späteren Darstellungen versuchte er, sie zu überwältigen
und zu töten. Lebedeva konnte sich jedoch wehren und
entkommen. 

Damit besaßen die Ermittler etwas, das sie bei den toten Frauen
nicht mehr bekommen konnten: eine lebende Zeugin. 

Sie konnte den Angreifer beschreiben. 

Und sie kannte ihn bereits. 

Skrynnik hatte zuvor Kontakt zu ihr aufgenommen. Er hatte ihr
geschrieben. Die Briefe, die er ihr geschickt hatte, wurden
dadurch zu einem entscheidenden Beweisstück. 

Für die Ermittler entstand nun eine Verbindung zwischen dem
unbekannten Angreifer, den Drohbriefen und den
Morden. 

Doch noch fehlte der eindeutige Beweis. 

Die Handschrift 

Der Täter hatte die Nachrichten in Druckbuchstaben
geschrieben. 

Das erschwerte zunächst den Vergleich mit vorhandenen
Schriftproben. Die Ermittler konnten nicht einfach einen Brief
nehmen und ihn mit einer normalen Handschrift
vergleichen. 

Dann kam ihnen eine ungewöhnliche Idee. 

Skrynnik wurde zum Militärkommissariat bestellt. Dort sollte er
Formulare ausfüllen. Entscheidend war die Anweisung, die Angaben
in Druckbuchstaben einzutragen. 

Damit erzeugte die Polizei eine Vergleichsprobe. 

Die Schrift wurde anschließend untersucht. Nach den
veröffentlichten Darstellungen stimmte sie mit der Schrift auf
den Nachrichten des Täters überein. 

Aus einem anonymen Verfasser wurde ein konkreter
Verdächtiger. 

Alexander Skrynnik. 

Die Überwachung 

Nun mussten die Ermittler vorsichtig vorgehen. 

Skrynnik wusste noch nicht, dass sich die Schlinge um ihn
zusammenzog. Eine Festnahme durfte nicht scheitern. Zu diesem
Zeitpunkt war klar, dass die Polizei es mit einem Täter zu tun
hatte, der extrem brutal vorging und bereits mehrfach getötet
hatte. 

Die Ermittler beobachteten sein Umfeld. 

Schließlich entschieden sie sich für einen ungewöhnlichen
Zugriff. 

Skrynnik ging in das Kino Patria. Er war nicht allein. Er hatte
eine Frau dabei und wollte einen Film sehen. 

Die Polizei wusste, dass er dort sein würde. 

Ein Beamter trat unter einer Tarnung an ihn heran. Die Situation
sollte nicht wie eine Festnahme aussehen. Skrynnik wurde aus dem
öffentlichen Bereich gelockt – und dort schließlich
überwältigt. 

Der Mann, der sich jahrelang zwischen Arbeit, Familie und
Bekannten bewegt hatte, war gefasst. 

„Sanitäter der Natur“ 

Nach seiner Festnahme begann Skrynnik auszusagen. 

Zunächst soll er sich gegen die Vorwürfe gewehrt haben. Er habe
auf seine beruflichen Leistungen verwiesen und seine Stellung als
Arbeiter betont. Doch angesichts der Beweise geriet diese
Verteidigung ins Wanken. 

Später sprach er über seine Taten. 

Dabei bezeichnete er sich selbst als eine Art „Sanitäter der
Natur“. 

Der Ausdruck war mehr als eine bizarre Selbstbezeichnung. Er
zeigte, wie der Täter seine Gewalt in eine eigene moralische
Ordnung eingebaut hatte. Er sah sich nicht als Verbrecher,
sondern als jemand, der angeblich eine Aufgabe
erfülle. 

Gerade diese Selbstrechtfertigung machte den Fall für die
Ermittler und die Öffentlichkeit so verstörend. 

Denn sie zeigte keinen Mann, der seine Taten als unbegreiflichen
Ausbruch schilderte. Skrynnik versuchte vielmehr, ihnen einen
Sinn zu geben. 

Drei Tote – und eine Überlebende 

Mit den Ermittlungen wurden drei Morde mit Skrynnik in Verbindung
gebracht. 

Nina Puganova, die in Jakutien getötet worden war. 

Irina Trasyn, deren siebenjähriger Sohn seine Mutter auf einem
Fernsehbild erkennen musste. 

Und Anastasia Mikhailova, deren Schicksal mit den Drohungen gegen
Glukharyov verbunden wurde. 

Hinzu kam Olga Lebedeva, die einen Angriff überlebte und damit zu
einer entscheidenden Zeugin wurde. 

Die öffentlich zugänglichen Darstellungen unterscheiden sich bei
einzelnen biografischen Details und Namensformen. Auch die
Schreibweise des Täternamens variiert. In der russischsprachigen
Überlieferung erscheint der Mann unter anderem als Alexander
Iwanowitsch Skrynnik beziehungsweise unter dem Namen Profir
Skripnik. 

Die Bezeichnung „Moldawischer Chikatilo“ setzte sich später als
Spitzname durch. Sie bezog sich auf die Brutalität seiner Taten,
nicht darauf, dass er mit Andrei Chikatilo zusammengearbeitet
hätte oder zu dessen Verbrechensserie gehörte. 

Der Prozess 

Der Prozess fand vor dem Obersten Gericht der Moldauischen SSR
statt. 

Skrynnik wurde wegen Mordes unter erschwerenden Umständen
angeklagt. Die Ermittlungen hatten ein Bild ergeben, das aus
mehreren Puzzleteilen bestand: die Zeugenaussage der
Überlebenden, die Briefe, die Handschriftenanalyse und die
Verbindung zu den Opfern. 

Auch der Mord in Jakutien wurde in die Geschichte des Täters
eingeordnet. 

Das Gericht verurteilte Skrynnik zum Tod. 

In der Sowjetunion war die Todesstrafe durch Erschießen
vollstreckbar. Auch Skrynnik wurde schließlich durch ein
Erschießungskommando hingerichtet. Als Todesdatum wird in
mehreren Darstellungen der 15. August 1981 genannt. Andere
Quellen geben lediglich das Jahr 1981 an. 

Damit endete die Geschichte des Mannes, der sich selbst als
„Sanitäter der Natur“ bezeichnet hatte. 

Doch der Fall verschwand nicht vollständig. 

Eine Stadt voller Gerüchte 

In einer Gesellschaft, in der Informationen über schwere
Verbrechen nicht in der heutigen Geschwindigkeit verbreitet
wurden, entstanden Leerstellen. Und Leerstellen werden schnell
mit Gerüchten gefüllt. 

Die Sowjetunion war geprägt von einer stark kontrollierten
Medienlandschaft. Gewaltverbrechen wurden zwar berichtet, doch
die Darstellung schwerer Serienverbrechen war nicht mit der
heutigen True-Crime-Kultur vergleichbar. 

Gerade deshalb wirkte der Fall in Kischinjow so
verstörend. 

Eine Frau verschwand. 

Dann wurde ein menschlicher Kopf in einem Koffer
gefunden. 

Dann eine Hand. 

Dann tauchten Drohbriefe auf. 

Und schließlich erzählte eine junge Frau, dass sie dem Täter
selbst gegenübergestanden hatte. 

Während die Polizei versuchte, die tatsächlichen Zusammenhänge zu
rekonstruieren, kursierten Geschichten über andere Serienmörder
und angebliche Monster, die längst in der Stadt angekommen sein
sollten. Die Realität war am Ende weniger mythisch – und gerade
deshalb erschreckender. 

Der Täter war kein Fremder aus einer anderen Welt. 

Er war ein Mann aus dem sozialen Umfeld seiner Opfer. 

Was von dem Fall blieb 

Heute ist Alexander Skrynnik außerhalb des postsowjetischen Raums
weitgehend unbekannt. Sein Name taucht in Übersichten über
sowjetische Serienmörder auf, gelegentlich wird er als
„Moldawischer Chikatilo“ bezeichnet. 

Doch hinter diesem Etikett verschwinden leicht die Menschen, die
tatsächlich im Mittelpunkt der Geschichte standen. 

Nina Puganova war nicht einfach ein Eintrag in einer Statistik.
Irina Trasyn war nicht „die Frau mit dem Koffer“. Sie war eine
Mutter, deren siebenjähriger Sohn sie nach ihrem Tod im Fernsehen
identifizieren musste. 

Und Olga Lebedeva war nicht nur eine Zeugin. Sie war eine Frau,
die einen Angriff überlebte und deren Aussage dazu beitrug, einen
Täter zu identifizieren. 

Das Entscheidende an dem Fall war deshalb nicht nur die
Grausamkeit der Morde. 

Es war die Kombination aus Alltag und Abgrund. 

Skrynnik hatte gearbeitet. Er war verheiratet. Er hatte Kinder.
Er war in seinem Betrieb als leistungsfähiger Mitarbeiter
bekannt. Er bewegte sich in einer Gesellschaft, in der Menschen
ihn kannten und ihm begegneten. 

Und dennoch führte er ein zweites Leben. 

Der Koffer als Symbol 

Vielleicht blieb deshalb ausgerechnet der Koffer als Bild dieses
Falles so stark. 

Ein gewöhnlicher Gegenstand, gemacht für Reisen und persönliche
Dinge, wurde zum Behältnis eines Verbrechens. Er stand vor einer
Wohnungstür und verwandelte einen privaten Ort in einen
Tatort. 

Für die Ermittler war der Koffer zunächst ein Rätsel. 

Für die Öffentlichkeit wurde er zum Symbol. 

Und für den siebenjährigen Sohn von Irina Trasyn bedeutete die
Geschichte etwas anderes als für alle anderen: Er verlor seine
Mutter und musste sie anschließend auf einem Fernsehbild
erkennen. 

Jahrzehnte später ist genau das der Punkt, an dem jede
Darstellung dieses Falles vorsichtig werden muss. 

Denn Serienmörder werden in der Erinnerung oft zu Figuren. Zu
Spitznamen. Zu Schlagzeilen. Zu dunklen Legenden. 

Die Opfer bleiben dagegen leicht unsichtbar. 

Bei Alexander Skrynnik sollte man deshalb nicht nur an den Mann
denken, der sich selbst einen „Sanitäter der Natur“
nannte. 

Man sollte an die Frauen denken, die ihm begegneten. 

An die Mutter, die nicht nach Hause zurückkehrte. 

An den Jungen, der sie wiedererkannte. 

Und an die Überlebende, deren Aussage schließlich half, den Mann
hinter den Drohungen sichtbar zu machen. 

Am Ende war es nicht das Gerücht über einen unbekannten Dämon,
das den Fall löste. 

Es waren Spuren. 

Ein Brief. 

Eine Handschrift. 

Eine Zeugenaussage. 

Und ein Täter, der glaubte, seine Gewalt vor der Welt verbergen
zu können. 

Das konnte er nicht. 
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„Der Mann mit dem Koffer“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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