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Am Morgen des 18. Oktober 1977 lag an einer Straße in Los Angeles
der Körper einer jungen Frau im Gebüsch. Die Stadt war riesig,
laut und rastlos, doch an diesem Ort war es still. Die Frau war
tot, ihr Körper war zurückgelassen worden, als sollte er gefunden
werden. Sie war die 19-jährige Yolanda Washington.
Noch wusste niemand, dass ihr Tod der Beginn einer Mordserie war,
die Los Angeles innerhalb weniger Monate verändern
würde.
Die Polizei suchte zunächst nach einem Täter. Die Öffentlichkeit
bekam einen Namen, der bald in Zeitungen und Fernsehnachrichten
auftauchte: der „Hillside Strangler“. Die Vorstellung war
zunächst die eines einzelnen Mannes, der nachts durch die Stadt
fuhr, junge Frauen auswählte, sie überwältigte und ihre Leichen
an Hängen zurückließ.
Doch hinter diesem Namen verbargen sich zwei Männer.
Einer von ihnen war Angelo Buono Jr., ein 44-jähriger
Autopolsterer aus Glendale. Der andere war sein jüngerer Cousin
Kenneth Bianchi. Zwischen Oktober 1977 und Februar 1978 würden
zehn junge Frauen und Mädchen Opfer ihrer Gewalt werden. Ihre
Altersspanne reichte von zwölf bis 28 Jahren.
Und lange Zeit ahnte niemand, dass die beiden Männer, die für die
Morde verantwortlich waren, nicht irgendwo im Verborgenen lebten.
Sie bewegten sich mitten in der Gesellschaft.
Ein unauffälliger Mann
Angelo Buono war kein Mann, der auf den ersten Blick wie ein
Serienmörder wirkte. Er arbeitete als Autopolsterer und betrieb
sein Geschäft in Glendale. Er hatte sich auf aufwendige
Innenausstattungen spezialisiert und arbeitete auch an
Fahrzeugen, die mit Persönlichkeiten aus dem Showgeschäft in
Verbindung standen.
Buono war ein Schulabbrecher, verheiratet gewesen und Vater
mehrerer Kinder. Nach außen führte er ein Leben, das in das
alltägliche Bild einer amerikanischen Großstadt passte. Er
arbeitete, fuhr Auto, kannte Menschen in seiner Umgebung und
besaß ein Haus.
Doch hinter dieser Fassade lagen Eigenschaften, die später im
Zusammenhang mit den Morden eine andere Bedeutung bekommen
sollten. Zeitgenossen beschrieben ihn als dominant, vulgär und
frauenfeindlich. Er hatte Verbindungen zum Prostitutionsmilieu
und stellte sich gern als Frauenheld dar.
1976 kam sein Cousin Kenneth Bianchi nach Los Angeles. Bianchi
war deutlich jünger, wirkte gepflegter und hatte Ambitionen, im
Sicherheits- oder Polizeiumfeld zu arbeiten. Er hatte den Wunsch,
Polizist zu werden, und verstand es, nach außen einen seriösen
Eindruck zu vermitteln.
Zwischen den beiden entstand eine enge Beziehung.
Später würden Ermittler und Staatsanwälte versuchen zu verstehen,
wie aus dieser Beziehung eine Partnerschaft in Gewalt werden
konnte. Eine eindeutige psychologische Erklärung für ihre
Verbrechen gab es nicht. Sicher war jedoch, dass beide Männer
gemeinsam handelten und sich gegenseitig in einer Eskalation von
Macht, Kontrolle und Gewalt bestärkten.
Die falschen Polizisten
Ihr Vorgehen war perfide, weil es auf Vertrauen
beruhte.
Buono und Bianchi gaben sich als Polizisten aus. Mit falschen
Abzeichen und dem Auftreten von Beamten konnten sie Frauen
glauben machen, sie hätten es mit einer offiziellen Kontrolle zu
tun. Für die Opfer bedeutete das, dass Widerstand zunächst nicht
zwingend erschien.
Die beiden konnten sie in ein Fahrzeug bringen und anschließend
zu Buonos Anwesen beziehungsweise in seine Autowerkstatt
führen.
Dort begann die Gewalt.
Die Opfer wurden sexuell missbraucht, gefesselt und misshandelt.
Anschließend wurden sie getötet. In den meisten Fällen war
Strangulation die Todesursache. Danach transportierten die Täter
die Leichen an abgelegene oder öffentlich sichtbare Stellen in
den Hügeln rund um Los Angeles.
Die Körper wurden teilweise so zurückgelassen, dass sie von
anderen Menschen entdeckt werden mussten.
Damit entstand ein Muster.
Und mit jedem neuen Fund wuchs die Angst.
Zehn Tote in vier Monaten
Nach Yolanda Washington folgte am 31. Oktober 1977 die 15-jährige
Judith Lynn Miller.
Miller war noch ein Teenager. Ihr Tod zeigte, dass die Opfer
nicht einem klar erkennbaren Profil entsprachen, das der
Öffentlichkeit Sicherheit hätte geben können.
Dann wurde Lissa Kastin getötet, eine 21-jährige Frau, die als
Kellnerin und Tänzerin gearbeitet hatte.
Am 9. November verschwand die 28-jährige Jane King. Ihre Leiche
wurde erst später entdeckt.
Wenige Tage danach traf es zwei Mädchen.
Dolores Cepeda war zwölf Jahre alt, Sonja Johnson 14. Beide
wurden im November 1977 getötet. Ihre Leichen wurden gemeinsam in
der Nähe des Dodger Stadium gefunden.
Für die Ermittler war dieser Fund ein Wendepunkt. Zwei junge
Schülerinnen waren tot. Die Opfer waren nicht länger nur einzelne
Fälle, die möglicherweise keinen Zusammenhang hatten. Die Polizei
sah sich mit einer Serie konfrontiert.
Los Angeles begann, sich zu fürchten.
Junge Frauen gingen nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr
allein nach Hause. Eltern wurden nervös, wenn ihre Töchter
unterwegs waren. Jede weitere Nachricht über eine gefundene
Leiche verstärkte den Eindruck, dass ein unbekannter Täter die
Stadt kontrollierte.
Die Jagd nach einem Phantom
Die Polizei stand vor einem Problem, das Serienmörderfälle
besonders gefährlich machte: Die Täter hatten zunächst kaum etwas
hinterlassen, das direkt zu ihnen führte.
Die Leichen waren an verschiedenen Orten gefunden worden. Die
Opfer unterschieden sich in Alter und Lebenssituation. Die Täter
hatten versucht, Spuren zu beseitigen.
Die Ermittler mussten deshalb aus einzelnen Tatorten ein
gemeinsames Muster zusammensetzen.
Eine große Sonderermittlung wurde eingerichtet. Schließlich waren
mehr als 160 Beamte an der Suche beteiligt. Hunderte Hinweise
gingen ein.
Doch der Name des Täters blieb ein Phantom.
Die Medien verstärkten die Angst. Die wöchentlichen
Pressekonferenzen der Polizei wurden zu einem festen Bestandteil
des öffentlichen Lebens. Jede neue Leiche erzeugte neue
Schlagzeilen.
Der Begriff „Hillside Strangler“ setzte sich durch.
Dabei beruhte er auf einer falschen Annahme.
Es war kein einzelner Täter.
Kristina Weckler
Eine der ungewöhnlichsten Taten war der Mord an der 20-jährigen
Kunststudentin Kristina Weckler im November 1977.
Die Täter hatten unterschiedliche Methoden ausprobiert. Bei
Weckler wurde Gas eingesetzt. Kenneth Bianchi beschrieb später,
wie die Tat durchgeführt worden sei.
Doch Bianchis Aussagen waren ein Problem.
Er war der einzige Mensch, der Buono unmittelbar mit den Morden
in Verbindung brachte.
Und Bianchi war alles andere als ein zuverlässiger
Zeuge.
Das sollte Jahre später zu einer der größten juristischen
Herausforderungen des gesamten Falls werden.
Die letzten Opfer
Ende November wurde die 18-jährige Lauren Wagner getötet. Sie war
Schülerin an einem Business College und wurde weniger als einen
Häuserblock von ihrem Elternhaus entfernt entführt, als sie von
ihrem Freund zurückkam.
Für die Öffentlichkeit war das besonders
erschreckend.
Wenn eine junge Frau praktisch vor der Haustür ihrer Familie
verschwinden konnte, schien kein Ort mehr sicher.
Am 13. Dezember 1977 wurde die 17-jährige Kimberly Martin
getötet.
Dann verstummte die Mordserie plötzlich.
Für Wochen gab es keinen weiteren bekannten Fall.
Doch im Februar 1978 kehrte die Gewalt zurück.
Cindy Lee Hudspeth war 20 Jahre alt. Sie wurde am 16. Februar
getötet. Ihr Tod war das Ende der Serie, die Los Angeles über
Monate terrorisiert hatte.
Danach hörten die Morde auf.
Nicht, weil die Polizei Buono und Bianchi gefasst
hatte.
Sondern weil sich die beiden Männer voneinander
entfernten.
Der Bruch
Kenneth Bianchi verließ Kalifornien und zog nach Washington
State.
Dort schien zunächst ein neues Leben möglich. Er suchte Arbeit
und bewarb sich unter anderem im Polizeiumfeld. Schließlich
arbeitete er als Sicherheitsmann.
Doch seine Vergangenheit holte ihn ein.
Im Januar 1979 wurden in Bellingham zwei junge Frauen ermordet.
Die Ermittler erkannten Parallelen zu den Verbrechen in
Kalifornien.
Bianchi geriet ins Visier der Polizei.
Er wurde festgenommen.
Nun begann sich der Fall zu drehen.
Die Geschichte von „Steve“
Bianchi wusste, dass ihm eine Verurteilung drohte. Zunächst
versuchte er, eine psychische Erkrankung
vorzutäuschen.
Er behauptete, an einer multiplen Persönlichkeit zu leiden. Für
die Morde, so seine Geschichte, sei eine andere Persönlichkeit
verantwortlich gewesen: ein Mann namens „Steve“.
Die Ermittler ließen sich nicht dauerhaft überzeugen.
Psychiatrische Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, dass
Bianchi seine Symptome vortäuschte.
Damit brach seine Verteidigung zusammen.
Nun blieb ihm eine andere Möglichkeit.
Er konnte sprechen.
Bianchi gestand schließlich seine Beteiligung an den Morden in
Los Angeles und nannte Angelo Buono als seinen
Partner.
Für die Ermittler war es der Durchbruch, auf den sie fast zwei
Jahre gewartet hatten.
Für Buono begann damit der Weg vom unauffälligen Autopolsterer
zum Angeklagten in einem der spektakulärsten Mordprozesse der
amerikanischen Rechtsgeschichte.
Der Mann, der alles bestritt
Am 22. Oktober 1979 wurde Angelo Buono in seinem
Autopolsterbetrieb in Glendale festgenommen.
Er bestritt die Vorwürfe.
Buono behauptete, nicht der Mann zu sein, den Bianchi aus ihm
machte. Seine Verteidiger griffen genau dort an, wo die Ermittler
am verwundbarsten waren: bei Bianchis
Glaubwürdigkeit.
Denn Bianchi hatte seine Aussagen mehrfach verändert.
Mal behauptete er, sich an bestimmte Taten zu erinnern. Dann
erklärte er, er wisse nicht, ob er überhaupt dabei gewesen sei.
Seine Erinnerungen erschienen widersprüchlich und teilweise
lückenhaft.
Das Problem war offensichtlich.
Ein Mann, der selbst sieben Morde gestanden hatte und nur deshalb
der Todesstrafe entging, weil er gegen seinen Cousin aussagte,
war kein neutraler Zeuge.
Die Staatsanwaltschaft brauchte mehr.
Die Spurensuche
Die Ermittler fanden schließlich unabhängige
Hinweise.
Fasern aus Teppichen und Polstermaterialien, die an zwei Leichen
entdeckt worden waren, konnten mit Material aus Buonos Haus
beziehungsweise seiner Werkstatt in Verbindung gebracht
werden.
Es gab Zeugen, die Buono und Bianchi in Situationen gesehen
hatten, die zu den Aussagen Bianchis passten.
Eine Frau berichtete, die beiden Männer hätten sich in Hollywood
als Polizisten ausgegeben. Eine weitere Zeugin schilderte, wie
sie beobachtet habe, dass zwei Männer versuchten, eine Frau in
ein Fahrzeug zu zwingen.
Das bedeutete nicht, dass jeder einzelne Beweis Buono unmittelbar
mit einem bestimmten Mord verband.
Aber Stück für Stück entstand ein Bild.
Die Staatsanwaltschaft wollte zeigen, dass Bianchis Aussagen
nicht isoliert betrachtet werden durften, sondern durch
unabhängige Beweise gestützt wurden.
Genau das sollte später entscheidend werden.
Ein Prozess droht zu scheitern
Der juristische Weg war ungewöhnlich.
Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles County wollte den Fall
zunächst nicht weiterverfolgen. Bianchis wechselnde Aussagen
erschienen den zuständigen Anklägern zu
problematisch.
Der zuständige Richter Ronald George lehnte jedoch den Antrag ab,
die Anklage fallen zu lassen.
Damit stand der Fall vor einer außergewöhnlichen
Wendung.
Die kalifornische Generalstaatsanwaltschaft übernahm die
Strafverfolgung.
Roger Boren und Michael Nash wurden mit der Aufgabe betraut, den
Fall gegen Buono aufzubauen.
Es war ein Verfahren, das enorme Mengen an Material
umfasste.
Die Staatsanwaltschaft präsentierte 1.198 Beweisstücke und ließ
250 Zeugen aussagen. Der Prozess sollte sich über Jahre
hinziehen.
Sechs Monate für einen Zeugen
Im Mittelpunkt stand Kenneth Bianchi.
Er war gleichzeitig Täter, Geständiger und Kronzeuge.
Seine Aussagen waren für die Anklage von enormer Bedeutung. Doch
sie waren widersprüchlich genug, um die Verteidigung immer wieder
ansetzen zu lassen.
Während seiner Aussage schilderte Bianchi die Vorgehensweise der
beiden Männer. Er sagte aus, dass sie sich als Polizisten
ausgegeben und Frauen mit falschen Abzeichen getäuscht
hätten.
Doch bei den konkreten Tötungen zeigte sich seine Erinnerung
häufig bruchstückhaft.
In einem besonders umstrittenen Teil seiner Aussage erklärte
Bianchi, wie Kristina Weckler getötet worden sei. Die
Verteidigung griff die Darstellung sofort an und stellte die
medizinische Plausibilität einzelner Angaben infrage.
Für die Verteidigung war die Botschaft klar: Wenn Bianchi sich
bei wichtigen Details irrte oder log, warum sollte man ihm bei
Buonos Beteiligung glauben?
Die Staatsanwaltschaft musste deshalb beweisen, dass der Fall
nicht allein auf Bianchis Wort beruhte.
Die Verteidigung von Angelo Buono
Buono blieb bei seiner Unschuld.
Seine Verteidiger argumentierten, Bianchi könne der alleinige
Täter gewesen sein. Buono habe lediglich einen bequemen
Sündenbock dargestellt, nachdem Bianchi in Washington
festgenommen worden war.
Die Verteidigung verwies auf das Fehlen eines eindeutigen
einzelnen Beweises, der Buono als Mörder
identifizierte.
Auch die Aussage eines wichtigen Zeugen war nicht ohne
Probleme.
Markust Camden behauptete, Buono in der Nacht des Mordes an
Judith Miller gesehen zu haben. Doch Camden räumte ein, in der
Vergangenheit gegenüber Behörden gelogen zu haben und psychische
Probleme gehabt zu haben.
Damit wurde auch diese Aussage angreifbar.
Der Prozess war inzwischen zu einem Kampf um Glaubwürdigkeit
geworden.
Ein Gerichtssaal, der kein Ende nahm
Die Jury hatte nicht nur Zeugenaussagen und Beweisstücke zu
bewerten. Die Dimension des Verfahrens machte den Prozess selbst
zu einem Ereignis.
Die Geschworenen wurden zu verschiedenen Orten geführt, die mit
den Verbrechen in Verbindung standen. Sie sahen die Stellen, an
denen Opfer verschwunden oder Leichen gefunden worden
waren.
Im Gerichtssaal wurden Fotografien der Tatorte und der Opfer
gezeigt.
Mehr als 400 Zeugen sollten im Verlauf des Verfahrens gehört
werden.
Der Prozess begann mit der Auswahl der Geschworenen im November
1981. Die Jury-Auswahl allein dauerte mehrere Monate.
Dann folgte die eigentliche Beweisaufnahme.
Monat um Monat wurde die Geschichte der zehn jungen Frauen
rekonstruiert.
Für die Angehörigen bedeutete das, dass ihre Verluste immer
wieder öffentlich ausgebreitet wurden.
Neun Schuldsprüche
Am 31. Oktober 1983 fiel der erste Schuldspruch.
Buono wurde wegen des Mordes an Lauren Wagner
verurteilt.
In den folgenden Wochen kamen weitere Urteile hinzu.
Die Jury befand ihn schließlich in neun Mordfällen für
schuldig.
Nur beim Mord an Yolanda Washington wurde er
freigesprochen.
Damit stand fest: Angelo Buono würde wegen neun Morden verurteilt
werden.
Doch nun musste die Jury noch über sein Schicksal
entscheiden.
Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe als mögliche Strafe
im Raum stehen.
Die Jury entschied sich dagegen.
Buono wurde zu neun gleichzeitig zu verbüßenden lebenslangen
Freiheitsstrafen ohne Möglichkeit einer Bewährung
verurteilt.
Richter Ronald George machte deutlich, wie außergewöhnlich er die
Verbrechen bewertete. Nach seiner Auffassung gehörten die Täter
für den Rest ihres Lebens hinter Gitter.
Buono würde das Gefängnis nicht mehr verlassen.
Ein Urteil, das juristisch umkämpft
blieb
Der Fall war damit nicht endgültig beendet.
Buonos Verteidigung legte Berufung ein und griff unter anderem
die Verwendung von Bianchis Aussagen an.
Das Berufungsgericht bestätigte 1988 die
Verurteilungen.
Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Bianchis Aussagen durch
unabhängige Beweise ausreichend gestützt worden seien. Damit war
ein zentraler Angriff der Verteidigung
zurückgewiesen.
Das Gericht veränderte lediglich einzelne rechtliche
Feststellungen im Zusammenhang mit den besonderen
Mordumständen.
Der Schuldspruch blieb bestehen.
Ein Name, der die Stadt veränderte
Die Hillside-Strangler-Morde waren längst mehr als ein
Strafverfahren.
Sie hatten das Verhalten einer ganzen Stadt
beeinflusst.
Frauen hatten Angst, nachts allein unterwegs zu sein. Eltern
warteten auf ihre Töchter. Jede Nachricht über eine weitere
Leiche schien zu bestätigen, dass die Gefahr weiterhin irgendwo
zwischen den Straßen, Hügeln und Vororten von Los Angeles
lauerte.
Die Ermittler standen unter enormem Druck.
Die Mordserie gehörte zu den meistbeachteten Kriminalfällen
Kaliforniens in den späten 1970er-Jahren. Die Medien machten aus
dem unbekannten Täter eine Figur, die fast mythische Züge
annahm.
Doch der Begriff „Hillside Strangler“ verdeckte eine wichtige
Tatsache.
Es gab keinen einzelnen geheimnisvollen Mann.
Es gab zwei Männer.
Und einer von ihnen hatte jahrelang ein scheinbar gewöhnliches
Leben geführt.
Was von den Opfern blieb
Hinter dem Namen „Hillside Strangler“ standen zehn
Menschen.
Yolanda Washington war 19 Jahre alt.
Judith Lynn Miller war 15.
Lissa Kastin war 21.
Jane King war 28.
Dolores Cepeda war zwölf.
Sonja Johnson war 14.
Kristina Weckler war 20.
Lauren Wagner war 18.
Kimberly Martin war 17.
Cindy Lee Hudspeth war 20.
Sie waren keine Aktennummern und keine Figuren in einem
Kriminalfall. Sie hatten Familien, Freunde, Pläne und alltägliche
Leben.
Die Berichterstattung über die Mordserie konzentrierte sich
zwangsläufig auf die Täter und die Suche nach ihnen. Doch die
Geschichte begann nicht mit Angelo Buono und Kenneth
Bianchi.
Sie begann mit zehn Frauen und Mädchen, deren Leben gewaltsam
beendet wurde.
Das Ende von Angelo Buono
Buono verbrachte den Rest seines Lebens im Gefängnis.
Er zeigte nach seiner Verurteilung keine Bereitschaft, seine
Rolle so anzuerkennen, wie sie das Gericht festgestellt hatte.
Bis zuletzt blieb der Fall von seiner Behauptung geprägt, zu
Unrecht verurteilt worden zu sein.
Am 21. September 2002 starb Angelo Buono im Alter von 67 Jahren
im Calipatria State Prison.
Gefängnisbeamte gingen von einem natürlichen Tod aus. Buono hatte
in der Vergangenheit Herzprobleme gehabt; Anzeichen für eine
Gewalteinwirkung wurden nicht festgestellt.
Der Mann, der gemeinsam mit Bianchi eine Stadt in Angst versetzt
hatte, starb allein in seiner Gefängniszelle.
Der Schatten des Falls
Kenneth Bianchi blieb ebenfalls im Gefängnis. Seine Aussagen
hatten Buono hinter Gitter gebracht, doch Bianchi selbst war
längst als Täter überführt.
Damit blieb eine verstörende Ironie dieses Falles
bestehen.
Die Ermittler hatten den „Hillside Strangler“ zunächst als
einzelnen Täter gesucht. Erst Jahre später wurde deutlich, dass
die Mordserie aus der Verbindung zweier Männer entstanden
war.
Die entscheidende Spur kam nicht aus einem spektakulären
forensischen Durchbruch.
Sie kam aus dem Zusammenbruch eines der Täter.
Bianchi wurde wegen anderer Morde gefasst. Er versuchte, sich mit
einer erfundenen psychischen Störung zu retten. Als diese
Täuschung scheiterte, begann er zu reden.
Seine Aussagen waren widersprüchlich, teilweise unglaubwürdig und
juristisch gefährlich.
Aber sie führten die Ermittler zu Angelo Buono.
Und dort warteten die Spuren, die Bianchis Geschichte stützen
konnten.
Was bleibt
Der Fall Angelo Buono ist deshalb bis heute bemerkenswert, weil
er mehrere Seiten der amerikanischen Strafjustiz sichtbar machte:
die Grenzen menschlicher Erinnerung, die Schwierigkeiten bei der
Verfolgung von Serienmorden, die Bedeutung von Zeugenaussagen und
die Macht unabhängiger Indizien.
Er zeigte auch, wie gefährlich ein Täter sein konnte, der nicht
wie ein Monster aussah.
Buono war kein Fremder, der aus dem Dunkeln kam und anschließend
wieder verschwand.
Er hatte eine Werkstatt.
Ein Haus.
Familienangehörige.
Kunden.
Ein alltägliches Leben.
Und genau darin lag ein Teil des Schreckens.
Während Los Angeles nach einem unbekannten Mörder suchte, lebte
der Mann, der später für neun der zehn angeklagten Morde
verurteilt werden sollte, mitten in dieser Stadt.
Die Hügel von Los Angeles wurden damals zu Symbolen der Angst.
Jahrzehnte später sind sie vor allem Orte einer Vergangenheit, in
der zehn junge Leben ausgelöscht wurden.
Der Name „Hillside Strangler“ ist geblieben.
Doch hinter diesem Namen standen nicht die Legende und das
Phantom, die die Schlagzeilen einst erschufen.
Dahinter standen zwei Männer.
Und zehn Opfer, deren Namen nicht vergessen werden
sollten.
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